Review: Nioh 2

Auf der Electronic Entertainment Expo 2018 wurden mit den Spielen Sekiro und Nioh 2 zwei auf den ersten Blick ähnliche Spiele angekündigt. Während Sekiro 2019 jedoch ganz neue Wege bestritt, besinnt sich Nioh 2 auf klassische Tugenden und versucht diese auszubauen.

Nach der eher holprigen Entwicklungsgeschichte des Vorgängers aus dem Jahr 2017, waren nicht wenige Spieler von der Qualität des Spiels überrascht. Nioh überzeugte direkt von der ersten Minute und bot Fans von Action-Rollenspielen der Marke Dark Souls eine sehr gute Alternative mit tollem Japan-Flair. Etwas mehr als drei Jahre später erblickte der schlicht Nioh 2 genannte Nachfolger am 13. März 2020 das Licht der Welt. Inhaltlich handelt es sich beim Action-Rollenspiel allerdings nicht um eine Fortsetzung, sondern um die Vorgeschichte. Das Prequel verlagert die Handlung in die Mitte des 16. Jahrhunderts, in der das Ende der Sengoku-Zeit, sprich die Epoche der kriegführenden Reiche, noch gar nicht abzusehen ist. Zu allem Übel wird das Land von den monsterähnlichen Yōkai überrannt, die die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen. Inmitten der Kriegswirren finden wir uns mit unserem Charakter wieder. Im Gegensatz zum Vorgänger wird uns in Nioh 2 aber kein vorgefertigter Held vorgesetzt. Diesmal dürfen wir unseren persönlichen Haudegen von Grund auf selbst erstellen, wobei der Charakterbaukasten umfangreiche Individualisierungsmöglichkeiten bei Statur, Frisuren oder Augenfarbe ermöglicht. Im Umkehrschluss heißt dies, dass unsere Spielfigur nicht einmal im Ansatz so gut in die Story integriert ist, wie es noch bei Nioh der Fall war.

Angriff der Yōkai

Ausgehend vom Jahr 1555 durchreisen wir mit unserem Hide genannten Charakter das Land Japan. Dabei untersuchen wir unter anderem Dörfer, Friedhöfe, Tempel oder Schreine. Auch wenn dem einen oder anderen Spieler hier vielleicht die Abwechslung fehlt, deckt Nioh 2 in dieser Disziplin grundsätzlich alle wichtigen Szenarien des feudalen Japans ab. Unterwegs lauern hinter jeder Ecke Gefahren, die aber weniger von Fallen, sondern eher von den bereits erwähnten Yōkai ausgehen. Diese legen hier und da Hinterhalte, greifen uns also hinterrücks und schnurstracks an. Was in anderen Action-Rollenspielen keine großen Probleme darstellt, ist in Nioh 2 je nach Monstertyp jedoch ein mehr oder weniger großes Hindernis. Während der erste kleine Gegner vielleicht ein nerviger Störenfried ist, trampelt kurz darauf schon ein sehr viel größerer Yōkai an uns vorbei. Wer sich traut, kann diesen natürlich angreifen. Spieler, die schon reichlich Erfahrung mit Dark Souls und Co gesammelt haben, werden möglicherweise mit ihren Skills auch einen ersten kleinen Erfolg feiern. Wer jedoch nur sporadisch derlei Titel spielt oder gänzlich unerfahren ist, muss eine ordentliche Tracht Prügel einstecken, die nach spätestens zwei bis drei Sekunden auch schon vorbei ist. Das von Team Ninja entwickelte Nioh 2 ist knüppelhart und überflügelt in puncto Schwierigkeitsgrad den Vorgänger.

Kampfmanöver zum Verinnerlichen

Um in Nioh 2 Land zu sehen, ist es nicht nur nötig, die Angriffsmuster der Yōkai und anderer Gegner wie menschliche Soldaten zu verinnerlichen und den Attacken anschließend in den Kämpfen auszuweichen, sondern auch die jeweiligen Waffen zu beherrschen. Neben dem typischen Katana dürfen wir auch Äxte schwingen, mit Speeren zu stechen oder Feinde aus der Ferne mit Pfeil und Bogen anvisieren. Da Munition jedoch stark limitiert ist, schickt uns das Spiel spätestens dann, wenn der Köcher geleert ist, in den Nahkampf – und hier müssen wir dann genau wie bei Ausweichrollen unsere Ausdauerleiste im Auge behalten. Zwar hat jeder Gegner ebenfalls nur einen begrenzten Ausdauerwert, doch um diesen zu leeren, ist mitunter auch das korrekte Abwehren der feindlichen Angriffe vonnöten. Mit der Zeit bildet sich so unser ganz persönlicher Spielstil heraus, denn je öfter wir eine Waffe einsetzen, desto mehr Fähigkeitspunkte erhalten wir für Schwerter, Speere und Co, wodurch vor allem unsere Spielweise im Kampf beeinflusst wird. Besiegte Gegner hinterlassen, wie das im Genre üblich ist, zudem Erfahrungspunkte, die in Nioh 2 Amrita genannt werden. Haben wir genügend Amrita gesammelt, können wir an Schreinen unseren Level und einzelne Werte erhöhen. Einfacher wird das harte Action-Rollenspiel dadurch kaum, aber wenigstens etwas erträglicher.

Yōkai-Fähigkeiten an Bord

Nioh 2 legt uns genauso wie sein Vorgänger und andere Spiele dieser Machart jedoch auch hier Steine in den Weg. Sterben wir im Kampf, verlieren wir vorübergehend unseren kompletten Amrita-Vorrat. In diesem Fall müssen wir schleunigst zum Ort unseres Ablebens zurückkehren und unser Amrita wieder einsammeln. Sterben wir bei diesem Unterfangen allerdings erneut, ist das Amrita unwiderruflich verloren. Sobald wir im Level aufsteigen können, sollten wir dies also auch unbedingt machen. Während dieses Konzept bereits zum alten Eisen gehört, bietet Nioh 2 aber auch eine entscheidende Neuerung. Unser Held verfügt neben seinem menschlichen Erscheinungsbild zudem über Yōkai-Fähigkeiten, mit denen es ihm möglich ist, übermächtige Angriffe aufzuhalten oder gar zu kontern. Insbesondere bei den für unseren Geschmack viel zu starken Bossgegnern, sind diese Kräfte wichtig. Auch wenn das Feature nur der nächste logische Schritt für das noch junge Franchise ist, dürfte der eine oder andere Spieler von der etwas zu überladenen Steuerung, bei denen Tastenkombinationen kreuz und quer über das Controller-Layout ebenso mit von der Partie sind, wirklich erschlagen sein. Der Wille, eine noch größere Herausforderung für den Spieler zu bieten, ist durchaus zu spüren. Dies wirft aber einmal mehr die Frage auf, wie schwierig Videospiele überhaupt sein müssen.

Hart, härter, Nioh 2

Wie schon beim ersten Teil haben es die Entwickler versäumt, weitere Schwierigkeitsgrade oder optionale Einstellungsmöglichkeiten in Nioh 2 zu integrieren. Hardcore-Spieler kontern hiermit gerne, dass das womöglich nicht Sinn und Zweck eines solchen Spiels sei, aber die Zielgruppe zu vergrößern, dürfte sicherlich auch im Sinne von Team Ninja, Koei Tecmo und Sony Interactive Entertainment sein. Unerfahrene Spieler lernen zwar alle Mechaniken sehr viel schneller und besser als es in der zeitlich gesehen besten Referenz Sekiro der Fall ist, da mit Level-Aufstiegen der Schwierigkeitsgrad leicht angepasst wird, doch im Gegensatz zum ersten Teil muss in Nioh 2 noch sehr viel mehr Zeit investiert werden, um ansatzweise schnell voranzukommen. Das ist besonders deshalb so schade, da das Spiel abseits dessen sehr wohl weiß, mit einer schönen, wenn auch nicht sensationellen Optik zu überzeugen. Wir fühlen uns direkt ins feudale Japan versetzt, wenn wir des Nachts im Mondschein zwischen zerstörten Holzhütten und kleinen Gräbern unser Katana schwingen. Hinzu kommen die dazu passenden Melodien, die aber vor allem von natürlichen Geräuschen begleitet werden, um die Immersion zu verstärken. Unterm Strich bleibt Nioh 2 ein gutes Action-Rollenspiel, das aufgrund seiner Defizite aber nicht ganz mit dem herausragenden ersten Teil mithalten kann.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Nioh 2 ist ein Action-Rollenspiel, das mit zahlreichen Herausforderungen auf sich aufmerksam machen will. Hinter jeder Ecke wartet ein noch stärkerer Gegner auf mich, der mir den Boden unter den Füßen wegreißen will. Das macht bis zu einem gewissen Grad auch durchaus Spaß, da ich so lerne, mich auf das Gegnerverhalten einzustellen und immer mehr meine Waffenfähigkeiten auf den Feind ausrichte. Sobald aber die übermächtigen Angriffe hinzukommen, die mich mit einem Schlag aus den Socken hauen, ist es mir dann aber doch zu viel. Für mich ist die Steuerung zusammen mit den unnötigen Tastenkombinationen leider eine viel zu knifflige Angelegenheit, die mir auf Dauer den Spielspaß nimmt. Auch in puncto Schwierigkeitsgrad ist Nioh 2 noch einmal eine ganze Ecke härter als der erste Teil, was aber nicht unbedingt für Qualität steht. Mir fehlen dadurch verschiedene Schwierigkeitsgrade oder zumindest optionale Einstellungsmöglichkeiten, um mein persönliches Spielerlebnis zu verbessern. Trotzdem ist Nioh 2 immer noch ein gutes Action-Rollenspiel, das mich aufgrund der dünnen Story, der Steuerung und dem teils viel zu hohen Schwierigkeitsgrad aber nicht so wie sein Vorgänger begeistert. Wer beide Teile noch nicht gespielt hat, sollte sich zum Einstieg lieber dem ersten und besseren Spiel der Reihe widmen.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Nioh 2!

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