Review: Forza Horizon

Forza Horizon (1)Eigentlich ist die Forza-Motorsport-Serie dafür bekannt, dass aus ihr anspruchsvolle und vor allem ernste Rennspielsimulationen hervorgehen. Mit dem Spin-off Forza Horizon geht die Reihe andere Wege und kann dabei ebenso sehr wie der Rest der Serie begeistern.

Forza Horizon (2)Anstatt uns nach vier Rennspielsimulationen erneut in eine solche zu schicken, haben sich die Köpfe bei den Turn 10 Studios und dem Entwicklerstudio Playground Games gedacht, dass man Forza Motorsport durch ein action-lastiges und auf eine offene Welt angelegtes Spiel, die Spielertypen anzusprechen, die zwar Interesse an einem Rennspiel haben, aber aufgrund des komplexen Simulationsanteils sich bisher zurückhielten. Obwohl die Komplexität weitgehend in Forza Horizon fehlt, ist das Rennspektakel nicht weniger spannend und ein paar Elemente, welche Forza Motorsport ausmachten, sind natürlich auch hier wieder mit an Bord, doch der Reihe nach. Da sich das Subgenre geändert hat, bedeutet das auch, dass man sich ein wenig an der Konkurrenz orientieren möchte, um nebenher auch eine spannende Story zu erzählen. Die ist am Anfang auch interessant, denn unser Alter Ego möchte am Horizon Festival im schönen US-Bundesstaat Colorado teilnehmen und die Leiter der Bestplatzieren aufsteigen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir der Reihe nach ein Festival-Rennen nach dem anderen bestehen und dabei genügend Punkte sammeln, um uns in der Rennzentrale (die passender Weise in der Mitte der Spielwelt platziert wurde) ein neues Armbändchen abzuholen, um so abermals neue Rennen freizuschalten. Da wäre selbst Wolfgang Petry nach ein paar Spielstunden neidisch!

Beschäftigungen in Colorado

Forza Horizon (3)Eine tiefergehende Story erwartet uns jedoch nicht, denn obwohl sie anfangs spannend klingt, ebbt sie ebenso schnell ab. Selbst die nette Dame, die uns in das Spiel anfangs einweist und später nur Funkkontakt mit uns hält, um uns auf aktuelle Events aufmerksam zu machen, wird dann nicht mehr auftauchen. Hier hätten wir uns als Newcomer beim Festival vielleicht sogar eine sich anbahnende Liebesgeschichte erträumt, während wir ständig von unseren Rivalen, auch abseits der eigentlichen Rennen, herausgefordert oder attackiert werden. Das Potential nutzt Forza Horizon nicht. Das ist in Anbetracht des tollen Gesamtwerks zwar schade, doch würde dies aufgrund der vielen Abwechslung im Spiel vielleicht stören. Da möchten typische Rundrennen gemeistert werden oder eine Etappe wie in Need for Speed: The Run abgearbeitet werden. Nebenher müssen wir dann unsere Popularität steigern, in dem wir ein hohes Tempo mit unserem Vehikel erreichen, mit diesem tolle Drifts hinlegen oder den Lack von anderen Karosserien streifen. Je beliebter wir sind, desto eher erhalten wir Zugriff zu Schaurennen. In diesen Rennen treten wir nicht gegen andere Rennfahrer, sondern eher gegen Heißluftballons oder schnelle Flugzeuge an. Möchten wir unseren Fuhrpark erweitern, so können wir an den illegalen Straßenrennen teilnehmen, um noch schneller ans nötige Kleingeld zu kommen.

Großzügiger Fuhrpark

Forza Horizon (4)Wer sich die Zeit sparen möchte, um virtuelles Geld zu sammeln, der darf im Autohaus auch zum Echtgeld greifen, denn mit Microsoft Points lassen sich Gutscheine erwerben, die danach gegen neue Fahrzeuge eingetauscht werden dürfen. Es steht natürlich jedem Spieler frei, ob er solche unnötigen Ausgaben tätigen möchte, aber so zerstören Publisher und Entwickler direkt das eigene Spiel, da besonders das ständige Abfahren von Rennstrecken motiviert und somit ebenfalls ständig neue Credits in die virtuelle Tasche wandern. Ebenfalls ärgerlich ist, dass es der gesamte Fuhrpark nicht auf die Disc geschafft hat. Microsoft veröffentlicht bis April 2013 monatlich neue Auto-Pakete, für die dann wieder zusätzliche Kosten anfallen. Das beeinflusst zwar nicht wirklich die bereits jetzt große Auswahl an Autos, doch solche Zusatzinhalte sind bei jedem Spiel ein Ärgernis. Insbesondere dann, wenn sie im Spiel teilweise als kostenfreie Inhalte beworben werden und sobald man das gewünschte Paket erwerben möchte, auf einmal ein drei- bis vierstelliger Betrag angezeigt wird. Hier sollte der Entwickler unverzüglich einen Patch nachreichen, damit wertvolle Marken wie Audi, Ferrari, Ford, Lamborghini, Mitsubishi, Subaru und Volkswagen wegen solch einer Lappalie nicht beschmutzt werden. Ebenso mit an Bord sind die Autos der Firmen Aston Martin, Bugatti, Mercedes, Nissan oder Viper.

Detailgetreue Steuerung

Forza Horizon (5)Jedes Fahrzeug fühlt sich beim Steuern selbstverständlich anders an. Während ein Käfer im Ursprungszustand keine hohe Geschwindigkeit auf dem Tacho anzeigt, kann ein Sportwagen somit natürlich ein phänomenales Tempo erreichen. Der Bremsweg ist dementsprechend aber länger und Unfälle sind somit nicht selten vorprogrammiert. Es zersplittern dann zwar Fenster und Beulen bekommt die Karosserie nicht zu wenig ab, doch sind diese Schäden künstlicher Natur. Wir dürfen so ruhig die eine oder andere Delle riskieren, ohne zu befürchten, dass das Auto im nächsten Moment den Geist aufgibt. Das unterstreicht natürlich den Action-Anteil im Spiel, doch Fans der Rennspielsimulationen werden sich sicherlich ein echtes Schadensmodell wünschen. Optional lässt sich dies leider nicht einstellen, doch dafür andere Elemente, die die Serie in den letzten Jahren auszeichnete. Unter anderem können wir wieder die Ideallinie auf den Asphalt projizieren, damit wir genau wissen, wie wir unbeschadet fahren können oder die Bremse betätigen müssen. Machen wir doch einmal einen Fehler, können wir die Zeit durch Knopfdruck ein paar Sekunden zurückdrehen und können diesen dann wie in einer Simulation spielend leicht ausbügeln und freudig experimentieren, wie denn nun optimal in der Situation gelenkt werden könnte. Selbst zwischen Automatik- und Gangschaltung dürfen wir wählen.

Soundtrack zum Mitsingen

Forza Horizon (6)Da jede Rennveranstaltung nach anderen Merkmalen verlangt, erleben wir schnell den halben Fuhrpark in Aktion und sobald man sich an das Rennspielgefühl von Forza Horizon gewöhnt hat, driftet man umso geschmeidiger in Kurven. Zudem besticht der Titel dabei mit schönen Automodellen und einer abwechslungsreichen Landschaft. Weite Steppen, Berglandschaften und saftige Wiesen laden ins virtuelle Colorado ein. Aus dem Boden sprudelt plötzlich ein Geysir in die Höhe, ein Mähdrescher fährt über ein weites Feld und im Zentrum der Spielwelt bewundern wir bemerkenswerte Lichteffekte. Diverse Wettereffekte wie Regen oder Stürme fehlen. Jederzeit wird das Spektakel mit einem sehr guten Soundtrack unterlegt. Titel wie Animal von Neon Trees, Surrender von The Duke Spirit und Had Enough von The Enemy trällern aus den Lautsprechern unseres Autos. Bereits nach wenigen Spielstunden scheint man den Soundtrack jedoch auswendig zu kennen. So kann man beim Spielen zwar mitsingen oder mitsummen, doch mehr Tracks hätten Forza Horizon sicherlich gut getan. Immerhin sind die deutschen Kommentare der Moderatoren auf den drei Radiosendern witzig, auch wenn nicht alle englischen Begriffe richtig ausgesprochen werden. Wer den Titel mit anderen Mitspielern erleben will, kann das nur via Xbox Live tun – ein Splitscreenmodus fehlt leider. Für Solisten bietet das Spiel dennoch genügend Umfang.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Nachdem ich Forza Motorsport 2 und Forza Motorsport 3 nur ein paar Stunden gespielt habe, konnte ich von Forza Horizon gar nicht mehr die Finger lassen. Tagtäglich hat sich in mir das Bedürfnis breitgemacht, mehr und mehr Zeit in das Spiel zu investieren. Jetzt habe ich zwar den letzten Rivalen im Handlungsverlauf erledigt, doch meine Popularität im virtuellen Colorado ist mir noch zu gering. Ich möchte unbedingt an die Spitze und da passt es mir wunderbar, dass ich noch etwa die Hälfte der Festival-Rennen erneut probieren darf. Hier finde ich Forza Horizon ebenfalls sehr gelungen, denn das Spiel zwingt mich nicht dazu, unbedingt den ersten Platz in einem Rennen zu belegen. Selbst wenn ich als Letzter durch das Ziel fahre, erhalte ich immer noch sehr viele Punkte, um mir bald mein nächstes Armband in der Rennzentrale abzuholen. So kann ich das suboptimal verlaufene Rennen einfach ein paar Spielstunden später in Angriff nehmen, um noch mehr Credits für meinen sich sehr langsam füllenden Fuhrpark zu beschaffen. Hier sehe ich leider das Problem darin, dass der Publisher widerstandsschwachen Kunden ihr Geld aus der Tasche ziehen möchte, denn wenn ich für ein virtuelles Auto auch schon mal ein paar Euros ausgeben darf und dafür noch nicht einmal einen realen (oder zumindest angemessenen) Gegenwert erhalte, finde ich das gar nicht gut. Forza Horizon gehört trotz ganz kleiner Schwächen in jede Rennspielsammlung eines jeden Xbox-360-Besitzers. Den Kauf kann man meiner Meinung nach absolut nicht bereuen!

Vielen Dank an Microsoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Forza Horizon!

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