Review: Goodbye Deponia

Goodbye Deponia (1)Während sich das Double Fine Adventure immer weiter verschiebt und nur halbgar erscheinen wird, veröffentlicht die deutsche Schmiede Daedalic Entertainment ein Adventure nach dem anderen. Das Besondere daran: Jedes Spiel weist eine erstaunlich hohe Qualität vor.

Goodbye Deponia (2)Adventure-Spiele gibt es in unseren Träumen, in unseren Erinnerungen – und in Deutschland. Mit diesen Worten aus dem Kickstarter-Video von Tim Schafers Double Fine Adventure ist erstaunlich viel Wahrheit enthalten. In keinem anderen Land gibt es einen so großen Markt für Point-and-Click-Adventures und daher auch eine beachtliche Anzahl an Entwicklern für das Genre. Einen ganz großen Anteil daran, dass das Genre hierzulande solch eine gute Stellung hat, trägt das Hamburger Studio Daedalic Entertainment, welches mit Goodbye Deponia mal wieder gezeigt hat, dass sie ihr Fach absolut beherrschen. Der Abschluss der Deponia-Trilogie kratzt in Sachen Kreativität und Humor schon ganz stark am Thron des Adventure-Königs The Secret of Monkey Island. Immer noch steht der Heimatplanet unseres Helden Rufus vor der Sprengung und nur er, seine Freundin Goal und die Widerstandstruppen können den Müllplaneten noch retten. Rufus ist aber mitnichten der typische Held. Eigentlich ist er durch und durch egoistisch, nimmt nur wenig Rücksicht auf seine Umgebung und stürzt seine Freunde immer wieder ins Unglück. Das beginnt schon damit, dass er nach kaum fünf Minuten Spielzeit bereits den Kutter seines Freundes Bozo komplett zerstört hat. All das verzeihen wir unserem Helden aber unbesehen, weil der Humor absolut stimmt.

Hamburger Scherzkekse

Goodbye Deponia (3)Goodbye Deponia ist definitiv ein ganz starker Anwärter auf den Titel des lustigsten Spiel des Jahres. Dass Daedalic Entertainment und vor allen Dingen Jan Müller-Michaelis vor Humor und Witz nur so sprühen, ist ja schon länger bekannt, aber in ihrem neuesten Werk setzen sie nochmals einen drauf. Jede Szene, jeder Gegenstand und jeder Charakter ist von vorne bis hinten durchdacht. Jeder Spruch ist dabei pointiert und witzig. Schon alleine die ganzen Kommentare unseres Helden zu nicht möglichen Aktionen sind den Entwicklern fabelhaft gelungen und relativ einmalig. Wer wegen der kunterbunten Grafik jetzt aber ein witziges Kinderspiel erwartet, wird eines besseren belehrt. Teilweise trauen sich die Entwickler in Goodbye Deponia sogar an heikle Themen wie Spannen, Pädophilie oder eine Art Ku-Klux-Klan und verpacken diese, auch wenn man es vielleicht nicht auf Anhieb glauben mag, sehr gelungen in das lustige Umfeld. Auch ein paar Seitenhiebe auf die Konkurrenz dürfen natürlich nicht fehlen. Das Rätseldesign ist ebenso gelungen und bietet gerade ab der Mitte des Spiels nicht nur absurde, sondern auch neuartige Möglichkeiten. Wieso genau wollen wir aber noch nicht verraten – dann würde ja die Überraschung abhandenkommen. Technisch bewegt sich der Titel auf einem ähnlich hohen Niveau wie beim Humor und dem Gameplay.

Hochwertige Handarbeit

Goodbye Deponia (4)Die handgezeichneten 2D-Grafiken sehen auch in HD fabelhaft aus und die Handlungsorte sind ungemein kreativ und detailliert dargestellt. Genauso gelungen ist abermals auch der Sound. Der Soundtrack fügt sich sehr gut in die Spielwelt ein und die Synchronisation ist ausnahmslos gelungen. Insbesondere Monty Arnold, der Sprecher von Rufus, trägt viel dazu bei, dass der sympathische (Anti-)Held solch einen Charme versprüht. Ein besonderes Highlight ist auch Cowboy Dodo, der von dem Rapper Smudo vertont wird und auch zwei eigene Rapeinlagen bekommt. Natürlich sind auch die aus der Serie bekannten Hussa-Lieder von Jan Müller-Michaelis wieder dabei und leiten jeden neuen Abschnitt schon sehr humorvoll ein. In der Technik gibt es aber auch die einzigen kleineren Mängel an diesem Adventure. Gerade zum Ende des Spiels hin kommt es einige Male vor, dass Grafiken kurz verschwinden, Sounds an falschen Zeitpunkten abgespielt werden oder andere kleine Technikfehler sich bemerkbar machen. Allesamt stören das Gesamtbild nicht sonderlich, hätten aber vermieden werden können. Andererseits muss man dem Entwicklerstudio auch anerkennen, mit welchem Tempo sie drei fantastische Deponia-Teile entwickelt haben. Die Serie begann schließlich erst vor etwas mehr als anderthalb Jahren, was die hohe Qualität noch beachtlicher macht.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Goodbye Deponia ist eines der besten Spiele, dass ich seit langem Spielen durfte. Es hat mich so gefesselt, dass ich es trotz der etwa zwölf Stunden Spielzeit fast an einem Stück durchgespielt habe. Insbesondere der Humor des Spiels sucht seinesgleichen. Jede Bemerkung ist super pointiert, ohne dabei irgendwie weichgespült zu sein. Auch die Minispiele haben mir sehr gut gefallen, da man auf die sonst inflationär benutzten Schieberätsel verzichtet und einen stattdessen Kameras ausrichten lässt oder einem Operationsbesteck in die Hand drückt. Jeder, der irgendwie mit dem Adventure-Genre irgendetwas anfangen kann, sollte Goodbye Deponia – und natürlich auch die beiden Vorgänger – gespielt haben. Das Spiel funktioniert zwar auch in Maßen alleinstehend, baut aber doch sehr stark auf den beiden Vorgängern auf. Der einzige wirklich große Wermutstropfen bleibt für mich, dass es das letzte Spiel der Serie war und wir keine absurden Abenteuer mit Rufus mehr erleben dürfen. Aber wie Daedalic Entertainment nach Edna und Harvey mit Rufus einen neuen hochsympathischen Helden aus dem Hut zaubern konnte, glaube ich fest an neue absurde Charaktere aus dem Hamburger Studio!

Vielen Dank an Daedalic Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Goodbye Deponia!

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