Review: Knack

Knack (1)Der Launch der PlayStation 4 war ein großer Erfolg, doch an den Unmengen an Launch-Titeln hat es nicht gelegen. Sony Computer Entertainment ist nur mit zwei Titeln an den Start gegangen. Neben Killzone: Shadow Fall traut man sich jedoch auch an eine neue Serie.

Knack (2)Die neue Serie hört auf den Namen Knack. Leider strotzt die Geschichte von Knack schon von Beginn an nicht sonderlich vor Tiefe. Auf der Suche nach Relikten greifen mit Pfeil, Bogen und Panzern kämpfende Trolle eine Menschensiedlung an. Das lassen sich die dort lebenden Menschen aber nicht bieten und so suchen sie nach einem Weg für einen Gegenschlag, bei dem sie entweder die Roboter-Armee oder die jüngste Neuentwicklung in Anspruch nehmen: Knack. Das titelgebende Wesen besteht nur aus lose beieinander schwebenden Relikten, kann aber sprechen und beliebig wachsen und schrumpfen – jedenfalls solange das Material dafür vorhanden ist. Nach einer Präsentation seiner Fähigkeiten darf Knack mit auf die Expedition und sich in den Kampf gegen die Trolle stürzen. Ein relativ langatmiger Kampf, auch wenn wir nur knappe zehn Stunden braucht, um das Spiel durchzuspielen. Mit einigen wenigen Ausnahmen, bietet Knack dabei nämlich absolut standardisierte Jump-’n‘-Run-Kost. Nichts Weltbewegendes, immer ein bisschen fad, aber auch mit wenigen großen Schnitzern. Der Schwierigkeitsgrad ist hingegen sogar relativ gelungen. Auf Leicht ist es tatsächlich ein Kinderspiel, während man auf Schwer auch als erfahrener Spieler gefordert wird. Und einige gute neue Ideen hatte Knack auch – eigentlich.

Verschenktes Potential

Knack (3)Hofft man zu Beginn des Spiels noch darauf, dass man frei durch das Sammeln von Teilen seinen Protagonisten verändern kann, wird man schnell ernüchtert. Eigentlich wird unser Charakter nur gescriptet größer und kleiner – der Spieler hat nur marginal Einfluss darauf. Gerade mit den später im Spiel auftretenden Elementen wie Eisbrocken, die sich unser Protagonist auch einverleibt, wäre der Weg für taktische Spielchen frei gewesen. Man hätte je nach Größe auch verschiedene Spielstile haben können, doch anstatt uns Aufgaben zu stellen oder verschiedene Wege zu ermöglichen, dürfen wir nur dem Plan des Spiels folgen und kämpfen uns arg stupide durch Schlauchlevels. Eine gute Idee wäre auch das Update-System gewesen, wenn wir nur früher Erfolge sehen würden. Anstatt Artefakte zu sammeln, suchen wir in der Spielwelt nebenbei nach Teilen von Maschinen oder nach Kristallen. Haben wir dann alle Teile eines Gerätes oder eines Kostüms zusammen, wird das Spiel durch neue Funktionen erweitert. Während das Konzept am Anfang ungemein motiviert, tatsächlich alle Teile zu sammeln, verliert es nach zahlreichen Spielstunden an Reiz, da wir dann immer noch kein Gerät komplettiert haben. Die Grundidee ist gut, aber der Spieler muss auch ein wenig hingehalten werden, damit er dauerhaft bei einer Sammelmission die Motivation behält.

Partikelprahlerei

Knack (4)Da fragen wir uns, wer das ganze Spiel durch Gegenstände sammelt, nur um in den letzten Minuten einen Vorteil davon zu haben. Auch technisch stehen wir mit gemischten Gefühlen vor dem PlayStation-4-Titel. Viele Passagen sehen ganz idyllisch aus, aber mehr als eine etwas fade Comic-Grafik ist das Ganze dann leider auch nicht. Viel mehr scheinen die Entwickler mit Knack nur wieder zeigen zu wollen, wie viele kleine Partikel die PlayStation 4 getrennt voneinander darstellen und bewegen kann. Der Aufbau des Protagonisten und die Explosionen bei seinem Tod sind tatsächlich ziemlich beeindruckend, aber haben halt diesen faden Beigeschmack. Andere technische Möglichkeiten der PlayStation 4 werden aber sehr wohl ausgenutzt. So lässt sich der kooperative Mehrspielermodus mit einer PlayStation Vita spielen und das Spiel wird durch eine iOS- und Android-Applikation ergänzt. Ein Bejeweled-Klon fürs Smartphone soll dem Spieler helfen, schneller an die freischaltbaren Gegenstände zu kommen, ist dabei aber so eintönig wie der große Teile des Spiels. Am Ende bleibt ein Spiel, dass Nichts wirklich schlecht macht und ebenso wenig wirklich gut. Das hat zur Folge, dass man nie wirklich von der Motivation gepackt wird, sich aber auch nicht wirklich konkret über Punkte ärgern kann – alles in allem eben ein absolut durchschnittliches Videospieldebüt.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Es ist insgesamt wirklich schade, wie viel Potential Knack verschenkt. Gerade in den ersten zwei Spielstunden werden Ideen angedeutet, die den Titel zum Pflichtkauf für jeden PlayStation-4-Besitzer gemacht hätten, dann aber doch nur halbherzig umgesetzt werden. So haben wir nur ein äußerst generisches Jump ’n‘ Run vor uns, das nach kurzer Zeit den Spieler mit Schlauchlevels, sehr stupiden Kämpfen und einem eher störenden Upgrade-System langweilt. Auf die Frage, warum man sich den Titel dennoch zulegen sollte, gibt es nur eine Antwort. Es mangelt derzeit an Alternativen. Wer ein kindgerechtes Spiel für die PlayStation 4 sucht oder wer eigentlich jedes Jump ’n‘ Run verschlingt, wird sich auch mit Knack anfreunden können. Am Ende ist Knack also ein absolut klassischer Launch-Titel – wäre das Spiel irgendwann später erschienen, wäre es wohl absolut untergegangen, aber ohne eine Ausweichmöglichkeit, erzielt es wohl trotzdem ordentliche Verkaufszahlen. Ich würde der Serie sogar ein Comeback gönnen, denn viele der Ideen sind wirklich interessant und könnten mit mehr Vorlauf ein wirklich abwechslungsreiches Spiel ergeben. Es bleibt nur fraglich, ob Sony Computer Entertainment nach den eher schlechten Kritiken dem neuen Franchise noch eine Chance gibt.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Knack!

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