Review: GoldenEye 007: Reloaded

Als Ende 2010 der Nintendo-64-Klassiker GoldenEye 007 auf Nintendos Brotkasten in Form eines Remakes neu aufgelegt wurde, hagelte es in Fachmagazinen nur wenig Kritik, denn der Ego-Shooter avancierte sich in Windeseile zum besten Genre-Vertreter auf der Wii.

Ein halbes Jahr später präsentierte uns Publisher Activision den Titel auf der Gamescom 2011 erneut. Schon als wir die ersten bewegten Bilder sahen, wussten wir, dass es sich hierbei nur um eine simple Portierung der Wii-Fassung für die PlayStation 3 und die Xbox 360 handelte und wir hofften sehr, dass sich in den letzten Monaten bis zur Veröffentlichung noch etwas tun würde. Das hat es sogar, wenn auch nur geringfügig, doch zunächst möchten wir für alle unter euch, welche den Film von 1995 nicht kennen, die Handlung kurz zusammenfassen. Agent 006 (Alec Trevelyan) und Agent 007 (James Bond) sollen auf russischem Gebiet eine Chemiewaffenfabrik infiltrieren und vernichten. Bei dem Einsatz wird Trevelyan getötet, doch die Fabrik explodiert und Bond gelingt die Flucht. Außerhalb der Fabrik mittels eines Smartphone aufgenommene Fotos eines Kampfhubschraubers führen Bond an exotische und außergewöhnliche Orte dieser Welt, wie Barcelona, Dubai, zurück nach Russland und schlussendlich auch nach Afrika. Sein Auftrag lautet alles über das Waffensystem GoldenEye herauszufinden und notfalls zu zerstören. Kenner des Films dürften sofort einige Unterschiede zur Handlung des Films bemerken, denn obwohl die Grundzüge gleich geblieben sind, wurde Drehbuchautor Bruce Feirstein für die Neuinterpretation auf der Wii hinzugezogen. Das hat sich auch auf der PlayStation 3 und der Xbox 360 nicht geändert beziehungsweise verändert.

Craig, Daniel Craig

Diese Änderungen stören im Grunde an keiner Stelle, da sie auf das Jahr 2010 ausgelegt wurden. Beispielsweise wird in einem Gespräch zwischen Bond und einer anderen wichtigen Person kurz die Finanzkrise angesprochen. Die folgende Änderung wird wohl niemandem entgangen sein. Das virtuelle Abbild Bonds stammt nicht wie vielleicht erwartet von Pierce Brosnan, sondern vom aktuellen Bond-Darsteller Daniel Craig. Zudem wurde Judi Dench für die Rolle der M engagiert, obwohl sie im Spiel an keiner Stelle der Story in Form einer Person auftaucht. Nur ihr Gesicht taucht hin und wieder bei den Videokonferenzen auf. Authentizität erreicht das Spiel besonders durch die originalen englischen, sowie deutschen Synchronsprecher dieser beiden Rollen. Das betrifft den größten Teil der Nebendarsteller allerdings nicht. 006 wird so zum Beispiel leider nicht von Sean Bean verkörpert, wie Fans es vielleicht gerne wünschen. Auf unserer Reise rund um den Erdball untersuchen wir Laboreinrichtungen, erleben das Nachtleben eines Clubs oder durchforsten einen Dschungel. Dabei stehen uns zahlreiche Waffen (von der Pistole bis zum Scharfschützengewehr) zur Verfügung, um unsere Feinde frontal oder hinterrücks auszuschalten. Ob wir uns dabei aggressiv oder passiv verhalten, ist jederzeit und überall uns überlassen. Beide Vorgehensweisen funktionieren nach kurzer Eingewöhnung sehr gut, zumindest auf der Wii.

Leben und sterben lassen

Im Test haben wir festgestellt, dass wir durch einen Schleichangriff von hinten schneller und effektiver ans Ziel gelangen können. Die Spielabschnitte hingegen bieten dafür aber nicht sehr viele Lösungsmöglichkeiten. Lüftungsschächte und Abzweigungen existieren zwar in so gut wie jedem Level, doch verkommen diese eher zur Nebensache. Schade! Ist die circa achtstündige Handlung durchgespielt, machen wir online Jagd auf andere Agenten. Offline als auch online bietet der Titel abwechslungsreiche Spielmodi. Beispielsweise der Konfliktmodus, in dem nur die Abschüsse eines Feindes gezählt werden. Beim Modus Der Mann mit dem goldenen Colt gilt es, schnell die aus dem gleichnamigen Film bekannte Waffe aufzusammeln. Jeder Treffer mit dieser Waffe endet tödlich. Natürlich kann der Träger eliminiert und der goldene Colt abgenommen werden. Unter der Charakterauswahl befinden sich bekannte Bond-Charaktere wie Oddjob, Scaramanga oder Beißer. Auf der PlayStation 3 hat man die Anzahl der Charaktere aufgestockt, so dürfen wir auch mit Hugo Drax mitsamt der Moonraker Pistol spielen. Online motiviert außerdem das Erfahrungspunktesystem. Nur die besten Spieler dürfen in besonderen Modi gegeneinander anzutreten. Die Entwickler haben sich in den letzten Monaten nochmals ins Zeug gelegt und lieferten mit der Neuinterpretation des Nintendo-64-Klassikers einen Hit ab. Auf der Wii macht der Titel optisch einen gelungenen Eindruck, auch wenn manche Texturen etwas karg ausfallen.

Man lebt nur zweimal

Die Portierung auf die hochauflösenden Konsolen hat dem Titel diesbezüglich allerdings sehr geschadet. Grafisch sehen die Spiele (bis auf die höheren Auflösungen) fast genauso aus, wie auf der leistungsschwächeren Wii. Einzig und allein ein paar einzelne Texturen und vor allem die Lichteffekte machen nun einen deutlich klareren Eindruck. Wir können es allerdings nicht tolerieren, dass das Spiel (bei einer humanen Sitzweite von zwei Metern) viel zu kleine Texte auf den Bildschirm projiziert. Bei den Dialogen fällt das aufgrund der gelungenen Vertonung auch überhaupt nicht ins Gewicht, nur wenn Quick Time Events absolviert werden möchten, müssen wir unsere Augen oftmals zusammenkneifen, ob jetzt etwa die L2- oder R2-Taste gedrückt werden möchte. Nervig, zumal das auf der Wii wunderbar funktioniert. Auf der Wii konnten wir über das altertümliche Deckungssystem und auch sonstige Komfort-Funktionen aktueller Ego-Shooter aufgrund der schwächeren Technik zwar verschmerzen, aber auf einer PlayStation 3 oder Xbox 360 geht das nicht – diese Konsolen leisten viel mehr. Außerdem ist es unverständlich, dass Publisher Activision den Titel nicht für den PC umsetzt, zumal das auf Konsolen zugeschnittene James Bond 007: Blood Stone auch für den Heimcomputer erschien. Die Reloaded-Fassungen hinken somit dem ein Jahr älteren James-Bond-Spiel hinterher. Die typischen Bond-Melodien und das gut inszenierte Intro machen das Spiel trotzdem zu einem Genuss für jeden Fan. Wer die Wahl hat, greift trotzdem zur (besseren) Wii-Fassung!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Wii-, Nintendo-DS- und PlayStation-3-Fassung): Als ich dieses Spiel Ende 2010 für das NMag getestet habe, war ich vollauf begeistert und dass, obwohl ich das Original für das Nintendo 64 noch nie gespielt habe. Vom Intro bis zum Abspann konnte mich der Titel bei Laune halten und danach noch stundenlang an den tollen Mehrspieler-Modus locken. Das schafft die PlayStation-3-Ausgabe leider nicht. Auch hier macht das Spiel aufgrund höher aufgelösten Texturen und schöneren Lichteffekten einen guten Eindruck, doch haben die Entwickler es versäumt, das Spiel auf die großen Konsolen richtig umzusetzen. Es macht auf mich nur den Eindruck, als wolle Activision die Zeit bis zum nächsten James-Bond-Spiel überbrücken und noch einmal schnell den Reibach zu machen, zumal GoldenEye für den einen oder anderen James-Bond-Fan als bester Film durchgeht. Auf mich trifft dies übrigens nicht zu, denn seitdem Daniel Craig als neuer Bond-Darsteller auf die Leinwand trat, gibt es für mich keinen besseren. Nun gut, Sean Connery würde ich aus Nostalgiegründen noch mit auf den ersten Platz hieven, aber die neuen James-Bond-Filme haben den Geheimagenten erst erfolgreich in das 21. Jahrhundert eingeführt. Pierce Brosnan mochte ich als James Bond sowieso noch nie so wirklich, weshalb ich mich als Craig-Fan dementsprechend auch über den Charakter im Spiel freue und ebenfalls den originalen Synchronsprecher genieße. Leider kann ich für die Reloaded-Ausgaben keine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen, aber mit der Wii-Fassung kann kein Bond-Fan etwas falsch machen!

Vielen Dank an Activision für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von GoldenEye 007: Reloaded!

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