Review: Der Puppenspieler

Der Puppenspieler (1)In diesem Weihnachtsgeschäft ist die Auswahl an neuen Jump ’n‘ Runs einfach gigantisch. Neben den Genregrößen Super Mario, Sonic oder Rayman reiht sich mit der Puppe Kutaro ein neuer und dazu sehr ambitionierter Neuling in diese Auswahl ein.

Der Puppenspieler (2)Wir befinden uns im Mondreich, in dem der grausame Mondbär die Mondgöttin gestürzt hat und fortan die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt. Als wäre das nicht genug, hat er noch dazu auch alle Kinder des Reiches in ein großes, dunkles Schloss gesperrt. Aus eben diesem versucht der kleine Junge Kutaro auszubrechen. Schade nur, dass er keinen Kopf hat. So muss er sich im Laufe der märchenhaften Geschichte immer wieder anderen Köpfen bedienen. Mal ist es der Kopf eines Skeletts oder eines anderen Kindes, aber die meiste Zeit sind es einfach irgendwelche anderen Gegenstände, die als Kopf herhalten müssen. Darunter fallen beispielsweise Bananen, Guillotinen, kleine Spinnen oder auch mal Topfpflanzen. Die unterschiedlichen Köpfe haben auch ihren Nutzen, denn in jedem Level kann man mit den an bestimmten Stellen angezeigten Köpfen Aktionen auslösen. So bekommen wir einen ganzen Bonushaufen der Spielwährung Mondfunkel, werden über knifflige Passagen getragen oder gelangen in Bonuslevels. Da wir aber immer nur zwei Reserveköpfe mit uns umhertragen können, haben wir immer wieder die falschen Köpfe dabei. Hier ist (Achtung: Wortwitz) Köpfchen gefragt! Neben dem normalen Hüpfen und Springen lernt unser kleiner Held im Laufe des Spiels zudem noch einige Aktionen, die zum Fortschreiten bitter nötig sind.

Dauerschneider

Der Puppenspieler (3)Ganz zu Beginn ergattern wir vom Mondbären eine Schere, mit der sich allerlei Materialien zerschneiden und Gegner besiegen lassen. Ist die Schere erst einmal in Bewegung, kann sie Kutaro sogar über einige Strecken in der Luft halten – solange sie etwas zwischen die Schneiden bekommt. Das neuartige und kreative Spielelement birgt jedoch aber auch ein paar Probleme. Wenn nach einiger Spielzeit das Achievement für zehntausend Schnitte aufpoppt, merken wir langsam, wie unser Daumen vom schnellen Drücken meutert. Ansonsten werden die verschiedenen Fähigkeiten in kleineren Dosen eingesetzt und lassen den Titel sehr frisch wirken. Damit sich Kutaro voll und ganz auf seine große Aufgabe konzentrieren kann, wird ihm ein Helferlein an die Seite gestellt. Mit dem zweiten Analog-Stick steuern wir erst die Katze Ying Yang und ab dem zweiten Akt die vorlaute Prinzessin Pikarina, welche den Hintergrund nach Mondfunkeln und Köpfen absuchen. Die Aufteilung auf zwei Charaktere funktioniert sehr gut und dürfte auch für kleinere Spieler noch machbar sein. Die Abschnitte sind sehr abwechslungsreich und katapultieren uns meistens alle zwanzig Minuten in ein neues Setting. Nur einzelne Teile fühlen sich etwas in die Länge gezogen an. Zudem muss man sich noch an die Länge der Zwischensequenzen dieses Theaterstücks gewöhnen.

Das Leben ist eine Bühne

Der Puppenspieler (4)Die größte Stärke und das größte Alleinstellungsmerkmal des Spiels ist die Präsentation als Theaterstück, die wirklich konsequent durch den gesamten Titel hindurchgezogen wird. Das fängt an mit der Grafik, die große Teile der Spielwelt wie Kulissen aussehen lässt – gemacht aus Holz, Stoff und anderen Baumaterialien. Jedoch ist nicht nur das Artdesign dem Theater entnommen. Immer wieder werden die Geschehnisse von einem Raunen oder Klatschen aus dem Publikum begleitet, die Ereignisse werden von Theatervorhängen eingerahmt und ganz stilecht wird uns die Geschichte von einem Märchenerzähler nähergebracht. Zudem sieht man beim Szenenwechsel immer, wie die Kulisse aus Einzelteilen zusammengesetzt ist. Die Liste an Kleinigkeiten, auf die Sony geachtet hat, könnte man noch lange weiterführen. Aber den roten Faden behält Der Puppenspieler in jedem Moment bei und gewinnt so ganz viel Charme. Stilistisch bewegt es sich irgendwo zwischen Märchen und Puppentheater und versprüht genau so viel Stimmung wie es beispielsweise die Aufführungen der Augsburger Puppenkiste können. Auch die Zielgruppe des Spiels ist eine ähnliche wie bei der Augsburger Puppenkiste. Zwar haben auch Erwachsene Spaß am Spiel, Spielmechanik und Story deuten aber darauf hin, dass auch die Jüngsten viel Spaß mit der Holzpuppe Kutaro haben können.

Geschrieben von Björn Rohwer

Björns Fazit: Bei Der Puppenspieler ist mir wirklich das Herz aufgegangen. Mal abgesehen von Rayman Legends wurde einem gerade im Jump-’n‘-Run-Genre zwar immer solide, aber meist doch nur aufgewärmte Kost geboten. Lieber auf Sicherheit bauen, anstatt mal etwas Neues zu wagen. Sony ist hier erstaunlich experimentierfreudig und präsentiert ein nicht nur stilistisch hervorragendes Spiel. Auch das Gameplay bietet gleich mehrere absolut neue Grundideen, die im Großen und Ganzen fabelhaft funktionieren. Sicherlich bringt die Kopftauscherei ihre eigenen Mankos mit sich – mir ist es aber viel lieber, als noch ein New-Super-Mario-Bros.-Ableger zu spielen, der nichts falsch macht und nichts Besonderes ist. Der Puppenspieler wird mir sicherlich nicht ewig in Erinnerung bleiben und prägt vermutlich auch niemanden großartig – es ist aber genau das, was der Videospielmarkt gerade braucht. Ein Hort von kleinen, sowie kreativen Ideen und die wohl beste und rundeste Präsentation eines Jump ’n‘ Runs seit Ewigkeiten. Da sieht man als erwachsener Spieler auch gerne mal darüber hinweg, dass der Schwierigkeitsgrad oder die Geschichte an sich eher an eine jüngere Zielgruppe gerichtet sind.

Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars von Der Puppenspieler!

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