Review: Nioh

nioh-1Demon’s Souls aus dem Jahr 2009 bereicherte den Rollenspiel-Sektor um ein sehr schwieriges Spiel seiner Zunft. In den letzten Jahren folgte vom selben Entwicklerstudio die Dark-Souls-Reihe, dessen berühmtberüchtigtes Erbe wiederum Titel wie Bloodborne oder Nioh antreten.

nioh-2In Nioh schlüpfen wir in die Haut von William, der wage auf der historischen Figur William Adams basiert. Wer diese Figur nicht kennt, dem sei gesagt, dass es sich hierbei um einen englischen Seefahrer handelte, der im Jahr 1600 Japan erreichte, dort Einfluss beim Shōgun Tokugawa Ieyasu gewann, in den Rang eines Samurai erhoben wurde und mitverantwortlich dafür war, dass in Japan Christenverfolgung und die heute unter Japanologen umstrittene Abschließung Japans stattfinden konnte. Bevor wir jedoch in Nioh Fuß auf japanischen Boden setzen dürfen, wachen wir 1597 im Tower of London in einer Gefängniszelle auf. Hier erfahren wir von einem weit entfernten Land im Osten. Das Land Zipangu soll reich an Gold und Edelsteinen sein, wie es Marco Polo in seinen Erzählungen Jahrhunderte zuvor bereits schilderte. Zudem soll es im entfernten Zipangu das geheimnisumwobene Amrita geben. Nur mit dieser Hilfe sei es Königin Elizabeth I. möglich, den Krieg gegen Spanien zu gewinnen. Bedauerlicherweise ist William nicht der einzige, der auf der Suche nach dem Amrita ist. Auch der Alchemist Edward Kelley, der ebenfalls einem historischen Vorbild nachempfunden ist, trachtet nach der mystischen Substanz, um seine diabolischen Pläne in die Tat umzusetzen.

Gottverlassenes Inselreich

nioh-3Als wir dann wie William Adams im Jahr 1600 schließlich nach langer Seereise in Zipangu beziehungsweise Japan ankommen, ist vom vielen Gold nichts zu sehen. Japan befindet sich gerade in den letzten Tagen der Sengoku-Zeit, sprich dem Zeitalter der streitenden Reiche. In den letzten Jahrzehnten haben sich die lokalen Herrscher, die Daimyō, erbitterte Kämpfe geliefert, um benachbarte Provinzen einzunehmen oder um ihre eigenen Ländereien zu verteidigen. Der dritte und letzte der drei Reichseiniger, Tokugawa Ieyasu, bereitet sich gerade auf die Schlacht von Sekigahara vor. Zu allem Übel haben die Japaner mit ihren Auseinandersetzungen die Yōkai erzürnt. Die monströsen Gestalten wandeln durchs Land und versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Auch wir staunen nicht schlecht, als wir unsere ersten Schritte auf das Inselreich setzen. Inmitten der Nacht durchstreifen wir ein japanisches Fischerdorf, das von Piraten überfallen und geplündert wird. Kaum haben wir uns mit den ersten menschlichen Gegnern angelegt, tauchen dann und wann auch Untote und Yōkai auf, die uns ans Leder wollen – und natürlich wesentlich stärker als die irdischen Bedrohungen sind. Mit Mühe und Not treffen wir am Ende des zweiten Spielabschnitts auf Hattori Hanzō, der unsere Kampfkünste als Nichtjapaner lobt und uns prompt in den Dienst der Tokugawa stellt.

Übermenschliche Bestien

nioh-4Die Handlung von Nioh wird durchgehend spannend erzählt, was sowohl an den historischen Persönlichkeiten, als auch an den mythischen Elementen liegt. Passend zum Szenario erkunden wir in der auf dutzende Spielstunden ausgelegten Kampagne Dörfer, Höhlen, Tempel, Minen oder Schlösser, die mit zahlreichen Gefahren bestückt sind. Diese Gefahren materialisieren sich vor allem in den zahlreichen Gegnertypen. Da wollen uns Speerträgerskelette mit ihren Waffen aufspießen, Bogenschützen uns mit Pfeilen durchsieben und Axtschwinger unseren Kopf von den Schultern trennen. Yōkai wiederum greifen uns mit überlangen Zungen an oder versuchen uns mit Feuer zu rösten. Es kommt nicht selten vor, dass wir uns in einem Moment noch sicher fühlen und ein paar Sekunden später das letzte lebensrettende Elixier in unserem Beutel austrinken, weil wir von einem Gegner überrascht oder plötzlich von mehreren Feinden umzingelt wurden. Etwa genauso oft werden wir im Kampf auch den Tod erleiden, denn die Gegner sind zuweilen schwer zu besiegen. Wer nicht richtig mit Katana, Axt, Luntenschlossgewehr und Ninjutsu umgehen beziehungsweise die Fähigkeiten passend und schnell miteinander kombinieren kann, wird in Nioh so schnell kein Land sehen. Trotzdem sollte man niemals aufgeben, denn mit ansteigender Spielzeit kommt Erfahrung und Spielspaß.

Persönliches Verlustgeschäft

nioh-5Dieser wird wiederum dann jäh unterbrochen, wenn wir ein neues Gebiet erkunden. In Nioh sind nämlich nicht nur die Gegner ein Hindernis: Manchmal legt uns auch ganz einfach die Level-Architektur der abwechslungsreichen Gebiete Steine in den Weg. So durchstreifen wir zum Beispiel eine Silbermine, die fast vollkommen mit giftigem Gas getränkt ist. Für wenige Sekunden können wir ein Belüftungssystem aktivieren, doch sobald sich die Rädchen aufhören zu drehen, wird es für uns ganz schnell sehr brenzlig. Den Yōkai macht das Gift nämlich nichts aus. Wer nicht alle zehn Sekunden ein Elixier nachkippen möchte, muss bedacht vorgehen und schnellstmöglich die Giftquellen aufspüren und ausschalten. An anderer Stelle sind es Fledermäuse, die uns in den Wahnsinn treiben. Da schleichen wir an einem hochgelegenen Felsvorsprung vorbei, erreichen fast den nächsten rettenden Speicherpunkt und müssen dabei nur noch den Höhleneingang betreten – wie aus dem Nichts schnellen aus diesem die Blutsauger heraus und sorgen dafür, dass wir nicht nur einmal hunderte Meter tief in den Tod stürzen. Nioh besteht an vielen Stellen wahrhaftig aus der Versuch-und-Irrtum-Methode, die dann und wann für Ärger beziehungsweise Frust sorgen kann. Der Witz an der Geschichte ist nämlich der, dass wir beim Ableben all unsere Erfahrungspunkte, das Amrita, verlieren.

Identifizierung per Ausrüstung

nioh-6Nach dem Respawn am letzten Schrein dürfen wir zwar zur Unglücksstelle zurückkehren und das Amrita wieder einsammeln, doch wenn wir bei diesem Unterfangen abermals sterben, ist das nicht zum Stufenaufstieg genutzte Amrita endgültig futsch. Besonders bei größeren Mengen sollten wir also lieber in der sichereren Umgebung bleiben und so lange Gegner bekämpfen oder überschüssige Ausrüstung in Amrita umwandeln, bis wir im Level aufsteigen dürfen. Level-Aufstiege sind insbesondere für unsere Lebensenergie, die maximale Traglast und unsere Ausdauer, das Ki, wichtig. Die anderen Attribute sind zwar nicht unwichtig, doch je nach Spieltyp zu vernachlässigen. Ähnlich wie in der Monster-Hunter-Reihe identifizieren wir uns nämlich über unsere Ausrüstung. An allen Ecken und Enden finden wir nach dem Besiegen von Gegnern oder dem Öffnen von Schatztruhen neue Rüstungsteile und Waffen, die wir stets mit unserer aktuellen Rüstung überprüfen sollten. Nicht selten kommt es vor, dass sich neue und somit bessere Gegenstände unter dem Fundgut befinden. Das Anfertigen von neuen Ausrüstungsgegenständen ist ebenso möglich und falls uns das Aussehen eines Gegenstands nicht gefällt – wir müssen schließlich unsere Ehre verteidigen – dürfen wir bei der Schmiedin am Ausgangspunkt auch die kosmetischen Vorzüge von Helm, Rüstung und Co kopieren. Klasse!

Phänomenaler Hardcore-Titel

nioh-7Optisch kann man dem Spiel nur an wenigen Stellen anmerken, dass es ursprünglich für die PlayStation 3 geplant war. Viele Texturen sind selbst auf der PlayStation 4 nicht zu verachten und selbst wenn mal ein wenig Matsch dabei ist, kann man das dem Spiel nicht wirklich übel nehmen. Das Erkunden von neuen Gebieten macht, zugegeben nach einer kurzen demoralisierenden Phase, meistens immer sehr viel Spaß und die Suche nach neuer Ausrüstung und das Auswendiglernen von gegnerischen Taktiken machen die kleinen grafischen Defizite locker wieder wett. Beim Soundtrack hätten wir hingen etwas mehr erwartet, denn die Musik bleibt meistens im Hintergrund. Zwar stechen einige Klänge immer wieder heraus, doch ein paar kräftigere Musikstücke hätten dem Spiel trotz des mulmigen Gefühls, dass uns die Musik in einigen Spielabschnitten verleiht, gut getan. Nioh ist ein Phänomen, das vor allem Fans der anfangs erwähnten Titel sehr gefallen wird. Natürlich muss ein gewisses Faible für Japan mit seinen faszinierenden Verzauberungen mitgebracht werden, doch wenn das genauso vorhanden ist wie ein Überlebensinstinkt und der Wille, sich nicht von einem Spiel einschüchtern zu lassen, dann kann Nioh sowohl alleine, als auch kooperativ übers Internet ein wahrer Genuss sein, den man so schnell nicht mehr vergessen und im Alltag einfach nicht mehr missen will.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Nach zwei bis drei Spielstunden hatte ich schon keine Lust mehr, da sich die Tode meiner Spielfigur einfach zu sehr gehäuft haben. Dennoch habe ich nicht aufgegeben und mich einen Tag später drangesetzt, meine errungenen Kenntnisse verbessert und umgesetzt. Je länger ich mich mit Nioh beschäftige, desto besser werde ich tatsächlich und selbst wenn Stellen wie die mit Giftgas getränkte Silbermine mich gelegentlich demoralisieren, macht mir das nichts mehr aus. Lebendige Tonkrieger, Riesenspinnen und natürlich die noch heftigeren Bossgegner – ich will sie einfach alle und so gut wie nur möglich besiegen können. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei Jonas bedanken, der mich immer wieder aufgemuntert und mich dazu aufgefordert hat, nicht den Controller aus der Hand zu legen. Nioh ist eine der besten Videospiel-Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren machen konnte. Wer schwierigen Titeln, die teilweise auf der Versuch-und-Irrtum-Methode aufbauen, nicht abgeneigt ist, wird mit Nioh viel Spaß haben. Ich kann nach dutzenden Stunden jedenfalls nicht mehr aufhören.

Jonas‘ Fazit: Schon vor dem Release hatten die Entwickler von Nioh ein Interesse daran, dass die Spieler in Kontakt mit ihrem Spiel kommen. Das zeigt die Fülle an spielbaren Alphas und Betas, die im Vorfeld veröffentlicht wurden. Als großer Fan der Dark-Souls-Reihe hat mich das Spiel aber auch so angesprochen – die vielen Parallelen zu den unbarmherzigen Action-Rollenspielen aus Japan sind immerhin nicht zu verachten. Neben Gameplay- und Level-Elementen, die sich Nioh ausgeborgt hat, sind auch viele Items und Statuswerte direkt übernommen worden. Leider entschieden sich die Entwickler dazu, einen für mich entscheidende Punkte nicht zu kopieren: Die Verbindung zwischen Spieler und Spielwelt wird durch die starre Levelstruktur automatisch erschwert – eine offenere Welt hätte hier Abhilfe geschaffen. Trotzdem erarbeitet sich Nioh mit seinem düsterem japanischen Setting und der Hülle und Fülle an Ausrüstungen und Upgrades seine Eigenständigkeit, wovon ich in Zukunft auch gerne mehr haben möchte!

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Nioh!

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