Review: Resident Evil: Revelations

Resident Evil Revelations (1)Wenige Serien wurden in dieser Konsolengeneration mit so viel Spott und Häme begleitet wie Resident Evil. Weder die Hauptserie noch die Spin-offs knüpften für die Kritiker an die guten alten Zeiten an. Resident Evil: Revelations machte bereits auf dem 3DS einiges besser.

Resident Evil Revelations (2)Was einen aber auf einem kleinen Handheld gruselt, muss nicht zwangsläufig auch auf der großen Konsole funktionieren. An der Story kann so eine Portierung aber nicht scheitern. Wir befinden uns im Jahr 2005 – chronologisch also zwischen Resident Evil 4 und dem fünften Teil der Serie.  Ganz typisch für das Resident-Evil-Franchise dreht sich die Geschichte vorrangig um Biowaffen. Nach einem bioterroristischen Anschlag der Organisation Il Veltro musste die technisch hoch entwickelte schwimmende Stadt Terragrigia vor knapp einem Jahr zerstört werden. Die Terroristen ließen ein Virus frei, dass die Menschen Stück für Stück in eine Art Zombies verwandelte und um die restliche Weltbevölkerung zu retten, wurden mit der Stadt letztlich all ihre Einwohner geopfert. In der Krise arbeitete die staatliche Bioterror-Kommission, kurz FBC, mit der frisch gegründeten BSAA, einer Nichtregierungsorganisation mit den gleichen Zielen, zusammen. Letzterer gehören auch alt bekannte Resident-Evil-Protagonisten wie Jill Valentine oder Chris Redfield an. Nun kommt es ein Jahr später in der Nähe der Insel wieder zu komischen Vorkommnissen – unter anderem werden deformierte Leichen angespült. Als dann Redfield zusammen mit seiner neuen Partnerin irgendwo im Meer verloren geht, beginnt das Abenteuer und ihr dürft euch auf einem scheinbar verlassenen Schiff umsehen. Ohne zu viel zu verraten, erwartet den Spieler von dort an ein spannendes Hin und Her mit einigen Wendungen und einer großen Portion Spannung.

Gute Schiffe – schlechte Hunde

Resident Evil Revelations (3)Nachdem in den letzten Jahren der Trend immer mehr zum Actionspiel ging, besinnt sich Resident Evil: Revelations auf die Ursprünge der Serie. Zuletzt gab es Horror-Spiele eigentlich nur noch von Indie-Entwicklern (unter anderem Amnesia), da die Zielgruppe eben viel kleiner ist, als die der Actionspiele. Revelations zeigt besonders am Anfang seine Stärken. Wenn Jill Valentine und Parker Luciani durch die engen Korridore eines einsamen Schiffes schleichen, kommen schon erste gruselige Momente auf. Gepaart mit einer typischen Geräuschkulisse und der knappen Munition bangen wir hier tatsächlich um unser virtuelles Leben. Weil aber bekanntlich Glück und Schmerz eng beieinander liegen, folgt eine kleine Ernüchterung gleich im nächsten Kapitel. Sobald wir nicht mehr auf dem Schiff eingesperrt sind, verliert das Spiel auch etwas an Zugkraft. Gerade eine Szene ist dabei exemplarisch für die Stimmungskiller: Relativ früh am Anfang verletzen wir uns, können nicht mehr laufen, werden dabei aber von einer Meute Hunde angegriffen. Innerhalb von kürzester Zeit müssen wir so am Boden fixiert knapp dreißig Hunde erschießen. Bedenkt man, dass wir vorher jede Kugel sparen mussten und plötzlich munter umher ballern können, wirkt die Szene noch unglaubwürdiger, als sie eh schon ist. Zum Glück überwiegen im Spielverlauf aber die runden, gruseligen Momente.

In der Ruhe liegt die Kraft

Resident Evil Revelations (4)Spielerisch setzt der Titel wie bereits erwähnt auf mehr ruhige Momente, auf die umgehend auch Schockmomente folgen. Oftmals sehen wir uns vorsichtig durch Gänge schleichen, in der steten Erwartung, dass hinter der nächsten Ecke irgendeine mutierte Bestie wartet. Ausgerüstet sind wir dabei meist mit einer Waffe und relativ wenig Munition – fleißige Suchende können aber auch auf weitere Geräte stoßen, um ihre Gegner auszuschalten. Neu ist das so genannte Genesis. Mit dem Gerät können wir unsere Umgebung scannen und so entweder Informationen über den Gegner sammeln oder auch hilfreiche Items finden. Ein guter Weg für gefrustete Spieler, sich Revelations etwas einfacher zu machen. Wer nämlich fleißig per Genesis die Räume absucht, wird wahrscheinlich niemals an die Grenzen der Munitionsreserven stoßen. Zudem wird das Spiel durch kleinere Rätsel aufgelockert, die aber kaum ins Gewicht fallen. Im Laufe des Spiels dürft ihr neben Jill Valentine auch weitere Charaktere übernehmen. Dabei werdet ihr die meiste Zeit von einem Partner begleitet, den ihr aber nur selten wirklich wahrnehmt. Einen durch diese Zweiergespanne möglichen Kooperationsmodus hält Capcom aber leider nicht für uns bereit.

Spürbare Wurzeln

Resident Evil Revelations (5)An einigen Stellen kann Resident Evil Revelations die 3DS-Herkunft nicht leugnen. Insbesondere das Episodenformat der Story ist typisch für Handheldspiele. Die interessante und wendungsreiche Story wird immer in etwa 15-minütigen Abschnitten erzählt, bevor es einen zeitlichen oder räumlichen Sprung gibt. Eingeleitet werden diese Episoden dann ganz stilecht mit Rückblenden. Neben der Story erinnert uns selbstverständlich auch die Technik an den Ursprung des Titels. Obwohl die Texturen manchmal etwas matschig wirken, fällt die technische Umsetzung insgesamt eher positiv aus. Der Spielbarkeit und der Atmosphäre steht sie zumindest nicht im Weg. Neben der bloßen Portierung hat sich das Entwicklerteam auch um einige Neuerungen gekümmert. Für alle Konsolen gibt es einen etwas erweiterten Raubzugmodus, in dem wir die Levels mit mehr Gegnern und in möglichst kurzer Zeit abschließen sollen. Neu sind hier zusätzliche Charaktere, Waffen und ein besonders hoher Schwierigkeitsgrad. Exklusive Vorteile der Wii-U-Fassung sind zudem die Auslagerung der Karte und des Inventars auf den Zusatzbildschirm und die Möglichkeit, das komplette Spiel nur auf dem Controller zu spielen. So kommt diese Version des Spiels wohl dem ursprünglich gedachten 3DS-Konzept noch am nächsten. Zudem gibt es per Miiverse die Möglichkeit, ähnlich wie in Dark Souls, für andere Spieler Hinweise an den Wänden zu platzieren. Besitzer von Nintendos aktuellem Flagschiff haben also einen kleinen, aber feinen Grund mehr, sich das Spiel zu zulegen.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der Nintendo-Wii-U-Fassung): Resident Evil: Revelations ist eindeutig das Beste, was in den letzten Jahren unter der großen Survival-Horror-Marke erschienen ist. Ich war zwar noch nie ein großer Fan der Serie, aber den Horror kann man dem Spiel nicht absprechen. Sicherlich gibt es einige Szenen, in denen die Spannung durch allzu actionlastige Momente gestört wird, doch im Großen und Ganzen ist der Titel näher am Ursprungskonzept als alles, was in dieser Generation erschienen ist. Insbesondere die dichte Atmosphäre auf dem Schiff kann mich absolut überzeugen. Wenigen Spielen tun enge, geschlossene Korridore so gut. Einziger Wermutstropfen dieser Version bleibt die Herkunft. Es kommt doch hin und wieder vor, dass man sich daran erinnert, eigentlich einen Handheld-Titel zu spielen. Nicht nur die Grafik sieht bisweilen etwas matschig aus, sondern auch die Actionszenen. Wenn mutierte Hunde auf einen zuspringen, liegt die Assoziation nahe, dass solche Momente genau für den 3D-Effekt konzipiert wurden. Nichtsdestotrotz ist das Spiel für Genre-Fans eigentlich ein Pflichtkauf. Es sei denn, sie besitzen bereits die originale Nintendo-3DS-Version. Ein besseres Resident-Evil-Gefühl bekommt man in dieser Generation mit keinem anderen Spiel.

Vielen Dank an Capcom für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Resident Evil: Revelations!

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