Review: The Night of the Rabbit

Night of the Rabbit (1)Adventure-Fans dürfte Matthias „Matt“ Kempke bereits ein Name sein. Nachdem er federführend die beiden Indie-Titel unter der Marke What Makes You Tick entwickelt hat, kommt mit The Night of the Rabbit nun sein erstes eigenes Spiel im Hause Daedalic Entertainment heraus.

Night of the Rabbit (2)Zwei Tage Freiheit dürfen wir noch genießen. Als Jerry Haselnuss steht für uns dann nämlich wieder der graue Schulalltag an. Die wenige Zeit will gut genutzt werden und spätestens als wir eine sonderbare Nachricht bekommen, scheinen sich unsere Wünsche zu erfüllen. Der Junge lebt mit seiner Mutter nicht nur in einem märchenhaften Grundstück am Rande der Stadt, sondern findet sich wenig später auch in einem waschechten Märchen wieder. Der mannsgroße Hasenzauberer Marquis de Hoto erfüllt uns einen unserer sehnlichsten Wünsche – er bildet uns zum Zauberer aus. Ganz ohne Hintergedanken geschieht dies jedoch nicht. Ohne unsere Hilfe kann der Zauberer nämlich seine Heimat, den Mauswald, nicht vor den drohenden Ereignissen bewahren. In der Märchenwelt sind die Tiere nicht nur besonders groß, sondern können auch mit uns ganz normal sprechen. Von diesem Punkt ausgehend entwickelt sich eine wahrlich märchenhafte Geschichte. Wer allerdings ein durch und durch humorvolles Adventure wie Deponia oder Edna bricht aus erwartet, muss leider enttäuscht werden. The Night of the Rabbit versteht sich viel mehr als wirkliches Märchen und möchte uns eine zauberhafte Geschichte vermitteln. Auf Schmunzler müssen wir dabei aber nicht verzichten. Immer wieder hat Matt Kempke Anspielungen auf Adventures, andere Videospiele oder die Popkultur im Allgemeinen clever in das Spiel eingebunden.

Verwöhnte Spieler

Night of the Rabbit (3)Nach und nach erschließen wir auf unseren Abenteuern neue Teile des Mauswaldes. Mit der Zeit entwickelt sich so ein weitläufiges Areal, in dem wir ein Gefühl der Freiheit bekommen. Dabei gibt es zwischendurch Situationen, in denen wir auch wirklich zwischen verschiedenen Rätseln wählen dürfen. Gleichzeitig führt der viele Platz aber auch dazu, dass etwaige Hänger etwas mehr ins Gewicht fallen. Bei unserem Test kam es aber zu keinem wirklichen Stocken, da die Rätsel allesamt logisch aufgebaut sind und teilweise schon geniale Züge annehmen. Wenn wir erst durch Laufwege oder Tag-Nacht-Wechsel die Rätsel lösen können, müssen wir den Hut vor dem Entwicklerteam ziehen. Zudem bietet The Night of the Rabbit auch einige Dialogrätsel, anstatt mit immer gleichen Schalterrätsel aufzuwarten. Das einzige Manko bei den Rätseln bleiben die Kommentare des Protagonisten. Vielleicht sind wir von den letzten Daedalic-Entertainment-Adventures zu verwöhnt, aber selbst ohne große Probleme im Spiel, wiederholen sich die Kommentare bei Misserfolgen arg schnell. Sollten wir dann wirklich mal auf Granit beißen, gibt es zum Glück eine Hotspot-Anzeige. Intelligent ins Spielgeschehen eingebunden wird diese uns als Münze präsentiert, die uns Spuren von Magie in der Umgebung anzeigt. Während uns im späteren Spielverlauf Marquis de Hoto hilft, steht uns von Beginn ein Tagebuch zur Verfügung, in dem Aufgaben und Informationen verzeichnet werden.

Gestochen scharf

Night of the Rabbit (4)Nicht nur spielerisch ist das Spiel von Matt Kempke sehr gelungen, denn die grafische Umsetzung toppt das Ganze nochmals um Längen. In gestochen scharfen Full HD wird uns die Märchenwelt mit zahlreichen kleinen Details präsentiert. Dabei hat sich Daedalic Entertainment mit dem Grafikstil abermals neu erfunden und bewegt sich von den klassischen Comicfiguren mehr zu einer Art asiatischem Stil. Leider zahlt das Spiel auch einen Preis für die bezaubernde Grafik und die vielen Animationen – obwohl Point-and-Click-Adventures nicht wie die Ressourcenfresser wirken, zwingt dieser Titel etwas ältere PCs schnell in die Knie. Entweder kommt es zu gelegentlichen Rucklern oder das Spiel streikt von vornherein. Soundtechnisch geht es in The Night of Rabbit ebenfalls hoch her. Die Sprecher sind für solch ein Märchen absolut passend und auch die Soundeffekte stimmen. Käufer der Erstfassung können sich darüber hinaus noch – typisch für den Publisher – auch über eine Soundtrack-CD freuen. Insgesamt werden wir mit wenigen Abstrichen über die knapp zehn Stunden Spielzeit sehr gut unterhalten, sofern wir uns mit der märchenhaften Geschichte anfreunden können. Die teilweise in Trailern angedeuteten düsteren Momente bleiben aber unserer Meinung nach weitestgehend aus – es bleibt schlichtweg ein schönes Märchen.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Daedalic Entertainment zählt absolut zu meinen Lieblingsentwicklern. Kaum ein Unternehmen schafft es in so kurzer Zeit immer wieder attraktive, hochwertige Spiele zu veröffentlichen und dabei nicht nur eins, zwei Lizenzen auszuschlachten. Zudem halten sie das Point-and-Click-Adventure-Genre am Leben und wer weiß, ob Deutschland auch ohne sie zur absoluten Genre-Hochburg geworden wäre. Mit The Night of the Rabbit geht das Studio jedenfalls mal wieder neue Wege. Die Märchenwelt trifft zwar nicht unbedingt meinen Geschmack, aber insgesamt hält Daedalic Entertainment eindeutig sein Niveau. Insbesondere die Liebe zum Detail ist auch bei dem Adventure von Matt Kempke eines der großen Aushängeschilder. Der einzige wirkliche Wermutstropfen bleibt für mich, dass das Spiel auf meinem eigenen PC gar nicht läuft. Entweder ist das Spiel technisch anspruchsvoller, als es erscheint oder es ist Zeit für einen neuen PC. Ich und mein Geldbeutel befürchten Letzteres.

Vielen Dank an Daedalic Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Night of the Rabbit!

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