Special: Ubisoft auf der E3 2014

Ubisoft auf der E3 2014 (1)Seit Jahren ist es üblich, dass nicht nur die Konsolenhersteller, sondern auch einzelne Third Parties ausführlich ihr Produktportfolio in einer Pressekonferenz vorstellen. Ubisoft legt die Messlatte selbst hoch, da der Konzern in den letzten Jahren die besten Konferenzen abhielt.

Ubisoft auf der E3 2014 (2)Das denken nicht nur wir, sondern auch viele Fans von Ubisoft. Entsprechend sind wieder alle heiß, vor allem auf die Überraschungen der diesjährigen Pressekonferenz. Den Anfang macht dabei das bereits angekündigte Far Cry 4, welches am 20. November 2014 endlich erscheinen soll. Wie schon im Vorgänger Far Cry 3 gibt es wieder einmal einen außergewöhnlichen und ziemlich durchgedrehten Gegenspieler, der im Rahmen der ersten sechs Spielminuten aus dem Spiel ausführlich vorgestellt wird. Anscheinend will man hier das funktionierende Rezept von Far Cry 3 einfach in einem zweiten Teil nochmals aufwärmen – nichts durchweg schlechtes, war der Vorgänger doch ein sehr gelungenes Spiel. Und was uns noch alles im Spiel erwarten wird, beschreibt einer der Köpfe hinter dem Projekt mit dem bösen F-Wort. Da können wir uns wohl sicherlich auf ein richtig tolles Action-Spektakel in einem fiktiven Land im Himalaja freuen. Danach geht es weiter mit der üblichen Tanzspieleinlage. Auch in Just Dance 2015 darf wieder getanzt werden und mit Just Dance Now will man gleich auch die Smartphone-Welt erobern. Just Dance ist schließlich eines der erfolgreichsten Franchises der Firmengeschichte von Ubisoft. Einen ausgiebigen Tanzteil mit Pharrell Williams’ Song Happy später, geht es wieder in ernstere Gefilde. Genauer gesagt mit The Division.

Keine Konferenz ohne Assassinen

Ubisoft auf der E3 2014 (3)Tom Clancy’s The Division wurde zuvor bereits in der Microsoft-Pressekonferenz gezeigt und wird nun zusätzlich mit einem Trailer und ein bisschen Story ausstaffiert. Was wir hier sehen, packt uns von der ersten Minute. Wir hoffen nur, dass der Titel diese Qualität dann bei Erscheinen halten kann. Ebenfalls mit einem Trailer präsentiert man uns auch das Rennspiel The Crew. Dieser verspricht vollmundig, dass man in dem im November erscheinenden Open-World-Rennspiel die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika ohne Ladezeiten erkunden kann. Wie das Rennspiel wirklich funktioniert, darf man ab dem 23. Juli 2014 auch in einer Beta-Phase begutachten, zu welcher man sich bis auf Weiteres anmelden kann. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und haben uns längst für die Beta beworben. Die Qualität der Spiele scheint jedoch nicht abzunehmen, was wir von Ubisoft in dieser Form aber auch gewohnt sind. In den letzten Jahren geht der Firmenname Ubisoft jedoch Hand in Hand mit dem unglaublich erfolgreichen Assassin’s-Creed-Franchise. Es wirke in einfachen Worten also unglaubhaft, wenn man nicht auch hier das ein oder andere Wörtchen zum nächsten Teil der Reihe verlieren würde. Wie The Division wurde Assassin’s Creed Unity auch schon bei der Microsoft-Pressekonferenz vorgestellt, doch widmet man sich dem Titel ein weiteres Mal!

Kleine Überraschung am Schluss

Ubisoft auf der E3 2014 (4)Diesmal versetzt uns die Geschichtsschreibung der Reihe ins achtzehnte Jahrhundert. Die Abenteuer während der Französischen Revolution sehen zwar stark nach der üblichen Assassinenkost aus, wirken grafisch und atmosphärisch aber eindeutig großartig. Die erste wirkliche Ankündigung des Abends, sieht man von dem obligatorischen Just-Dance-Ableger ab, kommt dann mit dem Xbox-One-exklusiven Shape Up. Wirklich  beachtlich ist dabei eigentlich nur, dass der Kinect-Sensor in der Ubisoft-Pressekonferenz mehr Platz als in der hauseigenen bekommt. Bereits angekündigt und bereits in wenigen Tagen im Handel ist der Sidescroller Valiant Hearts: The Great War. Das Spiel basiert auf der hauseigenen Engine UbiArt Framework und spielt in den Wirren des Ersten Weltkriegs – eine ungewöhnliche Kombination. Bevor die Konferenz dann ihr Ende findet, kommt dann aber doch noch eine richtige Spielankündigung. Nein, die verzweifelten Schreie vieler Fans nach Beyond Good & Evil 2 werden nicht erhört, aber mit Rainbow Six: Siege kehrt eine andere und zudem äußerst beliebte Ubisoft-Marke zurück. Gezeigt wird der Multiplayer-Modus, in dem zwei Teams á fünf Mitglieder um eine Geisel kämpfen. Auf einen Singleplayer-Modus geht man leider nicht weiter ein.  Nach dieser Spielpräsentation ist die Konferenz dann auch schon beendet.

Geschrieben von Björn Rohwer und ergänzt von Eric Ebelt

Björns Fazit (basierend auf der Ubisoft-Pressekonferenz): Ich habe mir die Konferenz erst in Nachhinein angesehen und hätte sie mir eigentlich auch ganz schenken können. Das liegt nicht an den vorgestellten Spielen, denn diese sind ja durchaus gut, aber Ubisoft hat dieses Jahr in meinen Augen wirklich auf  jegliche Überraschungsmomente verzichtet. Auf der einen Seite gab es wiederholte Fortsetzungen bewährter Franchises und auf der anderen Seite Titel, die bereits im letzten Jahr angekündigt worden sind. In den letzten Jahren hatte man sehr viel Material, aber nach solch einer Konferenz muss man sich ernsthaft fragen, ob da nicht die Gastauftritte bei zwei der drei Konsolenhersteller gereicht hätten. Ich werde mir jedenfalls im nächsten Jahr wieder nur die  Konferenzen eben dieser Konsolenhersteller ansehen und im Endeffekt bekomme ich dort am Rande ohnehin alles mit.

Erics Fazit (basierend auf der Ubisoft-Pressekonferenz): Die Pressekonferenz von Ubisoft fängt groß an. Far Cry 4 leitet nicht nur die Pressekonferenz ein, sondern wird vermutlich auch der erste Titel der Reihe sein, der mich in irgendeiner Weise anspricht. Das ist wohl dem Himalaja-Setting geschuldet. Winterlich geht es in The Division weiter. Ein spannender Titel, den man jedoch genau wie The Crew schon im letzten Jahr gesehen hat. Assassin’s Creed: Unity zeigt ebenfalls eindrucksvoll, was man mit der aktuellen Technik der Konsolen so alles anstellen kann. Während man zwischendurch Titel zeigt, die auf der Konferenz ein wenig deplatziert wirken, endet die Veranstaltung mit Rainbow Six: Siege, welches mich aufgrund der verschiedenen Vorgehensweisen direkt in seinen Bann gezogen hat, ein klein wenig überrascht. Mit Tom Clancy’s The Division oder Watch Dogs kann sich solch eine Überraschung zwar nicht messen, doch da ich noch nie einen Teil dieser Serie gespielt habe, kommt mir der Titel dennoch wie gerufen. Genau diese Titel sind Spiele, die ich unbedingt irgendwann auf irgendeiner Plattform spielen muss. Die Qualität ist gemessen an der Dichte an Spielvorstellungen während Ubisofts Pressekonferenz wirklich herausragend. Ubisoft hat mit dieser Pressekonferenz fast alles bis ins kleinste Detail richtig gemacht. Ich bin gespannt, ob man die Pressekonferenz im nächsten Jahr – fast traditionell – noch einmal toppen kann.

Jonas’ Fazit (basierend auf der Ubisoft-Pressekonferenz): Ohne Zweifel hat Ubisoft die letzten beiden Pressekonferenzen auf der Electronic Entertainment Expo dominiert; sowohl von den Spielen, als auch vom Beliebtheitsgrad beim Publikum. Diesen Trend versuchen die Franzosen mit Aisha Tyler natürlich fortzusetzen, am wichtigsten bleiben aber immer noch die gezeigten Titel. Eine Menge Zeit wurde auf inzwischen schon enthüllte Spiele wie Far Cry 4 und Assassin’s Creed: Unity investiert, die aber jeden, so auch mich, sehr begeistern konnten. Über die eingestreuten Tanzpassagen und Kinect-Spielereien kann ich da auch als notwendiges Übel hinwegsehen. Für den Schluss hat man sich Rainbow Six: Siege aufgehoben, was nach einem teambasierten und taktischen Multiplayer-Ego-Shooter aussieht. Zwar gibt es mit Sicherheit Innovativeres und auf jeden Fall eine Menge Spiele, die auch hätten angekündigt werden können, aber eine Sensation wie Watch Dogs gibt es eben nicht alle Tage. Die diesjährige Konferenz steht meiner Meinung nach den letztjährigen um einiges nach, hebt sich aber dennoch von der Konkurrenz positiv hervor.

Review: Rayman Legends

Rayman Legends (1)Bereits Rayman Origins ist ein hervorragendes Jump ’n‘ Run, das den gliederlosen Helden aus der Versenkung geholt hat. Nachdem der Nachfolger zuerst nur auf der Wii U erscheinen sollte, ist er mittlerweile auf fast allen Plattformen angekommen – sogar auf den Next-Gen-Konsolen.

Rayman Legends (2)Was Klempner Mario seine Prinzessin Toadstool beziehungsweise Peach ist, sind dem Rayman seine Kleinlinge. Ganze siebenhundert der kleinen blauen Wesen sind über die verschiedenen und facettenreichen Spielwelten verteilt und warten nur darauf, von uns schlussendlich gerettet zu werden. Neben den Kleinlingen sammeln wir auf unseren Reisen aber auch etliche Lums, durch die wir Pokale erlangen oder neue Charaktere freischalten. Diese Sammelhatz wird schnell nur zum nebensächlichen Automatismus, während man staunend durch die bunten Levels hüpft. Was Publisher Ubisoft uns mit Rayman Legends bietet, ist wirklich eine Ausgeburt der Kreativität. Während andere Entwicklerstudios aus manchen Ideen ganze Spiele stricken würden, springt man hier beinahe in jedem Level zu einer neuen absurden, aber doch genialen Spielidee. Mal rasen wir als Ente durch Kuchenwelten, mal schlängeln wir uns durch Laser-Fallen wie in typischen Geheimagentenfilmen oder wir werden von Göttern im Olymp gejagt. Abwechslung wird in Rayman Legends definitiv nicht groß geschrieben. Ein gesondertes Lob haben die Entwickler auch nochmals für ihre prächtigen Musiklevels verdient. Am Ende jeder Welt dürfen wir einen Abschnitt spielen, in dem Musiktitel haargenau nachgebaut sind. Wenn man da zu einem Titel wie Eye of the Tiger in einer Mariachi-Version um die Wette springt, muss einem das Herz einfach aufgehen. Viel mehr kann man von einem Spiel echt schon nicht mehr erwarten.

Nicht für alle Konsolen gemacht

Rayman Legends (3)Leider wird uns nur allzu häufig deutlich, dass die eigentlich genialen Levels nahezu perfekt auf die Wii U abgestimmt sind und eben nur behelfsweise irgendwie auch auf die anderen Konsolen gequetscht werden. Während man auf der ursprünglichen Exklusivplattform das Helferlein Murphy per Touchscreen steuert, damit der Computer beziehungsweise unsere Freunde die Levels überstehen, passiert nun jede Aktion auf Knopfdruck. So verliert das Spiel leider einiges an Fluss und büßt viel von dem sonst großartigen Leveldesign ein. Hier hätte man vielleicht noch mehr mit dem Touchpad auf dem PlayStation-4-Controller arbeiten können. Trotz dieses Mankos sind die anderen Verkaufsargumente aber so gegenwärtig wie eh und je. Wie schon beim Vorgänger oder in der Wii-U-Version können wir wieder das gesamte Spiel auch gemeinsam mit Freunden erleben. Da man sich anders als in der New-Super-Mario-Bros.-Serie nicht ständig blockiert, aber doch beeinflussen kann, ist die Mehrspieler-Erfahrung um ein Vielfaches motivierender. Um die Langzeitmotivation zusätzlich hochzuhalten, gibt es auch Online-Modi, in denen man zwar nicht gleichzeitig mit anderen Spielern spielen kann, dafür aber mit Ranglisten und Geistdaten gegen die ganze Welt antritt. Tägliche Aufgaben, die mit funkelnden Pokalen belohnt werden, motivieren uns da ganz besonders stark.

Viel Liebe zum Detail

Rayman Legends (4)Aber das war auch noch nicht alles, was Rayman Legends zu bieten hat. In jedem Level können wir nicht nur Pokale, sondern auch immer ein Rubbellos freischalten, über das wir unter anderem Kuscheltiere erhalten, die uns zusätzliche Lums oder Gemälde, die uns zusätzliche Levels bringen, verschaffen. Hier hat man zumindest beim Freirubbeln die Touchfläche des Controllers eingebunden – eine der wenigen Nutzungen der Möglichkeiten der PlayStation 4. Dazu kommen dann noch die Möglichkeiten Screenshots und Videos zu machen oder per PlayStation Vita das Spiel abzuspielen – eben die üblichen PlayStation-4-Features. Zu dem schon sehr umfangreichen Hauptspiel haben die Entwickler dann nochmals vierzig Levels aus Rayman Origins in dem neuen Design und mit dem höheren Detailgrad umgesetzt. Ein wirklich nettes Extra, das gleichzeitig aber nochmals verdeutlicht, was für einen großen Sprung vorwärts Rayman Legends aber noch einmal macht. Als Sahnehäubchen auf dem Titel ist auch an der Grafik und dem Sound von Rayman Legends kaum etwas auszusetzen. Der Soundtrack ist abwechslungsreich und produziert schon nach kurzer Zeit den ein oder anderen Ohrwurm. Grafisch setzt Ubisoft Montpellier dieses Mal auf einen 2D-3D-Mix, der dem Charme des Titels aber keinen Abbruch tut. So viel Liebe fürs Detail findet man nur noch in den wenigsten Spielen!

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der Wii-U- und der PlayStation-4-Version): Rayman Legends ist für mich eindeutig das beste Spiel des letzten Jahres. Ganz lange habe ich in keinem Titel mehr wirklich alles zu einhundert Prozent erreicht, ohne dabei auch nur eine Minute gelangweilt zu sein. Aber all das war eben auf der Wii U, wo das Spiel meiner Meinung nach einzig und allein hingehört. Jetzt wollte ich noch einmal ansehen, wie der gliederlose Held in der neuen Generation angekommen ist und werde leider bitter enttäuscht. Das Spiel ist immer noch toll, wahrscheinlich eines der besten PlayStation-4-Spiele, aber eben nicht so perfekt wie möglich. Auch wenn die Murphy-Levels nur einen Teil des Spiels ausmachen, würde ich jedem raten, sich das Spiel lieber auf der Nintendo-Konsole zuzulegen. Das kostet weniger und lohnt sich doppelt. Das Ubisoft allerdings versucht mit Veröffentlichungen auf allen erdenklichen Konsolen wenigstens ein bisschen mehr Profit aus dem Titel zu schöpfen, ist allerdings verständlich – fast schon eine Schande, dass das beste Jump ’n‘ Run seit Jahren im Handel einfach nur ignoriert wird. Ich bin jetzt jedenfalls angefixt und werde weiter Rayman Legends spielen – auf der Wii U.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Rayman Legends!

Review: NBA 2K14

NBA 2K14 (1)Während Electronic Arts mit ihren Sporttiteln jährlich einiges an Häme für ihre Update-Politik einstecken muss, wird 2K Games Jahr für Jahr für neue Serienteile gelobt. Wir klären, wo genau der Unterschied zwischen dem jährlichen Basketball- und dem jährlichen Fußballspiel liegt.

NBA 2K14 (2)Schon die PlayStation-3- und Xbox-360-Version von NBA 2K14 wurde von Kritikern wieder in höchsten Tönen gelobt. Welches Maß an Arbeit 2K Games in die Reihe steckt, ist schließlich auch wirklich beachtlich. Dass die Kader aktualisiert werden, ist bei dieser Serie nicht mehr als eine Randnotiz, während man drumherum immer weiter daran werkelt, die perfekte Sportsimulation zu erschaffen. Dieses Mal hat man sogar zwischen den Last- und Next-Gen-Versionen des Titels einen großen Sprung gemacht und komplett neue Modi eingebaut. Zudem präsentiert man hier wohl grafisch einen der besten Titel der noch jungen Konsolen. Alles wirkt einfach durch und durch realistisch an diesem Spiel. Die Grafik ist absolut gelungen, die Bewegungen sind flüssig und realistisch, die Spielermodelle zum Niederknien und sogar die Zuschauer sind lebendig und bestehen nicht nur aus Pappkameraden. Um den Realismus zu komplettieren, sind natürlich auch die üblichen Werbeeinblendungen mit von der Partie und die Kommentatoren machen – auf Englisch – einen sehr ordentlichen Job. Interviews mit den Originalstimmen einzelner Sportler oder das Einbinden von realen NBA-Ergebnissen der letzten Tage sind dann so etwas wie das Sahnehäubchen auf dem großen Kuchen. Jedes Jahr fragt man sich, wie man da noch etwas draufsetzen kann, aber 2K Games hat immer wieder neue Ideen.

Mitten im Leben

NBA 2K14 (3)Die größte Neuerung der PlayStation-4-Version, also die Fassung die uns zum Test vorliegt, ist der neue Karriere-Modus. Hier werden nicht wie üblich einfach unkreativ zahlreiche Spiele aneinandergereiht, sondern eine richtige Dramaturgie aufgebaut. Wir fangen als Neuling im Geschäft an und müssen uns hocharbeiten. Hocharbeiten meinen wir dabei tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes. Uns erwarten nämlich ein hartes Stück Arbeit und ein gnadenloser Modus, der jeden kleinen Fehler bemerkt. Spielen wir schlecht oder sind gar für eine Niederlage verantwortlich, werden wir auch stilecht zur Schnecke gemacht. Es handelt sich dabei also um kein komplett durchgescripteter Weg zum Superstar. Auch ein neuer Mehrspielermodus kann uns überzeugen. In dem Der Park genannte Modus treffen Spieler aufeinander, um gemeinsam Streetball zu spielen. Man kann anderen Partien zusehen, sich zum Mitspielen anstellen und so passiv oder aktiv Erfahrungen sammeln. Dafür, dass es nur ein Update eines bereits erschienenen Spiels ist, sind die Neuerungen unterm Strich also wirklich beachtlich. Das ursprüngliche Gameplay und die üblichen Modi wie die einzelnen Duelle, der Sammelkartenmodus, der Manger-Modus oder der NBA-Today-Modus immer noch absolute Spitzenklasse. 2K Games versteht es in dieser Hinsicht absolut, ein auch nur wenig älteres Spiel genial zu verbessern.

Einstiegshürden

NBA 2K14 (4)Das einzige Problem, dass sich in der Serie ergeben könnte, wäre – und das müssen wir auch trotz des restlichen genialen Gesamtprodukts sagen – eine zu hohe Einstiegshürde. Hier werden die Entwickler sicherlich noch eine letzte Herausforderung haben, denn die Motivation von Anfängern einzufangen gelingt sicherlich nicht immer. Wir sind uns jedoch sicher, dass aber auch diese Herausforderung in Zukunft gemeistert werden und sicherlich mit besseren Tutorials und einem dynamischen Schwierigkeitsgrad aufwarten kann. Fürs Erste muss man als Eintrittskarte für die beispiellose Simulation einige Stunden Einarbeitungszeit hinnehmen müssen. Ansonsten stimmt an NBA 2K14 wirklich alles und das ausnahmslos! Besonders beeindruckend ist all dies, wenn man die Konkurrenz aus dem Hause Electronic Arts ansieht. Mit dem Launch der neuen Konsolengeneration ist der Branchenriese auch wieder in das Basketballgeschäft eingestiegen und hat eindrucksvoll gezeigt, wie man einen Titel richtig in den Sand setzen kann. Fairerweise müssen wir dazu sagen, dass wir von Electronic Arts ähnliches seit Jahren auch von anderen großen Marken gewohnt sind. Umso besser ist es, dass 2K Games in den letzten Jahren gezeigt hat, dass sie für qualitative TItel keine Konkurrenz als Ansporn brauchen. Basketball-Fans, die eine PlayStation 4 oder Xbox One ihr Eigen nennen, sollten bei NBA 2K14 definitiv zuschlagen.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Auch wenn bei mir ein Grundinteresse an allen Sportarten vorhanden ist, zählt Basketball nicht zu wichtigsten Sportarten für mich. Jedes Jahr, wenn ich den neuen NBA-2K-Ableger spiele, bin ich aber trotzdem für einige Tage hin und weg und schwöre mir, mich regelmäßiger mit dieser Sportart zu befassen. Auch in diesem Jahr hat man sich mal wieder selbst übertroffen. Wenn im NBA-Today-Modus echte Spielszenen eingeblendet werden und man zweimal hinsehen muss, ob das nicht Spielszenen von NBA 2K14 sind, hat man wirklich einen Meilenstein mit der Simulation erreicht. Einzig die Zugänglichkeit ist auf dem Weg zur möglichst perfekten Simulation etwas auf der Strecke geblieben. Während man Electronic Arts’ Fifa mit einer einfachen Steuerung und auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad vom Fleck weg spielen kann, braucht man hier doch das ein oder andere Stündchen Einarbeitungszeit. Hat man aber die Abläufe verinnerlicht, möchte man gar nicht mehr aufhören. NBA 2K14 wird also noch gut und gerne dutzende Stunden in meiner PlayStation 4 rotieren!

Vielen Dank an 2K Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von NBA 2K14!

Review: Knack

Knack (1)Der Launch der PlayStation 4 war ein großer Erfolg, doch an den Unmengen an Launch-Titeln hat es nicht gelegen. Sony Computer Entertainment ist nur mit zwei Titeln an den Start gegangen. Neben Killzone: Shadow Fall traut man sich jedoch auch an eine neue Serie.

Knack (2)Die neue Serie hört auf den Namen Knack. Leider strotzt die Geschichte von Knack schon von Beginn an nicht sonderlich vor Tiefe. Auf der Suche nach Relikten greifen mit Pfeil, Bogen und Panzern kämpfende Trolle eine Menschensiedlung an. Das lassen sich die dort lebenden Menschen aber nicht bieten und so suchen sie nach einem Weg für einen Gegenschlag, bei dem sie entweder die Roboter-Armee oder die jüngste Neuentwicklung in Anspruch nehmen: Knack. Das titelgebende Wesen besteht nur aus lose beieinander schwebenden Relikten, kann aber sprechen und beliebig wachsen und schrumpfen – jedenfalls solange das Material dafür vorhanden ist. Nach einer Präsentation seiner Fähigkeiten darf Knack mit auf die Expedition und sich in den Kampf gegen die Trolle stürzen. Ein relativ langatmiger Kampf, auch wenn wir nur knappe zehn Stunden braucht, um das Spiel durchzuspielen. Mit einigen wenigen Ausnahmen, bietet Knack dabei nämlich absolut standardisierte Jump-’n‘-Run-Kost. Nichts Weltbewegendes, immer ein bisschen fad, aber auch mit wenigen großen Schnitzern. Der Schwierigkeitsgrad ist hingegen sogar relativ gelungen. Auf Leicht ist es tatsächlich ein Kinderspiel, während man auf Schwer auch als erfahrener Spieler gefordert wird. Und einige gute neue Ideen hatte Knack auch – eigentlich.

Verschenktes Potential

Knack (3)Hofft man zu Beginn des Spiels noch darauf, dass man frei durch das Sammeln von Teilen seinen Protagonisten verändern kann, wird man schnell ernüchtert. Eigentlich wird unser Charakter nur gescriptet größer und kleiner – der Spieler hat nur marginal Einfluss darauf. Gerade mit den später im Spiel auftretenden Elementen wie Eisbrocken, die sich unser Protagonist auch einverleibt, wäre der Weg für taktische Spielchen frei gewesen. Man hätte je nach Größe auch verschiedene Spielstile haben können, doch anstatt uns Aufgaben zu stellen oder verschiedene Wege zu ermöglichen, dürfen wir nur dem Plan des Spiels folgen und kämpfen uns arg stupide durch Schlauchlevels. Eine gute Idee wäre auch das Update-System gewesen, wenn wir nur früher Erfolge sehen würden. Anstatt Artefakte zu sammeln, suchen wir in der Spielwelt nebenbei nach Teilen von Maschinen oder nach Kristallen. Haben wir dann alle Teile eines Gerätes oder eines Kostüms zusammen, wird das Spiel durch neue Funktionen erweitert. Während das Konzept am Anfang ungemein motiviert, tatsächlich alle Teile zu sammeln, verliert es nach zahlreichen Spielstunden an Reiz, da wir dann immer noch kein Gerät komplettiert haben. Die Grundidee ist gut, aber der Spieler muss auch ein wenig hingehalten werden, damit er dauerhaft bei einer Sammelmission die Motivation behält.

Partikelprahlerei

Knack (4)Da fragen wir uns, wer das ganze Spiel durch Gegenstände sammelt, nur um in den letzten Minuten einen Vorteil davon zu haben. Auch technisch stehen wir mit gemischten Gefühlen vor dem PlayStation-4-Titel. Viele Passagen sehen ganz idyllisch aus, aber mehr als eine etwas fade Comic-Grafik ist das Ganze dann leider auch nicht. Viel mehr scheinen die Entwickler mit Knack nur wieder zeigen zu wollen, wie viele kleine Partikel die PlayStation 4 getrennt voneinander darstellen und bewegen kann. Der Aufbau des Protagonisten und die Explosionen bei seinem Tod sind tatsächlich ziemlich beeindruckend, aber haben halt diesen faden Beigeschmack. Andere technische Möglichkeiten der PlayStation 4 werden aber sehr wohl ausgenutzt. So lässt sich der kooperative Mehrspielermodus mit einer PlayStation Vita spielen und das Spiel wird durch eine iOS- und Android-Applikation ergänzt. Ein Bejeweled-Klon fürs Smartphone soll dem Spieler helfen, schneller an die freischaltbaren Gegenstände zu kommen, ist dabei aber so eintönig wie der große Teile des Spiels. Am Ende bleibt ein Spiel, dass Nichts wirklich schlecht macht und ebenso wenig wirklich gut. Das hat zur Folge, dass man nie wirklich von der Motivation gepackt wird, sich aber auch nicht wirklich konkret über Punkte ärgern kann – alles in allem eben ein absolut durchschnittliches Videospieldebüt.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Es ist insgesamt wirklich schade, wie viel Potential Knack verschenkt. Gerade in den ersten zwei Spielstunden werden Ideen angedeutet, die den Titel zum Pflichtkauf für jeden PlayStation-4-Besitzer gemacht hätten, dann aber doch nur halbherzig umgesetzt werden. So haben wir nur ein äußerst generisches Jump ’n‘ Run vor uns, das nach kurzer Zeit den Spieler mit Schlauchlevels, sehr stupiden Kämpfen und einem eher störenden Upgrade-System langweilt. Auf die Frage, warum man sich den Titel dennoch zulegen sollte, gibt es nur eine Antwort. Es mangelt derzeit an Alternativen. Wer ein kindgerechtes Spiel für die PlayStation 4 sucht oder wer eigentlich jedes Jump ’n‘ Run verschlingt, wird sich auch mit Knack anfreunden können. Am Ende ist Knack also ein absolut klassischer Launch-Titel – wäre das Spiel irgendwann später erschienen, wäre es wohl absolut untergegangen, aber ohne eine Ausweichmöglichkeit, erzielt es wohl trotzdem ordentliche Verkaufszahlen. Ich würde der Serie sogar ein Comeback gönnen, denn viele der Ideen sind wirklich interessant und könnten mit mehr Vorlauf ein wirklich abwechslungsreiches Spiel ergeben. Es bleibt nur fraglich, ob Sony Computer Entertainment nach den eher schlechten Kritiken dem neuen Franchise noch eine Chance gibt.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Knack!

Review: Das Schwarze Auge: Memoria

Das Schwarze Auge - Memoria (1)Mit wenigen Ausnahmen existiert das Point-and-Click-Adventure-Genre eigentlich nur noch bei zwei Firmen: Telltale Games und Daedalic Entertainment. Damit man zu zweit ein ganzes Genre befüttern kann, ist aber ein sehr enger Veröffentlichungsrhythmus gefragt.

Das Schwarze Auge - Memoria (2)Das Schwarze Auge: Memoria ist das dritte hochklassige Eigengewächs, dass Daedalic Entertainment 2013 auf den Markt gebracht hat. Sie setzen dabei nahtlos am Ende des ein Jahr alten Vorgängers Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten an und spinnen die Geschichte um den Vogelfänger Geron weiter. Nachdem er klammheimlich die Welt gerettet hat, plagen ihn nun Beziehungsprobleme – seine Feenfreundin Nuri ist im Körper eines Raben gefangen und würde diesen Zustand nicht mehr lange überleben. Auf der Suche nach dem passenden Gegenmittel wird Geron ein Rätsel gestellt, das ihn fortan durch das gesamte Spiel begleitet – und nicht nur ihn! Einer der Clous von Memoria ist der stetige Wechsel zwischen zwei Charakteren, denn etwa 450 Jahre vor unserem Vogelfänger setzt das Rätsel mit der Kriegerprinzessin Sadja ein. Grund für die Entwickler die beiden Geschichten miteinander zu verweben und so die vielen Parallelitäten aufzuzeigen. Gleichzeitig lässt sich durch diese Sprünge die Spannung aufrechterhalten. Fragen, die immer wieder in Sadjas Geschichte aufgeworfen werden, bekommen schließlich erst durch Gerons Untersuchungen eine Auflösung. Die Story hat uns dabei durchweg zugesagt. Mehr als überraschende Wendungen, eine fesselnde Geschichte und noch dazu gelungene Charaktere können wir nicht verlangen.

Die Kunst des Zauberns

Das Schwarze Auge - Memoria (3)Neben der gelungenen Geschichte hat Daedalic Entertainment aber auch ordentliche Rätsel abgeliefert. Während zuletzt die Schreie immer lauter wurden, dass Adventures dem Spieler überhaupt keinen Gehirnschmalz mehr abverlangen, geht Memoria nun in eine andere Richtung. Liefen wir im Vorgänger – ausgenommen der Feenwelt – noch relativ sorglos und zügig durch die Welt, mussten wir in Memoria schon das ein oder andere Mal etwas stocken. Gerade das verstärkte Benutzen von Zaubersprüchen und magischen Elementen sorgt für Abwechslung und einen gestiegenen Anspruch. Hin und wieder helfen eben diese Zauber dann aber doch für kleine Logiklücken, die uns aber nicht entmutigen können. Die stimmigen Herausforderungen haben uns durch das ganze Spiel immer motiviert, auch die nächste Kopfnuss zu knacken – insbesondere in den Szenen mit der Sadja. Hier sorgen der spannende Charakter und die etwas finstere Geschichte für deutlich mehr Tiefgang als die vergleichsweise ruhige Rahmenhandlung um Geron und Nuri. Überhaupt nicht auffällig und damit durchweg gelungen ist die Steuerung und Navigation. Hier gibt es sicherlich keinen Innovationspreis zu vergeben, aber eine grundsolide Steuerung und Menüführung will auch erst einmal auf die Beine gestellt werden. Bei Memoria haben wir hier nichts zu beanstanden.

Ab nach Andergast

Das Schwarze Auge - Memoria (4)Zu guter Letzt profitiert Memoria ungemein von der sehr dichten Atmosphäre, die durch den gelungenen technischen Hintergrund überhaupt erst möglich gemacht wird. Zum einen sind es die sehr detailliert gezeichneten und zum anderen auch die animierten Umgebungen. War Daedalic Entertainment zuvor doch eher für einen sehr comic-lastigen Zeichenstil bekannt, werden sie in der Das-Schwarze-Auge-Serie immer detaillierter. So ist es sehr gerne zu ertragen, wenn man auch mal länger an einem Rätsel festhängt – die Aussicht ist immerhin schön gestaltet. Zusätzlich sorgen die sehr gut ausgewählten (deutschen) Synchronsprecher und der rundum gelungene Soundtrack für ein weiteres Plus an Atmosphäre. Nur an der Charakteranimation könnte man eventuell nochmals weiter feilen. Auch wenn man einen großen Sprung gegenüber dem Vorgänger gemacht hat und gerade Sadja sehr lebhaft gestaltet wurde, ist noch deutlich Luft nach oben – gerade bei dem Protagonisten Geron. Insgesamt ist Memoria sicher keine Revolution, aber gerade für Spieler, die ein eher erwachseneres Adventure suchen, sicher die richtige Wahl. Wer zudem die umfangreiche Rollenspielwelt des Das-Schwarze-Auge-Franchise kennt, wird dieses Spiel für all die Kleinigkeiten und vor allem für die detaillierte Umsetzung lieben.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Wenn ich mich als quasi Alles-Spieler für ein Lieblingsgenre entscheiden sollte, wären es wohl die Point-and-Click-Adventures. So viele geniale, lustige und geistig fordernde Spiele hat das Genre hervorgebracht – da kommt es mir recht, dass es zurzeit seine Renaissance feiert. Nachdem Telltale Games zuletzt immer ernstere Wege einschlug und Daedalic Entertainment mit der Deponia-Trilogie ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellte, ist nun auch das Studio aus Hamburg wieder mit einem erwachseneren Titel dran. Das Schwarze Auge: Memoria ist dabei auf Augenhöhe mit all den hochwertigen Eigengewächsen, auch wenn es mich persönlich nicht vollends überzeugen kann. Vielleicht motivieren mich einfach Adventures mehr, die mir mit absurdem Humor genauso absurde Lösungen präsentieren. Wem aber der Ansatz dieses Spiels mehr zusagt, der hat mit Memoria ungemeinen Spaß. Zudem konnte Daedalic Entertainment ein zweites Mal beweisen, dass sie nicht nur mit eigenen Ideen, sondern auch mit Lizenzen sehr liebevoll umgehen können. Ich bin deshalb schon gespannt darauf, ob uns in nächster Zeit eine weitere Lizenz erwarten wird.

Vielen Dank an Daedalic Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Das Schwarze Auge: Memoria!

Review: Goodbye Deponia

Goodbye Deponia (1)Während sich das Double Fine Adventure immer weiter verschiebt und nur halbgar erscheinen wird, veröffentlicht die deutsche Schmiede Daedalic Entertainment ein Adventure nach dem anderen. Das Besondere daran: Jedes Spiel weist eine erstaunlich hohe Qualität vor.

Goodbye Deponia (2)Adventure-Spiele gibt es in unseren Träumen, in unseren Erinnerungen – und in Deutschland. Mit diesen Worten aus dem Kickstarter-Video von Tim Schafers Double Fine Adventure ist erstaunlich viel Wahrheit enthalten. In keinem anderen Land gibt es einen so großen Markt für Point-and-Click-Adventures und daher auch eine beachtliche Anzahl an Entwicklern für das Genre. Einen ganz großen Anteil daran, dass das Genre hierzulande solch eine gute Stellung hat, trägt das Hamburger Studio Daedalic Entertainment, welches mit Goodbye Deponia mal wieder gezeigt hat, dass sie ihr Fach absolut beherrschen. Der Abschluss der Deponia-Trilogie kratzt in Sachen Kreativität und Humor schon ganz stark am Thron des Adventure-Königs The Secret of Monkey Island. Immer noch steht der Heimatplanet unseres Helden Rufus vor der Sprengung und nur er, seine Freundin Goal und die Widerstandstruppen können den Müllplaneten noch retten. Rufus ist aber mitnichten der typische Held. Eigentlich ist er durch und durch egoistisch, nimmt nur wenig Rücksicht auf seine Umgebung und stürzt seine Freunde immer wieder ins Unglück. Das beginnt schon damit, dass er nach kaum fünf Minuten Spielzeit bereits den Kutter seines Freundes Bozo komplett zerstört hat. All das verzeihen wir unserem Helden aber unbesehen, weil der Humor absolut stimmt.

Hamburger Scherzkekse

Goodbye Deponia (3)Goodbye Deponia ist definitiv ein ganz starker Anwärter auf den Titel des lustigsten Spiel des Jahres. Dass Daedalic Entertainment und vor allen Dingen Jan Müller-Michaelis vor Humor und Witz nur so sprühen, ist ja schon länger bekannt, aber in ihrem neuesten Werk setzen sie nochmals einen drauf. Jede Szene, jeder Gegenstand und jeder Charakter ist von vorne bis hinten durchdacht. Jeder Spruch ist dabei pointiert und witzig. Schon alleine die ganzen Kommentare unseres Helden zu nicht möglichen Aktionen sind den Entwicklern fabelhaft gelungen und relativ einmalig. Wer wegen der kunterbunten Grafik jetzt aber ein witziges Kinderspiel erwartet, wird eines besseren belehrt. Teilweise trauen sich die Entwickler in Goodbye Deponia sogar an heikle Themen wie Spannen, Pädophilie oder eine Art Ku-Klux-Klan und verpacken diese, auch wenn man es vielleicht nicht auf Anhieb glauben mag, sehr gelungen in das lustige Umfeld. Auch ein paar Seitenhiebe auf die Konkurrenz dürfen natürlich nicht fehlen. Das Rätseldesign ist ebenso gelungen und bietet gerade ab der Mitte des Spiels nicht nur absurde, sondern auch neuartige Möglichkeiten. Wieso genau wollen wir aber noch nicht verraten – dann würde ja die Überraschung abhandenkommen. Technisch bewegt sich der Titel auf einem ähnlich hohen Niveau wie beim Humor und dem Gameplay.

Hochwertige Handarbeit

Goodbye Deponia (4)Die handgezeichneten 2D-Grafiken sehen auch in HD fabelhaft aus und die Handlungsorte sind ungemein kreativ und detailliert dargestellt. Genauso gelungen ist abermals auch der Sound. Der Soundtrack fügt sich sehr gut in die Spielwelt ein und die Synchronisation ist ausnahmslos gelungen. Insbesondere Monty Arnold, der Sprecher von Rufus, trägt viel dazu bei, dass der sympathische (Anti-)Held solch einen Charme versprüht. Ein besonderes Highlight ist auch Cowboy Dodo, der von dem Rapper Smudo vertont wird und auch zwei eigene Rapeinlagen bekommt. Natürlich sind auch die aus der Serie bekannten Hussa-Lieder von Jan Müller-Michaelis wieder dabei und leiten jeden neuen Abschnitt schon sehr humorvoll ein. In der Technik gibt es aber auch die einzigen kleineren Mängel an diesem Adventure. Gerade zum Ende des Spiels hin kommt es einige Male vor, dass Grafiken kurz verschwinden, Sounds an falschen Zeitpunkten abgespielt werden oder andere kleine Technikfehler sich bemerkbar machen. Allesamt stören das Gesamtbild nicht sonderlich, hätten aber vermieden werden können. Andererseits muss man dem Entwicklerstudio auch anerkennen, mit welchem Tempo sie drei fantastische Deponia-Teile entwickelt haben. Die Serie begann schließlich erst vor etwas mehr als anderthalb Jahren, was die hohe Qualität noch beachtlicher macht.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Goodbye Deponia ist eines der besten Spiele, dass ich seit langem Spielen durfte. Es hat mich so gefesselt, dass ich es trotz der etwa zwölf Stunden Spielzeit fast an einem Stück durchgespielt habe. Insbesondere der Humor des Spiels sucht seinesgleichen. Jede Bemerkung ist super pointiert, ohne dabei irgendwie weichgespült zu sein. Auch die Minispiele haben mir sehr gut gefallen, da man auf die sonst inflationär benutzten Schieberätsel verzichtet und einen stattdessen Kameras ausrichten lässt oder einem Operationsbesteck in die Hand drückt. Jeder, der irgendwie mit dem Adventure-Genre irgendetwas anfangen kann, sollte Goodbye Deponia – und natürlich auch die beiden Vorgänger – gespielt haben. Das Spiel funktioniert zwar auch in Maßen alleinstehend, baut aber doch sehr stark auf den beiden Vorgängern auf. Der einzige wirklich große Wermutstropfen bleibt für mich, dass es das letzte Spiel der Serie war und wir keine absurden Abenteuer mit Rufus mehr erleben dürfen. Aber wie Daedalic Entertainment nach Edna und Harvey mit Rufus einen neuen hochsympathischen Helden aus dem Hut zaubern konnte, glaube ich fest an neue absurde Charaktere aus dem Hamburger Studio!

Vielen Dank an Daedalic Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Goodbye Deponia!

Review: Beyond – Two Souls

Beyond - Two Souls (1)Quantic Dream wusste schon mit Heavy Rain die Spielerschaft zu spalten. Für einen Teil war es das mitreißendste und cineastischste Erlebnis seit langem – für andere eine Kette gleicher Quick Time Events. Im Vorfeld war klar: Quantic Dream bleibt Beyond – Two Souls seinem Stil treu.

Beyond - Two Souls (2)Beyond – Two Souls lässt uns das Erwachsenwerden eines Mädchens zur jungen Frau begleiten. Wir sehen sie als Schulkind, im Teenager-Alter oder bei der Ausbildung – alles klingt bisher ganz normal. Aber Jodie Holmes ist kein gewöhnliches Mädchen. Stets wird sie von einer unsichtbaren Macht namens Aiden begleitet. Immer wieder wird sie dafür verstoßen, sie driftet ab und versucht herauszufinden, was Aiden eigentlich wirklich ist. Der Clou ist dabei, dass wir nicht einfach das Leben von Jodie Schritt für Schritt begleiten. Wir springen dabei munter zwischen verschiedenen Stationen ihres Lebens hin und her und erhalten so jedes Mal ein Puzzle-Teil, um unser Gesamtbild von ihr zu formen. Die nichtlineare Erzählweise ist gleichzeitig Fluch und Segen. Einerseits nimmt sie der ganzen Geschichte eine Menge an Spannung. War man bei Heavy Rain stets angespannt und an der Schwelle des Todes, hat man hierbei ganz häufig bereits Jodies Zukunft gesehen. Überraschungsmomente sind somit Mangelware. Wirklich fatale Folgen hat in diesem Fall das Scheitern daher nicht. Andererseits baut das Spiel gerade durch die vielen Sprünge eine bestimmte Dynamik auf. Immer wieder versteht man als Spieler erst im Nachhinein Jodies Handeln, nachdem man in ihre Kindheit zurückgeworfen wurde. Die verschiedenen Abschnitte sind dabei sehr unterschiedlich ausgefallen – leider nicht nur im positiven Sinne.

Eingeschränkte Freiheit

Beyond - Two Souls (3)Zwar bringen die Schauplätze auch mit, dass das Spiel abwechslungsreicher wird, doch dafür kommt es auch immer mal wieder zu deplatziert wirkenden Szenen oder viel zu langatmigen Abschnitten. Die Rätsel in denen wir Jodies und Aidens Fähigkeiten kombinieren müssen sind teilweise so kreativ, dass man sich ärgern muss, wenn sie von uninspirierten Stealth-Shooter-Passagen unterbrochen werden. Auch das freie Herumlaufen würde uns grundsätzlich freuen, wenn wir nicht das Gefühl hätten, am Ende doch nur eine zwingende Aktion auslösen zu müssen, um die Handlung voranzutreiben. Am Ende kann Beyond – Two Souls den Spieler aber doch auf irgendeine Art fesseln. Es ist vielleicht nicht ganz auf dem Niveau von Heavy Rains, man möchte aber spätestens nach der ersten halben Spielstunde unbedingt wissen, was noch für ungewöhnliche Ereignisse in Jodies Leben geschehen sind. Dass sich Quantic Dream, um die Story zu transportieren, um Quick Time Events bemüht ist eigentlich nur logisch. Während des Testens fielen uns keine andere Möglichkeiten ein. Entweder würde mans ich auf ganz wenige Aktionen beschränken und die Geschichte würde somit recht generisch ausfallen oder man liefert in jedem Abschnitt erst einmal Erklärungen und Tutorials mit. Beides würde die Stimmung des Spiels vollkommen zerstören. Diesmal gehen wir mit Quantic Dreams Entscheidung konform.

Filmreife Inszenierung

Beyond - Two Souls (4)Während das Gameplay Geschmackssache bleibt und man sich über die Story auch streiten kann, bleibt einem nichts anderes, als vor der Technik den Hut zu ziehen. Was Quantic Dream hier mit der hauseigenen Engine abliefert, ist ein beachtliches Feuerwerk. Der interaktive Film wird zudem richtig glaubhaft, wenn auch der Soundtrack filmreif wird und aus den Lautsprechern unseres Fernsehgeräts dröhnt. Zudem bewegt sich die Grafik nah am Fotorealismus. Gerade die Mimik ist den Entwicklern atemberaubend gut gelungen, woran natürlich vor allem die beiden Schauspieler Ellen Page und Willem Dafoe einen großen Anteil haben. Zudem kann sich die deutsche Lokalisation wirklich sehen lassen – hier steht Beyond – Two Souls vielen Filmen in nichts nach. Kein Wunder dass Beyond – Two Souls als zweites Spiel nach dem ebenfalls großartig inszenierten L.A. Noire auch einen Zusammenschnitt von Spielszenen auf dem Tribeca Film Festival präsentieren durfte. Nur so kann die Öffentlichkeit erkennen, dass Spiele heute mehr sind als Pac-Man oder Pong und in Zukunft wohl noch mehr darstellen werden. Man kann so nur gespannt sein, was das Studio von David Cage in der nun aktuellen Generation mit der PlayStation 4 für technische Meisterleistungen zeigen wird. Man kann sich als Spieler eigentlich nur freuen, dass ein Studio wie Quantic Dream die Spiellandschaft bereichert.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Ich persönlich finde die Diskussion um die Quantic-Dream-Titel absurd, ob solche Titel noch als Spiele angesehen werden können. Letztlich ist alles ein Videospiel, was uns in eine Geschichte irgendwie einbindet. Zwar ist das Gesehene mal mehr, mal weniger interaktiv, aber Spiele wie Beyond – Two Souls kategorisch zu verteufeln, weil es ja nur komische Filme mit ein paar Quick Time Events sind, halte ich für absolut falsch. Es ist vielmehr ein eigenes Genre, das genauso seine Daseinsberechtigung hat wie Sportsimulationen oder Action-Adventures. Fußballsimulatoren sind schließlich auch Spiele, auch wenn man nur in komischen Listen herumklickt. Beyond – Two Souls ist für sein Genre ein absolut gutes Spiel, dass leider nicht ganz an die Klasse von Heavy Rain anknüpft. Zu festgelegt ist das Ende und zu deplatziert wirken die Kampfabschnitte. Dafür ist die Grafik und gerade die Charakteranimation atemberaubend und hat zum Ende dieser Generation noch einmal gezeigt, was in dieser Technik noch alles drin steckt. Ich persönlich bin schon länger Fan des Studios und finde die neuen Wege, die Cage mit seinen Spielen geht, beachtlich. Ganz egal, wie sehr ihn manche Spieler dafür hassen.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Beyond – Two Souls!

Review: Batman: Arkham Origins

Batman Arkham Origins (1)Wenn erfolgreiche Serien an das nächste Entwicklerstudio weitergegeben werden, befürchten Fans oft den Untergang des Franchises. Viele behaupten frech, dass es eigentlich nur schiefgehen kann, wenn nicht mehr die Richtigen vor dem Spiel sitzen. Wir fühlen der Theorie auf den Zahn!

Batman Arkham Origins (2)Leider ist die berühmte Fledermaus, so viel können wir vorab schon sagen, tatsächlich nicht mehr ganz so munter wie noch in den beiden Vorgängern. Wie in so vielen Spielen der letzten Jahre wird in Batman: Arkham Origins mal wieder eine Vorgeschichte erzählt – zumindest so halb. So früh wie der Film Batman Begins setzt das Spiel nicht an, sondern es katapultiert uns ziemlich genau nach den Ereignissen dieses Films ins Geschehen. Der dunkle Ritter ist im zweiten Jahr als Fledermaus immer noch keine gefestigte Persönlichkeit und wird von der Polizei als Gefahr betrachtet. Bis auf Alfred hat er keinen Kumpanen und muss sich sowohl gegen die Kriminellen als auch gegen den langen Arm des Gesetzes allein behaupten. Besonders schwierig, da Batman in Arkham Origins, das nur an einem einzigen Abend spielt, von allen Seiten verfolgt wird. Der bisher noch unbekannte Kriminelle Black Mask hat nämlich 50 Millionen US-Dollar Kopfgeld auf die Fledermaus ausgesetzt, die sich nun verschiedene Assassinen aus dem DC-Universum krallen wollen. Aber auch das Special Weapons and Tactics ist korrupt genug, dem Kopfgeld hinterher zu jagen. All diese Konkurrenz am Heiligen Abend sorgt für eine zugegeben etwas düstere Stimmung bei unserer Feldermaus. Es erwartet einen in dem neuesten Arkham-Teil ein insgesamt ruppigerer Batman, der eben noch häufiger mal die Grenze zum Unrecht überschreitet.

Never change a winning team

Batman Arkham Origins (3)Wie schon in Batman: Arkham City spielt sich die gesamte Geschichte in einem offenen Gotham City ab, dem Schauplatz des Franchises. Entweder schwingen wir uns durch die Stadt, folgen den Nebenmissionen oder bringen die großen Assassinen wie Deathstroke zur Strecke. In all diesen Punkten ist das Spiel zwar ein bisschen größer als der Vorgänger, aber eben nur ein bisschen. Wer nach dem Sprung von der Irrenanstalt in die Stadt eine neue Revolution erwartet hat, wird enttäuscht. Batman: Arkham Origins ist letztlich eine verbesserte Neuauflage des Vorgängers. Weiterhin wird alles gut gemacht, was auch die Serie auszeichnete, aber eben nicht besser als zuvor. Bestenfalls sind ein paar Macken und sperrige Elemente hinzugekommen. Der sehr starke Fokus auf das Kontern lässt manche Kämpfe sehr eintönig werden. Wir fragen uns, wieso wir zig neue Gadgets und Möglichkeiten im Repertoire haben, um unsere Gegner zu attackieren, wenn dann ein stinknormaler Konterangriff doch ausnahmslos die beste Wahl ist. Der Fairness halber sei aber gesagt, dass das Spiel immer noch ein sehr gutes Action-Adventure ist. Man erwartet nach zwei genialen Teilen halt wieder eine Neuerfindung und will nicht nur mit einem typischen Jahresupdate abgespeist werden. Wer mit dem Vorgänger bereits Spaß hatte und seit einem Jahr keine Portion Fledermaus mehr intus hatte, wird auch gerne das recht ähnliche Prequel spielen.

Von Käfern geplagte Fledermaus

Batman Arkham Origins (4)Alles schön und gut und Batman: Arkham Origins sieht zudem eigentlich gar nicht schlecht aus. Es ist nur einfach verbuggt und technisch nicht ausgereift. Komplett wahllos ist uns in der Testphase das Spiel mehrere Male abgestürzt. Zudem kam es dann auch immer wieder zu Bugs, so dass wir zum Beispiel ein paar Mal durch den Boden fielen und uns die Welt vom Untergrund aus ansehen konnten. Wenn man ein in sich gelungenes Spiel vor sich hat und von solchen Unsauberkeiten aus dem Erlebnis gerissen wird, ist es schlichtweg ärgerlich. An solchen Stellen wünscht man sich, dass man von dem ach so lukrativen Jahresrhythmus einmal absieht. Die Spieler würden die Serie in einem viel besseren Licht sehen, wenn man einfach nur jedes zweite Jahr ein Spiel veröffentlicht und dafür wirklich neue Elemente einbaut und eine technisch saubere Arbeit abliefert. So scheint Batman gen Ende der Arkham-Trilogie ein klein wenig der Fifa- oder Assassin’s-Creed-Seuche abbekommen zu haben – jedes Jahr ein kleines Update bringen und damit einen riesigen Reibach machen. Am Ende haben wir also ein gelungenes Spiel, das etwas an den Storyschrauben dreht, alles etwas aufpumpt und alte Mechaniken unangetastet lässt. Wer keinen der Vorgänger kennt, wird einen riesigen Spaß mit Batman: Arkham Origins haben und wer die Vorgänger liebte auch, doch wer Innovationen sucht, sollte sich woanders umsehen.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Auf den ersten Blick merke ich dem Spiel eigentlich nicht an, dass man das Entwicklerstudio gewechselt hat. Auch wenn ich mit Batman: Arkham Origins ein Prequel spiele, scheint es doch eine konsequente Entwicklung seiner beiden Vorgänger zu sein. Die Welt ist größer geworden, es gibt einige neue Gadgets, die Story und das Charakterdesign sind weiterhin gelungen – eigentlich stimmt fast alles. Nur sind die Erweiterungen unglaublich kleinschrittig und dann begegne ich immer wieder technischen Unsauberkeiten, die das Gesamtbild zerstören. Das Spiel kann noch so gelungen sein, wenn es regelmäßig abstürzt oder von Bugs geplagt wird, geht der Spaß flöten. Zudem musste ich mich an den verhältnismäßig defensiven Charakter vieler Kämpfe gewöhnen. Auch wenn das Free-Flow-Kampfsystem und die viel häufiger auftretenden Prügeleien das Spiel auf den ersten Blick wie ein stumpfes Beat ’em up wirken lassen, muss ich insbesondere in Bosskämpfen vorwiegend auf die Defensive achten. Ansonsten ist auch auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad das Leben der Fledermaus schnell beendet! Am Ende macht es mir aber immer noch schlichtweg Spaß, sich per Enterhaken von Turm zu Turm zu hangeln und so in Windeseile die Stadt zu durchqueren. Mit den ganzen Nebenmissionen, Sammelobjekten und den Verbrechen in Gange, kann ich auch einfach Stunden damit verbringen, ohne auch nur an die Hauptmission zu denken.

Vielen Dank an Warner Bros. Interactive für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Batman: Arkham Origins!

Review: F1 2013

F1 2013 (1)Während Sebastian Vettel zum vierten Mal hintereinander der Konkurrenz davonfährt, bringt Codemasters zum vierten Mal ein Update ihrer Umsetzung der Königsklasse des Rennsports heraus.  Die Änderungen liegen dabei wie so häufig im Detail.

F1 2013 (2)Was Otto Rehhagel einst über den Fußball sagte, hat Codemasters einfach komplett auf die Formel-1-Simulation angewendet. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Geschehen auf den Rennstrecken in aller Welt. Für die Umsetzung der reinen Rennen muss man den Entwicklern wirklich Anerkennung zollen. F1 2013 schafft es dem Spieler ein packendes Fahrgefühl zu vermitteln und bindet alle Feinheiten ein, ohne dabei überladen zu wirken. Die Steuerung ist für ein Formel-1-Spiel fast schon zu einfach. Absolut problemlos steuern wir unser Auto, setzen im richtigen Moment das Drag Reduction, sowie das Kinetic Energy Recovery System ein und werden dieses Mal auch erstmals realistisch mit Reifenproblemen konfrontiert. Den Schwierigkeitsgrad können wir dabei selbst bestimmen, indem wir verschiedene Fahrhilfen zu- oder abschalten. Mit allen Hilfen ist das Spiel selbst für Anfänger gut machbar, ohne dabei zu arcade-lastig zu werden. Auch die Unterschiede zwischen einer trockenen und einer nassen Fahrbahn werden sehr schön deutlich. Nur die Schäden am Fahrzeug könnten noch deutlich realistischer sein. Teilweise müssen wir schon arg achtlos mit dem Wagen umgehen, um überhaupt einen Kratzer abzubekommen. Gleichzeitig würde ein gnadenloseres Schadenssystem Anfänger abschrecken – so muss man sich wohl auf Kompromisse einstellen. Immerhin ist die Racing-Erfahrung ansonsten wirklich fabelhaft.

Mehr Leben für den Rennsport

F1 2013 (3)Die Stärken beim Rennen werden dafür leider von Schwächen im Drumherum begleitet. Bei der Präsentation und Atmosphäre hat Codemasters noch einige Schwächen auszugleichen. So schön und realistisch die Rennen sind, so steril ist der Rest des Rennzirkus. Das Tutorial wird immerhin noch in eine Art Testtag für Jugendfahrer eingebunden. Jedoch ohne Siegerehrungen, mit menschenleeren Boxengassen und ohne die sonstigen Begleitphänomene, kommt einfach die Stimmung auf, die wir uns von einem Rennspiel im Jahr 2013 erwarten. Zwar bekommen wir dank der aktuellen Lizenz alle aktiven Fahrer und Waagen geboten, aber das Flair einer Fernsehübertragung wie bei der Fifa- oder NHL-Serie erreicht man in keinem Moment – schade! Immerhin sorgt der Szenario-Modus neben den normalen Rennen und Grad Prix für etwas Abwechslung. Hier bekommen wir Aufgaben vorgesetzt und müssen so vor bestimmten Fahrern landen oder eine ganz bestimmte Platzierung erreichen. Weitere Abwechslung bringt der neue Classic-Modus. Hier dürfen wir mit ehemaligen Fahrern auf klassischen Formel-1-Strecken antreten und natürlich fahren wir dabei auch in älteren Fahrzeugen, die dann auch ein deutlich empfindlicheres Fahrverhalten vorweisen. Leider ist dieser Modus, wenn man sich nicht gerade die Special Edition zulegt oder mit dem Kauf von (künftigen) herunterladbaren Inhalten liebäugelt, doch sehr spärlich bestückt.

Fortschritt verschoben

F1 2013 (4)F1 2013 beinhaltet hier standardmäßig nur fünf Fahrer mit ihren Autos sowie fünf Fahrer, die einfach in die Wagen aus den Achtziger Jahren gesteckt werden. So bleibt der Modus mehr eine nette Randnote und fesselt nicht langfristig. Natürlich gilt auch bei F1 2013 die Formel eines jeden Sportspiels, die da lautetet, dass man nicht mit zu vielen Neuerungen aufwarten soll. Wer jedes Jahr ein neues Spiel auf den Markt bringen möchte, hat nur Zeit, um Änderungen im (kleinen) Detail vorzunehmen. Während man den Grand-Prix-Modus nach einem Jahr Pause zurückbringt und erstmals klassische Wagen an den Start lässt, hat sich bezüglich der Engine und der Technik nichts getan. Die Soundkulisse ist realistisch, die Rennen sind ansehnlich und das Team hätte etwas detailgetreuer dargestellt werden können. Hoffen wir, dass man in der nächsten Generation mit einer neuen Engine und vielen neuen Details aufwarten kann. Gerade ein belebteres Umfeld mit Menschen in der Boxengasse würde dem Spiel gut tun und die Atmosphäre deutlich aufwerten. Ansonsten kommt es auch zwischendurch immer mal zu kleinen technischen Schwächen wie Pop-ups, die wir in der nächsten Generation nicht mehr sehen möchten. Wirkliche Fans der Formel 1 oder des Rennsports im Allgemeinen werden sich an all diesen kleinen Problemchen aber kaum stören – schließlich gibt es keine Alternative, wenn man die Königsklasse des Rennsports erleben möchte.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Auch wenn ich die Formel 1 immer wieder regelmäßig verfolge, liegen meine letzten intensiveren Erfahrungen mit einer Videospielumsetzung etwas länger zurück. Zwar habe ich in den ein oder anderen Ableger reingeschnuppert, wirklich viel habe ich aber nur Formula One 2001 für die PlayStation gespielt. Von dem Standpunkt aus sind es natürlich Lichtjahre, die F1 2013 besser ist. Vergleicht man das Spiel mit dem direkten Vorgänger, sind die Veränderungen schon deutlich marginaler. So oder so bietet uns Codemasters eine gelungene Simulation, die sich für eine Formel-1-Simulation erstaunlich einfach steuern lässt. Einsteiger können sich also freuen, dass einem nicht grundsätzlich eine gnadenlose Simulation vorgesetzt wird. Mir persönlich hat auch der Classic-Modus gefallen, der aber gut und gerne etwas mehr Umfang vertragen hätte. Aber wie so oft muss leider auch hier die Cashcow mit Hilfe von herunterladbaren Zusatzinhalten gemolken werden. Zu guter Letzt bekleckert Codemasters sich in der Präsentation auch nicht ausschließlich mit Ruhm. Während das Fahrgefühl wunderbar ist, kann man sich in der Darstellung des Rennzirkus drum herum eine Scheibe von den Electronic-Arts-Sportspielen abschneiden.

Vielen Dank an Namco Bandai für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von F1 2013!

Review: Pro Evolution Soccer 2014

Pro Evolution Soccer 2014 (1)Während Electronic Arts mit ihrer Fußballreihe Fifa den Fokus schon auf die nächste Generation legt, wurde bei Konami ordentlich an der PlayStation-3- und der Xbox-360-Version gefeilt. Der Sprung auf Xbox One und PlayStation 4 folgt erst im nächsten Jahr.

Pro Evolution Soccer 2014 (2)Trotzdem kommt Pro Evolution Soccer 2014 mit einer neuen Engine daher, die einiges am Spiel bewirkt. Den Sprung auf die neue Fox-Engine, die auch für das kommende Metal Gear Solid V: The Phantom Pain verwendet werden wird, merkt man dem Spiel tatsächlich an. So hat sich der Titel spielerisch fast in allen Belangen verbessert. Die Physik-Engine, egal ob es nun um den Ball oder den Spieler geht, ist sehr gut gelungen. Die im letzten Teil zweifelhafte künstliche Intelligenz hat einen großen Schritt nach vorne gemacht und auch die Animationen wirken besser als im Vorgänger. Eigentlich liegt uns in diesem Jahr eine wirklich fabelhafte Sportsimulation vor, mit der es wirklich Spaß macht, den Fußballalltag mitzuerleben. Ganz besonders wenn man die stimmungsvollen Umsetzungen der Champions League oder der asiatischen und südamerikanischen Pendants betrachtet, ist PES 2014 einfach gelungen. Wäre da nicht die Konkurrenz aus dem Hause Electronic Arts, durch die im direkten Vergleich dann doch kleinere Mankos und Schönheitsfehler sichtbar werden. Denn Konami kann uns zwar ein sehr gutes Spiel abliefern, aber leider nicht das beste. Hierfür ist schon die Vielfalt der Spielmodi symptomatisch. Zwar bietet Konami schon viel mit Turnieren, Managermodi, Onlinespielen, Einzelspielen und dem Werde-zur-Legende-Modus, doch Fifa 14 bietet mehr.

Kommentieren will gelernt sein

Pro Evolution Soccer 2014 (3)Die Konkurrenz hat einfach nochmals vier bis fünf Modi mehr, die auch allesamt fabelhaft umgesetzt sind. Ebenso müssen Pro-Evolution-Soccer-Fans zwangsläufig in der Präsentation Abstriche machen. Gerade die Champions-League-Modi zeigen, wie wichtig bei solch einer Simulation auch die Lizenzen sind. Nach etlichen Jahren können die Entwickler es sicher nicht mehr hören, schließlich tragen sie ja auch keinerlei Schuld, aber ohne die vielen echten Lizenzen verliert das Spiel einfach an Flair – gerade dann, wenn man in Deutschland sitzt und gerne mit Bundesliga-Mannschaften antreten möchte. PC-Spieler haben zwar die Möglichkeit per Fan-Patch nachzurüsten, Konsolenspieler gucken dabei aber leider in die Röhre. Zu der Präsentation und Atmosphäre gehören aber auch die Kommentatoren. Auch hier ist es fast Tradition, dass die Spielkommentare einem schon nach kürzester Zeit auf die Nerven gehen. Bei Pro Evolution Soccer 2014 kommt dann aber noch hinzu, dass in eigentlich jeder Partie die Sprecher zahlreiche Male absoluten Unsinn erzählen. Wenn bei einem Spielstand von null zu null zur Pause mit fünf zu fünf Torschüssen von einer drückenden Überlegenheit einer Mannschaft gesprochen wird, muss man sich schon wundern. Genauso wundern muss man sich, wenn wiederholt bei Abstößen kommentiert wird, als gäbe es eine Ecke oder umgekehrt.

Eine echte Alternative

Pro Evolution Soccer 2014 (4)Dass die Kommentatoren sich wiederholen müssen ist das eine, aber sie sollten wenigstens zur richtigen Zeit die richtigen Sprüche abgeben. So viel kann man im Jahr 2013 definitiv von den Entwicklern erwarten. Trotz dieser relativ deutlichen Mängel ist Pro Evolution Soccer zum ersten Mal seit einigen Jahren wieder eine wirkliche Alternative zur Fifa-Reihe. Insgesamt kann man in einer etwas sterileren Umgebung genauso guten Fußball spielen – mit tollen Animationen, einer eingängigen Steuerung und die essentiellen Modi. Auch die Fouls sehen in dieser Version deutlich schöner aus und sind außerdem abwechslungsreicher. Der Schiedsrichter ist zudem um einiges sanfter geworden und die Abseitsfallen sind weniger effektiv. Hatten wir im Vorgänger noch bemängelt, dass es meist mehr Abseitssituationen als Torschüsse gab, wird jetzt schon fast zu selten gepfiffen. Aber dies sind Kleinigkeiten, die mit Patches regelmäßig angepasst werden können. Apropos Patch: Erst seit Kurzem läuft der Online-Modus endlich flüssig auf allen Konsolen. Xbox-360-Spieler brauchten gar einen Patch, um überhaupt erst in den Genuss der Online-Funktionen zu kommen. Da aber auch diese Baustelle einige Wochen nach dem Launch behoben ist, spricht eigentlich nichts dagegen sich Pro Evolution Soccer 2014 zuzulegen – außer vielleicht Fifa 14.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Eigentlich ist es absolut bitter für Konami. Da macht man eigentlich einen großen Schritt mit seiner jüngsten Umsetzung, liefert ein wirklich sehr gutes Spiel ab und die Konkurrenz legt erneut eine kleine Schippe drauf und lässt einen wieder alt aussehen. Es ist absolutes Meckern auf hohem Niveau, aber bei Pro Evolution Soccer 2014 stimmt einfach der letzte Feinschliff nicht. Die Präsentation ist grundsolide, aber nie fesselnd – die Kommentatoren sind dieses Mal sogar schlichtweg miserabel. Dann kann das Spielgeschehen noch so gut sein, doch letztlich wird der Kampf zwischen den beiden Fußballgiganten nur noch durch Kleinigkeiten entschieden. Aber immerhin hat man die Konkurrenz mittlerweile beinahe eingeholt und ist in den meisten Disziplinen ein ebenbürtiger Gegner. Es bleibt Konami nur zu wünschen, dass man für die nächste Generation bereits ein Ass im Ärmel hat, um endlich wieder komplett auf absoluter Augenhöhe mit Fifa zu agieren. Sonst würde es doch langsam auch langweilig werden.

Vielen Dank an Konami für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Pro Evolution Soccer 2014!

Review: Der Puppenspieler

Der Puppenspieler (1)In diesem Weihnachtsgeschäft ist die Auswahl an neuen Jump ’n‘ Runs einfach gigantisch. Neben den Genregrößen Super Mario, Sonic oder Rayman reiht sich mit der Puppe Kutaro ein neuer und dazu sehr ambitionierter Neuling in diese Auswahl ein.

Der Puppenspieler (2)Wir befinden uns im Mondreich, in dem der grausame Mondbär die Mondgöttin gestürzt hat und fortan die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt. Als wäre das nicht genug, hat er noch dazu auch alle Kinder des Reiches in ein großes, dunkles Schloss gesperrt. Aus eben diesem versucht der kleine Junge Kutaro auszubrechen. Schade nur, dass er keinen Kopf hat. So muss er sich im Laufe der märchenhaften Geschichte immer wieder anderen Köpfen bedienen. Mal ist es der Kopf eines Skeletts oder eines anderen Kindes, aber die meiste Zeit sind es einfach irgendwelche anderen Gegenstände, die als Kopf herhalten müssen. Darunter fallen beispielsweise Bananen, Guillotinen, kleine Spinnen oder auch mal Topfpflanzen. Die unterschiedlichen Köpfe haben auch ihren Nutzen, denn in jedem Level kann man mit den an bestimmten Stellen angezeigten Köpfen Aktionen auslösen. So bekommen wir einen ganzen Bonushaufen der Spielwährung Mondfunkel, werden über knifflige Passagen getragen oder gelangen in Bonuslevels. Da wir aber immer nur zwei Reserveköpfe mit uns umhertragen können, haben wir immer wieder die falschen Köpfe dabei. Hier ist (Achtung: Wortwitz) Köpfchen gefragt! Neben dem normalen Hüpfen und Springen lernt unser kleiner Held im Laufe des Spiels zudem noch einige Aktionen, die zum Fortschreiten bitter nötig sind.

Dauerschneider

Der Puppenspieler (3)Ganz zu Beginn ergattern wir vom Mondbären eine Schere, mit der sich allerlei Materialien zerschneiden und Gegner besiegen lassen. Ist die Schere erst einmal in Bewegung, kann sie Kutaro sogar über einige Strecken in der Luft halten – solange sie etwas zwischen die Schneiden bekommt. Das neuartige und kreative Spielelement birgt jedoch aber auch ein paar Probleme. Wenn nach einiger Spielzeit das Achievement für zehntausend Schnitte aufpoppt, merken wir langsam, wie unser Daumen vom schnellen Drücken meutert. Ansonsten werden die verschiedenen Fähigkeiten in kleineren Dosen eingesetzt und lassen den Titel sehr frisch wirken. Damit sich Kutaro voll und ganz auf seine große Aufgabe konzentrieren kann, wird ihm ein Helferlein an die Seite gestellt. Mit dem zweiten Analog-Stick steuern wir erst die Katze Ying Yang und ab dem zweiten Akt die vorlaute Prinzessin Pikarina, welche den Hintergrund nach Mondfunkeln und Köpfen absuchen. Die Aufteilung auf zwei Charaktere funktioniert sehr gut und dürfte auch für kleinere Spieler noch machbar sein. Die Abschnitte sind sehr abwechslungsreich und katapultieren uns meistens alle zwanzig Minuten in ein neues Setting. Nur einzelne Teile fühlen sich etwas in die Länge gezogen an. Zudem muss man sich noch an die Länge der Zwischensequenzen dieses Theaterstücks gewöhnen.

Das Leben ist eine Bühne

Der Puppenspieler (4)Die größte Stärke und das größte Alleinstellungsmerkmal des Spiels ist die Präsentation als Theaterstück, die wirklich konsequent durch den gesamten Titel hindurchgezogen wird. Das fängt an mit der Grafik, die große Teile der Spielwelt wie Kulissen aussehen lässt – gemacht aus Holz, Stoff und anderen Baumaterialien. Jedoch ist nicht nur das Artdesign dem Theater entnommen. Immer wieder werden die Geschehnisse von einem Raunen oder Klatschen aus dem Publikum begleitet, die Ereignisse werden von Theatervorhängen eingerahmt und ganz stilecht wird uns die Geschichte von einem Märchenerzähler nähergebracht. Zudem sieht man beim Szenenwechsel immer, wie die Kulisse aus Einzelteilen zusammengesetzt ist. Die Liste an Kleinigkeiten, auf die Sony geachtet hat, könnte man noch lange weiterführen. Aber den roten Faden behält Der Puppenspieler in jedem Moment bei und gewinnt so ganz viel Charme. Stilistisch bewegt es sich irgendwo zwischen Märchen und Puppentheater und versprüht genau so viel Stimmung wie es beispielsweise die Aufführungen der Augsburger Puppenkiste können. Auch die Zielgruppe des Spiels ist eine ähnliche wie bei der Augsburger Puppenkiste. Zwar haben auch Erwachsene Spaß am Spiel, Spielmechanik und Story deuten aber darauf hin, dass auch die Jüngsten viel Spaß mit der Holzpuppe Kutaro haben können.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Bei Der Puppenspieler ist mir wirklich das Herz aufgegangen. Mal abgesehen von Rayman Legends wurde einem gerade im Jump-’n‘-Run-Genre zwar immer solide, aber meist doch nur aufgewärmte Kost geboten. Lieber auf Sicherheit bauen, anstatt mal etwas Neues zu wagen. Sony ist hier erstaunlich experimentierfreudig und präsentiert ein nicht nur stilistisch hervorragendes Spiel. Auch das Gameplay bietet gleich mehrere absolut neue Grundideen, die im Großen und Ganzen fabelhaft funktionieren. Sicherlich bringt die Kopftauscherei ihre eigenen Mankos mit sich – mir ist es aber viel lieber, als noch ein New-Super-Mario-Bros.-Ableger zu spielen, der nichts falsch macht und nichts Besonderes ist. Der Puppenspieler wird mir sicherlich nicht ewig in Erinnerung bleiben und prägt vermutlich auch niemanden großartig – es ist aber genau das, was der Videospielmarkt gerade braucht. Ein Hort von kleinen, sowie kreativen Ideen und die wohl beste und rundeste Präsentation eines Jump ’n‘ Runs seit Ewigkeiten. Da sieht man als erwachsener Spieler auch gerne mal darüber hinweg, dass der Schwierigkeitsgrad oder die Geschichte an sich eher an eine jüngere Zielgruppe gerichtet sind.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Der Puppenspieler!

Review: Fifa 14

Fifa 14 (1)Wahrscheinlich zum letzten Mal bekommen PlayStation-3- und Xbox-360-Besitzer in den Genuss eines richtigen Fifa-Update, in dem etwas mehr als nur die Kader aktualisiert werden. In unserem Review klären wir, warum sich das diesjährige Update für die aktuelle Generation lohnt.

Fifa 14 (2)Gleich zu Beginn fällt uns auf, dass sich zumindest das Menü grundlegend geändert hat. Deutlich intuitiver lässt sich so durch den mittlerweile unglaublich hohen Berg an Modi navigieren. Da wären zunächst natürlich das ganz normale Freundschaftsspiel, die Ligen, Pokale und andere Wettbewerbe, einfache Online-Partien und der Karrieremodus. Neben dem Handwerkszeug eines jeden Fußballspiels bietet Fifa 14 aber auch weitere Modi – teilweise umfangreich genug, um eigene Spiele zu füllen! Besonders der Ultimate-Team-Modus ist beliebt unter den Spielern und verbindet die besten Elemente von Kartensammelspielen mit dem Fifa-Gameplay – eine Art Panini meets Electronic Arts. Ein anderes Beispiel ist schon das Tutorial. Wo andere Spiele uns vorgefertigte Spielsituationen liefern, in denen wir ein bestimmtes Ereignis auslösen müssen, sind die Skill-Games in Fifa 14 um ein Vielfaches freier. Wie auf dem echten Trainingsplatz machen wir Übungen und Spielchen, bei denen es mehrere Wege zum Erfolg gibt und bei denen die Gegner immer anders reagieren. Zusammen mit einem Medaillensystem gibt Electronic Arts uns hier wohl eines der motivierendsten Tutorials der letzten Jahre. Weite Motivation kann man zudem aus der virtuellen Bundesliga und dem Fifa Football Club ziehen, in denen wir uns mit unseren Freunden aus Deutschland beziehungsweise aller Welt vergleichen können. Schon allein die Nennung und Beschreibung aller Modi würde jeglichen Rahmen sprengen.

Jedem Fan sein Verein

Fifa 14 (3)Die quasi angeborene Stärke der Fifa-Reihe sind die unglaublich umfangreichen Lizenzen. Wer mit seinem Lieblingsteam antreten möchte – egal wie exotisch es ist – wird wohl wahrscheinlich bei Fifa 14 fündig. Von der Bundesliga, über die vierte englische Liga bis zu der obersten Liga Saudi Arabiens lässt sich fast alles finden. Und wenn man doch nicht erfolgreich ist, bleibt immer noch eine beachtliche Datenbank an von Usern generierten Inhalten. So dürfen wir beispielsweise auch die 3. Bundesliga oder verschiedene alte Weltmeisterschaften mit all ihren Teams nachladen. Damit die Atmosphäre wirklich perfekt ist, dürfen natürlich auch Fangesänge nicht fehlen. An vielen Stellen hat Electronic Arts sich bereits bemüht welche einzubauen – sie geben aber auch den Fans die Chance, um nachzurüsten. Vom Torjingle über Einlaufmusik bis hin zu Schmähgesängen für den Hauptrivalen dürfen wir alles per mp3-Datei in das Spiel einfügen. Aber auch die Kommentatoren tragen zur Stimmung bei. Das Duo aus Manfred Breuckmann und Frank Buschmann wiederholt sich zwar nach einigen Spielstunden, trifft aber eigentlich immer die Spielsituation und versorgt den Spieler zudem mit netten Anekdoten zu Stadien, Spielern und Derbys. Zwei der wenigen noch offenen Wünsche wären vielleicht mehr umgesetzte Stadien und die lange überfällige Einbindung des Frauenfußballs. Auch wenn es technisch sicherlich neue Herausforderungen wären – der Frauenfußball hätte es unserer Meinung nach definitiv verdient.

Auf dem Sprung in die neue Generation

Fifa 14 (4)Auch technisch lässt sich an Fifa 14 nur sehr wenig aussetzen. Die Spieler und Bälle bewegen sich ungemein realistisch, es ist aber dennoch kein Krampf die Akteure zu steuern. Die künstliche Intelligenz wurde nochmals eine Ecke realistischer, ohne dabei den Spieler mit unmenschlicher Vorahnung in die Weißglut zu treiben. Dass Electronic Arts für Fifa 14 das Spieltempo etwas heruntergeschraubt hat, ist dem Realismus durchaus zuträglich, kann aber eingefahrene Spieler natürlich sehr aufregen. Schließlich reagieren die Spieler plötzlich nicht mehr so schnell, wie es noch in dem Vorgänger der Fall war. Auch an den Ladezeiten wurde etwas gefeilt und zu guter Letzt sind die Grafik und der Soundtrack mal wieder auf einem Spitzenniveau. Die einzigen Kleinigkeiten würden schlichtweg die aktuelle Technik überfordern – auf ein realistischeres Publikum mit Choreografien müssen wir aber ja nur noch bis zur Einführung der neuen Ignite Engine warten. Genauer gesagt bis zum 21. November, denn dann erscheinen hierzulande die Versionen für Xbox One und PlayStation 4 der diesjährigen Fußballsimulation. Wer sowieso plant, sich eine der neuen Konsolen zuzulegen, sollte also gegebenenfalls auf die neue Version warten. Ebenso gilt – wie in jedem Jahr – dass Besitzer von Fifa 13 das Update eigentlich nicht wirklich brauchen. Wer jedoch ein Jahr ausgesetzt hat, erlebt bereits einen erstaunlich großen Qualitätssprung, der den Kaufpreis absolut rechtfertigt.

Neue Konsole, neue Engine

Fifa 14 (5)Ergänzend zu unserer Erfahrung mit der PlayStation-3-Fassung, konnten wir nachträglich auch die PlayStation-4-Fassung ausprobieren. Hier fällt die neue Engine auf, die zwar keine großen grafischen Sprünge macht, aber im Detail ein bisschen realistischer wirkt. Im Spiel gibt es keine großen Änderungen, jedoch bei der Wiederholung von gefährlichen Szenen. Dort sind die Bewegungsabläufe besser und schärfer animiert und spiegeln einen Hauch Realismus wieder. Am stärksten hat sich jedoch die Menüschnelligkeit geändert. Während die Ladezeiten auf den betagten Konsolen noch eine gewisse Zeit einnehmen, geht dies auf der PlayStation 4 wirklich schnell. Die Menüführung funktioniert flüssiger. Allerdings haben wir einiges mehr erwartet, was die Fans und Stadien betrifft. Electronic Arts hat gerade diese Elemente in den Himmel gelobt und versprochen, dass die neue Engine ein unvergessliches Mittendringefühl bietet. In Wahrheit sind die Fans aber immer noch gleich animiert, haben dieselben Bewegungsabläufe und keine wirklichen Choreographien während des Spiels. Nett ist allerdings die Funktion, dass zu Spielbeginn die Landschaft vor dem Stadion ein bisschen gezeigt wird und der Einlauf unserer Spieler besser dargestellt wird. Festhalten sollten wir aber, dass unverbrauchtes Potenzial vorhanden ist, welches man im nächsten Teil nutzen sollte.

Geschrieben von Björn Rohwer und Axel Gutsmiedl

Axels Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Version): Insgesamt konnte die neue Konsolenversion meine Erwartungen nicht erfüllen und ich muss das erste mal zugeben, dass mir ein älterer Teil der Serie besser gefallen hat. Die Zweikämpfe der Innenverteidiger sind eindeutig zu schwach, die Torhüter haben ein ums andere Mal gewaltige Aussetzer und die Ballannahmen sind selbst für gute Spieler oft eine unmittelbare Herausforderung. Wie man merkt muss ich hier auch meinem Kollegen Björn widersprechen, welcher das Runterschrauben der Spielgeschwindigkeit noch begünstigte. Wer die PlayStation-3- oder die Xbox-360-Version des Spiels besitzt, sollte nur wegen der neuen Engine nicht zuschlagen, dafür sind die Veränderungen zu klein und bringen vor allem spielerisch keine Vorteile. Ich bin mir aber sicher, dass nächstes Jahr ein Sprung in die richtige Richtung folgen wird, die neue Engine immer mehr an Stärke gewinnt und wir dadurch nächstes Jahr ein viel besseres Spielerlebnis serviert bekommen.

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Version): Man kann über Electronic Arts’ Veröffentlichungspolitik sagen, was man möchte – letztlich liefern sie doch Jahr für Jahr eine Neuauflage, die immer ein bisschen besser ist als ihr Vorgänger. Gut und gerne glaube ich, dass Fifa 14 eindeutig das Maximum zeigt, was man mit einem Fußballspiel auf dieser Hardware bewerkstelligen kann. Nachdem ich mit Fifa 13 ein kurzes Intermezzo auf der Wii U hatte, bin ich nun auf die PlayStation 3 und damit zur wirklich aktuellen Fassung zurückgekehrt. Dort wird man einfach überrollt von unglaublich vielen und unglaublich motivierenden Modi. Sei es der Ultimate-Team-Modus, die Karriere, die Skill-Games, die Onlinemodi, die Virtuelle Bundesliga, der Fifa Football Club, die Editoren und vieles mehr. Lange ist die Serie darüber hinaus, nur von den teueren Lizenzen zu leben und so selbst mit durchschnittlichen Spielen einen Reibach zu machen! Gerade im direkten Vergleich zur einzigen Konkurrenz aus dem Hause Konami wird die Klasse des Spiels deutlich. Alles was Pro Evolution Soccer 14 bereits gut macht, ist in Fifa 14 einfach noch eine Stufe besser umgesetzt. Wirklich spannend bin ich zum Zeitpunkt meines Tests jetzt nur, was die Ignite Engine bei der PlayStation-4- und Xbox-One-Fassung bewirkt. Der Grundstein für das Fußballspiel der nächsten Generation ist jedenfalls bravourös gelegt!

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars zu Fifa 14!

Special: Kingdom Hearts (Serienüberblick)

Kingdom Hearts Special (1)Wenn man die neue Serie des letzten Jahrzehntes suchen sollte, die sich am schnellsten eine große und frenetische Fanbase aufgebaut hat, landet man wohl oder übel bei Kingdom Hearts. Das Crossover aus Disney- und Final-Fantasy-Charakteren ist aber auch etwas Besonderes.

Kingdom Hearts Special (2)Die Story der Kingdom-Hearts-Reihe ist ungemein komplex, verworren und nimmt teilweise mit Sprüngen auf der Zeitleiste schon Züge der The-Legend-of-Zelda-Reihe an. Alles beginnt im ersten Teil mit dem jungen Sora, dessen kleine und idyllische Heimat von der Dunkelheit verschluckt wird. Getrennt von seinen Freunden wacht er in Traverse Town – einem Knotenpunkt der verschiedenen Welten – auf. Bei ihm ist nicht nur der unter Disney-Fans wohlbekannte Hund Pluto, sondern auch ein Schlüsselschwert – erschienen aus dem Nichts, aber eine ungemeine Hilfe im Kampf gegen die Herzlosen. An diesem Punkt beginnt eine unglaublich reichhaltige Geschichte um Sora und seine beiden Freunde Riku und Kairi. Mal geht es um Freundschaft, Vertrauen, Gut und Böse – es werden jedenfalls die ganz großen Themen angepackt. Später wird es dann mit zusätzlichen Ablegern immer komplizierter. Während man in Kingdom Hearts: Chain of Memories direkt nach dem ersten Teil dieselben Ereignisse nochmals durchlebt, katapultiert einen Kingdom Hearts coded, obwohl es zeitlich nach dem zweiten Teil liegt, wieder zur Geschichte des ersten Serienteils zurück. Mit Kingdom Hearts: Birth by Sleep wird man wiederum weit vor die Zeit von Sora katapultiert und Kingdom Hearts II hat mit Kingdom Hearts: 358/2 Days ein Spiel, welches seine Vorgeschichte erzählt. Kingdom Hearts: Dream Drop Distance soll zu guter Letzt die Brücke zum angekündigten Kingdom Hearts III schlagen. Für Quereinsteiger reichlich kompliziert!

Disneys Klassiker

Kingdom Hearts Special (3)Neben der komplizierten, aber doch sehr fesselnden Story sind es gerade die Disney-Welten, welche die Spieler ungemein reizen. Vor allen Dingen werden sogar überwiegend Abschnitte basierend auf den so genannten Klassikern von Disney erstellt. Der König der Löwen, Der Glöckner von Notre-Dame, Winnie Pooh, Alice im Wunderland oder Pinocchio sind nur eine kleine Auswahl der zahlreichen bereits umgesetzten Filme und Serien. Aber auch neuere Filme wie Tron: Legacy oder Fluch der Karibik haben bereits ihren Auftritt bekommen. Bei jeder einzelnen Welt hat man bis ins kleinste Detail sehr darauf geachtet, die Umgebungen glaubhaft zu gestalten. Die Geschichten jeder Welt lehnen sich dabei immer nah an die Originalfilme aus dem Hause Disney an und die Stimmen beziehungsweise der Soundtrack vermitteln hundertprozentig die Atmosphäre der Vorbilder. Zudem begegnen einem einfach unglaublich viele Charaktere. Seien es die wichtigen Personen aus den jeweiligen Welten oder ganz andere Figuren. Bei wem man noch keine Idee zu einer ganzen Geschichte hat, der kommt einfach als Supportcharakter. So konnte man zum Beispiel auch bereits mit Bambi oder (bevor sie ihre eigenen Welten bekamen) mit Stitch oder Simba in den Kampf ziehen. Bei jedem dieser Auftritte beginnen Disney-Fans bereits zu kreischen wie kleine Mädchen, denn auch hier steckt an jedem Ende und in jeder Ecke die Liebe zum Detail.

Gameplay-Allerlei

Kingdom Hearts Special (4)Wie die gesamte Serie ist das Gameplay der meisten Titel der Kingdom-Hearts-Serie auch ein Crossover. Hier treffen die Hack-and-Slay-Elemente eines Actionspiels auf die klassischen Bausteine der Final-Fantasy-Rollenspiele. In Echtzeitkämpfen geben wir zahlreichen Gegnern eins auf die Mütze, arbeiten mit unseren vom Computer gesteuerten Partnern zusammen und kassieren nach jedem besiegten Gegenüber Erfahrungspunkte und weitere Belohnungen. Angereichert wird das Ganze dann je nach Serienteil mit weiteren kleinen Abschweifungen aus dem Genre. Die Hauptteile bieten zum Beispiel Gummijet-Missionen, in denen man per Flugzeug von Welt zu Welt fliegt und dort allerlei Gegner abschießt. Dream Drop Distance hat wiederum eine eingebaute Monsterpflegesimulation eines Nintendogs und Chain of Memories krempelt das Kampfsystem gleich vollständig um und macht jede Aktion von Sammelkarten abhängig. Bei einigen Serienablegern wird leider die Storylastigkeit teilweise tatsächlich zu einer Last. Zu langatmig sind manche Einführungen und zu verwirrend manche Zusammenhänge. Tetsuya Nomura, einer der Väter der Serie, hat Kingdom Hearts teilweise sogar genau so gestaltet, um zu verwirren. Seiner Meinung nach sei es bei einem guten Spiel wichtig, den Spielern Platz für Spekulationen zu geben. Man kann wohl nicht besser rätseln und spekulieren, wie bei Storylücken, die erst bei späteren Titeln geschlossen werden.

Auf vielen Hochzeiten getanzt

Kingdom Hearts Special (5)Wer sich tatsächlich vornimmt in die Serie einzusteigen, sollte daher möglichst auch in der Reihenfolge die Titel abarbeiten, in der sie erschienen sind. Ein Einstieg mit einem Handheld-Ableger macht da wenig Sinn. Besonders gut ist es da, dass es mit Kingdom Hearts: HD 1.5 ReMIX und in etwa einem Jahr auch mit Kingdom Hearts: HD 2.5 ReMIX zwei Sammlungen gibt, die einen Großteil der bisherigen Serienteile nochmals in HD zusammenfasst. Wer also vor hat, sich in der nächsten Konsolengeneration Kingdom Hearts III vorzunehmen, ist gut beraten, nun sechs der sieben bisher erschienenen Spiele auf diesem Wege nachzuholen. Vor allen Dingen mit dem Vorteil, dass die Spiele nun nicht mehr so ungemein verteilt sind. Wollte man zuvor die gesamte Serie spielen, war nicht nur eine PlayStation 2, sondern auch ein GameBoy Advance, ein Nintendo DS, eine PlayStation Portable und ein Nintendo 3DS nötig. Jedes Spiel hierzulande (bis zu den besagten HD-Remakes) immer als Exklusivtitel für die jeweilige Konsole! Eine beachtliche Streuung für eine Serie und ein kleines Ärgernis für viele Fans. Da das Manko jetzt (zumindest für PlayStation-3-Besitzer) aus dem Weg geräumt ist, können die Fans nun weiter an den Lippen des Entwicklerstudios kleben und jede noch so kleine Kleinigkeit aufsaugen und damit Spekulationen anfachen. Wir sind schon gespannt, mit welchen neuen Welten uns der dritte Teil der Serie verzaubern will. The Story must go on!

Geschrieben von Björn Rohwer

Review: NHL 14

NHL 14 (1)Auch wenn der Eishockey-Sport in Deutschland nicht zu den Kernsportarten gehört, versorgt Electronic Arts die kleine Fangemeinde auch in diesem Jahr wieder mit einem Jahres-Update der NHL-Sportspielserie. Dieses Update wirkt dabei jedoch sehr US-amerikanisch.

NHL 14 (2)Wie bei jedem Sportspiel von Electronic Arts mit Label von Electronic Arts Sports wird auch bei NHL 14 erst einmal sehr viel Wert auf die Atmosphäre im Stadion gelegt. Mit soliden (und noch dazu nur englischsprachigen) Sprechern und einer sehr realistischen Präsentation mit Highlights und Sponsoren wird der Grundstein gelegt. Wirklich punkten kann der Titel aber natürlich mit den alljährlichen Lizenzen. Nichts sorgt für mehr Identifikation mit einem Spiel, als das Antreten mit dem persönlich favorisierten Verein in Originaltrikots und mit den aktuellen Spielern. Trotz der Randrolle des Eishockeys in Deutschland zählt zu den Lizenzen aber auch die Deutsche Eishockey Liga, kurz DEL. So ist es möglich, dass wir auch mit den Kölner Haien oder den Hamburg Freezers auf das Eis ziehen können. Zusätzlich tragen auch der sehr rockige Soundtrack und die gelungene Physik-Engine zur Stimmung bei. Ja, auch die Physik-Engine muss diesmal extra erwähnt werden. Im neuesten Ableger sind die Kollisionen zwischen zwei Spielern noch realistischer, man kracht richtig in die Bande und gelegentlich fliegen auch gleich Helm und Schläger weg – je nach Intensität des Checks. Genau wie die Kollisionen sind aber auch alle Elemente des Spiels äußert realitätsnah gelungen. Sowohl dem Puck, als auch den Spielern selbst kaufen wir so gut wie jede Bewegung und Abpraller ab.

In den Eisring!

NHL 14 (3)Eine der größten Neuerung des diesjährigen Ablegers ist das Kampfsystem, das man direkt aus Electronic Arts Fight-Night-Serie entnommen hat. Jetzt können wir uns noch sehr viel realistischer auf dem Eis in Faustkämpfe stürzen. In wirklich jedem Spiel! Was auf den ersten Blick Unwissenden wie ein Anbiedern an den US-Markt erscheint, ist in der National Hockey League, kurz NHL, aber anscheinend Alltag. Gerade zu Beginn – wenn man Steuerung und Regelwerk noch nicht vollends verinnerlicht hat – findet man sich in jeder Partie in NHL 14 gleich mehrmals in einem Faustkampf wieder. Grundsätzlich ist NHL 14 aber mehr als eine Boxsimulation, denn die meiste Zeit spielen wir ja doch noch Eishockey. Wie bei eigentlich jeder seiner Sportsimulationen kann der Publisher wieder über weite Strecken überzeugen. Mit dem vielen Geld des Konzerns lassen sich viele Lizenzen und damit eine fabelhafte Atmosphäre einkaufen. In den Spielmodi gibt es dazu viele Parallelen zu den hierzulande bekannteren Fifa-Titeln. Auch bei NHL 14 findet sich ein Ultimate-Team-Modus. Wir können eigene Charaktere erstellen, Ligen oder Pokale spielen oder online gegen menschliche Gegner antreten. Der unter Fußballfans beliebte Modus sorgt für eine angenehme Langzeitmotivation und bringt uns dank des virtuellen Geldsegens dazu, täglich zumindest eine Partie zu spielen.

Eingewöhnungsphase

NHL 14 (4)Einer der neuen Modi ist der so genannte NHL-94-Modus. Dort spielen wir mit der einfachen Steuerung des zwanzig Jahre alten Serienablegers, sehen das Geschehen entsprechend aus der Vogelperspektive und bekommen stärkere Bodychecks – eine Art verkappter Arcade-Modus! Leider nicht enthalten sind die Originalteams von 1994. Mit den Neuerungen unterliegt auch NHL 14 den Regeln fast jeder Sportsimulation: Wer im letzten Jahr zugegriffen hat, sollte es sich stark überlegen – wer einfach Spaß am Sport im Allgemeinen hat, darf gerne zugreifen und wer durch eine mittelmäßige künstliche Intelligenz des Torhüters verstimmt wird, sollte einen großen Bogen um das Spiel machen. Anders als in der Fifa-Serie werden Neulinge aber durchaus eine längere Zeit mit der Eingewöhnung in die Steuerung beschäftigt sein. Diese ist zwar einerseits unglaublich filigran, wenn man sie denn beherrscht, kann aber für blutige Anfänger auch bisweilen frustrierend sein. Solange man sich aber zunächst auch eingesteht, auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad anzufangen und sich dann erst einmal auf die Basics konzentriert, sollte man auch Stück für Stück den Weg in das Spiel finden. Eine Körpertäuschung will beispielsweise auch erst einmal gelernt sein. Sowieso sind wir erst einmal damit beschäftigt, unnötig vielen Boxkämpfen aus dem Weg zu gehen.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Eigentlich beschäftige ich mich mit Eishockey immer nur mal zur Weltmeisterschaft, Europameisterschaft oder wenn sich bei den Hamburg Freezers mal ein spannendes Spiel anbahnt. Die National Hockey League habe ich sogar noch weniger auf dem Schirm als die National Basketball Association oder sogar die National Football League. Daher wirkten die immer wieder auftretenden Boxkämpfe in NHL 14 auch sehr befremdlich auf mich. Hat man den ungeschriebenen Ehrenkodex verstanden oder hat man die Faustkämpfe einfach deaktiviert, öffnet sich ein rundum gelungenes Spiel, das mich als Sportfan sofort fesseln konnte. Auch wenn mich zunächst die Steuerung etwas verwirrte, wirkte sie nach einiger Spielzeit sogar besonders intuitiv. Sicherlich ist das Spiel aber auch besonders beeindruckend, weil ich seit einigen Jahren keinen Ableger der Serie mehr gespielt habe. Wie bei eigentlich jeder Sportserie gilt nämlich, dass man erst mit etwas Abstand zwischen den Titeln den wirklich Fortschritt erkennt. Die Unterschiede zu NHL 13 liegen – wie gewohnt – nur im Detail. Einzig die künstliche Intelligenz der Torhüter hat mich an einigen Stellen doch genervt. Mal hält der virtuelle Keeper überragend, um sich dann im nächsten Moment ohne Not den Puck ins eigene Tor zu schieben. Aber auch das ist ein in den verschiedensten Sportspielen immer wieder auftretendes Phänomen.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von NHL 14!

Prime Time: Kingdom Hearts: HD 1.5 ReMIX (Unboxing)

In der letzten Woche ist hierzulande Kingdom Hearts: HD 1.5 ReMIX erschienen und wir haben das Spiel nicht nur vorab in einer Preview beleuchtet, sondern haben uns natürlich auch die Limited Edition zugelegt, die wir euch in unserem Unboxing-Video näherbringen möchten. Wir verraten euch, welche optischen und haptischen Merkmale diese Edition bietet und mit welchem Inhalt ihr rechnen dürft. Wir wünschen gute Unterhaltung!

Preview: Kingdom Hearts: HD 1.5 ReMIX

Kingdom Hearts - HD 1.5 ReMix (1)Wenige Serien haben es in so kurzer Zeit geschafft, sich solch eine große, fanatische Fanbase aufzubauen wie die Rollenspielreihe Kingdom Hearts. Mit dem HD-Remake der ersten Teile kann man nun auch in aufgehübschter Grafik versuchen, die Faszination nachzuvollziehen.

Kingdom Hearts - HD 1.5 ReMix (2)Crossovers sind kein einfaches Unterfangen. Meistens merkt man doch, dass eine Partei federführend war und die andere Seite vernachlässigt wird. Als Kingdom Hearts angekündigt wurde, war sich auch die Spielerschaft noch nicht sicher, was man davon halten soll. Offen stand die Frage, ob es ein Disney-Kinderspiel wird, bei dem Square ein wenig am Gameplay feilt oder ob es ein Final Fantasy mit deplatzierten Disney-Figuren wird. Zum Release sind beinahe alle Lager verstummt. Die Geschichte um den jungen Sora und seine Freunde Kairi und Riku ist erzähltechnisch auf dem Niveau von Final Fantasy und bietet uns eins zu eins die Atmosphäre klassischer Disney-Filme. Das Inselkind Sora wird eines Tages aus seiner idyllischen Umgebung in die tiefste Dunkelheit gerissen und muss vom sorglosen Alltag sofort in den Kampf springen. Als Träger des Schlüsselschwertes ist er nämlich einer der Auserwählten, der die Welt vor der Finsternis retten und die Herzlosen, die dunklen Monster des Spiels, besiegen kann. Wieso gerade Sora in dieser Position steht und wieso die verschiedenen Welten von den dunklen Wesen überfallen werden, klärt sich in etlichen Teilen Stück für Stück auf. Die Geschichte von Kingdom Hearts ist mitnichten für Kinder gedacht. Der Spieler steht einem der komplexesten Storygeflechte der letzten Jahre gegenüber. Da ist es bitter nötig, dass Neulinge jetzt mit den ersten beiden Serienteilen anfangen können.

Mehr als eine HD-Neuauflage

Kingdom Hearts - HD 1.5 ReMix (3)Neben der Story zieht die Serie ihren Reiz aus den Disney-Welten. So weit wie nur möglich hat man Originalsprecher engagiert, den echten Soundtrack eingebaut und die Welten mit viel Liebe gestaltet. Hinzu kommen Gastauftritte. In Kingdom Hearts sind über alle Welten zum Beispiel die 99 Dalmatinerwelpen versteckt oder man ruft im Kampf einfach Dumbo oder Bambi zu sich. Fans klassischer Disney-Filme dürften vor Freude strahlen. Das etwas action-lastigere Rollenspiel Kingdom Hearts kommt sogar als Final Mix daher. So bekommen wir Europäer erstmals einige zusätzlichen Szenen, Gegner und Kämpfe präsentiert. Außerdem hat man die Kamera und das Gameplay etwas mehr an den Nachfolger Kingdom Hearts II angelehnt, wodurch auch die wenigen Probleme des ersten Teils weitestgehend ausgemerzt werden. Wer die etlichen Spielstunden des ersten Teils absolviert hat, bekommt in Kingdom Hearts: HD 1.5 ReMix aber gleich noch zwei weitere Spiele geboten, welche die Brücke zum Nachfolger schlagen. Eher gesagt ein Spiel und einen Film. Während Kingdom Hearts: Re: Chain of Memories den GameBoy-Advance-Titel komplett neu auflegt, dürfen wir das DS-Spiel Kingdom Hearts: 358/2 Days in Form von zusammengeschnittenen Cutscenes in knapp drei Stunden genießen. Tatsächlich eine Überlegung wert, wenn man keine Lust hat, den Nintendo DS wieder herauszukramen oder das Gameplay doch etwas langatmig fand.

Vom Handheld auf die HD-Konsole

Kingdom Hearts - HD 1.5 ReMix (4)Den größten Sprung hat aber Kingdom Hearts: Chain of Memories gemacht. Hier wurde nicht nur die Technik, sondern auch das Gameplay verbessert. Weiterhin bleibt dem Spiel aber das einzigartige Kampfsystem erhalten. Chain of Memories ist kein klassisches Rollenspiel oder Action-Adventure, sondern ein Kartenrollenspiel. In den Kämpfen laufen wir nicht herum und stufen auf, sondern haben für jede Aktion passende Karten parat. So bewegen wir uns rundenbasiert durch das Schloss des Entfallens und versuchen der geheimnisvollen Organisation auf die Schliche zu kommen. Gleichzeitig verliert Sora aber Stück für Stück sein Gedächtnis und beginnt sich an absurde Dinge und neue Personen zu erinnern. Hier ist die Story wieder das treibende Element. Auf dem GameBoy Advance war das Gameplay noch sehr hakelig und es ist schwer einzuschätzen, ob man diese Fehler tatsächlich behoben hat. Aber selbst falls nicht, möchte man als Spieler einfach jeden Storyfetzen aufsaugen, weshalb man auch über etwas schlechtere Gameplay-Mechanismen hinweg sehen kann. Insgesamt ist Kingdom Hearts: HD 1.5 ReMix für Europäer mehr als die in letzter Zeit haufenweise auftauchenden HD-Sammlungen. Mit von Grund auf nachprogrammierten Spielen, zusätzlichen Inhalten, Gameplay-Anpassungen und riesigen grafischen Sprüngen für Chain of Memories, sollten auch Besitzer der ersten Serienteile eindeutig über einen Kauf nachdenken.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf den Originalversionen und dem veröffentlichten Videomaterial): Die beiden Hauptteile der Kingdom-Hearts-Reihe zählen immer noch zu meinen absoluten Lieblingsspielen. Wenn man mit Rollenspielen etwas anfangen kann, ist es klasse, aber wenn man auch noch die Disneycharaktere mag, kann man sich nur in diese Reihe verlieben. Vor allen Dingen, weil man hier nicht krampfhaft die aktuell erfolgreichen Serien einbaut, sondern auf Klassiker vertraut. Herkules, Winnie the Pooh, Peter Pan, Arielle, Aladdin und viele mehr. Aber nicht nur der geniale erste Teil der Serie erreicht uns erstmals im Final Mix, sondern auch die neue Version von Kingdom Hearts: Chain of Memories ist für mich schon allein den Kauf wert. Die GameBoy-Advance-Version war teilweise wirklich etwas hakelig zu spielen und ist leider nicht perfekt gealtert. Da kommt mir eine HD-Umsetzung der Geschichte gerade Recht. Obwohl ich beide Spiele schon mehrmals durchgespielt habe, bin ich heiß auf das Remake. Mein letzter Durchgang ist bei beiden Spielen nun so lange her, dass es wieder Zeit wird, in die Square-Disney-Welt abzutauchen.

Review: Resident Evil: Revelations

Resident Evil Revelations (1)Wenige Serien wurden in dieser Konsolengeneration mit so viel Spott und Häme begleitet wie Resident Evil. Weder die Hauptserie noch die Spin-offs knüpften für die Kritiker an die guten alten Zeiten an. Resident Evil: Revelations machte bereits auf dem 3DS einiges besser.

Resident Evil Revelations (2)Was einen aber auf einem kleinen Handheld gruselt, muss nicht zwangsläufig auch auf der großen Konsole funktionieren. An der Story kann so eine Portierung aber nicht scheitern. Wir befinden uns im Jahr 2005 – chronologisch also zwischen Resident Evil 4 und dem fünften Teil der Serie.  Ganz typisch für das Resident-Evil-Franchise dreht sich die Geschichte vorrangig um Biowaffen. Nach einem bioterroristischen Anschlag der Organisation Il Veltro musste die technisch hoch entwickelte schwimmende Stadt Terragrigia vor knapp einem Jahr zerstört werden. Die Terroristen ließen ein Virus frei, dass die Menschen Stück für Stück in eine Art Zombies verwandelte und um die restliche Weltbevölkerung zu retten, wurden mit der Stadt letztlich all ihre Einwohner geopfert. In der Krise arbeitete die staatliche Bioterror-Kommission, kurz FBC, mit der frisch gegründeten BSAA, einer Nichtregierungsorganisation mit den gleichen Zielen, zusammen. Letzterer gehören auch alt bekannte Resident-Evil-Protagonisten wie Jill Valentine oder Chris Redfield an. Nun kommt es ein Jahr später in der Nähe der Insel wieder zu komischen Vorkommnissen – unter anderem werden deformierte Leichen angespült. Als dann Redfield zusammen mit seiner neuen Partnerin irgendwo im Meer verloren geht, beginnt das Abenteuer und ihr dürft euch auf einem scheinbar verlassenen Schiff umsehen. Ohne zu viel zu verraten, erwartet den Spieler von dort an ein spannendes Hin und Her mit einigen Wendungen und einer großen Portion Spannung.

Gute Schiffe – schlechte Hunde

Resident Evil Revelations (3)Nachdem in den letzten Jahren der Trend immer mehr zum Actionspiel ging, besinnt sich Resident Evil: Revelations auf die Ursprünge der Serie. Zuletzt gab es Horror-Spiele eigentlich nur noch von Indie-Entwicklern (unter anderem Amnesia), da die Zielgruppe eben viel kleiner ist, als die der Actionspiele. Revelations zeigt besonders am Anfang seine Stärken. Wenn Jill Valentine und Parker Luciani durch die engen Korridore eines einsamen Schiffes schleichen, kommen schon erste gruselige Momente auf. Gepaart mit einer typischen Geräuschkulisse und der knappen Munition bangen wir hier tatsächlich um unser virtuelles Leben. Weil aber bekanntlich Glück und Schmerz eng beieinander liegen, folgt eine kleine Ernüchterung gleich im nächsten Kapitel. Sobald wir nicht mehr auf dem Schiff eingesperrt sind, verliert das Spiel auch etwas an Zugkraft. Gerade eine Szene ist dabei exemplarisch für die Stimmungskiller: Relativ früh am Anfang verletzen wir uns, können nicht mehr laufen, werden dabei aber von einer Meute Hunde angegriffen. Innerhalb von kürzester Zeit müssen wir so am Boden fixiert knapp dreißig Hunde erschießen. Bedenkt man, dass wir vorher jede Kugel sparen mussten und plötzlich munter umher ballern können, wirkt die Szene noch unglaubwürdiger, als sie eh schon ist. Zum Glück überwiegen im Spielverlauf aber die runden, gruseligen Momente.

In der Ruhe liegt die Kraft

Resident Evil Revelations (4)Spielerisch setzt der Titel wie bereits erwähnt auf mehr ruhige Momente, auf die umgehend auch Schockmomente folgen. Oftmals sehen wir uns vorsichtig durch Gänge schleichen, in der steten Erwartung, dass hinter der nächsten Ecke irgendeine mutierte Bestie wartet. Ausgerüstet sind wir dabei meist mit einer Waffe und relativ wenig Munition – fleißige Suchende können aber auch auf weitere Geräte stoßen, um ihre Gegner auszuschalten. Neu ist das so genannte Genesis. Mit dem Gerät können wir unsere Umgebung scannen und so entweder Informationen über den Gegner sammeln oder auch hilfreiche Items finden. Ein guter Weg für gefrustete Spieler, sich Revelations etwas einfacher zu machen. Wer nämlich fleißig per Genesis die Räume absucht, wird wahrscheinlich niemals an die Grenzen der Munitionsreserven stoßen. Zudem wird das Spiel durch kleinere Rätsel aufgelockert, die aber kaum ins Gewicht fallen. Im Laufe des Spiels dürft ihr neben Jill Valentine auch weitere Charaktere übernehmen. Dabei werdet ihr die meiste Zeit von einem Partner begleitet, den ihr aber nur selten wirklich wahrnehmt. Einen durch diese Zweiergespanne möglichen Kooperationsmodus hält Capcom aber leider nicht für uns bereit.

Spürbare Wurzeln

Resident Evil Revelations (5)An einigen Stellen kann Resident Evil Revelations die 3DS-Herkunft nicht leugnen. Insbesondere das Episodenformat der Story ist typisch für Handheldspiele. Die interessante und wendungsreiche Story wird immer in etwa 15-minütigen Abschnitten erzählt, bevor es einen zeitlichen oder räumlichen Sprung gibt. Eingeleitet werden diese Episoden dann ganz stilecht mit Rückblenden. Neben der Story erinnert uns selbstverständlich auch die Technik an den Ursprung des Titels. Obwohl die Texturen manchmal etwas matschig wirken, fällt die technische Umsetzung insgesamt eher positiv aus. Der Spielbarkeit und der Atmosphäre steht sie zumindest nicht im Weg. Neben der bloßen Portierung hat sich das Entwicklerteam auch um einige Neuerungen gekümmert. Für alle Konsolen gibt es einen etwas erweiterten Raubzugmodus, in dem wir die Levels mit mehr Gegnern und in möglichst kurzer Zeit abschließen sollen. Neu sind hier zusätzliche Charaktere, Waffen und ein besonders hoher Schwierigkeitsgrad. Exklusive Vorteile der Wii-U-Fassung sind zudem die Auslagerung der Karte und des Inventars auf den Zusatzbildschirm und die Möglichkeit, das komplette Spiel nur auf dem Controller zu spielen. So kommt diese Version des Spiels wohl dem ursprünglich gedachten 3DS-Konzept noch am nächsten. Zudem gibt es per Miiverse die Möglichkeit, ähnlich wie in Dark Souls, für andere Spieler Hinweise an den Wänden zu platzieren. Besitzer von Nintendos aktuellem Flagschiff haben also einen kleinen, aber feinen Grund mehr, sich das Spiel zu zulegen.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der Nintendo-Wii-U-Fassung): Resident Evil: Revelations ist eindeutig das Beste, was in den letzten Jahren unter der großen Survival-Horror-Marke erschienen ist. Ich war zwar noch nie ein großer Fan der Serie, aber den Horror kann man dem Spiel nicht absprechen. Sicherlich gibt es einige Szenen, in denen die Spannung durch allzu actionlastige Momente gestört wird, doch im Großen und Ganzen ist der Titel näher am Ursprungskonzept als alles, was in dieser Generation erschienen ist. Insbesondere die dichte Atmosphäre auf dem Schiff kann mich absolut überzeugen. Wenigen Spielen tun enge, geschlossene Korridore so gut. Einziger Wermutstropfen dieser Version bleibt die Herkunft. Es kommt doch hin und wieder vor, dass man sich daran erinnert, eigentlich einen Handheld-Titel zu spielen. Nicht nur die Grafik sieht bisweilen etwas matschig aus, sondern auch die Actionszenen. Wenn mutierte Hunde auf einen zuspringen, liegt die Assoziation nahe, dass solche Momente genau für den 3D-Effekt konzipiert wurden. Nichtsdestotrotz ist das Spiel für Genre-Fans eigentlich ein Pflichtkauf. Es sei denn, sie besitzen bereits die originale Nintendo-3DS-Version. Ein besseres Resident-Evil-Gefühl bekommt man in dieser Generation mit keinem anderen Spiel.

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Resident Evil: Revelations!

Review: The Night of the Rabbit

Night of the Rabbit (1)Adventure-Fans dürfte Matthias „Matt“ Kempke bereits ein Name sein. Nachdem er federführend die beiden Indie-Titel unter der Marke What Makes You Tick entwickelt hat, kommt mit The Night of the Rabbit nun sein erstes eigenes Spiel im Hause Daedalic Entertainment heraus.

Night of the Rabbit (2)Zwei Tage Freiheit dürfen wir noch genießen. Als Jerry Haselnuss steht für uns dann nämlich wieder der graue Schulalltag an. Die wenige Zeit will gut genutzt werden und spätestens als wir eine sonderbare Nachricht bekommen, scheinen sich unsere Wünsche zu erfüllen. Der Junge lebt mit seiner Mutter nicht nur in einem märchenhaften Grundstück am Rande der Stadt, sondern findet sich wenig später auch in einem waschechten Märchen wieder. Der mannsgroße Hasenzauberer Marquis de Hoto erfüllt uns einen unserer sehnlichsten Wünsche – er bildet uns zum Zauberer aus. Ganz ohne Hintergedanken geschieht dies jedoch nicht. Ohne unsere Hilfe kann der Zauberer nämlich seine Heimat, den Mauswald, nicht vor den drohenden Ereignissen bewahren. In der Märchenwelt sind die Tiere nicht nur besonders groß, sondern können auch mit uns ganz normal sprechen. Von diesem Punkt ausgehend entwickelt sich eine wahrlich märchenhafte Geschichte. Wer allerdings ein durch und durch humorvolles Adventure wie Deponia oder Edna bricht aus erwartet, muss leider enttäuscht werden. The Night of the Rabbit versteht sich viel mehr als wirkliches Märchen und möchte uns eine zauberhafte Geschichte vermitteln. Auf Schmunzler müssen wir dabei aber nicht verzichten. Immer wieder hat Matt Kempke Anspielungen auf Adventures, andere Videospiele oder die Popkultur im Allgemeinen clever in das Spiel eingebunden.

Verwöhnte Spieler

Night of the Rabbit (3)Nach und nach erschließen wir auf unseren Abenteuern neue Teile des Mauswaldes. Mit der Zeit entwickelt sich so ein weitläufiges Areal, in dem wir ein Gefühl der Freiheit bekommen. Dabei gibt es zwischendurch Situationen, in denen wir auch wirklich zwischen verschiedenen Rätseln wählen dürfen. Gleichzeitig führt der viele Platz aber auch dazu, dass etwaige Hänger etwas mehr ins Gewicht fallen. Bei unserem Test kam es aber zu keinem wirklichen Stocken, da die Rätsel allesamt logisch aufgebaut sind und teilweise schon geniale Züge annehmen. Wenn wir erst durch Laufwege oder Tag-Nacht-Wechsel die Rätsel lösen können, müssen wir den Hut vor dem Entwicklerteam ziehen. Zudem bietet The Night of the Rabbit auch einige Dialogrätsel, anstatt mit immer gleichen Schalterrätsel aufzuwarten. Das einzige Manko bei den Rätseln bleiben die Kommentare des Protagonisten. Vielleicht sind wir von den letzten Daedalic-Entertainment-Adventures zu verwöhnt, aber selbst ohne große Probleme im Spiel, wiederholen sich die Kommentare bei Misserfolgen arg schnell. Sollten wir dann wirklich mal auf Granit beißen, gibt es zum Glück eine Hotspot-Anzeige. Intelligent ins Spielgeschehen eingebunden wird diese uns als Münze präsentiert, die uns Spuren von Magie in der Umgebung anzeigt. Während uns im späteren Spielverlauf Marquis de Hoto hilft, steht uns von Beginn ein Tagebuch zur Verfügung, in dem Aufgaben und Informationen verzeichnet werden.

Gestochen scharf

Night of the Rabbit (4)Nicht nur spielerisch ist das Spiel von Matt Kempke sehr gelungen, denn die grafische Umsetzung toppt das Ganze nochmals um Längen. In gestochen scharfen Full HD wird uns die Märchenwelt mit zahlreichen kleinen Details präsentiert. Dabei hat sich Daedalic Entertainment mit dem Grafikstil abermals neu erfunden und bewegt sich von den klassischen Comicfiguren mehr zu einer Art asiatischem Stil. Leider zahlt das Spiel auch einen Preis für die bezaubernde Grafik und die vielen Animationen – obwohl Point-and-Click-Adventures nicht wie die Ressourcenfresser wirken, zwingt dieser Titel etwas ältere PCs schnell in die Knie. Entweder kommt es zu gelegentlichen Rucklern oder das Spiel streikt von vornherein. Soundtechnisch geht es in The Night of Rabbit ebenfalls hoch her. Die Sprecher sind für solch ein Märchen absolut passend und auch die Soundeffekte stimmen. Käufer der Erstfassung können sich darüber hinaus noch – typisch für den Publisher – auch über eine Soundtrack-CD freuen. Insgesamt werden wir mit wenigen Abstrichen über die knapp zehn Stunden Spielzeit sehr gut unterhalten, sofern wir uns mit der märchenhaften Geschichte anfreunden können. Die teilweise in Trailern angedeuteten düsteren Momente bleiben aber unserer Meinung nach weitestgehend aus – es bleibt schlichtweg ein schönes Märchen.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Daedalic Entertainment zählt absolut zu meinen Lieblingsentwicklern. Kaum ein Unternehmen schafft es in so kurzer Zeit immer wieder attraktive, hochwertige Spiele zu veröffentlichen und dabei nicht nur eins, zwei Lizenzen auszuschlachten. Zudem halten sie das Point-and-Click-Adventure-Genre am Leben und wer weiß, ob Deutschland auch ohne sie zur absoluten Genre-Hochburg geworden wäre. Mit The Night of the Rabbit geht das Studio jedenfalls mal wieder neue Wege. Die Märchenwelt trifft zwar nicht unbedingt meinen Geschmack, aber insgesamt hält Daedalic Entertainment eindeutig sein Niveau. Insbesondere die Liebe zum Detail ist auch bei dem Adventure von Matt Kempke eines der großen Aushängeschilder. Der einzige wirkliche Wermutstropfen bleibt für mich, dass das Spiel auf meinem eigenen PC gar nicht läuft. Entweder ist das Spiel technisch anspruchsvoller, als es erscheint oder es ist Zeit für einen neuen PC. Ich und mein Geldbeutel befürchten Letzteres.

Vielen Dank an Daedalic Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Night of the Rabbit!

Review: Pro Evolution Soccer 2013

Es war lange Zeit eine reine Religionsfrage, ob man als Spieler nun zu Pro Evolution Soccer oder doch zur Fifa-Serie greift. Während Hauptargumente bei Fifa, die Lizenzen, so stark wie eh und je sind, bröckelte der Simulationsanspruch der Pro-Evolution-Soccer-Serie in den letzten Jahren etwas. In diesem Jahr will man diese Fehler ausbügeln.

Während Konami für das nächste Jahr schon einige grundlegende technische Änderungen angekündigt hat, begnügt man sich in der diesjährigen Version mit kleinen punktuellen Änderungen. So wurde beispielsweise das Spielgeschehen etwas verlangsamt. Was zunächst als gewagter Schritt erscheint, ist nur eine logische Konsequenz aus der Konkurrenz zu Fifa. Während Electronic Arts Serie mittlerweile einen temporeichen Tiki-Taka-Fußball mit einem beachtlichen Simulationsanspruch verbindet, ist Pro Evolution Soccer seit einigen Jahren auf der Suche nach der eigenen Nische. Der etwas bedachtere Fußball, gespickt mit technischer Finesse und Ballstafetten, soll eben diese Nische darstellen, die Pro Evolution Soccer wieder den minimalen Vorsprung zur Fifa-Serie geben soll. Der Plan geht auch zu einem großen Teil auf, wird aber durch kleine Makel an jeder Ecke stark gefährdet. Bei dem hohen Niveau, auf dem sich heute die Sportsimulationen befinden, sind es letztlich die kleinsten Details, die den Unterschied ausmachen. An vielen Stellen sind es alte Probleme, die der Serie bis heute zu schaffen machen. Eine große Baustelle ist da weiterhin der Torhüter. Obwohl schon seit Jahren der letzte Mann im Fokus der Kritik steht, leistet er sich auch in dieser Ausgabe immer wieder große Patzer. Die Artistik, mit der er seine Arbeit verrichtet, ist wirklich beachtlich.

Die perfekte Abseitsfalle

Selbst der langsamste Kullerball muss mit einem fulminanten Hechtsprung abgefangen werden und auch sonst entwickelt der Schlussmann häufig ein interessantes Eigenleben. Andere Mitspieler sind da kooperativer. So lassen sich mittlerweile mit etwas Übung auch Spieler ohne Ball leicht über den Platz dirigieren und das Passsystem wurde Schritt für Schritt verfeinert. Es ist jedoch dringend zu empfehlen, sich vor Spielbeginn dem Trainingssystem zu widmen. Hier werden uns detailliert, aber etwas zu penibel, die Feinheiten des Spiels näher gebracht, sodass wir uns nach einiger Übungszeit ohne Problem mit Doppelpässen oder gezielten Flanken Raum verschaffen können. Für anspruchsvolle Tricks, wie das Tunneln der Gegenspieler bei normalem Spieltempo, wären aber sicherlich noch einige Spielstunden mehr Übung notwendig. Aber schwenken wir den Blick doch einmal aus den eigenen Reihen auf die Künstliche Intelligenz. Denn auch hier ist Konami nicht alles gelungen. Die Gegenspieler sind in diesem Jahr besonders gut aufgestellt – teilweise zu gut! Während sich alle Elemente dynamisch an den Schwierigkeitsgrad anpassen, hat die Abseitsfalle in allen Klassen zur Perfektion getrieben. Es ist unglaublich, dass selbst die Durchschnittsabwehr die virtuelle Abseitslinie immer vor Augen hat und es meist mehr gelungene Abseitsfallen als Torschüsse gibt.

Verbesserte künstliche Intelligenz

Ansonsten ist Konami die künstliche Intelligenz aber sehr gut gelungen. Anders als vor wenigen Jahren noch, ist es nun fast nicht mehr möglich, die Abwehr immer mit den gleichen Laufwegen zu düpieren und auch offensiv gestaltet sich der gegnerische Spielaufbau mittlerweile bedeutend vielseitiger. Gepaart mit den für den Spieler neu eröffneten Möglichkeiten der Ballführung, gestaltet sich so ein vielseitiges, aber dennoch bedachtes Gameplay, dass je nach Einstellung sowohl in einem italienischen Catenaccio als auch im spanischen Tiki-Taka-Fußball enden kann. Hier hat der Spieler mit der richtigen Aufstellung letztlich das Spielgeschehen wirklich spürbar in der Hand. Neben dem Gameplay macht aber gerade in Sportsimulationen auch die Gestaltung einen beachtlichen Teil des Spielgefühls aus. Schließlich geht es in den seltensten Fällen um die Physikfetischisten, sondern um Fußballfans, die unter tosendem Jubel mit ihrer Mannschaft die großen Wettbewerbe gewinnen möchten. Der König der Dauerbaustellen und das letztlich auch nicht lösbare Problem der Pro-Evolution-Soccer-Reihe sind aber wie eh und je die Lizenzen. Jahr für Jahr wenden sich gerade deutsche Spieler ab, weil nie mehr als zwei Vereine aus der Bundesliga mit von der Partie sind.

Stimmung in der Königsklasse

Dank eines finanziellen Vorsprungs von Electronic Arts und den daraus resultierenden starren Verträgen, kann man diese Umstände dem Publisher aber eigentlich nicht wirklich ankreiden. Insgesamt gibt sich Konami sogar Mühe, nicht nur um die Lizenzen Jahr für Jahr zu kämpfen, sondern die erbeuteten Lizenzen dann tatsächlich auch sehr gut auszuschöpfen. So sind die Spielergesichter beispielsweise deutlich detaillierter als bei der Konkurrenz und gerade bei Spielern der Champions League und der Copa Santander Libertadores wird dem Spieler eine unglaublich dichte Atmosphäre geboten. Vom charakteristischen Design über die jeweiligen Hymnen bis zu der Mannschaftsauswahl stimmt fast alles. Lediglich eine handvoll Vereine fehlen in der europäischen Königsklasse – darunter leider auch Borussia Dortmund. Die Fans können insbesondere bei der Copa Santander Libertadores mit Gesängen, Trommeln und Bengalo-Feuern überzeugen, während sie in anderen Partien noch dazulernen müssen. Es fehlen häufig nicht nur charakteristische Gesänge (selbst dafür muss ein Publisher in vielen Fällen im Besitz der Lizenz sein), sondern die Fans entwickeln eine unglaublich destruktive Ader. Anstatt ihre Mannschaft zu bejubeln, ertönen meist gellende Pfeifkonzerte durch das Stadion – egal welches Team nun gerade im Ballbesitz ist.

Das leidige Kommentatorenproblem

Für die Gesamtatmosphäre hat sich Konami leider nicht die Mühe gemacht, die fehlenden Lizenzen durch eine überragende Präsentation wettzumachen. Gerade in den Manager- und Karrieremodi fallen veraltete Menüs und Cutscenes auf, die dem Spiel einiges an Charme entziehen. Da hätten wir in der diesjährigen Ausgabe mehr erwartet. Sehr gut gelungen ist hingegen die Gestaltung der Online-Modi. Auf einem guten Netzcode basierend, werden Spieler seit dem im Oktober erschienenen Community-Update, von einer handlichen Widget Bar stets mit der Community in Verbindung gehalten. Hier wirken die Menüs und die eben erwähnte Widget Bar lange nicht so verstaubt, wie die vergleichbaren Elemente in anderen Spielmodi. Warum das vorab stilistisch nicht angepasst wurde, fragen wir uns an dieser Stelle auch. Die Kommentatoren sind für die ersten Spielstunden wie üblich grundsolide, sollten aber spätestens nach dem ersten gewonnenen Pokal abgeschaltet werden. So gerne wir auch Hansi Küpper und Wolff Fuss lauschen, so sehr nerven uns leider die unvermeidlichen Textwiederholungen – noch eine Dauerbaustelle der Fußballsimulationen. Während sich grafisch wenig geändert hat, erwarten uns im Soundtrack wieder einige brasilianisch anmutende Hits. Unter anderem der seit diesem Sommer weltbekannte Radiodauergast Ai Se Eu Te Pego von Michel Teló.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Auch wenn das Review viele negative Punkte enthält, ist Pro Evolution Soccer 2013 trotzdem ein wirklich sehr gutes Spiel. Nachdem ich vor wenigen Tagen nochmals ein etwa zehn Jahre altes Fifa eingelegt hatte, wurde mir klar, dass wir mittlerweile nur noch auf sehr hohem Niveau meckern. Verglichen mit früheren Standards sind heutige Fußballsimulationen schiere Meisterwerke. Halten wir aber Pro Evolution Soccer gegen die aktuelle Konkurrenz, muss der Titel dieses Jahr leider mal wieder klar den Kürzeren ziehen. Auch wenn Fifa immer noch etwas actionlastiger ist, hat die Serie Pro Evolution Soccer im Simulationsanspruch bereits an vielen Stellen eingeholt. Am Ende ist es bezeichnend, dass mittlerweile Lizenzen zum Hauptkaufgrund für Pro Evolution Soccer geworden sind. Die Spiele in der Copa Santander Libertadores und der Champions League sind hervorragend in Szene gesetzt und strotzen nur so vor Atmosphäre. Auch wenn häufig über die Fixierung auf Lizenzen gestöhnt wird, braucht es doch genau diese um eine Atmosphäre zu erzeugen. Wenn die Champions-League-Hymne erklingt, die weltbesten Spieler in Reih und Glied stehen und nach langem Kampf der Pokal in die Lüfte gestemmt werden kann, ist es viel mehr wert, als eine kleine technische Feinheit im Dribbling. Sportsimulationen sind etwas für Fans und nicht für Theoretiker!

Vielen Dank an Konami für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Pro Evolution Soccer 2013!

Review: Borderlands 2

Auf der Gamescom konnten wir Borderlands 2 bereits anspielen und waren vom Gezeigten begeistert. Lange genug hat es gedauert, bis wir abermals nach Pandora zurückkehren durften. Trotz des positiven Erlebnisses ist immer noch Luft nach oben.

Seit einigen Jahren werden Film- und Videospielbranche überschwemmt von Sequels und Remakes. Jeder Toptitel verschlingt dabei mittlerweile Millionenbudgets, sodass sich kein Entwicklerstudio mehr einen finanziellen Flop leisten darf, um nicht geschlossen zu werden. Fortsetzungen sind im Grunde die einzigen sicheren Investitionen. Traut sich ein Studio dann doch einen Schritt in eine andere Richtung zu gehen und gelingt dieses Wagnis, muss auch von diesem Spiel schnellstmöglich eine Weiterführung in den Läden stehen. So haben schon viele Franchises dieser Generation nach kürzester Zeit eine Fortsetzung bekommen. Sei es Uncharted, Mass Effect oder Assassin’s Creed. Nach drei Jahren ist der Hit Borderlands aus dem Hause Gearbox Software an der Reihe. Wieder heißt es auf nach Pandora und wieder muss unser Held irgendwie diesen trostlosen Planeten retten. Dabei wollen wir erst einmal Rache nehmen, denn fünf Jahre nach den Geschehnissen des ersten Borderlands-Teils steht der Planet unter der Führung des Tyrannen Handsome Jack, der unseren freiberuflichen Schatzsucher nicht nur reingelegt, sondern beinahe auch ermordet hätte. Soviel zur eigentlich total irrelevanten Story, denn als Schatzsucher geht es uns ja nicht nur darum, die Welt zu retten. Es soll schließlich auch etwas für uns dabei herausspringen.

Abschweifen erlaubt

Borderlands 2 lebt davon, dass wir die Handlung nicht verfolgen. Waren im ersten Teil die schnöden Wüstengebiete noch leer und trostlos, begegnen uns nun an allen Ecken und Enden irgendwelche verrückte Charaktere. Schon ganz zu Beginn nimmt sich der Entwickler sehr gut selbst auf die Schippe, als ein Nebencharakter uns erklärt, dass die alten Infobretter kaputt sind und man stattdessen jetzt mit Menschen reden muss, um Aufträge zu bekommen – eine gute Entscheidung! Zudem ist auch die Welt bedeutend abwechslungsreicher geworden. Wo im Vorgänger nur Wüste war, gibt es nun alles – von der Eislandschaft bis zur Innenstadt. Wird uns dann letztlich aber doch noch langweilig, hören wir einfach unserem absurden Kumpanen Claptrap zu. Auch wenn er bisweilen etwas nervtötend ist, rückt der Roboter in diesem Spiel zurecht viel mehr in den Vordergrund und sorgt für zahlreiche Lacher. Aber zurück zu unserem Job als Schatzsucher. Neben den zahlreichen Nebenmissionen hält uns auch eine schier unendliche Zahl an Waffen bei Laune. An jeder noch so absurden Örtlichkeit finden wir Unmengen an Waffen – selbst auf dem Stillen Örtchen! Nein, Genitalien sind damit beim besten Willen nicht gemeint. Motivierende Charaktermenüs mit Talentbäumen scheinen zu guter Letzt das Bild eines gelungenen Action-Rollenspiels abzurunden.

Der Ego-Shooter im Rollenspiel-Pelz

Auch wenn Borderlands 2 zahlreiche Features aus anderen Genres liefert, ist es letztlich doch ein Ego-Shooter. Aus der Ego-Perspektive müssen wir nämlich in den meisten Missionen irgendwann zur Waffe greifen – wirklich ausführliche Rätsel eines Action-Adventures sind ebenso nicht auffindbar, wie die komplexe Story eines Rollenspiels. Was uns hier geboten wird, darf nicht als schießwütiges, stumpfes Rollenspiel verstanden werden, sondern stellt vielmehr einen der abwechslungsreichsten und humorvollsten Shooter dieser Generation dar. Wo uns viele Genrevertreter mit durchgerenderten und detaillierten Schlauchlevels durch die minutiös geplante Action treiben, lässt uns Borderlands 2 die Freiheit eines Open-World-Spiels, ohne dass die Motivation oder die Spannung verloren geht. Es ist jedoch zu empfehlen, dass wir die Nebenmissionen nicht zu spät in Angriff nehmen – kehren wir nach einigen Story-Missionen zu einer frühen Aufgabe eines Nebencharakters zurück, werden wir doch arg unterfordert. Auch wenn Gearbox Software schon an vielen alten Makeln sorgfältig gefeilt hat, bieten einige Features weiterhin Verbesserungspotenzial. So würden wir uns bei der immensen Waffenflut zum Beispiel über ein aufgeräumtes Menü freuen, dass uns das Aussortieren nicht so erschwert.

Alternativlos für kooperationsbereite Spieler

Besser sind dem Entwicklerstudio die Gegner gelungen. Immer häufiger werden wir in taktischen Formationen von sich klug duckenden Gegner attackiert. Insbesondere wenn wir in der Paradedisziplin der Borderlands-Serie unterwegs sind – dem Kooperationsmodus. Reisen wir mit bis zu vier Spielern durch Pandora, erhöht sich der Spielspaß nochmals um ein Vielfaches. Schon der Vorgänger wurde durch das sowohl offline als auch online verfügbare Zusammenspiel ungemein aufgewertet und auch jetzt macht die gemeinsame Schatzsuche einfach viel mehr Spaß. Zwar bekommt man so weniger von den unglaublich lustigen Charakteren und Geschichten mit, dafür motiviert einen das Spiel auf eine andere Weise. Es ist überhaupt eine Seltenheit, dass man heute noch ein Spiel vollständig mit mehreren Spielern durchspielen kann. Zwar bekommen alle Toptitel von Uncharted bis Assassin’s Creed einen halbgaren Multiplayer-Modus übergestülpt, wirklich zünden kann das Zusammenspiel aber nur in dieser Serie. Dafür sorgen in Borderlands 2 zum Teil auch die Gegner, die uns dazu zwingen in ebenso klugen Formationen anzutreten und vielleicht auch für einige Zeit mal das Dauerfeuer einzustellen. Dabei wird das Spiel aber nie wirklich taktisch überladen – wer wie Rambo durch die Level pflügen will, kann auch diesem Wunsch ohne Probleme nachgehen.

Stilistisch wertvoll

Letztlich kann Borderlands 2 mit wilder Action und taktischen Möglichkeiten die Mehrspieler einfangen, während die absurden Charaktere und die für einen Shooter hohe Spielzeit von mindestens fünfundzwanzig Stunden die Einzelspieler reizen. Abgerundet wird das Ganze von einem größtenteils gelungenen Technikgerüst. Basierend auf der Unreal Enigne 3 bietet uns Gearbox Softwares neuestes Werk eine viel farbenfrohere und lebendigere Welt, als noch im Vorgänger. Da wird auch nicht an Effekten gespart. Leider werden manche Texturen erst mit leichter Verzögerung (in der Xbox-360-Fassung) geladen, was die wunderbare Cel-Shading-Welt nur ein klein wenig trübt. Herausragend ist hingegen die Vertonung gelungen. Häufig geht gerade bei Spielen mit viel Wortwitz der eigentliche Reiz durch die Übersetzung ins Deutsche verloren. Für Borderlands 2 haben die Entwickler aber anscheinend in die richtigen Übersetzer investiert, die auch der deutschen Fassung viel Humor und eine Menge Charme verpasst haben. Das gefällt uns! Auch der Soundtrack wurde wieder einmal hervorragend eingebunden. Schon die Explosionen in Zeitlupe aus dem Intro unterlegt mit dem entspannten Short Change Hero von The Heavy machte uns klar, wo die Reise hingeht. Nach dem Abspann lässt sich dann mit Fug und Recht behaupten, dass sich die Reise wirklich gelohnt hat.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Insgesamt können wir dem Gearbox-Software-Team wirklich anerkennend auf die Schulter klopfen. Man hat sich die Kritiken des ersten Teils wirklich zu Herzen genommen und einen Großteil der Probleme ausgemerzt. So ist das Spiel durch eine viel lebendigere Welt und eine Prise zusätzlichem Humor endlich auch für Einzelspieler attraktiv. Gleichzeitig wird aber weiterhin die Zielgruppe des ersten Teils versorgt und gefesselt. Während Solisten auch noch andere Optionen auf dem Markt haben, ist das Spiel für kooperationsbereite Freunde quasi alternativlos. Obgleich der Titel jetzt schon zu den besten Actionspielen des Jahres gehört, bietet er aber immer noch an einigen Stellen Luft nach oben. An den Menüs dürfen die Entwickler gerne weiter feilen und auch die (Haupt-)Story kann gerne noch etwas schneller in Fahrt kommen. Hoffen wir, dass Gearbox Software ihren Weg fortsetzt und mit Borderlands 3 die letzten Fehler ausmerzt und der Trilogie die Krone aufsetzt.

Vielen Dank an 2K Games für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Borderlands 2!

Review: The Darkness II

Kaum ein Genre ist in den Köpfen der Spieler so eng abgesteckt, wie das der Ego-Shooter. Die jährlichen Reinkarnationen von Call of Duty und Battlefield tragen gut dazu bei, dass viele die Worte Militär und Krieg stets im selben Atemzug mit dem First-Person-Shooter-Genre verwenden.

So lautet die Devise leider auch immer häufiger Stumpf- statt Tiefsinn. Niemand brauche eine Story bei pompöser Grafik und Action, heißt es oft. The Darkness II gehört zu dem kleinen Grüppchen, das uns in dieser Hinsicht mehr bieten möchte. Unser Protagonist Jackie Estacado hat es eigentlich weit gebracht. Vom einfachen Kopfgeldjäger ist er nun zum Boss seines eigenen Mafia-Clans aufgestiegen. Außenstehende möchten meinen, unser Held könne nun zufrieden weiterleben. Dies ist leider nicht der Fall, denn innerlich wird er geradezu aufgefressen. Nicht nur, dass er den Tod seiner großen Liebe – trotz ausgiebiger, blutiger Rache im ersten Teil – nicht verdaut hat, wird es für ihn immer schwieriger, die titelgebende Dunkelheit in Schach zu halten. Zwei Jahre lang hat er diese nun unter Verschluss gehalten, doch nach einem Anschlag auf ihn und seinem fast eingetretenen Ableben, ist der Spaß vorbei. Der Dunkelheit hingegeben, macht er sich auf die Suche nach den Attentätern und deren Motive. Auf seinem Weg plagt er sich dabei mehr und mehr mit Zweifeln, die sich nach und nach auch auf den Spieler übertragen. So stellen wir uns Fragen, ob Jackie von der Darkness getäuscht wird oder ob er gar selbst einfach nur verrückt und sein ganzes Leben nur ein Traum ist. In bester Sucker-Punch-Manier verliert sich die Story in einem Wirrwarr aus Traum und Realität, in dem wir mehrere Male ins Grübeln kommen, was denn nun tatsächlich wahr ist. Das Ende von The Darkness II setzt den ganzen Verwirrungen noch die Krone auf, aber wir wollen nicht zu viel verraten.

Mit der Schere an die Leichenfledderei

Wie in Sucker Punch spielt die Action auch im zweiten Teil von The Darkness eine sehr zentrale Rolle – es ist und bleibt schließlich ein Ego-Shooter. Genauso wie die Comic-Serie steht auch die Versoftung ganz im Zeichen der Splatter-Action, denn in diesem Ego-Shooter wird nicht nur geschossen. Mit Hilfe unserer beiden Dämonen-Arme können wir unsere Kontrahenten auch durchbohren oder zerreißen. Dabei hat die USK allerdings dafür gesorgt, dass die gröbsten Brutalitäten deutschen Spielern gar nicht erst vorgehalten werden. Zwar spritzt anders als im Vorgänger nun auch das Blut, doch das Abtrennen von Körperteilen und sonstige Leichenfledderei sind abermals der Schere zum Opfer gefallen. Um das atmosphärische Gesamtkonzept (die Comic-Adaption lebt schließlich zum Teil von der absurd grausamen Brutalität) zu erhalten,  empfehlen wir hier eindeutig den Griff zur Importfassung. Besonders deutlich werden die Schnitte auch bei den Finsterling-Passagen. Dort spielt ihr aus der Sicht eures kleinen Begleiters und stecht den Gegnern die Augen aus oder schlitzt ihre Kehle auf, zumindest verraten uns das die Beschreibungen. In den eigentlichen Animationen werden die Aktionen nur angedeutet. Zum Glück verliert das Spielen mit dem brutalen Winzling dadurch aber kaum an Charme. Immer einen frechen Spruch auf der Lippe, entwickelt sich das kleine Monster im Laufe des Spiels sogar zum Sympathisant. Wir hätten sehr gerne noch ein paar Mal mehr aus seiner Perspektive gespielt, schließlich sind diese Passagen eine der wenigen Abwechslungen, in dem leider etwas eintönigen Spielverlauf.

Home sweet home

Zugegeben, The Darkness II scheint auf den ersten Blick viel Handlungsspielraum zu bieten. Durch die Kombination von Tentakeln und Schusswaffen lassen sich sogar verschiedene Taktiken entwickeln. Gepaart mit einigen weiteren Fähigkeiten der Darkness scheint das Spiel nicht nur abwechslungsreich, sondern auch mit einem ordentlichen Tempo gespickt. Wir haben uns häufig wiedergefunden, wie wir offensiv nach vorne gestürmt sind und mit unseren Dämonenarmen die Gegner links und rechts niedergeschlagen haben. Dies würde auch aufgehen, wären die Level nicht derart schlauchig und die Kontrahenten derart stupide. So fragen wir uns nach etwa der Hälfte der gerade einmal etwa sechs Stunden andauernden Handlung, wieso wir den Controller eigentlich noch nicht beiseite gelegt haben, entwickelt sich doch schnell eine gewisse Routine. So müssen wir erst die Lampen zerschießen – die Dunkelheit mag schließlich kein Licht – und uns abschließend durch die anrollenden Gegnerwellen kämpfen. Gut geführt werden wir dann weiter durch die Levels gehetzt. Besonders der für Horrorspiele obligatorische Jahrmarktlevel zog sich merklich in die Länge. Dagegen können auch die ruhigeren Passagen nichts ausrichten. Geben uns die Ausflüge in Jackies Villa zwar den Anschein von etwas Handlungsfreiheit, sind unsere Möglichkeiten letztlich dort sehr eingeschränkt. Anstatt etwas dem Spiel beizutragen, nehmen diese uninspiriert wirkenden Abstecher nur Tempo aus dem Spiel. Besser eingebaut sind die Psychiatrie-Abschnitte. Diese sind ruhig, kurz und knackig gehalten und heben das Spiel aber auf eine Ebene, in welcher der Spieler über das Vorgehen seines Helden zweifelt und ins Grübeln gerät.

Realität oder Kunst

Technisch muss man sich auf The Darkness II einlassen. Ganz objektiv gesehen hat das Spiel nämlich in Sachen Animation und Grafik einen Rückschritt zum Vorgänger gemacht. Haben wir uns aber an der unsauberen Animation des Titels gewöhnt, erkennen wir das Konzept. Der Comic-Stil mit Cel-Shading-Anleihen unterstreicht nicht nur die Comic-Herkunft der Serie, sondern stellt auch die Absurdität der Brutalität besser in Szene. Dafür nehmen wir dann auch technische Unsauberkeiten in Kauf – Gōichi Sudas Titel kann sich schließlich auch niemand mit einer realen Grafik vorstellen. Neben dem gelungen Grafikstil glänzt The Darkness II besonders mit der Sprachausgabe. Dort kann sich auch die deutsche Synchronisation durchaus sehen lassen. Zwar kann sie der englischen Sprachausgabe nicht ganz das Wasser reichen, dennoch fängt sie die Stimmung weitestgehend gut ein. Trotzdem haben wir uns sehr über die Möglichkeit gefreut, jederzeit im Spiel auch zum Originalton wechseln zu können. Dieser lohnt sich schon alleine wegen der hervorragenden Umsetzung der Darkness durch den ehemaligen Faith-No-More-Sänger Mike Patton. Haben wir die leider etwas zu kurz geratene Solo-Kampagne durchgespielt, bleibt uns immerhin noch der Blutrache-Modus. Hier können wir in der Mehrspielervariante mit verschiedenen Charakteren die Story rund um Jackie Estacado vertiefen und aus einem anderen Blickwinkel erleben. Sowohl offline als auch kooperativ online können wir dann mit Freunden die Metzelei weiter treiben. Dabei sind die Levels mehr Pflicht als Kür und können mit keinen wirklichen Innovationen glänzen. Wem aber das Grundkonzept gefällt und wer gerade ein paar Freunde parat hat, freut sich über diese Abwechslung. Letztlich erklimmt The Darkness II zwar nicht den Genre-Thron, jedoch hat es sein Ziel erreicht. Es hebt sich von der Masse an Militär-Ego-Shootern ab und bietet dem Spieler eine erstaunlich tiefgründige Story.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Version): Zugegebenermaßen bin ich wirklich nicht der Ego-Shooter-Spieler par excellence. Dank der erdrückenden Marktherrschaft von Militär-Ego-Shootern habe ich mich sogar schon fast von dem Genre abgewendet. Zum Glück gibt es dann wieder Spiele wie The Darkness II. Ja, es ist kurz, in vielen Passagen schlauchig und eintönig, die Gegner sind nicht die Hellsten und die Animationen sind unsauber, aber dennoch habe ich den Titel gerne durchgespielt. Er ist nicht nur mit dem Comic-Look und der Brutalität stimmig inszeniert, sondern besticht vorrangig durch seine Story und seinen Humor. Das letzte Mal, dass dieser Satz in einem Review zu einem Ego-Shooter gefallen ist, dürfte auch eine gefühlte Ewigkeit her sein. Diese immer wieder auftauchende Frage nach der Realität und die genialen Charaktere haben mich, trotz der deutlichen Mängel, das Spiel in einem Rutsch durchspielen lassen. Nirgendwo gibt es einen kleinen brutalen Begleiter mit Katzenmütze und britischem Akzent oder einen Krankenhausinsassen, der auf den Namen Adolf hört und uns rät, im Winter keine Fußmärsche durch Russland zu machen. Dank eines gewaltigen Cliffhangers am Ende des Spiels, können wir uns fast schon sicher sein, dass auch ein dritter Teil in absehbarer Zukunft kommt – ich bin schon gespannt.

Vielen Dank an 2K Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Darkness II!

Review: Fallout: New Vegas

Nach dem Krieg ist bekanntermaßen vor dem Krieg! Kaum ist der fiktive Atomkrieg vorbei und die Erde so langsam wieder betretbar, fangen die Streitigkeiten wieder von vorne an – im Fallout-3-Nachfolger geht es nach Las Vegas, oder viel mehr was davon übrig ist.

Während wir in Fallout 3 noch als frisch geborener Säugling in der Vault krabbeln durften, um dann nach und nach alles Lebenswichtige zu lernen, beginnt der neueste Teil der Serie mit dem anderen Ende des Lebens, nämlich mit dem Tod der Spielfigur. Wir bekommen zunächst aus unerklärlichen Gründen einen Kopfschuss verpasst, doch das Spiel endet nicht und wir werden nur mühsam vom ortsansässigen Doktor des nächstgelegenen Dörfchens Goodsprings wieder zusammen geflickt. Dort beginnt unsere Reise durch das postapokalyptische Amerika, denn schließlich wollen wir wissen, warum man uns umbringen wollte. Wie es der Titel des Spiels dann auch vermuten lässt, haben wir aber auch schon ein spezielles Ziel im Auge – Vegas oder besser gesagt New Vegas. Fallout-Kenner wissen, dass Nevada vom Atomkrieg nicht so stark betroffen wurde, wie der Rest der Vereinigten Staaten. Während fast die komplette Landschaft in Schutt und Asche liegt, hat es die Stadt der Lichter und der Laster erstaunlicherweise geschafft, intakt weiter zu existieren. Unter der Herrschaft des mysteriösen und steinalten Mr. House, wird New Vegas beziehungsweise der Hoover Staudamm, mit dem sich die Stadt kontrollieren lässt, zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, denn auch die einflussreichen Fraktionen der Republik Neu Kalifornien und Caesar’s Legion wollen die Stadt unter ihre Gewalt bringen. Wer von den Dreien die Macht erhält oder ob sich sogar noch eine vierte Möglichkeit auftut, können wir maßgeblich mitbestimmen.

Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas

Fallout: New Vegas ist ein Rollenspiel wie es im Buche steht. Im gesamten Spiel haben wir derart viel zu entdecken, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Schon zu Beginn können wir zwar schnurstracks der Haupthandlung folgen, aber auch einfach auf eigene Faust durch das Ödland ziehen und auf Tier- und Banditenjagd gehen. Immer dabei ist unser Pip-Boy, unsere überdimensionale High-Tech-Armbanduhr, die wirklich alles kann und uns zum Beispiel eine Übersicht zu unserem Status, eine Möglichkeit zum Craften oder Zugang zu einem Zielprogramm, dem Vault Tec Assisted Targeting System gibt, welches uns besonders in hitzigen Auseinandersetzungen behilflich ist. Kämpfen wir gegen einen (oder mehrere) Gegner, können wir über dieses System bestimmte Körperteile anvisieren, um einen Gegner direkt an seinem Schwachpunkt zu treffen. Letztlich führen aber alle Wege nach Rom beziehungsweise in diesem Falle nach New Vegas. Dort finden wir auch alles, was wir zum vergnüglichen Leben brauchen – Sex, Drogen und erlaubtes Glücksspiel. Wollen wir etwas mehr Herausforderung in das Spiel bringen, sind dies jedoch nicht die einzigen Dinge, um die wir uns kümmern müssen. Neu für die Fallout-Serie ist der sogenannte Hardcore-Modus. Dieser bringt allerlei Limitationen mit, die uns mehr oder weniger das Leben schwer machen. Insbesondere Durst, Hunger und Müdigkeit wollen dabei beachtet werden – andernfalls kann mitunter der Tod auf uns lauern. Auch wenn dieser neue Modus auf den ersten Blick nichts Revolutionäres darstellt, bringt er uns doch oftmals zum stärkeren Taktieren.

Ein abgekartetes Spiel

Kommen wir zu der dunklen Seite des Ödlands. Technisch finden sich in Fallout: New Vegas keinerlei Fortschritte zum direkten Vorgänger. Das heißt Bugs, Bugs und nochmals Bugs! Anderen Spielen wird durch solche Fehler das Genick gebrochen, doch all das Feeling und die Story, die Fallout: New Vegas ausmachen, kann die Bugs zumindest ansatzweise in der Versenkung verschwinden lassen. Während die Animationen und Grafiken ebenso negativ auffallen, ist der Soundtrack ein wahrer Ohrenschmaus. Urgesteine wie Dean Martin oder Frank Sinatra geben sich die Klinke in die Hand und machen das Streifen durch die Ödnis bei entspannter Musik der frühen Sechziger Jahre zu einem wahren Genuss. Dies ist und bleibt eines der Markenzeichen der Fallout-Serie! Die Zeit, die wir im Ödland verbringen dürfen, liegt laut Entwickler bei über einhundert Stunden. Auf die Stunde genau nachgeprüft haben wir die aufgebrachte Testzeit nicht, will man aber alle Enden sehen und nebenbei auch alle möglichen Quests erledigen, so benötigt man zumindest vier Anläufe. Zusammengenommen schlucken diese locker die angepriesene Spielzeit. Nur wenige andere Spiele können von sich behaupten, dass sich eine derart hohe Spielzeit wirklich auszahlt, Fallout: New Vegas gehört zum Glück zu jenen Titeln. Mit zahlreichen Nebenquests, verrückten Charakteren und stimmiger Musik lässt uns der neueste Teil der Serie jede Spielminute genießen. Der Titel gehört definitiv in jede gute und postapokalyptisch sortierte Rollenspielsammlung!

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Ich habe leider nur selten die Zeit, mich einem Rollenspiel komplett zu widmen – da spricht es eindeutig für Fallout: New Vegas, wenn ich vor kurzem bereits meinen zweiten Durchlauf gestartet habe. Während der Vorgänger ja nicht mehr bei den Fallout-Urvätern entwickelt wurde, ist die Serie nun wieder zu einhundert Prozent in den Händen von Feargus Urquhart und Co – das tut der Serie auch gut. Die besten Elemente der verschiedenen Ableger der Serie werden passend vermengt und bilden eines der besten Spiele des letzten Jahres. Zudem bringt der neue Hardcore-Modus noch einmal eine ganze Ecke mehr Taktik ins Geschehen. Wirklich faszinierend ist und bleibt aber eines der Hauptelemente der Fallout-Serie, welches man in viel zu wenigen Spielen wiederfindet. Der direkte und umfassende Einfluss der eigenen Handlungen auf die Story und die Nichtspielercharaktere, trägt ungemein zum Feeling des Spiels bei und bringt mich auch letztlich zum mehrfachen Durchspielen. Eines habe ich in diesem Spiel schnell gelernt: Man kann es nicht allen Recht machen und somit ist es auch nicht möglich, alle Quests in einem Durchgang zu erledigen. Übrigens können alle Interessierten mittlerweile den Titel nicht nur günstiger bekommen, sondern es wurde vor wenigen Tagen auch der neueste Download Content zu Fallout: New Vegas veröffentlicht – ein Grund mehr für mich, wieder in die Mojave-Wüste zurückzukehren.

Vielen Dank an Namco Bandai für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Fallout: New Vegas!

Review: Assassin’s Creed: Revelations

Ganz plakativ gesehen, könnte man Assassin’s Creed schon fast als das Fifa unter den Open-World-Spielen bezeichnen. Im konstant jährlichen Rhythmus erscheint ein neuer Teil der Serie und zumindest seit Assassin’s Creed II hat sich im Kern des Spiels überhaupt nichts geändert.

So stehen lassen können wir diese These dennoch nicht, denn trotz der fragwürdigen Release-Politik des Publishers Ubisoft ist es Jahr für Jahr wieder lohnend, die Geschichten von Altaïr, Ezio und Desmond mitzuverfolgen. Wer die Serie nicht kennt, wird sich auf Anhieb fragen, warum wir so darüber denken. Es ist immer ein spannender Weg, wenn Spiele historische Fakten mit Fiktion verknüpfen. Die Spiele wirken nicht nur realer, sondern vermitteln dem Spieler auch immer ein Stück weit Geschichte. Auch wenn wir uns in Assassin’s Creed in höchst realistisch gehaltenen Umgebungen bewegen, sollten wir den Wahrheitsgehalt der Serie dennoch nicht zu hoch ansetzten. Die echten Assassinen sind nämlich eigentlich schon seit dem dreizehnten Jahrhundert nicht mehr aktiv, doch zurück zum Spiel und seiner Handlung. Seit Assassin’s Creed: Brotherhood sind einige virtuelle Jahre ins Land gestrichen. Das heißt, dass auch unser lieb gewonnener Charakter Ezio Auditore da Firenze älter geworden ist. Ezio ist in seinem nunmehr dritten Abenteuer (portable Versionen nicht mitgerechnet) nicht mehr der jüngste, aber dennoch fidel wie eh und je. Dem Klettern ist weiterhin kaum eine Grenze gesetzt, auch wenn sich die Ächzdichte sich um ein vielfaches erhöht hat und sich die Passanten bisweilen über den alternden Gaukler aufregen. Hoch motiviert bereisen wir dieses Mal vorrangig die Stadt am Bosporus – Konstantinopel, Byzanz oder wie man sie heute kennt, Istanbul. Dort erleben wir hautnah den Konflikt zwischen neuen und alten Dynastien, gehen mit der Buchhändlerin Sophia auf Tuchhandlung und suchen die verschollenen Masyaf-Schlüssel. Auch hier baut Assassin’s Creed wieder eine Brücke zur Realität, denn auch in Wirklichkeit war die Burg Masyaf der Hauptstützpunkt der Assassinen.

Abwechslungsreiche Handlung und Missionen

Die besagten Schlüssel verschaffen uns nicht nur Zugang zur geheimen Bibliothek der Burg, sondern lassen uns auch jedes Mal für eine kurze Zeit in die Haut des legendären Altaïrs schlüpfen. Ohne zu viel spoilern zu wollen, können wir dabei verraten, dass die Abenteuer von Ezio und Altaïr in dieser Geschichte ein versöhnliches Ende finden, das sich alle angesammelten Fragen der letzten Teile zu beantworten bemüht. Beim Gameplay bleibt größtenteils wieder alles beim Alten. Wieder klettern, sprinten und kämpfen wir uns durch eine offene Spielwelt. Neue Elemente wie die Tower-Defense-Missionen oder die Bombenvielfalt werden euch behutsam näher gebracht und fügen sich hervorragend in das Spiel ein. Insgesamt erweist sich die Story als sehr abwechslungsreich. Besteht sie nicht nur aus zwei sich immer wieder überkreuzenden Handlungssträngen, birgt fast jede neue Erinnerung einen neuen Missionstyp. Hieß es in den Vorgängern allzu oft nach und nach mehr und mehr Gegner zu erledigen, werden hier selbst in den letzten Spielstunden noch neue Elemente, wie ein Flammenwerfer, eingeführt. Besonders die Anzahl der gescripteten Abschnitte, in denen wir hinter einem Karren hergezogen werden oder durch Katakomben hasten, hat deutlich zugenommen. So ist die reine Story wohl die bisher abwechslungsreichste der Assassin’s-Creed-Serie. Die freie Spielwelt ist wieder mit vielen aus der Story bereits bekannten Missionstypen und – wer hätte es anders erwartet – zahlreichen Sammelaufträgen gespickt. Doch auch abseits von Ezios Hauptstory gibt es einiges zu entdecken. Wie bereits erwähnt, werden wir nach dem Bergen eines jeden Schlüssels in das zwölfte Jahrhundert zurückversetzt und spielen Schlüsselszenen aus dem Leben Altaïrs.

Verknüpfung dreier Welten

Das geht so weit, dass ihr gegen Ende sogar den bereits über neunzig Jahre alten Assassinen-Greis spielt. Wer vorher meckerte, dass Ubisoft das Alter seiner Helden voll und ganz ignoriert, sei beruhigt – in dem Alter kann selbst Altaïr nicht mehr springen und rennen. Selbst Desmond, der Neuzeit-Assassine, bekommt in Assassin’s Creed Revelations wieder seine Spielanteile – eingesperrt im Animus können wir zahlreiche Bonus-Puzzle-Missionen in der Ego-Ansicht mit Desmond spielen. Diese helfen aber lediglich dabei, den Spieler weiter zu verwirren und so gleichzeitig heiß auf den nächsten Teil der Serie zu machen, denn für das nächste Assassin’s Creed verspricht Ubisoft auch Desmonds Story zu einem Ende zu bringen. Es wird jedoch nicht leicht Licht in all das Dunkel zu bringen. Wie bereits in Assassin’s Creed: Brotherhood ist das Spiel auch dieses Mal mit einem Multiplayer-Modus versehen. Irgendwie stellt sich da aber wieder die Frage, ob wir diesen Zusatz überhaupt haben möchten. Wir meinen, dass der Schuster vielleicht lieber bei seinen Leisten bleiben sollte und nicht jedes Singleplayer-Spiel immer wieder einen Mehrspielermodus aufzwängt. Sicherlich macht auch das fast ausschließliche gegenseitige Meucheln für einige Zeit Spaß, die wirklichen Argumente des Hauptspiels gehen aber verloren. Technisch konnte uns Assassin’s Creed: Revelations hingegen weitestgehend überzeugen. Die Stadt ist so detailverliebt und mit Leben gefüllt, dass man sich direkt in einen türkischen Basar versetzt fühlt. Grafisch können nur kleinere Mankos wie einige unrealistische Schatten das Bild trüben. Dass wir einmal durch die Wand gefallen sind und unter der Spielwelt schwimmen konnten, zählte zum Glück zu einem absoluten Einzelfall. Ansonsten ist das Spiel ansehnlich, mit sehr authentischer Musik unterlegt und äußerst sauber programmiert.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Ich bin wider Erwarten doch einmal wieder überzeugt worden. War ich nach dem ersten Pressetermin bei Ubisoft in Hamburg noch skeptisch, inwiefern das dritte Spiel nach fast gleicher Machart fesseln kann, hab ich Assassin’s Creed: Revelations nun doch sehr gerne durchgespielt. Neben den doch vielen kleinen neuen Ideen, ist es vor allen Dingen die Story, die mich besonders überzeugt hat. Ich wollte einfach wissen, wie es mit Ezio, Altaïr und Desmond weitergeht und daher werde ich – obwohl ich Ubisofts Update-Politik nicht gutheiße – auch zum nächsten Assassin’s Creed greifen, welches dann in diesem oder wohl spätestens nächsten Jahr erscheinen dürfte. Jedoch sollte sich das Team gut überlegen, ob die Kapazitäten eher in das Sammeln neuer Ideen fließen sollten und nicht nur in Erarbeitung und die Entwicklung eines meiner Meinung nach recht überflüssigen Multiplayer-Modus zu stecken.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Assassin’s Creed: Revelations!

Review: Rayman Origins

Nachdem die Videospielindustrie den Sprung in die dritte Dimension geschafft hatte, war es einige Zeit lang gar verpönt, Spiele in einer 2D-Optik zu veröffentlichen. Es sei schließlich nicht mehr zeitgemäß und so etwas wolle eh nie wieder jemand spielen – doch dies änderte sich mit der Zeit.

Im letzten Jahrzehnt ist es nun zum Revival der zweiten Dimension gekommen. Nicht nur zahlreiche erfolgreiche Independent-Spiele bauen auf diesen Stil, sondern auch immer mehr große Publisher entscheiden sich für eine platte Spielwelt. So präsentiert sich auch der gliederlose Held Rayman nun wieder von seiner flachen Seite. Schon vor einigen Wochen konnten wir uns auf dem Ubisoft-Event davon überzeugen, dass Rayman Origins in munterer Gesellschaft und für einige Stunden wirklich vom Allerfeinsten ist. Jetzt hatten wir endlich die Möglichkeit, dem Titel genau auf den Zahn zu fühlen und die letzten Fragezeichen zu lüften. Eines können wir schon vorab sagen: Selten ist ein Reboot einer Serie so glatt abgelaufen, wie bei Rayman Origins. Selbst ein gewisser italienischer Klempner sollte sich vor dem Rückkehrer in Acht nehmen. Schon in der ersten Storysequenz wird der absurde Humor von Rayman Origins deutlich gemacht. Die durch Raymans übermäßiges Schnarchen verärgerten Dämonen wollen unserem Helden an den Kragen und deshalb müssen wir allerlei Feen retten. Zum Glück ist eine tiefgründige Story für ein gelungenes Jump ’n‘ Run nahezu irrelevant. Daher stürzen wir uns lieber gleich Hals über Kopf in die ersten Levels. Dort erwartet uns sofort klassische Jump-’n‘-Run-Kost vom Feinsten. In klassischer Super-Mario-Manier hüpfen, schweben oder schwimmen wir durch die verschiedenen Levels. Mit einer butterweichen Steuerung und interessanten Aktionen, wie etwa dem Wändehochlaufen kämpfen wir uns durch ein gutes Dutzend verschiedener Welten. Dabei bewegen wir uns vom Gameplay her durchgehend absolut auf Augenhöhe mit Krachern wie New Super Mario Bros. Wii.

Ursprünge eines Genres

Ein besonders großer Stein dürfte jedem Jump-’n‘-Run-Fan beim Schwierigkeitsgrad vom Herzen fallen. Erst jüngst zeigte uns Nintendo in Super Mario 3D Land, dass man Gelegenheitsspieler immer noch erreichen möchte und auch die ersten Levels von Rayman Origins waren mit einem äußersten geringen Schwierigkeitsgrad versehen. Man hat sogar versäumt, die Möglichkeit zu integrieren, Leben in Raymans neustem Abenteuer zu verlieren. Je länger wir uns jedoch mit dem Titel beschäftigen, desto fordernder werden die Levels und mit einer sachten Lernkurve wurden wir schließlich zu fast wahnwitzig schnellen und präzisen Levels im Super-Meat-Boy-Stil geführt. Spätestens dort sind wir froh, ohne Lebensbegrenzung sterben zu können. Während wir also im Gameplay keinen Sieger küren können, hat Rayman Mario dieses Mal aber etwas eindeutig voraus. Die schon bei der Story erwähnte Absurdität zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel und macht Rayman Origins erst zu etwas Besonderem. Das fängt schon beim Besiegen der Gegner an. Bevor diese verschwinden, werden sie nämlich erst einmal zu großen Luftballons aufgeblasen. Das klingt nicht nur absurd, sondern sieht auch so aus. Treffen wir auf unserer Reise dann auf Limonen-Trampoline, sprechende Gabel-Plattformen oder feuerspuckende Chilischoten, können wir von dem einzigartigen Stil einfach nur begeistert sein. Unterstützt und unterstrichen wird all dies von einer herausragenden Grafik und einem äußerst verrückten Soundtrack. Es hat sich wahrlich gelohnt, dass man extra für Rayman Origins eine eigene Engine entwickelt hat.

Grafische Extraklasse

Die Ubi-Art-Engine ist genau auf gezeichnete Grafiken ausgerichtet und macht es zudem möglich, die Spiele in Full HD darzustellen. Bisher ist uns noch kein 2D-Spiel über den Weg gelaufen, das solch eine scharfe, detaillierte Grafik aufweisen konnte. Der Soundtrack erinnert uns dabei in seinen Gründzügen an den PlayStation-Portable-Hit Loco Roco – genauso kreativ und verrückt wird unsere Reise untermalt. Scheinen die Soundeffekte zunächst noch so, als würden sie einem schnell auf den Geist gehen, fügen sie sich letztlich so gut in das Gesamtkonzept ein, dass wir auch die komplette musikalische Untermalung mit ihren Sounds nicht mehr missen möchten. Wie wir bereits auf Ubisofts Presse-Event erleben durften, steigert sich die Genialität um ein Vielfaches, wenn wir mit mehreren Spielern vor dem Fernseher sitzen. Als uns die Entwickler vor einigen Monaten sagten, dass man keinen Online-Modus eingefügt habe, da Rayman Origins einzig und allein ein Spiel für die eigene Wohnung sei, waren wir zunächst wenig befriedigt. Etliche Spielstunden später können wir die Entwickler nun verstehen. Aber auch wenn das Spiel im lokalen Multiplayer-Modus erst seine wirkliche Genialität offenbart, hätten wir uns über einen Online-Modus unglaublich gefreut. So bleibt am Ende eines genialen Spiels doch ein kleiner Makel haften. Trotzdem hindert uns dies nicht daran, zum Schluss eine uneingeschränkt Kaufempfehlung abzugeben. Nur absolute Jump-’n‘-Run-Hasser werden Rayman Origins nicht lieben lernen.

Björns Fazit (basierend auf der Playstation-3- und Wii-Fassung): Ich bin hin und weg. Rayman Origins ist für mich das beste Jump ’n‘ Run des Jahres, wenn nicht sogar das Spiel des Jahres – und das trotz guter Auftritte von den Platzhirschen Mario und Sonic! Lange habe ich nicht mehr ein im Gesamtkonzept so stimmiges Spiel gesehen und lange habe ich nicht mehr so wenige Makel an einem Spiel auffinden können. Insbesondere für Besitzer einer Xbox 360 oder einer PlayStation 3 ist Rayman Origins aber ein absoluter Pflichtkauf. Sind Wii-Spieler insgesamt schon mit guten Jump ’n‘ Runs mit Mario, Donkey Kong oder Kirby in der Hauptrolle verwöhnt, wurde dieses Genre auf den HD-Konsolen bisher recht stiefmütterlich behandelt. Es ist dennoch wirklich schade, dass Rayman Origins bei den Verkaufszahlen kaum glänzen konnte. Dazu muss ich aber auch sagen, dass sich Ubisoft in den letzten Jahren aber auch nicht gerade bemüht hat, Raymans Namen in ein gutes Licht zu stellen. Unterm Strich bleibt ein geniales Jump ’n‘ Run, welches vermutlich aber nicht so schnell eine Fortsetzung erleben wird.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Rayman Origins!

Review: Forza Motorsport 4

Fünf Jahre lang nahm sich Entwickler Polyphony Digital Zeit, um in mühevoller Kleinarbeit den fünften Teil der Gran-Turismo-Serie zusammenzubauen. Microsoft tritt Konkurrent Sony entgegen und ließ durch Turn 10 Studios im gleichen Zeitraum gleich drei Rennspiele entwickeln.

Wir könnten meinen, dass Microsoft nicht auf ein rundes Gesamtprodukt, sondern auf das schnelle Geld aus ist, jedoch ist das Gegenteil der Fall.  Als Microsoft noch zu Xbox-Zeiten ankündigte, an einer neuen Rennspielserie zu werkeln, war die Spielerschaft verwundert. Man hatte doch bereits das erfolgreiche Project Gotham Racing als Marke etabliert und im eigenen Rennstall stehen. Mit Forza Motorsport wollte Microsoft jedoch in eine gänzlich andere Richtung, sie wollten den Realismus des Rennsports auf die Spitze treiben. Heute können wir Microsoft ein gutes Händchen attestieren: Projekt Gotham Racing liegt auf Eis, während sich die Forza-Motorsport-Reihe tagtäglich verkauft. Das aktuelle Forza Motorsport 4 wird dies hoffentlich nicht ändern, das Spiel hat es (um es vorweg zu sagen) ganz klar verdient! Wie im Vorgänger werden wir gleich zu Beginn von einer freundlichen Stimme an die Hand genommen und behutsam in den Karrieremodus eingeführt. Hier dürfen wir fortan um Ruhm, Geld und Erfahrung kämpfen, in dem wir Saison für Saison über den gesamten Globus reisen. Der Weg zum Erfolg führt dabei stets über unser Vehikel. Aus einem schier unendlich wirkenden Fuhrpark können wir – selbstverständlich passend zu unserem Budget – unseren Favoriten aus dutzenden Autos wählen.

Einfacher Spieleinstieg, herausfordernde Einstellungen

Dabei finden wir, bis auf Porsche, jegliche erdenkliche Automarke im virtuellen Autohaus. Es geht jedoch nicht nur darum unseren Fuhrpark mit neuen Karossen zu füllen. Wie in jeder guten Simulation dürfen wir behutsam Schraube für Schraube an unseren Autos anpassen. Haben wir alles, angefangen vom Reifendruck bis hin zum Design nach unseren Wünschen angepasst, geht es endlich auf die Piste. Nach einigen ersten Rennen sind wir von der Euphorie gepackt. Direkt fällt auf, dass ja gar nicht so schwer ist, sich in eine waschechte Simulation reinzufuchsen. Unsere ersten drei Rennen haben wir direkt mit massivem Abstand gewonnen. Ein Blick in das Schwierigkeitsmenü zeigt uns dann leider, dass wir nicht wirklich allein hinterm Steuer gesessen haben. Beim Spieleinstieg wird uns mit automatischen Bremsen, Ideallinien und unterstütztem Lenken wirklich an allen Ecken unter die Arme gegriffen. So können selbst Gelegenheitsspieler schon früh Erfolge in Forza Motorsport 4 feiern. Also fix an einigen Einstellungen geschraubt und sofort merken wir, dass wir eine wahrhaftige Simulation vor uns haben. Mit kleinen Schritten können wir das Spiel so anpassen, dass es für uns nicht zu schwer und auch nicht zu leicht ist – je mutiger wir hierbei allerdings sind, mit desto mehr Geld pro Sieg werden wir belohnt.

Umfangreiche Spielmodi

Nicht mehr in das enge Korsett der Fahrhilfen gezwängt, entdecken wir sehr schnell das realistische Fahrgefühl, das wir mit Forza 4 geboten bekommen. Wie im echten Leben liegen spielerisch Lichtjahre zwischen einem Opel und einem Ferrari. Haben wir unsere erste Saison beendet, zieht es uns schon bald in die weite Welt hinaus. Genauso wie im Singleplayer-Modus, klotzt Forza Motorsport 4 auch in seinen Online-Modi. Seien es 16-Spieler-Online-Rennen, regelmäßig auf den neuesten Stand gebrachte Challenges oder die schier unendlichen Weiten der usergenerierten Inhalte. Sind wir außerdem ein zahlendes Xbox-Live-Gold-Mitglied, können wir uns zudem in so genannten Autoclubs zusammenschließen und dort gegeneinander antreten und sogar Inhalte miteinander teilen. Zusätzlich dürfen wir in einem virtuellen Auktionshaus uns für kleineres Geld gebrauchte Wagen ersteigern oder bei einem prall gefüllten Konto gar auf die Jagd nach den seltenen Unicorn-Autos gehen. Neben all diesen wirklich hervorragend umgesetzten Modi lebt Forza Motorsport 4 aber vor allen Dingen von der Technik – dem Lebenselixier einer jeden Simulation. Die Technik beschert uns beim Spielen zahlreiche Aha-Erlebnisse. Zunächst sei da die herausstechende Optik und außerordentliche Detailverliebtheit zu nennen.

Fortschritt durch Technik

Erhaschen wir trotz des hohen Spieltempos einen Blick in die Umgebung unserer Strecke, werden wir von der Grafik schier umgehauen und entdecken allerlei Kleinkram wie Riesenräder am Straßenrand. Ebenfalls als höchst detailverliebt erweisen sich die Turn 10 Studios bei der Gestaltung der Wagen. Nicht nur, dass sie im Rennen wirklich hervorragend aussehen und mit kernigem Motorengeheul ausgestattet werden, in Forza Motorsport 4 haben sogar wir einen eigenen Modus, nur um unsere Autos genauer zu betrachten. Im Autovista-Modus können wir eine Auswahl der Autos von innen und aus allen Winkeln betrachten. Dabei werden wir vom wirklich sehr souveränen Sprecher mit allerlei Hintergrundinformationen versorgt. Insgesamt zählt Forza Motorsport 4 somit eindeutig zu den technisch besten Spielen dieser Generation. In anderen Bereichen finden wir zwar kleine Ungereimtheiten, die aber das Spielerlebnis kaum herunterziehen können. Zur kompletten Simulation fehlen Forza Motorsport 4 jedoch immer noch Wetterwechsel-Animationen und auch Nachtrennen vermissen wir immer noch schmerzlich. An allen anderen Ecken müssen Versäumnisse bei diesem Rennsportgiganten mit der Lupe gesucht werden, so sehr hat uns das Spiel beeindruckt. Forza Motorsport 4 ist nicht nur gleich gezogen mit Gran Turismo 5, sondern hat es zudem elegant überholt.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Etliche Stunden sind in den dritten Teil geflossen und so werden auch wieder etliche Stunden in den vierten Ableger fließen. Es ist schon fast erstaunlich, wie die Turn 10 Studios locker ein Spiel überbieten, dass ganze fünf Jahre Entwicklungszeit benötigte. Aber für mich macht nicht die Technik oder die Akkuratheit diesen Titel aus, es sind die vielen kleinen Anspielungen und Extramodi. Schon immer wollte ich einmal mit einem DeLorean DMC-12 über die Rennstrecke heizen. Es ist einfach fantastisch, dass Microsoft mit so vielen Lizenzen aufwarten kann. Apropos Lizenzen: Mit der Lizenz der britischen Autoshow Top Gear hat Microsoft ebenfalls einen sehr großen Fisch an Land gezogen. Es gibt in diesem Spiel einfach unglaublich viel zu entdecken. Für mich ist der Kampf um den Rennspielthron für diese Generation bereits entschieden, denn ein Gran Turismo 6 würde wahrscheinlich frühestens in fünf Jahren auf der PlayStation 4 folgen. Bis dahin wird Microsoft sicherlich noch weitere Forza-Motorsport-Titel veröffentlichen, die mir bis dahin die Zeit versüßen werden.

Vielen Dank an Microsoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Forza Motorsport 4!

Review: Uncharted 3: Drake’s Deception

Als im Jahre 2007 Uncharted: Drake’s Schicksal erschien, wurde er von vornherein schnell als billiger Indiana-Jones- und Tomb-Raider-Klon abgestempelt. Heute wissen wir, dass Entwickler Naughty Dog nicht etwa eine Kopie geschaffen hat, sondern die beiden Serien abgelöst hat.

Während Indiana Jones in außerirdische Regionen abdriftet und sich bei Lara Croft seit Jahren lediglich die Oberweite erweitert, möchte Uncharted die Schatzsuche zu neuem Ruhm führen. Selten schaffen es Entwickler, reale Geschichte gut und stringent in ein Videospiel einzubauen. In den letzten Jahren waren insbesondere zwei Serien dafür verantwortlich dies zu vollbringen – Assassin’s Creed und Uncharted. Während sich die Assassinen jedoch direkt in der historisch korrekten Zeit und an den damit verbundenen Orten tummeln, sind wir in Uncharted der Geschichte lediglich auf der Spur. Naughty Dog lässt dabei wieder geschickt die Grenzen zwischen realen geschichtlichen Faktionen, Mythen und Fiktionen verschwimmen. Wie schon im ersten Teil der Serie bewegen wir unseren Helden in Uncharted 3: Drake’s Deception wieder auf den Spuren seines berühmten Vorfahren Sir Francis Drake. Dabei werden wir nicht nur halb um den Globus, sondern dieses Mal auch durch die Zeit gejagt. Nach einer actionreichen Einleitung werden wir zurück in die Kindheit Nathans geschickt. Dort dürfen wir nicht nur erleben, wie er seinen Mentor und Freund Victor Sullivan kennenlernt, sondern entdecken auch die Wurzeln der den dritten Teil prägenden Suche nach dem Atlantis der Wüste. Etliche Jahre später und bereits zwei große Abenteuer hinter sich, will Nathan Drake dem Geheimnis endgültig auf die Spur kommen.

Ballerspektakel

Leider sind wir nicht allein auf unserer Suche, denn dieses Mal dürfen wir uns vorrangig mit einer britischen Geheimorganisation auseinander setzten – jener, der wir bei unserem ersten Treffen mit Sullivan in die Quere gekommen sind. Auch wenn in typischer Indiana-Jones-Manier gehaltene Rätsel und Suchpassagen die Serie schon seit dem ersten Teil mitprägten, bestand bei unserem Abenteurer schon immer eine Waffenfixierung. Tausende Gegner werden von unserem plündernden Helden Abenteuer für Abenteuer in hitzigen Schusswechseln erlegt. In Uncharted 3: Drake’s Deception versucht Naughty Dog einen Schritt aus dem Ballerspektakel. Keine Angst, an Gegnern wird es uns schon nicht mangeln! Das Entwicklerteam setzt im neuesten Teil viel mehr einen größeren Wert auf den Nahkampf und gelegentliche Schleichpassagen. So haben wir die erste Spielstunde sogar komplett waffenlos erleben können. Die Nahkämpfe wurden dabei zu ausführlicheren Quick Time Events hochstilisiert –  zwar trifft dies nicht jeden Geschmack, dennoch bringen sie etwas Abwechslung in die geringfügig angestaubte Uncharted-Reihe. Ferner wird es erstmalig an einigen Stellen sogar möglich sein, Gegner schleichend zu umgehen oder diese klammheimlich auszuschalten. Leider funktioniert dies nicht konsequent im ganzen Spiel, sodass wir letztlich doch meistens lieber unsere Waffe zur Hand nehmen.

Spannende und atmosphärische Situationen

Wie bereits im letzten Teil der Serie, können wir uns durch abwechslungsreiche Orte und Länder kämpfen. Vom komplett physikalisch korrekt animierten Kreuzfahrtschiff, über eine Flucht aus einem brennenden Gebäude, bis hin zum verlorenen Schlendern durch die Wüste. Verknüpft wird dies mit einigen neuen Ideen und Gameplay-Elementen, die das Spiel zwar nicht grundlegend verändern, die Motivation des Spielers aber oben halten. Hier hüllen wir uns aber ins Schweigen, schließlich wollen wir euch nicht jegliche Aha-Momente vorweg nehmen. Wie schon in den ersten beiden Teilen, weiß Nathan Drakes Abenteuerreise auch dieses Mal zu fesseln. Nur wenige Spiele schaffen es den Spieler wirklich derart von der ersten Minute an in ihren Bann zu ziehen. Dazu tragen aber nicht nur die wirklich gelungene und mit spannenden Wendungen gespickte Story, sondern auch alle anderen Komponenten von der Grafik bis zur Sprachausgabe bei. In allen technischen Belangen zählt Uncharted 3 nämlich eindeutig zur Crème de la Crème der Videospiele. Neben einem atmosphärisch mehr als nur gelungenen Soundtrack, besticht der Titel ebenfalls mit einer Grafik, welche auch den letzten Hardware-Funken aus der PlayStation 3 herauskitzelt. Zudem amüsieren uns unglaublich humorvoll geschriebene und selbstverständlich auch gesprochene Dialoge.

Anspruch auf Authentizität

Diesem Spiel merkt man an jeder Ecke an, dass Naughty Dog von Anfang an den Anspruch hatte, ein Videospiel auf Hollywood-Niveau zu schaffen. So kehrt man sich auch bei der Aufnahme der Sprachausgabe von alten Mustern ab. Man nahm die Gespräche der Schauspieler auf, während diese beim Motion-Capture-Verfahren die gerade passenden Aktionen vollzogen. Es mag wie eine Kleinigkeit wirken, macht die Dialoge und so das gesamte Spiel aber um ein Vielfaches authentischer. Dies gilt übrigens auch für die in vielen Spielen vernachlässigte deutsche Sprachausgabe, die in Drake’s Deception nochmals deutlich besser zum jeweiligen Gesehen passt. Wie schon in Uncharted 2: Among Thieves dürfen wir uns auch dieses Mal wieder online in wilde Schießereien begeben. Obwohl Naughty Dog an diesem Modus wohl am meisten gefeilt hat, wird er auch dieses Mal leider nur ein Schattendasein fristen. Dem Multiplayer-Modus fehlt leider ein Großteil des Charmes der kurzen zehnstündigen Story. Was bleibt ist ein abgespeckter Call-of-Duty-Mehrspielermodus im Uncharted-Universum – da geben wir uns viel lieber mit dem runden Kern des Spiels zufrieden. Dieser ist trotz oder gerade aufgrund der kurzen Spielzeit wieder extrem imposant geraten. Insbesondere die vielen kleinen Ideen und neuen Elemente, die von Naughty Dog implementiert wurden, machen das Spiel wohl zu einem der stimmigsten Gesamtkunstwerke im Jahre 2011.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Schon den ersten Teil der Serie habe ich regelrecht verschlungen. Es war das einzige Spiel der letzten Jahre, das ich tatsächlich gleich zwei Mal durchspielen und vor allem erleben wollte. Seit diesem ersten Versuch hat sich die Serie von Teil zu Teil stets gesteigert und so stellt Uncharted 3: Drake’s Deception auch wieder eines der besten Spiele dar, die in meiner PlayStation 3 rotieren durften, wenn es denn mal starten wollte. Ob es nun an meiner PlayStation 3 Slim lag, weiß ich im Grunde nicht, aber dass sich meine PlayStation 3 für die bis zum Rand vollgepackte Dual-Layer-Blu-ray erst einmal etliche Minuten warmlaufen musste, ging mir schon etwas auf die Nerven. Nichtsdestotrotz ist Drake’s Deception wieder ganz großes Kino – viel Action, mehr waffenlose Passagen als in den Vorgängern und geniale Dialoge formen das Popcornkino in Videospielform. Ich bin schon jetzt gespannt auf den nächsten Teil der Serie, der ja bereits bekanntlich für die nächste portable Sony-Konsole (PlayStation Vita) angekündigt ist.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung von Uncharted 3: Drake’s Deception!

Review: Fußball Manager 12

Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen. Es kommen immer weniger PC-exklusive Titel heraus und Deutschland stellt fast die einzige verbliebene Festung der PC-Spieler dar. Sehen wir von einer Hand voll Blockbustern einmal ab, erscheinen lediglich Simulationen und Manager exklusiv für den Heimcomputer. Auch hier haben wir eine Simulation vor uns, doch sind wir weit entfernt von Mähdreschern und Marsfahrzeugen. Hier wird nämlich mit Millionen jongliert!

Alle Jahre wieder veröffentlicht Electronic Arts einen Rundumschlag an Sportspielen. Fußballfans werden dabei stets doppelt versorgt. Denn vor etwa zehn Jahren gesellte sich zur klassischen Fifa-Reihe noch der Fußball Manager dazu. Wie beim eingangs genannten Konzern so üblich, veröffentlichte man von da an kontinuierlich Jahr für Jahr einen neuen Ableger der Serie. Dabei zeichnete sich auch die neue Reihe nicht unbedingt durch besonders große und revolutionäre Updates aus. In den letzten Jahren ging dies sogar so weit, dass man den ehrlichen Käufer doch tatsächlich als zahlende Beta-Tester zweckentfremdete. So sehr waren jene Spiele zum Release noch mit Bugs übersät, doch in diesem Jahr scheint ein Wunder geschehen zu sein. Entwickler Bright Future hat sich in diesem Jahr tatsächlich mehr um den Fortschritt bemüht und den Weg aus der Käferplage entdeckt. Erstmals seit einigen Jahren läuft das Spiel bereits zum Release flüssig und fehlerfrei, sodass wir den Blick entspannt auf unsere Liga legen können. Haben wir uns erstmal für einen der Modi entschieden und unseren Verein gefunden, geht die Reise auch schon los. Wer kein Fußball-Fan ist, wird es kaum verstehen, wie einen ewig lange Klickmenüs fesseln können, in denen wir alles von der Mannschaftsaufstellung bis zum Preis des Stadionmagazins bestimmen können. Besonders  wenn selbst die simulierten Fußballpartien und damit die eigentliche Action von den meisten Spielern nur im Textmodus betrachtet werden.

Versteckter Online-Modus

Dabei ist der 3D-Simulations-Modus in diesem Jahr sogar deutlich verbessert worden. Zwar sind sowohl Grafik als auch Kommentatoren nicht immer ein Volltreffer, aber die Team-Organisation ragt deutlich heraus. Während wir uns vorher mühsam durch Taktikmenüs klicken mussten, können wir nun über leicht durchschimmernde Sidebars direkt während des Spiels unseren Spielern einheizen. Ebenso wurde an vielen anderen Ecken gefeilt. Es ist fast unglaublich, wie detailverliebt Jahr für Jahr neue Kleinigkeiten integriert wurden. Neulingen erleichtert dies zwar nicht gerade den Einstieg, freut aber jeden Dauerspieler. Haben wir uns dann doch einmal aus den Fesseln des Solo-Modus befreit, dürfen wir uns auf die Suche nach dem Online-Modus machen. Dies ist wortwörtlich zu nehmen! Bright Future haben diesen leider nicht in das Hauptspiel eingebaut. Nach ewiger Suche werden wir schließlich auf unserer Festplatte im etwa fünften Unterordner fündig – die meisten Spieler dürften diesen wohl gar nicht erst entdecken. Ist die Online-Verbindung aber erst einmal hergestellt, dürfen wir uns dann doch freuen. Zwar erschien der Online-Modus nicht besonders gut ausbalanciert, jedoch ist das schnelle, kurzweilige Durchspielen einer Ligasaison wirklich spaßig. Insbesondere wenn wir uns mit Freunden für eine Jagd nach der Meisterschale verabreden, macht sich das Potenzial des Modus deutlich bemerkbar.

Bedenkliche Origin-Aspekte

Mit Fremden stellte sich in unserem Test bei der abgespeckten Manager-Variante leider nach sehr wenigen Durchgängen Langeweile und Routine ein. Zum Schluss noch ein kurzer Absatz zu dem wohl größten Streitthema in Hinblick auf den Fußball Manager 12 und andere Spiele aus dem Hause Electronic Arts, die auf der PC-Plattform erscheinen. Die neue Origin-Pflicht, die wir vor kurzem auch bei unserem Test zu Battlefield 3 entdeckt haben und keinesfalls gutheißen, stößt uns auch bei diesem Spiel sauer auf. Das bezieht sich nicht nur darauf, dass abermals für ein eigentlich als Einzelspieler-Titel gedachtes Spiel eine Online-Aktivierung notwendig ist, so was sind wir von anderen Firmen wie Ubisoft mittlerweile (leider!) schon gewohnt, es bezieht sich auch auf einen weiteren und sehr bedenklichen Punkt. Beim Betrachten der allgemeinen Geschäftsbedingungen von Origin finden sich zahlreiche Passagen, die Electronic Arts das Schnüffeln auf dem jeweils genutzten PC angeblich erlauben. Dies verstößt nicht nur gegen die gute Moral, sondern auch gegen deutsches Recht. Electronic Arts ist mittlerweile zwar zurückgerudert und hat die Bedingungen nun geändert, doch wir bezweifeln stark, dass dies das Ende vom Lied ist. Wer mit diesen bedenklichen Negativpunkt leben kann, wird selbstverständlich eine grundsolide Simulation für den heimischen Computer genießen können – und das ganz ohne Traktoren!

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Schon seit 2005 hatte ich mich nicht mehr einen längeren Zeitraum hinter einen der Fußball Manager geklemmt. So kommt mir dieser Titel fast schon selbsterklärend revolutionär vor. Vieles davon konnte ich zwar auch schon in den alten Anstoss-Teilen finden, aber nie wirkte es so stimmig und rund. All dies relativiert sich natürlich, wenn ich den Sprung vom letzten zu diesem Jahr betrachte. Die diesjährigen Neuerungen sind zwar überwiegend nicht unbedingt notwendig, sind aber eindeutig eine tolle Geste an die Community. So hat man zahlreiche Features eingebaut, die explizit von den Usern erwünscht wurden. Zwar handelt es sich in den meisten Fällen nur um Kleinkram, wie die detaillierte Aufschlüsselung der Vereinsfinanzen, dennoch ist der Wille dahinter löblich. Ich hatte jedenfalls meinen Spaß mit dem Titel und gebe letztlich nur noch einen kleinen Rat mit auf den Weg. Lasst doch bei den Sportspielen einfach mal ein bis zwei Titel aus. Das spart Geld und erhöht den Aha-Effekt beim nächsten Spiel ungemein!

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fußball Manager 2012!

Preview: Rayman Origins

Rayman hat sich endlich von den Hasen getrennt und ist erstmals seit vielen Jahren wieder in einem eigenen und völlig neuen Jump ’n’ Run unterwegs. So geht es, wie der Titel schon vermuten lässt, für Rayman zurück zu seinen Wurzeln und direkt in eine wunderbar verrückte Welt.

Die Aufgabe eines fast jeden Jump ’n’ Runs könnte nicht klarer formuliert sein – wir werden ausgeschickt, um eine Prinzessin zu retten und in Rayman Origins wird sich dieser Sachverhalt auch kaum ändern. Zwar sind wir nun Retter einiger Feen, aber es möchte wohl niemand den Erbsenzähler spielen. Mit unserem armlosen Helden kämpfen wir uns durch zahlreiche Levels und entdecken die verschiedenen Welten des Spiels. Von einer Eiswelt, über Teufels Küche bis hin zu einigen Dschungel-Levels ist alles vorhanden. Die Besonderheit ist dabei, wie diese Levels künstlerisch gestaltet wurden. In fast jedem Gebiet dürfen wir etwas Neues entdecken und darüber meistens auch schmunzeln. So sind wir auch nicht nur an klassische Spielabschnitte gebunden, sondern erleben auch Wett-Fliegen, absurde Bosskämpfe, Rennen gegen die Zeit oder einfache Verfolgungsjagden. Wirklich hervorragend wird der Titel, wenn weitere Spieler mit in das Geschehen einsteigen.

Chaotischer Charme

Jederzeit dürfen sich hinzugekommene Spieler einen Controller schnappen und in das laufende Spiel einsteigen. Haben wir sogar vier Leute beisammen, geht der Spaß erst richtig los! Zwar erlangt das Spiel ein großes Maß an Chaos, macht aber dafür umso mehr Laune. Immer wieder kommt es zu Situationen, wo aus dem eigentlichen Kooperations- ein Versus-Modus wird. Ubisoft hat es jedoch sehr gut hinbekommen, die entstandenen Situationen dennoch fair zu halten. Während der eine oder andere Spieler bei New Super Mario Bros. Wii eventuell das Gefühl bekommt, sich mit seinen Mitspielern gegenseitig zu behindern, entwickelt sich bei Rayman Origins unserer Meinung nach zumindest ein gesunder Konkurrenzkampf. Das Spiel leidet in keiner Sekunde darunter und gewinnt eher an Charme. Relativ unverständlich ist leider, dass Ubisoft auf allen Konsolen, selbst auf der PlayStation 3 und der Xbox 360, auf einen Online-Modus verzichten möchte. Das Spiel macht zwar zusammen vor einem Fernseher sicherlich mehr Spaß, aber in Zeiten von Programmen wie Skype oder TeamSpeak, kann man schließlich auch auf virtuellem Wege zusammen kommunizieren.

Ein bisschen Spaß muss sein

Auch stilistisch liefert Ubisoft mit Rayman Origins ein hervorragendes Werk ab. Man glaubt es kaum, aber weder die PlayStation 3 noch die Xbox 360 aus dem Hause Microsoft haben abseits des Download-Marktes bis jetzt einen so wunderschön animierten und gut aussehenden 2D-Titel gesehen. Zusätzlich fesselt uns auch der Humor des Titels in höchstem Maße. Die Animationen erinnern teilweise an herrlichsten Slapstick und sind durchsetzt mit Feinheiten, die den Spieler zum Lachen bringen können. Sei es eine Schatzkiste, die aus Angst vor Rayman wegläuft oder das Mückenrennen, bei dem Globoxs Reitmücke den Spieß umdreht und auf Raymans blauem Freund reitet. All dies trägt dazu bei, dass uns der Titel schon beim Anspieltermin mehrere Stunden fesselte. An dieser Stelle gebührt Ubisoft unser besonderer Dank: Während von anderen Entwicklerstudios Nintendos Wii und mittlerweile auch schon der 3DS vernachlässigt werden, versichern uns die Entwickler, dass die Version für die PlayStation 3 und Xbox 360 sich von der Wii-Fassung lediglich in der Grafik unterscheidet. Rayman Origins wird neben Super Mario 3D Land und Kirby’s Adventure Wii sicherlich das dritte heiße Jump ’n’ Run in diesem Jahr!

Geschrieben von Björn Rohwer

Axels Prognose (basierend auf der Ubisoft-Präsentation): Nach all den Jahren ist eines sicher – Rayman ist und bleib ein durchgeknallter aber auch durchaus sympathischer Charakter in der Videospielwelt. Dies sieht man auch auf Anhieb in Rayman Origins. Eine große und spannende Story sucht man vergebens, dass Spiel ist ganz nach dem Motto Play with your friends gestaltet und genau dies macht es so interessant. Wir hatten so viel Spaß im Mehrspielermodus, dass unser dauerhaft lautes Lachen die anderen Entwickler aus ihren Vorstellungsräumen lockte, um zu sehen ob mit uns noch alles in Ordnung sei. Nach der Präsentation hörten wir im Flur auch schon das Geschrei der nächsten Gruppe, welche Rayman Origins spielte – das beweist mir, dass der Titel für die breite Masse geeignet ist und sehr viel Spielspaß bietet. Dabei sind es eigentlich nur Kleinigkeiten, die das Spiel so amüsant wirken lassen. Die perfekte Kombination aus ulkiger Musik, hektischem Gameplay, einer farbenfrohen und witzigen Spielwelt, sowie absolut hochgradig verrückte Charaktere machen das Spiel zu einem wahren Couch-Hit mit guten Freunden. Wer also auf eine packende Story verzichten kann und ein Spiel sucht, welches auf pure Unterhaltung setzen soll, wird mit Rayman Origins gut bedient werden und kann sicherlich ohne große Bedenken zuschlagen.

Björns Prognose (basierend auf der PlayStation-3-Version): Ich bin hin und weg! Mit gemischten Erwartungen habe ich mich an die Konsole gesetzt und bin mit einem breiten Lächeln wieder gegangen. Nimmt man sich dieses Jump-’n’-Run-Meisterwerk gemeinsam mit drei weiteren Spielern vor, kann man sich dem Spaß kaum mehr entziehen. Abwechslungsreiche Levels, eine große Portion Humor und fiese aber niemals unfaire Multiplayer-Duelle machen das Spiel zu etwas wirklich besonderen. Unverständlicherweise wurde in Rayman Origins kein Online-Mehrspielermodus integriert. Das die Wii keinen spendiert bekommen wird, sind wir ja bereits von unzähligen anderen Titeln gewohnt, aber dass Ubisoft einem so hervorragenden Multiplayer-Spiel auch auf der PlayStation 3 und Xbox 360 der Online-Modus fehlt, ist nicht verständlich. Trotzdem hat Rayman es geschafft zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Sollte ich mich diesen Winter zwischen all den Blockbustern entscheiden, würde ich selbst Super Mario 3D Land und The Legend of Zelda: Skyward Sword für Rayman Origins links liegen lassen und das will schon etwas heißen!

Julians Prognose (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Als ich Rayman Origins auf dem Ubisoft-Event anspielen konnte, hatte ich großen Spaß dabei. Dies lag aber vermutlich eher daran, dass ich mit anderen Redakteuren zusammen spielen durfte. Rayman ist für mich nicht gerade der Knüller, für den ich sofort zur Ladentheke rennen muss. Bei der Auswahl meiner Spiele achte ich eher auf andere Faktoren, die in Rayman Origins leider nicht vorhanden sind. Allerdings glaube ich, dass Familien ihre wahre Freude mit dem Titel haben werden. Optisch ist der Titel auf der PlayStation 3 trotz allem sehr putzig geraten und die Steuerung ist einfach zu erlernen, doch Herausforderungen habe ich auf dem Event nicht bemerken können. Das Spiel landet vermutlich nicht in mein Spielregal, doch ich bin dennoch bereit, ihn bei dem einen oder anderen Freund im Mehrspielermodus zu spielen.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Einladung zum Event in Köln!