Review: Legends of the Condor Heroes – Die Legende der Adlerkrieger

Regisseur Xú Kè, besser bekannt als Tsui Hark, verfilmte 2025 ein weiteres Mal einen Roman des chinesischen Schriftstellers Zhā Liángyōng beziehungsweise Jīn Yōng. Diesmal hat es das 1957 bis 1959 entstandene Historienwerk Shèdiāo Yīngxióng Zhuàn getroffen.

Legends of the Condor Heroes – Die Legende der Adlerkrieger ist ein überaus gutes Beispiel dafür, wie ein filmisches Werk wohl eher nicht mit einem Titel übersetzt und vermarktet werden sollte. Schon beim Titel des Historienfilms zeigt sich der Übersetzungswahnsinn für den absurden deutschen Filmtitel. Der chinesische Originaltitel Shèdiāo Yīngxióng Zhuàn bedeutet grundsätzlich so viel wie Die Legende der Krieger, die Adler schießen. Aus den Steinadlern, die in der mongolischen Steppe, welche als Handlungsort dient, heimisch sind, wurden im englischen Titel Kondore gemacht, obwohl diese nur in Nord- und Südamerika beheimatet sind. Tatsächlich geht dies auf einen bewusst gemachten Übersetzungsfehler der englischen Übersetzung zurück, da Kondore majestätischer seien. Warum der Fehler dann jedoch auch dem deutschen Publikum derart vor die Stirn geknallt wird, animiert nur zum Kopfschütteln. Dass der deutsche Untertitel Die Legende der Adlerkrieger, welcher der deutschen Romanübersetzung entspricht, dann keinen Sinn mehr ergibt, scheint den Verantwortlichen ganz egal gewesen zu sein. Sich über solche Missstände aufzuregen, zeigt nur einmal mehr, wie es um den angeblichen deutschen Geschmack für Filmtitel bestellt ist. Aufregen hilft in diesem Falle aber nur wenig, denn abgesehen von diesem Fauxpas, kann der Film durchaus begeistern.

Wirrer Einstieg vor der Fahrtaufnahme

Für Tsui Harks Film ist die fehlerhafte Übersetzung unerheblich, denn Fans von chinesischen Historienfilmen, die auch der obligatorischen Prise an Martial-Arts-Szenen und einem kleinen Schuss Fantasy-Ästhetik nicht abgeneigt sind, werden mit Legends of the Condor Heroes ihre wahre Freude haben. Inhaltlich orientiert sich das Werk am Roman und folgt überwiegend der Geschichte des fiktiven Kriegers Guō Jìng. In einer Zeit, in der Krieg zwischen den chinesischen Dynastien herrscht und das Mongolenreich an Macht gewinnt, steht er als Angehöriger beider Ethnien zwischen mütterlicher Pflicht und väterlicher Herkunft. Er ist auf der Suche nach Huáng Róng, einer jungen Frau, die er einst verließ, da ihr Vater mutmaßlich seine alten Lehrmeister ermordet hat. Inzwischen wurde sie von Antagonist Ōuyáng Fēng gefangen genommen, der im Verlauf der Filmhandlung einen Zwist gegenüber Guō Jìng entwickelt, der ein mächtiger Kampfkünstler werden will und auch Ōuyáng Fēng für dieses Vorhaben besiegen muss. Tatsächlich ist die Geschichte anfangs sehr wirr gestaltet und es benötigt ein wenig Sitzfleisch, um in die Handlung von Legends of the Condor Heroes einzusteigen. Gerade der Mittelteil des zweieinhalbstündigen Films überzeugt jedoch mit einer absolut nachvollziehbaren, schnellen und flüssigen Story – inklusive Drama um Liebe, Eifersucht und Ehrgefühl.

Tolles Casting, maue Technik

Wer sich einmal im Film verloren hat, kommt so schnell nicht mehr aus dem Staunen heraus. Im Gegensatz zu langatmigen chinesischen Historienfilmen kann der Film mit seiner rasanten Handlung durchaus punkten. Nicht unschuldig daran sind auch die Schauspieler, welche ihre Rollen mit viel Liebe verkörpern. Xiào Zhàn mimt den pflichtbewussten Guō Jìng, die gerade aus chinesischen Dramen bekannte Darstellerin Zhuāng Dáfēi ist als mutige Huáng Róng zu sehen, und die zuletzt noch in Shadow Chase: Im Netz der Diebe zu sehende Schauspiellegende Liáng Jiāhuī stand in Legends of the Condor Heroes als Ōuyáng Fēng vor der Kamera. Das Casting ist also durchaus gelungen. In technischer Hinsicht ist Tsui Harks Film allenfalls mittelprächtig geworden. So überzeugen zwar durchaus die opulenten Hintergründe, bei denen jedoch zu häufig klar erkennbar ist, dass sie durch Chroma Keying künstlich erzeugt worden sind. Auch die Effekte hauen einen nicht wirklich vom Hocker. Dafür entschädigen wiederum die tollen zeitgenössischen Kostüme. Über alle Zweifel erhaben ist jedoch der Soundtrack. Die Musik geht sofort ins Ohr und überzeugt mit abwechslungsreichen wie schwungvollen Stücken. Dass im Bonusmaterial der Blu-ray Disc jedoch nur der originale Filmtrailer enthalten ist, versetzt Legends of the Condor Heroes abschließend einen letzten Dämpfer.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Legends of the Condor Heroes – Die Legende der Adlerkrieger hat mich trotz des dämlichen deutschen Filmtitels weitgehend überzeugt. Zumindest inhaltlich macht der Film Laune, denn so wirr die Geschichte anfangs beginnt, so sehr festigt sie sich im Verlauf der zweieinhalbstündigen Laufzeit. Die Verknüpfungen ergeben auf einmal Sinn und auch die Charaktere sind überwiegend echte Sympathieträger, was nicht zuletzt am tollen Casting und den grandiosen zeitgenössischen Kostümen liegt. Xiào Zhàn, Zhuāng Dáfēi und Liáng Jiāhuī spielen ihre Rollen wirklich großartig. Mitreißend ist auch die musikalische Untermalung, die sich den gesamten Film über nicht abnutzt und mir immer wieder neue Höhepunkte ins Ohr trällert. Enttäuschend ist jedoch, für mich wenig überraschend, die Technik. So opulent die Umgebungen wirken, so schnell fallen auch die Tricksereien auf, um dies zu ermöglichen. Hätte ich hierfür noch Verständnis, können die meist mauen Effekte nur ein müdes Lächeln bei mir hervorrufen. Auch dass ich nach dem Anschauen des Films lediglich mit dem originalen Filmtrailer im Bonusmaterial abgespeist werde, spricht nicht gerade für eine ordentliche Kuration des Films. Legends of the Condor Heroes möchte ich Fans von chinesischen Historienfilms, die über die angesprochenen Defizite hinwegsehen können, aufgrund des hohen Erzähltempos, ohne dass dabei irgendeine Form des Leerlaufs eintritt, trotzdem empfehlen. Ihr werdet auf jeden Fall Spaß haben.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Legends of the Condor Heroes – Die Legende der Adlerkrieger!

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