Review: Das Schwarze Auge: Memoria

Das Schwarze Auge - Memoria (1)Mit wenigen Ausnahmen existiert das Point-and-Click-Adventure-Genre eigentlich nur noch bei zwei Firmen: Telltale Games und Daedalic Entertainment. Damit man zu zweit ein ganzes Genre befüttern kann, ist aber ein sehr enger Veröffentlichungsrhythmus gefragt.

Das Schwarze Auge - Memoria (2)Das Schwarze Auge: Memoria ist das dritte hochklassige Eigengewächs, dass Daedalic Entertainment 2013 auf den Markt gebracht hat. Sie setzen dabei nahtlos am Ende des ein Jahr alten Vorgängers Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten an und spinnen die Geschichte um den Vogelfänger Geron weiter. Nachdem er klammheimlich die Welt gerettet hat, plagen ihn nun Beziehungsprobleme – seine Feenfreundin Nuri ist im Körper eines Raben gefangen und würde diesen Zustand nicht mehr lange überleben. Auf der Suche nach dem passenden Gegenmittel wird Geron ein Rätsel gestellt, das ihn fortan durch das gesamte Spiel begleitet – und nicht nur ihn! Einer der Clous von Memoria ist der stetige Wechsel zwischen zwei Charakteren, denn etwa 450 Jahre vor unserem Vogelfänger setzt das Rätsel mit der Kriegerprinzessin Sadja ein. Grund für die Entwickler die beiden Geschichten miteinander zu verweben und so die vielen Parallelitäten aufzuzeigen. Gleichzeitig lässt sich durch diese Sprünge die Spannung aufrechterhalten. Fragen, die immer wieder in Sadjas Geschichte aufgeworfen werden, bekommen schließlich erst durch Gerons Untersuchungen eine Auflösung. Die Story hat uns dabei durchweg zugesagt. Mehr als überraschende Wendungen, eine fesselnde Geschichte und noch dazu gelungene Charaktere können wir nicht verlangen.

Die Kunst des Zauberns

Das Schwarze Auge - Memoria (3)Neben der gelungenen Geschichte hat Daedalic Entertainment aber auch ordentliche Rätsel abgeliefert. Während zuletzt die Schreie immer lauter wurden, dass Adventures dem Spieler überhaupt keinen Gehirnschmalz mehr abverlangen, geht Memoria nun in eine andere Richtung. Liefen wir im Vorgänger – ausgenommen der Feenwelt – noch relativ sorglos und zügig durch die Welt, mussten wir in Memoria schon das ein oder andere Mal etwas stocken. Gerade das verstärkte Benutzen von Zaubersprüchen und magischen Elementen sorgt für Abwechslung und einen gestiegenen Anspruch. Hin und wieder helfen eben diese Zauber dann aber doch für kleine Logiklücken, die uns aber nicht entmutigen können. Die stimmigen Herausforderungen haben uns durch das ganze Spiel immer motiviert, auch die nächste Kopfnuss zu knacken – insbesondere in den Szenen mit der Sadja. Hier sorgen der spannende Charakter und die etwas finstere Geschichte für deutlich mehr Tiefgang als die vergleichsweise ruhige Rahmenhandlung um Geron und Nuri. Überhaupt nicht auffällig und damit durchweg gelungen ist die Steuerung und Navigation. Hier gibt es sicherlich keinen Innovationspreis zu vergeben, aber eine grundsolide Steuerung und Menüführung will auch erst einmal auf die Beine gestellt werden. Bei Memoria haben wir hier nichts zu beanstanden.

Ab nach Andergast

Das Schwarze Auge - Memoria (4)Zu guter Letzt profitiert Memoria ungemein von der sehr dichten Atmosphäre, die durch den gelungenen technischen Hintergrund überhaupt erst möglich gemacht wird. Zum einen sind es die sehr detailliert gezeichneten und zum anderen auch die animierten Umgebungen. War Daedalic Entertainment zuvor doch eher für einen sehr comic-lastigen Zeichenstil bekannt, werden sie in der Das-Schwarze-Auge-Serie immer detaillierter. So ist es sehr gerne zu ertragen, wenn man auch mal länger an einem Rätsel festhängt – die Aussicht ist immerhin schön gestaltet. Zusätzlich sorgen die sehr gut ausgewählten (deutschen) Synchronsprecher und der rundum gelungene Soundtrack für ein weiteres Plus an Atmosphäre. Nur an der Charakteranimation könnte man eventuell nochmals weiter feilen. Auch wenn man einen großen Sprung gegenüber dem Vorgänger gemacht hat und gerade Sadja sehr lebhaft gestaltet wurde, ist noch deutlich Luft nach oben – gerade bei dem Protagonisten Geron. Insgesamt ist Memoria sicher keine Revolution, aber gerade für Spieler, die ein eher erwachseneres Adventure suchen, sicher die richtige Wahl. Wer zudem die umfangreiche Rollenspielwelt des Das-Schwarze-Auge-Franchise kennt, wird dieses Spiel für all die Kleinigkeiten und vor allem für die detaillierte Umsetzung lieben.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Wenn ich mich als quasi Alles-Spieler für ein Lieblingsgenre entscheiden sollte, wären es wohl die Point-and-Click-Adventures. So viele geniale, lustige und geistig fordernde Spiele hat das Genre hervorgebracht – da kommt es mir recht, dass es zurzeit seine Renaissance feiert. Nachdem Telltale Games zuletzt immer ernstere Wege einschlug und Daedalic Entertainment mit der Deponia-Trilogie ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellte, ist nun auch das Studio aus Hamburg wieder mit einem erwachseneren Titel dran. Das Schwarze Auge: Memoria ist dabei auf Augenhöhe mit all den hochwertigen Eigengewächsen, auch wenn es mich persönlich nicht vollends überzeugen kann. Vielleicht motivieren mich einfach Adventures mehr, die mir mit absurdem Humor genauso absurde Lösungen präsentieren. Wem aber der Ansatz dieses Spiels mehr zusagt, der hat mit Memoria ungemeinen Spaß. Zudem konnte Daedalic Entertainment ein zweites Mal beweisen, dass sie nicht nur mit eigenen Ideen, sondern auch mit Lizenzen sehr liebevoll umgehen können. Ich bin deshalb schon gespannt darauf, ob uns in nächster Zeit eine weitere Lizenz erwarten wird.

Vielen Dank an Daedalic Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Das Schwarze Auge: Memoria!

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