Review: Assassin’s Creed: Revelations

Ganz plakativ gesehen, könnte man Assassin’s Creed schon fast als das Fifa unter den Open-World-Spielen bezeichnen. Im konstant jährlichen Rhythmus erscheint ein neuer Teil der Serie und zumindest seit Assassin’s Creed II hat sich im Kern des Spiels überhaupt nichts geändert.

So stehen lassen können wir diese These dennoch nicht, denn trotz der fragwürdigen Release-Politik des Publishers Ubisoft ist es Jahr für Jahr wieder lohnend, die Geschichten von Altaïr, Ezio und Desmond mitzuverfolgen. Wer die Serie nicht kennt, wird sich auf Anhieb fragen, warum wir so darüber denken. Es ist immer ein spannender Weg, wenn Spiele historische Fakten mit Fiktion verknüpfen. Die Spiele wirken nicht nur realer, sondern vermitteln dem Spieler auch immer ein Stück weit Geschichte. Auch wenn wir uns in Assassin’s Creed in höchst realistisch gehaltenen Umgebungen bewegen, sollten wir den Wahrheitsgehalt der Serie dennoch nicht zu hoch ansetzten. Die echten Assassinen sind nämlich eigentlich schon seit dem dreizehnten Jahrhundert nicht mehr aktiv, doch zurück zum Spiel und seiner Handlung. Seit Assassin’s Creed: Brotherhood sind einige virtuelle Jahre ins Land gestrichen. Das heißt, dass auch unser lieb gewonnener Charakter Ezio Auditore da Firenze älter geworden ist. Ezio ist in seinem nunmehr dritten Abenteuer (portable Versionen nicht mitgerechnet) nicht mehr der jüngste, aber dennoch fidel wie eh und je. Dem Klettern ist weiterhin kaum eine Grenze gesetzt, auch wenn sich die Ächzdichte sich um ein vielfaches erhöht hat und sich die Passanten bisweilen über den alternden Gaukler aufregen. Hoch motiviert bereisen wir dieses Mal vorrangig die Stadt am Bosporus – Konstantinopel, Byzanz oder wie man sie heute kennt, Istanbul. Dort erleben wir hautnah den Konflikt zwischen neuen und alten Dynastien, gehen mit der Buchhändlerin Sophia auf Tuchhandlung und suchen die verschollenen Masyaf-Schlüssel. Auch hier baut Assassin’s Creed wieder eine Brücke zur Realität, denn auch in Wirklichkeit war die Burg Masyaf der Hauptstützpunkt der Assassinen.

Abwechslungsreiche Handlung und Missionen

Die besagten Schlüssel verschaffen uns nicht nur Zugang zur geheimen Bibliothek der Burg, sondern lassen uns auch jedes Mal für eine kurze Zeit in die Haut des legendären Altaïrs schlüpfen. Ohne zu viel spoilern zu wollen, können wir dabei verraten, dass die Abenteuer von Ezio und Altaïr in dieser Geschichte ein versöhnliches Ende finden, das sich alle angesammelten Fragen der letzten Teile zu beantworten bemüht. Beim Gameplay bleibt größtenteils wieder alles beim Alten. Wieder klettern, sprinten und kämpfen wir uns durch eine offene Spielwelt. Neue Elemente wie die Tower-Defense-Missionen oder die Bombenvielfalt werden euch behutsam näher gebracht und fügen sich hervorragend in das Spiel ein. Insgesamt erweist sich die Story als sehr abwechslungsreich. Besteht sie nicht nur aus zwei sich immer wieder überkreuzenden Handlungssträngen, birgt fast jede neue Erinnerung einen neuen Missionstyp. Hieß es in den Vorgängern allzu oft nach und nach mehr und mehr Gegner zu erledigen, werden hier selbst in den letzten Spielstunden noch neue Elemente, wie ein Flammenwerfer, eingeführt. Besonders die Anzahl der gescripteten Abschnitte, in denen wir hinter einem Karren hergezogen werden oder durch Katakomben hasten, hat deutlich zugenommen. So ist die reine Story wohl die bisher abwechslungsreichste der Assassin’s-Creed-Serie. Die freie Spielwelt ist wieder mit vielen aus der Story bereits bekannten Missionstypen und – wer hätte es anders erwartet – zahlreichen Sammelaufträgen gespickt. Doch auch abseits von Ezios Hauptstory gibt es einiges zu entdecken. Wie bereits erwähnt, werden wir nach dem Bergen eines jeden Schlüssels in das zwölfte Jahrhundert zurückversetzt und spielen Schlüsselszenen aus dem Leben Altaïrs.

Verknüpfung dreier Welten

Das geht so weit, dass ihr gegen Ende sogar den bereits über neunzig Jahre alten Assassinen-Greis spielt. Wer vorher meckerte, dass Ubisoft das Alter seiner Helden voll und ganz ignoriert, sei beruhigt – in dem Alter kann selbst Altaïr nicht mehr springen und rennen. Selbst Desmond, der Neuzeit-Assassine, bekommt in Assassin’s Creed Revelations wieder seine Spielanteile – eingesperrt im Animus können wir zahlreiche Bonus-Puzzle-Missionen in der Ego-Ansicht mit Desmond spielen. Diese helfen aber lediglich dabei, den Spieler weiter zu verwirren und so gleichzeitig heiß auf den nächsten Teil der Serie zu machen, denn für das nächste Assassin’s Creed verspricht Ubisoft auch Desmonds Story zu einem Ende zu bringen. Es wird jedoch nicht leicht Licht in all das Dunkel zu bringen. Wie bereits in Assassin’s Creed: Brotherhood ist das Spiel auch dieses Mal mit einem Multiplayer-Modus versehen. Irgendwie stellt sich da aber wieder die Frage, ob wir diesen Zusatz überhaupt haben möchten. Wir meinen, dass der Schuster vielleicht lieber bei seinen Leisten bleiben sollte und nicht jedes Singleplayer-Spiel immer wieder einen Mehrspielermodus aufzwängt. Sicherlich macht auch das fast ausschließliche gegenseitige Meucheln für einige Zeit Spaß, die wirklichen Argumente des Hauptspiels gehen aber verloren. Technisch konnte uns Assassin’s Creed: Revelations hingegen weitestgehend überzeugen. Die Stadt ist so detailverliebt und mit Leben gefüllt, dass man sich direkt in einen türkischen Basar versetzt fühlt. Grafisch können nur kleinere Mankos wie einige unrealistische Schatten das Bild trüben. Dass wir einmal durch die Wand gefallen sind und unter der Spielwelt schwimmen konnten, zählte zum Glück zu einem absoluten Einzelfall. Ansonsten ist das Spiel ansehnlich, mit sehr authentischer Musik unterlegt und äußerst sauber programmiert.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Ich bin wider Erwarten doch einmal wieder überzeugt worden. War ich nach dem ersten Pressetermin bei Ubisoft in Hamburg noch skeptisch, inwiefern das dritte Spiel nach fast gleicher Machart fesseln kann, hab ich Assassin’s Creed: Revelations nun doch sehr gerne durchgespielt. Neben den doch vielen kleinen neuen Ideen, ist es vor allen Dingen die Story, die mich besonders überzeugt hat. Ich wollte einfach wissen, wie es mit Ezio, Altaïr und Desmond weitergeht und daher werde ich – obwohl ich Ubisofts Update-Politik nicht gutheiße – auch zum nächsten Assassin’s Creed greifen, welches dann in diesem oder wohl spätestens nächsten Jahr erscheinen dürfte. Jedoch sollte sich das Team gut überlegen, ob die Kapazitäten eher in das Sammeln neuer Ideen fließen sollten und nicht nur in Erarbeitung und die Entwicklung eines meiner Meinung nach recht überflüssigen Multiplayer-Modus zu stecken.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Assassin’s Creed: Revelations!

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