Review: Francis Ford Coppola’s Megalopolis – Eine Fabel

Nicht jeder Filmschaffende hat Zeit seines Lebens die Möglichkeit, sein Magnum Opus zu kreieren. Auch bei Francis Ford Coppola stand die Umsetzung jahrzehntelang auf der Kippe. Seine Fabel mit dem Titel Megalopolis erschien 2024 – und irritierte Kritiker und Publikum.

Zurück geht die Entstehungsgeschichte von Megalopolis bis in die frühen 1980er-Jahre. Coppola schrieb zahlreiche Drehbuchfassungen und kam schlussendlich auf ein Werk von über zweihundert Seiten, was zu jener Zeit mehr als das Doppelte herkömmlicher Drehbücher in der Traumfabrik Hollywood war. Ende des Jahrzehnts wollte der Regisseur den Film endlich umsetzen, scheiterte jedoch zunächst an fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten seitens Dritter und schließlich an Coppolas Privatinsolvenz. Mit weiteren Filmen wie Bram Stoker’s Dracula, die bis heute als eine, wenn nicht sogar die beste Verfilmung des gleichnamigen Schauerromans gilt, konnte er in den 1990er-Jahren ein ordentliches Produktionsbudget anhäufen. Im Spätsommer 2001 sollten bereits die Dreharbeiten beginnen, doch die Terroranschläge vom 11. September des Jahres führten aufgrund einer inhaltlichen Nähe zum Film zum erneuten Abbruch der Produktion. Trotz allem hielt Coppola an seinem Wunsch fest, Megalopolis eines Tages zu verwirklichen. 2019 nahm das Projekt neue Fahrt auf und die Dreharbeiten fanden zwischen 2022 und 2023 an der Ostküste der Vereinigten Staaten von Amerika in New York City und Atlanta statt. Schon während des Drehs von Megalopolis kamen jedoch etliche Gerüchte auf, dass die Arbeiten an der „Krönung seines Schaffens“ chaotisch ausfielen.

Auf dem Weg zu einer Utopie

Obwohl das Science-Fiction-Drama einige gute Ansätze hat, sind diese Zustände, die am Set geherrscht haben sollen, durchaus an so manchen Stellen des Films zu spüren. Im Fokus der Erzählung steht der junge Architekt Cesar Catilina, der für die Erfindung des Baustoffs Megalon nicht nur den Nobelpreis erhalten hat, sondern mit diesem auch das an New York City angelehnte New Rome zum Besseren verändern will. Nicht nur die heruntergewirtschafteten Stadtviertel und die Infrastruktur sollen sich zum Positiven wandeln, auch die Korruption will Cesar mit Megalon bekämpfen. Dies zu verhindern versucht Bürgermeister Franklyn Cicero, welcher die politische Basis und die mit ihr zusammenhängenden Eliten von New Rome vertritt – für ihn ist es kein Problem, weiter auf Beton und Stahl zu setzen. Franklyns Tochter Julia ist von Megalon nicht überzeugt und beginnt, Cesar auszuspionieren – mit der Zeit erkennt sie jedoch die Möglichkeiten des neuartigen Baustoffs und verliebt sich zu alledem in dessen Erfinder. Sie findet sich zwischen den Stühlen wieder, was auch ihren Vater in eine schwierige Lage bringt. Drumherum entspinnen sich verschiedene Machenschaften, die an die Zeit der Römischen Republik erinnern. Scheinehen, Umsturzversuche und Intrigen stehen auch in New Rome an der Tagesordnung und geben Megalopolis den Touch einer Seifenoper.

In sich zusammenfallende Illusionen

Hauptsächlich dreht sich Coppolas Werk um den Gedanken, welche Welt der Mensch seinen nachfolgenden Generationen hinterlassen will. So wird die Frage aufgeworfen, ob es womöglich besser wäre, den Status quo aufrechtzuerhalten und zu hoffen, dass alles schon irgendwie gut ausgehen wird, oder ob mit vereinten Kräften eine Utopie anzustreben ist. Zumeist bleibt Megalopolis dabei sehr ruhig und erzählt die Handlung mittels tiefsinniger, teils sogar recht philosophischer Dialoge. Das funktioniert bis zu einem gewissen Grad auch ziemlich gut. Es gibt jedoch zahlreiche unschöne Szenenwechsel, welche allen voran den von Adam Douglas Driver gespielten Cesar sich in seine Gedanken zurückziehen lässt, wodurch fast schon absurd alberne Traumsequenzen entstehen. Während diese Illusionen aufgrund von Drogenkonsum und Traumata noch erklärt werden, bricht diese Art der Gestaltung spätestens dann, wenn der Zuschauer New Rome vorgesetzt bekommt. Die römischen Einflüsse von Architektur und Gesellschaft sind meist marginal und noch dazu unspektakulär inszeniert. So spielt eine Szene in einem überdachten Kolosseum, wo schlicht ein paar Trapezkünstler herumhantieren, Ringer um die Gunst des Bürgermeisters buhlen, und eine Gesangseinlage von an Drähten hängenden Mondsicheln stattfindet. Das passt zum Filmstil, ist aber einfach gähnend langweilig.

Pluspunkte bei den Schauspielern

Schlimmer trifft es nur die computergenerierten Hintergründe mittels Volumen- und Greenscreen-Technologie. Vieles wirkt trotz der immensen Produktionskosten von geschätzt einhundert Millionen US-Dollar viel zu kostengünstig produziert und damit unecht. Der Zuschauer wird so schlicht und einfach aus der Immersion gerissen, so beeindruckend manche Bilder wirken. Obwohl es je nach Zuschauertyp teilweise schwer sein mag, dem Geschehen in Megalopolis zu folgen, kann ein guter Teil der Schauspielerriege punkten. Neben dem erwähnten Adam Driver spielen beispielsweise Giancarlo Giuseppe Alessandro Esposito als Bürgermeister, Nathalie Joanne Emmanuel als dessen Tochter Julia, Jonathan „Jon“ Vincent Voight als Cesars Onkel Hamilton Crassus III. und Laurence John Fishburne III. als Cesars Chauffeur mit. Für die gelungene und teils herausragende musikalische Untermalung sorgte indessen der argentinische Komponist Osvaldo Golijov, der schon bei Coppolas Tetro sowie Jugend ohne Jugend den Soundtrack beigesteuert hat. Wer an den Film herangeht, um nach legendären Filmen wie Der Pate ein neues Meisterwerk von Coppola zu erleben, wird wohl von Megalopolis auf ganzer Linie enttäuscht sein. Für Coppola mag es womöglich sein Magnum Opus geworden sein, aber für Megalopolis werden sich die meisten später nicht an ihn erinnern.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Tatsächlich wollte ich mir Megalopolis Anfang Oktober 2024, also kurz nach dem Filmstart in Deutschland, im Kino anschauen. Das war mir aber leider nicht mehr vergönnt, da der Film in keinem Lichtspielhaus in meiner Nähe mehr lief. Mit einem Einspielergebnis von gerade einmal zehn Millionen US-Dollar gilt das Werk, in das Coppola ein erhebliches Privatvermögen gesteckt hat, als finanzieller Flop. Natürlich muss das nichts über die inhaltliche Qualität des Films aussagen, aber in dieser Hinsicht ist Coppolas Werk für mich eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Manche Bilder sind derart beeindruckend, dass mir die Kinnlade herunterfällt. Überwiegend gibt es jedoch etliche Szenen, die gefühlt unendlich in die Länge gezogen sind und mich einfach nicht begeistern können. So gut manche Dialoge geschrieben sein mögen, so wenig führen sie häufig die Handlung voran. Hieran sind klar die Ergebnisse der Vorwürfe gegenüber dem Regisseur zu erkennen, dass dieser keinen genauen Drehplan hatte und vieles am Ende einfach improvisiert werden sollte. Das passt mit einem leichten Augenzwinkern auch gut zu einer Interviewaussage, dass die Schauspieler die meiste Arbeit gemacht hätten. Im Gegensatz zu anderen Kritiken, die zum Teil sehr desaströs ausfallen, bin ich aber nicht der Meinung, dass der Film ein Totalausfall ist. Dafür gefällt mir das größtenteils funktionierende Schauspiel, manche nachhaltig beeindruckenden Bilder und der mitfühlende Soundtrack viel zu gut. Megalopolis ist möglicherweise Coppolas Magnum Opus geworden, aber ein Meisterwerk leider nicht.

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