Review: Gran Turismo 6

Gran Turismo 6 (1)Weit bevor die PlayStation 3 veröffentlicht wird, erklärt man, dass man an einem neuen Teil der Gran-Turismo-Serie arbeite. Gran Turismo 5 verschlingt in dieser Zeit eine halbe Dekade Entwicklungszeit. Dessen Nachfolger wird innerhalb von nur drei Jahren fertiggestellt.

Gran Turismo 6 (2)Aus keinem anderen Grund lacht man sich bei Microsoft wohl ins Fäustchen, denn mit Forza Motorsport hat man in dieser Zeit eine ganze Rennspielserie etabliert, die fünf Episoden und ein Spin-off umfasst. Des Weiteren legen die Turn-10-Studios-Entwickler die Messlatte für Sony Computer Entertainment beziehungsweise Polyphony Digital sehr hoch. Die Entwickler der Forza-Motorsport-Reihe haben es verstanden, das Genre der Rennsimulationen sehr viel tiefgründiger zu gestalten. Obwohl von dieser Magie nicht sehr viel auf Gran Turismo 6 übergeht, handelt es sich beim sechsten Teil der Sony-exklusiven Rennspielserie um absolut kein schlechtes Spiel – es legt einfach andere Ansätze. Nachdem wir den Titel starten, werden wir behutsam in das Spiel eingeführt. Auf einem Übungsparcours erlernen wir die wichtigsten Grundlagen des Autofahrens. Für Profis und Kenner der Vorgänger sind die ersten Minuten zwar nervig, doch dafür freuen sich Anfänger über die leicht zu erlernende Steuerung. Wie es sich am besten auf der Rennstrecke fährt, erfahren wir durch eingeblendete Textboxen. Diese müssen wir zwar aufgrund einer fehlenden Synchronisation des Spiels alle selbst lesen, doch da diese nicht sonderlich viel Text fassen, ist den Entwicklern hier schnell verziehen. Haben wir die erste Runde überstanden, werden wir in den harten Alltag eines Rennfahrers entlassen.

Zugeschnitten auf jeden Spieler

Gran Turismo 6 (3)Wer jetzt an eine Kampagne denkt, die mit einer Handlung wie in Forza Horizon verbunden ist, wird leider enttäuscht sein. Auf der anderen Seite macht das aber nichts, da sich das Spiel so sehr viel mehr auf die eigentlichen Schwerpunkte konzentrieren kann. Auf verschiedenen Strecken, die sich durch ihre Gestaltung allesamt unterscheiden, brettern wir über die Straßen diverser Landschaften und Städte dieser Welt. Über den Nürburgring, durch trostlose Steppen, am Kolosseum in Rom oder am Piccadilly Circus, der weltbekannten Werbetafel in London, drücken wir ordentlich aufs Gas und erhöhen schrittweise unser Tempo, um als erster über die Ziellinie zu sausen. Während Profis schnell alle Fahrhilfen abschalten, dürfen Anfänger sich über Ideallinien und weitere Einstellungen freuen, die den Einstieg für sie erleichtern. Leckt man bei den zeitlich gerne mal ausufernden Rennspielsessions Blut, individualisiert man alle Fahrhilfen so, dass sie genau auf einen zugeschnitten sind. Haben wir also so unsere Probleme mit dem Antiblockiersystem, drehen wir einfach am Regler, um Gran Turismo 6 auf diesem Weg einfacher oder herausfordernder zu machen. Ihr dürft uns glauben, wenn wir sagen, dass man sich sehr schnell an Steuerung, sowie an das Fahr- und Geschwindigkeitsgefühl gewöhnt. Wer sich täglich im PlayStation Network einloggt, darf sich zudem über einen Bonus freuen.

Gigantischer Fuhrpark

Gran Turismo 6 (4)Für jedes abgeschlossene Rennen hagelt es, je nachdem wie gut wir dabei abschneiden, eine bestimmte Anzahl an Credit-Punkten. Loggen wir uns täglich ein, erhöht sich der Prozentsatz an Bonusleistungen, die wir erhalten. Während sich das für Vielspieler lohnen dürfte, haben Gelegenheitsspieler das Nachsehen (zumal unverständlicherweise eine Internetleitung für die Bonusleistungen vorausgesetzt wird, wobei eine Abfrage der internen Uhr denselben Zweck erfüllen dürfte). Diese werden damit bestraft, sehr viel mehr Zeit mit dem Spiel verbringen zu müssen, wenn sie sich jedes Fahrzeug leisten möchten. Die Credits funktionieren als Währung, mit denen wir uns im Autohaus mit Autos der Marken Audi, Toyota, Honda, Ford, Ferrari, Lamborghini, Volkswagen und Co. eindecken können. Zu viel verraten möchten wir an dieser Stelle jedoch nicht, doch dürft ihr euch auf einen vierstelligen Fuhrpark einstellen. Dazu kommen noch Tuning-Möglichkeiten, die euch ebenfalls lange beschäftigen werden, bis ihr das für euch am besten geeignete Auto gefunden habt. Da einige Autos mit siebenstelligen Beträgen zu Buche schlagen und ihr für ein abgeschlossenes Rennen nur einen Bruchteil des Betrages verdient, könnt ihr euch sicherlich ein grobes Bild davon machen, wie zeitintensiv Gran Turismo 6 ist. Echtgeldtransaktionen gibt es in Gran Turismo 6 aber leider ebenfalls.

Echtgeldtransaktionen und Ergeiz – ein schmaler Grad

Gran Turismo 6 (5)Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass Sony Computer Entertainment euch sehr gerne optional zur Kasse bitten möchte. Für Echtgeld dürft ihr euch einen bestimmten Batzen Credits kaufen und auf diesem Wege hunderte Euros für virtuelles Eigentum ausgeben. Zugutehalten müssen wir dem Unternehmen jedoch, dass sie nicht aufdringlich damit werben. Wer auf diesem Weg an neue Fahrzeuge gelangen möchte und so auf sehr viel Spielspaß verzichten möchte, muss erst einmal danach suchen. Tatsächlich verstärkt sich der Transaktionsbildschirm unauffällig in einem Untermenü. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt dennoch, denn wir haben das Gefühl, dass man einige Wagen deshalb extra für einen teuren Preis anbietet. Der Publisher sollte sich bei einem Nachfolger, der früher oder später sicherlich kommen wird, zweimal überlegen, ob man sich diesen Ausrutscher ein zweites Mal leisten möchte. Trotzdem: Jeder Spielinhalt in Gran Turismo 6 ist mit Ergeiz auch so freizuschalten. Selbiges gilt natürlich auch für jede Strecke beziehungsweise jeden Cup. Für abgeschlossene Strecken gibt es neben Credits auch eine Sternebewertung. Um neue Rennpisten freizuschalten, sammeln wir Sterne. Dass der Titel über einen leicht ansteigenden Schwierigkeitsgrad verfügt, motiviert dieser Vorgang in unseren Augen ganz besonders. Abwechslung versprechen zusätzliche Nebenaufgaben.

Motivierende und verkorkste Nebenaufgaben

Gran Turismo 6 (6)In diesen Nebenaufgaben müssen wir unter anderem in einer Arena unter 21 Sekunden ganze dreihundert Kegel umfahren, um einen Goldpokal zu erhaschen. Mit einer anderen Aufgabe werden wir auf einer geraden Strecke konfrontiert. Auf eintausend Metern müssen wir hier so schnell beschleunigen, dass wir kurz vor dem Ziel der Strecke immer noch bremsen können. Solche Aufgaben motivieren zusätzlich, da sie unser Fahrgeschick auf die Probe stellen. Wir haben aber leider ebenfalls die Bekanntschaft mit Aufgaben gemacht, die sehr penibel auf das Fahrverhalten des Spielers achten. Beispielsweise müssen wir beim Goodwood-Festival so schnell wie nur irgendwie möglich durch die Ziellinie fahren, doch wenn wir nur einmal auch nur kurz von der Strecke abkommen, dürfen wir das Rennen direkt von vorne starten. Nicht, weil wir es sonst nicht mehr schaffen könnten, sondern weil das Spiel Weiterfahren aufgrund komischer Regeln nicht zulässt. Selbiges gilt auch, wenn wir mal eine Streckenbegrenzung berühren oder uns ein Fahrzeug, welches wir überholen sollen, uns geringfügig rammt. Man muss zuweilen schon ein echter Profi sein, wenn man diese Aufgaben mit einem Goldpokal abschließen will. Die Forza-Motorsport-Serie bietet eine Rückspulfunktion und genau dieser Einfluss auf das Genre hätte Gran Turismo 6 gut getan, um Perfektionisten anzusprechen.

Pflichtkauf für Rennspielfans

Gran Turismo 6 (7)Positiv fällt jedoch der Mehrspielermodus auf. Online und offline (letzteres im Splitscreen-Modus für zwei Spieler) dürfen wir uns mit anderen Fahrern messen. Dieser Modus ist zwar nicht sehr tiefgründig, erweitert das Spiel aber sinnvoll. Auf einigen Strecken wird parallel zu unserer Leistung das Ergebnis eines Spieler aus der Freundesliste angezeigt. Geistähnliche Daten sind also auch in Gran Turismo 6 vorhanden. In unseren Augen mangelt es dem Spiel an fast nichts. Echte und ausgedachte Rennstrecken geben sich die Hand und werden durch die veralte Hardware der PlayStation 3 ordentlich in Szene gesetzt. Dennoch ist die Grafik des Spiels ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite übertönen tolle Lichteffekte und eine detaillierte Optik in den Städten, doch auf der anderen Seiten stört ständiges Kantenflimmern bei größeren Arealen nach kurzer Zeit. Der Soundtrack ist zwar Geschmackssache, doch mehrere Radiosender hätten sicher nicht geschadet. Auf ein Schadensmodell und anständige Kollisionsgeräusche verzichtet der Titel – im Gegensatz zum tollen Motorensound. Man hätte sich sicherlich mehr an der Konkurrenz orientieren dürfen und der nächste Serienteil kann ohne eine Zurückspulfunktion nicht mehr auskommen. Ein aktuell besseres Rennspiel neben Gran Turismo 6 gibt es derzeit jedoch nicht. Rennspielfans sollten unbedingt zugreifen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Meine letzte Berührung mit der Serie liegt sicherlich mehr als zehn Jahre zurück und in der Zwischenzeit hat mich die Forza-Motorsport-Serie zu sehr in ihren Bann gezogen. Ohne eine Xbox One es ist jedoch schwierig, der Serie weiterhin zu huldigen, weshalb ich mich diesen Winter mal für ein andere Rennspielsimulation entschieden habe. Gran Turismo 6 bietet mir nicht immer durchgehend den Komfort, den ich bei der Konkurrenz gewohnt bin, doch stört mich das nicht sonderlich. Gran Turismo 6 legt andere Akzente als die Konkurrenz und zum Teil ist das auch gut so, denn eine Portion Eigenidentität sollte man nicht vergessen. Da ich mich nur selten mit Rennspielen beschäftige, finde ich es sehr gut, dass Gran Turismo 6 mich gleich zu Beginn langsam mit der Steuerung und dem virtuellen Fahrgefühl konfrontiert. Schnell sind die ersten Rennen, Goldpokale und Erfolge gewonnen. Ebenso schnell genieße ich die Motivation, die sich in mir breitmacht und ein kleines Suchtgefühl hervorruft. Da will man den Controller gar nicht mehr aus der Hand legen, um die nächste Strecke aufzurufen, um anschließend das nächste Rennen zu gewinnen. Es sind für mich nur Kleinigkeiten, die in Gran Turismo 6 verbessert werden müssten – Kameraperspektiven, Radiosender und ein noch zugänglicheres Menü. Um dort nämlich von einem Ort zum anderen zu gelangen, sind in meinen Augen zu viele anzuklickende Schaltflächen aufzurufen. Das ist jedoch Meckern auf hohem Niveau. Im Kern ist Gran Turismo 6 eine gute Rennsimulation und eine bessere Alternative gibt es, ohne auf ältere Titel zurückzugreifen, zum aktuellen Zeitpunkt nicht.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Gran Turismo 6!

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