Review: Die Sims 2 (Legacy Collection)

Hat ein Spiel auf Anhieb Erfolg, geht oft ein zweiter Serienteil in Entwicklung. So geschah es Anfang der 2000er-Jahre auch mit der Lebenssimulation Die Sims. Diese wurde 2004 mit Die Sims 2 beerbt, welches bis einschließlich 2009 mit zahlreichen Add-ons unterstützt wurde.

Auf das Konto von Entwicklerlegende William Ralph Wright gehen so einige Simulationen zurück. Neben der Städtebausimulation SimCity aus dem Jahr 1989 ist er vor allem für die Lebenssimulation Die Sims von 2000 bekannt. Publisher Electronic Arts erkannte das immense Potenzial des Spiels und sorgte dafür, dass bis November 2003 etliche Erweiterungspakete erschienen, welche das Werk noch umfangreicher und vielseitiger gestaltete. In den frühen 2000er-Jahren machten Videospiele jedoch immense Schritte, sodass Entwicklerstudio Maxis schon früh mit einem Nachfolger betraut wurde, um das in die Jahre gekommene Grundgerüst in Rente zu schicken. Die Sims 2 erschien im September 2004 und hat seinerzeit nicht nur unter grafischen Gesichtspunkten einen großen Sprung gemacht. Auch inhaltlich gehen die Möglichkeiten in der zweiten Episode über das hinaus, was das Seriendebüt bietet. Dies heißt aber nicht, dass Die Sims 2 das Rad gänzlich neu erfindet. Im Kern handelt es sich immer noch um eine gut funktionierende Mischung aus Häuserbau, Innenraumgestaltung und Puppenhauscharakter, die bis heute trotz Nachahmungen wie dem im März 2025 veröffentlichten Inzoi weitgehend als einzigartig betrachtet werden kann. Zum 25. Jubiläum erschien der Titel Ende Januar 2025 gemeinsam mit dem ersten Serienteil als umfassende Legacy Collection.

Stücke herausgerissenen Lebens

Falls ihr Die Sims nicht gespielt haben solltet, ist es nicht zwingend notwendig, das historische Debüt aus dem Jahr 2000 nachzuholen. Ihr könnt auch direkt mit Die Sims 2 in die Serie einsteigen, da das Gameplay im Kern gleich bleibt, aber eben mit sinnvollen Ergänzungen bei sozialen Aktivitäten und einem vielschichtigeren Häuserbau erweitert wurde. Im Spiel ist es unsere Aufgabe, entweder selbst einen der titelgebenden wie menschlichen Sims zu erstellen oder die Rolle von vorgefertigten Charakteren zu übernehmen. Diese führen wir dann einmal quer durch ihr Leben, erfüllen ihre Wünsche, beschützen sie bestenfalls vor ihren Ängsten und erleben mit ihnen währenddessen alle möglichen Abenteuer, für die wir zwar aktiv verantwortlich sind, aber meist nur passiv darauf reagieren können. Da die Sims wie Menschen in der Regel keine Einzelgänger, sondern Herdentiere sind, bringen wir sie auch mit anderen Personen zusammen. Die soziale Interaktion nimmt abermals einen wichtigen Teil der Spielerfahrung ein, da diese zu ganz absurden Situationen führen können. Ganz so schräg wie im 2014 von Nintendo veröffentlichten Tomodachi Life ist das bei Die Sims 2 zwar noch nicht, aber es schlägt immer mehr diese Richtung ein. All das fühlt sich durch das organisch wirkende Geplapper der Sims auch unfassbar stimmig an und nutzt daher stundenlang nicht ab.

Auf dem Weg zu Ruhm und Erfolg

Im Gegensatz zum ersten Teil durchlaufen unsere Sims nun jedoch verschiedene Entwicklungsstadien. So können wir die schrulligen Charaktere vom Säugling bis zum Greis begleiten. Sind eine vordefinierte Anzahl an In-Game-Tagen verstrichen, altern die Sims und erreichen die nächste Altersgruppe. Das heißt auch, dass wir von liebgewonnenen Charakteren früher oder später Abschied nehmen müssen, da sie sterben können. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Charaktereigenschaften Neugeborener von ihren Eltern abhängig sind – so bleibt durch den Stammbaum immer noch ein Funken der Verstorbenen über Generationen erhalten. Damit die Sims überleben können, müssen sie sich abermals ihr Brot verdienen. Also schlagen wir die Stellenanzeigen in der Bildzeitung auf, unterdrücken dabei unseren Brechreiz, und nehmen ein Jobangebot an. Jede Arbeit hat dabei verschiedene Voraussetzungen, sodass wir beispielsweise genügend Punkte in Fitness brauchen, um bestimmte Tätigkeiten selbstsicher ausführen zu können. Also schicken wir unsere Sims an Fitnessgeräte, lassen sie Bücher studieren oder den Kochlöffel an der Herdplatte schwingen, damit der Geldfluss nicht stoppt. Hat ein Sim Angst davor, seinen Job zu verlieren, und tritt dieser Fall tatsächlich ein, kratzt das an der Selbstverwirklichung. Wir müssen also auf Details achten.

Das Leben der Anderen

Stellen die Änderungen am Charakterdesign von Die Sims 2 schon eine regelrechte Revolution dar, handelt es sich bei den weiteren Mechaniken eher um evolutionäre Veränderungen. So wählen wir zu Beginn des Spiels entweder eine vordefinierte Nachbarschaft aus oder erstellen uns diese einfach selbst. Letzteres kostet zwar extrem viel Zeit, lässt uns aber unsere Fantasein einer perfekten oder eben nicht perfekten Welt maximal ausleben. Ob die Figuren nun vordefiniert oder von uns erfunden sind, ist völlig egal, denn es macht einfach Spaß, den Sims bei ihrem illustren Treiben zuzusehen und auf einer narrativen Ebene möglicherweise noch das eine oder andere Geheimnis zu entdecken. Häuser errichten wir daneben weiterhin über einen großzügigen Baukasten, wählen aus diesem einzelne Elemente aus und platzieren sie auf dem schachbrettartigen Raster. Auch wenn viele Aktionen nicht kontextsensitiv sind, wie etwa die korrekte Richtung beim Positionieren einer Tür, funktioniert das Bauen grundsätzlich intuitiv. Erneut können wir unserer kreativen Ader bei der Architektur unseres Eigenheims freien Lauf lassen. Komplexer wird es bei der Inneneinrichtung, denn schließlich müssen die Möbel, die wir für das Ersparte unserer Sims erwerben, auch in die eigenen vier Wände passen. Was für ein Glück, dass beim Bauen und Gestalten die Zeit temporär einfriert!

Geniales Gesamtpaket

Bei der Legacy Collection von Die Sims 2 handelt es sich um die definitive Version des Klassikers von 2004. Diese Ausgabe enthält bis auf lizenzierte Möbel- und Kleidungsstücke alle Inhalte, die in den 2000er-Jahren erschienen sind. Dazu zählen selbstverständlich alle acht in dieser Zeit veröffentlichten Add-ons, die das Erlebnis stark aufwerten. In Wilde Campus-Jahre erleben wir einen weiteren Zeitabschnitt im Leben der Sims und feiern Partys. Die Erweiterung Nightlife lässt uns nachts Clubs, Bars und Restaurants unsicher machen. Außerdem ergänzt sie Vorlieben und Abneigungen bei der Partnerwahl. Open for Business lässt uns ein eigenes Geschäft eröffnen und das Add-on Haustiere beschert uns domestizierte Wesen. Vier Jahreszeiten ergänzt das Spiel um saisonale Veränderungen. In Gute Reise geht es in den Urlaub in die Tropen. Freizeit-Spaß bringt uns Hobbys wie Kunst, Musik oder Handwerk. In der finalen Erweiterung Apartment-Leben können wir zudem in Mietwohnungen ziehen, in denen wir dann mit Mitbewohnern klarkommen müssen. Neben den inhaltlichen Aufwertungen ist das Spiel grafisch in Anbetracht des gelegten Fokus auf die soziale Komponente ebenfalls hübscher als die Pixeloptik des Vorgängers. Hinzu kommt ein ohrwurmverdächtiger Soundtrack, der uns auch nach Ausschalten unseres Computers weiter an Die Sims 2 denken lässt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Die Sims 2 habe ich damals nicht gespielt und auch nicht spielen wollen. Für diese Entscheidung könnte ich mich heutzutage ohrfeigen, poliert der zweite Teil sowohl Optik als auch Gameplay des Vorgängers ordentlich auf. Dem Begriff der Lebenssimulation nähert sich die zweite Episode stark an, denn mit alternden wie sterblichen Sims, vererbbaren Charaktereigenschaften und einer Vielzahl neuer Möglichkeiten an zwischenmenschlicher Interaktion revolutionierte der Titel nur wenige Jahre nach dem Debüt das Genre. Über die Veröffentlichungspolitik der zahlreichen Add-ons in den 2000er-Jahren lässt sich selbstverständlich streiten, aber in Anbetracht des umfassenden Ergebnis in Form der Legacy Collection sehe ich da über zwei Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung hinweg. Sämtliche Inhalte ergänzen sich derart hervorragend, wie es heutzutage bei vielen Spielen mit etlichen Download-Erweiterungsinhalten nicht mehr gelingen kann. Auch der optische wie musikalische Sprung, den Die Sims 2 im Jahr 2004 durchlebt hat, ist entscheidend für das Spielerlebnis. Die Charaktere wirken wesentlich glaubhafter als zuvor und lassen mich immer tiefer in die humorvollen, mysteriösen wie abgedrehten Szenarien eintauchen. Ist der erste Teil heutzutage womöglich etwas sperrig zu spielen, fühlt sich der Nachfolger gleich viel erfrischender an. Wer die Reihe kennenlernen will oder den zweiten Teil damals verpasst hat, sollte mit der Legacy Collection von Die Sims 2 auf eine nostalgische Zeitreise gehen, die mit reichlich Spielspaß gekoppelt ist.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Die Sims 2 (Legacy Collection)!

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