Mit überraschenden Wendungen und überzeugenden Schauspielern gespickt, entpuppt sich der chinesische Film House of Knives aus dem Jahr 2023 als spannendes Drama voller Verrat und Intrigen, bei der bis zum Schluss nicht klar bleibt, welche Figuren miteinander paktieren.
Chinesische Historiendramen gehören zumindest für das durchschnittliche europäische Publikum nicht zu der leichtverträglichen Kost aus den Filmschmieden der Volksrepublik. House of the Knives von Regisseur Zhāng Yìmóu hat zwar durchweg seine Qualitäten, ist mit circa 160 Minuten jedoch ein sehr langatmiges Drama um Ehrgefühl, Loyalität und Rache geworden. Angesiedelt in der Mitte des 12. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung berichtet der Film über ein Zusammentreffen verschiedener Angehöriger der Jīn- und der Sòng-Dynastie. Vor dem Einsetzen der Filmhandlung wird ein Botschafter der Jīn ermordet. In den frühen Morgenstunden werden die Truppen mobilisiert, um den Mörder zu finden. Unter anderem wird Zhāng Dà, einer der Wächter, festgenommen. Da er angeblich über Informationen verfügt, wird seine Hinrichtung jedoch aufgeschoben, sodass er vor Großkanzler Qín Guì geführt wird, welcher ihm zwei Stunden Zeit gibt, einen bestimmten Brief aufzuspüren. Dieser darf jedoch von niemandem außer dem Großkanzler selbst gelesen werden, was die Ermittlung erschwert. Unteressen erhält Protagonist Zhāng Unterstützung von Kommandant Sūn Jūn. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, wie es zum Mord kommen konnte und wer der Täter ist. Blöd nur, dass Zhāng in House of Knives allerdings gar keine Anhaltspunkte hat.
Langatmiges Historiendrama
Dementsprechend lässt sich nachvollziehen, warum Zhāngs Film so langatmig ist. Die Geschichte plätschert langsam vor sich hin und nimmt erst im letzten Drittel richtig an Fahrt auf. Bis dahin kann sich der Zuschauer zwar auf unvorhersehbare Wendungen einstellen, welche die Untersuchung durchaus intensiviert, aber in der Regel stirbt für jede Wendung mindestens ein für die Ermittlung notwendiger Nebencharakter. Kaum kommen Zhāng und Sūn dem aufgeworfenen Rätsel einen Schritt näher, entwickelt sich die Handlung anschließend in eine gänzlich andere Richtung. Dies hängt jedoch auch damit zusammen, dass die Charaktere in House of Knives selten die Wahrheit sprechen, Informationen zurückhalten, intrigieren und betrügen. Zuweilen ist das durchaus komisch inszeniert, wobei viel Witz bei der Übersetzung ins Deutsche offenbar verloren gegangen ist. Charmant sind die Dialoge dennoch. Actionszenen sind hingegen rar gesät, denn bis auf hastige Bewegungen, wenn Zhāng, Sūn und ihre Anhängsel von einem Palast zum nächsten huschen, ist der Film eher ruhig und gemächlich inszeniert. An ein bis zwei Stellen werden zwar auch die Messer gezückt oder die Schwerter gewetzt, doch dauern diese Szenen nur wenige Sekunden an und bleiben stets unspektakulär. In Anbetracht der langen Laufzeit verspielte der Regisseur hier wirklich sehr viel Potenzial.
Teuflisch gute Schauspielscharade
Apropos Messer: Der im deutschsprachigen Raum verwendete Titel ist ungünstig gewählt, denn im Original heißt der Film wie das gleichnamige Gedicht Mǎn Jīang Hóng, auf welches die Story von House of Knives hinarbeitet. Dieses Gedicht wurde mutmaßlich von General Yuè Fēi verfasst und ist auch heutzutage noch in China wohlbekannt. Zhāng Yìmóu wollte mit seinem Werk einen fiktiven Ursprung für das Gedicht schaffen – und auch wenn der Film genügend Sitzfleisch abfordert, ist ihm das schlussendlich gelungen. Dies liegt wohl auch am fantastischen Schauspiel, denn Shěn Téng als Zhāng Dà, Yì Yángqiānxǐ als Sūn Jūn und nicht zuletzt Léi Jiāyīn als Qín Guì gelingt es auf eine teuflisch gute Art, die wahren Absichten ihrer Charaktere bis zu ihrer jeweils letzten Szene zu verbergen. Ebenfalls gelungen ist das Bühnenbild, das bis auf die stationierten Truppen vor der Stadt ohne Computereffekte auskommt und gerade auf Blu-ray Disc sehr natürlich wirkt. Selbiges trifft leider nicht auf die Musikauswahl zu, denn diese pendelt sich im Großen und Ganzen zwischen einer gerade noch passenden und einer maximal störenden Songauswahl ein. Bis auf den originalen und den deutschen Trailer hat es kein Bonusmaterial auf die Disc geschafft, was in Anbetracht des geschichtlichen Hintergrunds sehr schade ist. Fans von Historiendramen greifen dennoch zu.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Im Vorfeld habe ich von House of Knives nicht viel erwartet. Chinesische Historiendramen finde ich zwar durchaus spannend, doch enttäuschen sie mich immer wieder mit einer langatmigen Handlung, übertriebenem Schauspiel oder unnötigen Computereffekten. Zhāng Yìmóus Film fällt im direkten Vergleich in vielen Punkten zum Glück deutlich besser aus. So spielt die Handlung vor allem damit, dass nicht erkennbar ist, welche Absichten die Figuren hegen. Shěn Téng, Yì Yángqiānxǐ und Léi Jiāyīn gelingt dies auf ganzer Linie. So kommt es im Film ständig zu unvorhersehbaren Wendungen, die jedoch ein Übermaß annehmen, wodurch der Film schlussendlich gestreckt wirkt. Dies ist neben der leider enttäuschenden bis unpassenden Musikuntermalung auch das größte Manko am Film. Wer chinesische Historiendramen mag, die Langatmigkeit in Kauf nimmt und genügend Sitzfleisch mitbringt, wird aber definitiv 160 Minuten lang gut unterhalten.
Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von House of Knives!