Review: Beyond – Two Souls

Beyond - Two Souls (1)Quantic Dream wusste schon mit Heavy Rain die Spielerschaft zu spalten. Für einen Teil war es das mitreißendste und cineastischste Erlebnis seit langem – für andere eine Kette gleicher Quick Time Events. Im Vorfeld war klar: Quantic Dream bleibt Beyond – Two Souls seinem Stil treu.

Beyond - Two Souls (2)Beyond – Two Souls lässt uns das Erwachsenwerden eines Mädchens zur jungen Frau begleiten. Wir sehen sie als Schulkind, im Teenager-Alter oder bei der Ausbildung – alles klingt bisher ganz normal. Aber Jodie Holmes ist kein gewöhnliches Mädchen. Stets wird sie von einer unsichtbaren Macht namens Aiden begleitet. Immer wieder wird sie dafür verstoßen, sie driftet ab und versucht herauszufinden, was Aiden eigentlich wirklich ist. Der Clou ist dabei, dass wir nicht einfach das Leben von Jodie Schritt für Schritt begleiten. Wir springen dabei munter zwischen verschiedenen Stationen ihres Lebens hin und her und erhalten so jedes Mal ein Puzzle-Teil, um unser Gesamtbild von ihr zu formen. Die nichtlineare Erzählweise ist gleichzeitig Fluch und Segen. Einerseits nimmt sie der ganzen Geschichte eine Menge an Spannung. War man bei Heavy Rain stets angespannt und an der Schwelle des Todes, hat man hierbei ganz häufig bereits Jodies Zukunft gesehen. Überraschungsmomente sind somit Mangelware. Wirklich fatale Folgen hat in diesem Fall das Scheitern daher nicht. Andererseits baut das Spiel gerade durch die vielen Sprünge eine bestimmte Dynamik auf. Immer wieder versteht man als Spieler erst im Nachhinein Jodies Handeln, nachdem man in ihre Kindheit zurückgeworfen wurde. Die verschiedenen Abschnitte sind dabei sehr unterschiedlich ausgefallen – leider nicht nur im positiven Sinne.

Eingeschränkte Freiheit

Beyond - Two Souls (3)Zwar bringen die Schauplätze auch mit, dass das Spiel abwechslungsreicher wird, doch dafür kommt es auch immer mal wieder zu deplatziert wirkenden Szenen oder viel zu langatmigen Abschnitten. Die Rätsel in denen wir Jodies und Aidens Fähigkeiten kombinieren müssen sind teilweise so kreativ, dass man sich ärgern muss, wenn sie von uninspirierten Stealth-Shooter-Passagen unterbrochen werden. Auch das freie Herumlaufen würde uns grundsätzlich freuen, wenn wir nicht das Gefühl hätten, am Ende doch nur eine zwingende Aktion auslösen zu müssen, um die Handlung voranzutreiben. Am Ende kann Beyond – Two Souls den Spieler aber doch auf irgendeine Art fesseln. Es ist vielleicht nicht ganz auf dem Niveau von Heavy Rains, man möchte aber spätestens nach der ersten halben Spielstunde unbedingt wissen, was noch für ungewöhnliche Ereignisse in Jodies Leben geschehen sind. Dass sich Quantic Dream, um die Story zu transportieren, um Quick Time Events bemüht ist eigentlich nur logisch. Während des Testens fielen uns keine andere Möglichkeiten ein. Entweder würde mans ich auf ganz wenige Aktionen beschränken und die Geschichte würde somit recht generisch ausfallen oder man liefert in jedem Abschnitt erst einmal Erklärungen und Tutorials mit. Beides würde die Stimmung des Spiels vollkommen zerstören. Diesmal gehen wir mit Quantic Dreams Entscheidung konform.

Filmreife Inszenierung

Beyond - Two Souls (4)Während das Gameplay Geschmackssache bleibt und man sich über die Story auch streiten kann, bleibt einem nichts anderes, als vor der Technik den Hut zu ziehen. Was Quantic Dream hier mit der hauseigenen Engine abliefert, ist ein beachtliches Feuerwerk. Der interaktive Film wird zudem richtig glaubhaft, wenn auch der Soundtrack filmreif wird und aus den Lautsprechern unseres Fernsehgeräts dröhnt. Zudem bewegt sich die Grafik nah am Fotorealismus. Gerade die Mimik ist den Entwicklern atemberaubend gut gelungen, woran natürlich vor allem die beiden Schauspieler Ellen Page und Willem Dafoe einen großen Anteil haben. Zudem kann sich die deutsche Lokalisation wirklich sehen lassen – hier steht Beyond – Two Souls vielen Filmen in nichts nach. Kein Wunder dass Beyond – Two Souls als zweites Spiel nach dem ebenfalls großartig inszenierten L.A. Noire auch einen Zusammenschnitt von Spielszenen auf dem Tribeca Film Festival präsentieren durfte. Nur so kann die Öffentlichkeit erkennen, dass Spiele heute mehr sind als Pac-Man oder Pong und in Zukunft wohl noch mehr darstellen werden. Man kann so nur gespannt sein, was das Studio von David Cage in der nun aktuellen Generation mit der PlayStation 4 für technische Meisterleistungen zeigen wird. Man kann sich als Spieler eigentlich nur freuen, dass ein Studio wie Quantic Dream die Spiellandschaft bereichert.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Ich persönlich finde die Diskussion um die Quantic-Dream-Titel absurd, ob solche Titel noch als Spiele angesehen werden können. Letztlich ist alles ein Videospiel, was uns in eine Geschichte irgendwie einbindet. Zwar ist das Gesehene mal mehr, mal weniger interaktiv, aber Spiele wie Beyond – Two Souls kategorisch zu verteufeln, weil es ja nur komische Filme mit ein paar Quick Time Events sind, halte ich für absolut falsch. Es ist vielmehr ein eigenes Genre, das genauso seine Daseinsberechtigung hat wie Sportsimulationen oder Action-Adventures. Fußballsimulatoren sind schließlich auch Spiele, auch wenn man nur in komischen Listen herumklickt. Beyond – Two Souls ist für sein Genre ein absolut gutes Spiel, dass leider nicht ganz an die Klasse von Heavy Rain anknüpft. Zu festgelegt ist das Ende und zu deplatziert wirken die Kampfabschnitte. Dafür ist die Grafik und gerade die Charakteranimation atemberaubend und hat zum Ende dieser Generation noch einmal gezeigt, was in dieser Technik noch alles drin steckt. Ich persönlich bin schon länger Fan des Studios und finde die neuen Wege, die Cage mit seinen Spielen geht, beachtlich. Ganz egal, wie sehr ihn manche Spieler dafür hassen.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Beyond – Two Souls!

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