Review: Tomodachi Life

CTR_Clone_PS_ANIVA_GEP_140409.inddTomodachi ist das japanische Wort für Freund, doch Freunde hat sich Tomodachi Life schon im Vorfeld nicht gemacht. Manch Homosexueller ist empört darüber, wie Nintendo mit einem nachträglich veröffentlichen Patch gleichgeschlechtliche Beziehungen untersagt.

Tomodachi Life (2)Dabei möchte Tomodachi Life nur ein illustres Spiel sein, welches einer breiten Käuferschicht Spaß machen möchte. Das Spiel beginnt damit, indem wir eine Insel irgendwo im Nirgendwo betreten. Das Eiland soll unser nächstes Zuhause werden. Wir erstellen uns dazu einen Mii, der uns am besten ähnlich sein sollte, da im Spiel darauf Bezug genommen wird. Die witzigen Avatare, die Nintendo 2006 nach Veröffentlichung der Wii auf alle nachfolgenden Konsolen übertragen hat, stehen in diesem Spiel im Vordergrund. Unser Alter Ego fühlt sich bereits in den ersten Spielminuten Recht einsam, weshalb wir ihm ein paar Freunde an die Seite stellen. Die Miis können wir entweder mit dem Mii Maker direkt im Spiel von Grund auf erstellen oder wir wählen aus den auf dem 3DS gespeicherten Miis eine Vorlage aus. Danach müssen wir dem Mii noch eine Persönlichkeit geben, die sich über ein paar überschaubare Optionen via Schiebereglern einstellen lässt. Wir können zwar jedwede Person erstellen, doch empfiehlt es sich durchaus, die Miis Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern nachzuempfinden und ihre Persönlichkeiten möglichst dem echten Vorbild anzupassen. Ihr werdet dabei sehr überrascht sein, wie viele Eigenschaften eurer Miis dem der Vorbilder entsprechen. Das ist aber sicherlich nicht die Intention des Spiels, denn was folgt, ist absolut kranker Humor!

Bedürfnisse eines Miis

Tomodachi Life (3)Alle Miis, die sich auf der Insel wohnen, quartieren sich in einem Wohnheim ein. Im Herzen der Insel gelegen, besuchen wir jene Residenz täglich. Bereits beim Anblick des Gebäudes sehen wir an den Fenstern, welcher Mii gerade zuhause, auswärts unterwegs oder auch in tiefe Träume versunken ist. Ein echtes Spielziel hat Tomodachi Life dabei nicht. Der Titel ist eine Simulation eines Lebens, welches in der Realität so nicht möglich wäre. Das aber macht den Reiz des Spiels aus. Wir besuchen zunächst einmal einen Mii und erkundigen uns dann nach seinen Bedürfnissen. Oftmals hat ein Mii Hunger, woraufhin wir in den örtlichen Inselladen rennen und dort Grünzeug, Fleisch oder Obst besorgen. Jeder Mii mag natürlich etwas anderes, weshalb seine Vorlieben mit der Zeit herausgefunden werden wollen. Dasselbe Spiel funktioniert mit Kleidungsstücken oder Inneneinrichtungen für sein Zimmer. Mit jedem Problem, welches wir lösen, erhalten wir ein wenig Taschengeld und der Mii erhält Erfahrung, wodurch uns beziehungsweise dem Mii mit der Zeit immer mehr Möglichkeiten offenstehen. Nach jedem Stufenaufstieg können wir einem Mii ein Liedgenre beibringen oder ihm sogar ohne zusätzliche Kosten eine Inneneinrichtung schenken. Manchmal möchte ein Mii auch, dass wir ihm eine neue Phrase beibringen, die er in emotionalen Lagen vermitteln möchte.

Zwischenmenschliche Beziehungen

Tomodachi Life (4)Lustig wird es, wenn wir einen schlafenden Mii aufsuchen und seine Träume besuchen. Hier träumt ein Mii davon, wie er als Skelett an einem überdimensionalen Rucksack hängt oder in einer Fabrik in Farbe mehrfach in Farbe getauft wird – hier dürfen wir sogar hämisch auf das Knöpfchen drücken. Oder die Miis träumen von anderen Miis, mit denen sie vielleicht einmal eine nähere Beziehung eingehen möchten. Abenteuerlich wird es, wenn wir einen Bewohner mit einem anderen Mii zusammenbringen und sie sich daraufhin gut verstehen. Im Verlauf des Spiels ist es nämlich möglich, dass sich männliche und weibliche Miis so gut verstehen, dass sie heiraten und sogar Kinder bekommen können. In der ursprünglichen Fassung war es sogar möglich, dass sich auch homosexuelle Pärchen bilden können. Offiziell hat man aber verlauten lassen, dass es sich hierbei um einen technischen Fehler handelt, der die Erfahrung mit dem Spiel durchaus beeinträchtigen kann. Unter anderem kann es ohne Patch dazu führen, dass man den (einzigen) Spielstand nicht mehr speichern kann. Anstatt den Spielcode derart stark umzuschreiben, um die Fehler zu verhindern, hat sich Nintendo jedoch für den Patch entschieden und verhindert homosexuelle Beziehungen damit. Jedoch geht der Konzern in seiner Wortwahl recht ungeschickt damit um; er bezeichnet solche Beziehungen als seltsam.

Kommunikation nach außen

Tomodachi Life (5)Hintergründe gibt es dafür genug. Man muss sich im Klaren darüber sein, dass Nintendo ein familienorientierter Konzern ist und in vielen Ländern der Erde homosexuelle Beziehungen als falsch angesehen werden. Nicht nur das Unternehmen, sondern auch das Bewusstsein der jeweiligen Bevölkerung muss sich ändern. Außerdem ist Nintendo eine japanische Firma und obwohl man in Japan seit Jahrhunderten mit Homosexualität einen lockeren Umgang pflegt, gibt es in Japan ein Gesetz, das homosexuelle Ehen nicht ermöglicht. Selbst in Deutschland ist es nicht erlaubt, dass homosexuelle Pärchen Ehen eingehen dürfen. Ihr Zusammenleben ist in Deutschland nur als eingetragene Lebenspartnerschaft möglich. Nintendo möchte sich mit dem Patch sicherlich nicht gegen Homosexuelle richten, da man auch immer wieder betont, dass man Spiele produziert, die jedem Spaß machen sollen. In Zukunft wird man sich jedoch zweimal überlegen, wie man mit dieser Thematik umgeht. Ein Dialog ist hier wichtig! Trotz dieses Fauxpas ist Tomodachi Life kein Rückschritt, sondern ein Stillstand. Jedoch ein Stillstand, der mit seinen witzigen Ideen alle paar Minuten ein Lächeln auf unser Gesicht und das unserer Miis zaubert. Entweder sind die Dialoge zwischen unseren Freunden so komisch, dass sie keinen Sinn ergeben oder Geschenke, die wir erhalten, einfach nur sehr kurios sind.

Humor für Wahnsinnige

Tomodachi Life (6)Wenn wir in Minispielen nach dem Memory-Prinzip oder dem Erraten von Bildern im Spiel den Kürzeren ziehen, erhalten wir als Geschenk gerne mal eine Rolle Klopapier. Gewinnen wir, bekommen wir zwar schon mal Gegenstände wie Discokugeln, aber selbst ein Töpfchen inklusive Klobrille kann dann und wann schon mal in unser Repertoire wandern. Entweder können wir diese Schätze an unsere Freunde verschenken oder sie beim Pfandleiher für viele Euros verhökern. Je mehr Miis sich auf der Insel niederlassen und je mehr Probleme wir von ihnen lösen, desto mehr Gebäude sind auf dem Eiland zugänglich. Beim Brunnen können alle Bewohner täglich ein paar Euros in ein Sparschwein werfen, welches wir anschließend sofort plündern dürfen und beim Funkturm können wir uns die Mii-Nachrichten anschauen. Dabei erkennt man sofort, dass es sich bei Tomodachi Life um ein typisch japanisches Spiel handelt. Die News werden fast immer von einem anderen Mii moderiert und gezeigte Umfragen sind mit den anderen Inselbewohnern aufgenommen beziehungsweise zusammengeschnitten. Hier kommt der Humor des Spiels ebenfalls zur Geltung, weil die gesprochenen Dialoge der Mii im Kontext urkomisch sind. Deshalb halten wir es für besonders wichtig, sich an den echten Vorbildern der Miis am Charakter zu orientieren, um allseits bestens unterhalten zu werden.

Plappernde Miis

Tomodachi Life (7)Ein offensichtliches Vorbild von Tomodachi Life ist unverkennbar die Die-Sims-Reihe aus dem Hause Electronic Arts. Nintendo fokussiert sich jedoch mehr auf die Beziehungen. Die Sims sprechen zwar auch Bände, nur verstehen tun wir sie nicht. Bei Tomodachi Life ist es jedoch so, dass die Miis durchgehend vertont sind. Beim Erstellen des Miis verpassen wir der Figur nämlich eine (in einem gewissen Rahmen) frei personalisierbare Stimme, die sich etwa in Tonhöhe oder Sprechgeschwindigkeit unterscheidet. Schön hört sich das aber in fast keiner Einstellung an, da die technischen Möglichkeiten bei dieser vorhandenen Individualität sehr schnell an ihre Grenzen kommen. Die optische Gestaltung des Spiels passt zu den schrulligen Miis, doch etwas frischer könnte die Grafik schon wirken. Das ist vor allem deswegen schade, weil wir das Spiel nur aus der Position des Spielers und nicht eines Miis erleben. Gerne hätten wir die Insel zu Fuß erkundet. Dafür gibt es Ablenkung von Besuchern via StreetPass und via SpotPass kann unsere Insel Waren exportieren. Tomodachi Life kann jeden Tag für ein paar Minuten unterhalten, doch bietet der Titel in unseren Augen zu wenig Abwechslung. Man hätte nur einmal ins eigene Repertoire schauen müssen und Animal Crossing als ein weiteres Vorbild nehmen können. So bleibt leider nur eine recht abwechslungsarme Realitätsflucht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Als Tomodachi Life eines Nachmittags im Rahmen einer Ausgabe von Nintendo Direct für Europa angekündigt wurde, habe ich den Titel noch nicht richtig wahrgenommen. Erst in den darauffolgenden Wochen habe ich mich immer ein wenig mehr über das Spiel informiert, zumal es aufgrund des Patches auf die Version 1.1 ohnehin in den Medien von allen Seiten kritisiert wurde. Es kommt mir so vor, dass Tomodachi Life aufgrund dessen von diesem kleinen Skandal auf dieses Spielelement reduziert und als Vermittler von alten Werten gesehen wird. Ich denke nicht, dass dies das Ziel von Tomodachi Life ist. Nintendo möchte mit den eigenen Spielen eine breite Käuferschicht ansprechen und Spiele produzieren, die jedem Spaß machen. Man kann Nintendo nur ankreiden, wie man im Dialog mit der Bezeichnung von homosexuellen Beziehungen umgegangen ist. Nur bietet Tomodachi Life neben dem Schließen von Ehen noch viele weitere Features, die wesentlich wichtiger für das Verständnis des Spiels sind. Es geht um Freundschaften zwischen den Miis; um zwischenmenschliche Beziehungen zwischen ihnen, die mit lustigen Dialogen in urkomischen Situationen einfach nur abgedreht sind. Leider unterhält der Titel trotz seines tollen Humors nicht lange am Stück. Tomodachi Life zielt darauf ab, über einen längeren Zeitraum immer wieder kurz eingelegt zu werden. Egal wie das eigene Leben läuft, Tomodachi Life zaubert ein Lächeln ins Gesicht!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Tomodachi Life!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s