Review: Berserk and the Band of the Hawk

berserk-and-the-band-of-the-hawk-1Seit 1989 ist das Berserk-Franchise nicht mehr aus der Manga-Welt wegzudenken. Seither wurden weltweit unzählige Bände über den Schwertschwinger Guts veröffentlicht. Nach über anderthalb Jahrzehnten erschien in Europa auch endlich ein neues Videospiel der Reihe.

berserk-and-the-band-of-the-hawk-2In Berserk and the Band of the Hawk schlüpfen wir in die Rolle des Söldners Guts und ziehen mit ihm von einem Schlachtfeld zum nächsten. Während eines Kampfs mit dem Krieger Griffith werden wir so stark verwundet, dass wir von ihm beziehungsweise seiner Gefolgsfrau Casca verarztet werden. Während eines Duells beschließt Griffith, dass wir Teil seiner Truppe werden sollten. Somit gehören wir fast von Beginn der Story zur titelgebenden Bande. Das Spiel umfasst insgesamt sechs große Story-Abschnitte der Berserk-Handlung. So erleben wir unter anderem die Schlachten, die im so genannten und dreigeteilten The Golden Age Arc zwischen zwei Königreichen ausgetragen werden. Es folgt der Black Swordsman Arc, der Conviction Arc und der Falcon of the Millenium Empire Arc. Anstatt mit menschlichen Widersachern, nehmen wir es hier in der Regel mit Untoten, Trollen und beschwörten Bestien auf. Hinzukommen Räuber und Banditen, die uns das Leben schwer machen wollen. Leider wird die Handlung durchweg mit drei verschiedenen Stilmitteln vorangetrieben. Während die Story im Golden Age Arc zwischen den Schlachten und Kämpfen mit minutenlangen Anime-Sequenzen glänzen kann, fehlen diese ab der zweiten Spielhälfte komplett. Hier müssen wir mit Zwischensequenzen in schwacher Spielgrafik und vorgerenderten Szenen Vorlieb nehmen.

Schlachtgewusel

berserk-and-the-band-of-the-hawk-3Beim Gameplay gibt es hingegen kaum nennenswerte Abweichungen. Wer schon einmal ein Spiel des Musō-Prinzips, also Titel wie Samurai Warriors 4 gespielt hat, wird sich in Berserk and the Band of the Hawk schnell zurechtfinden. Hauptsächlich geht es nämlich darum, tausende Feinde gleichzeitig zu bekämpfen. Sonderlich schwierig darf man sich das aber nicht vorstellen, da unser Charakter wesentlich stärker als die angreifenden Truppen ist. Mit ein bis zwei Schlägen ist ein Gegner in der Regel erledigt und da unser Angriffsradius locker eine zweistellige Gegneranzahl erwischen kann, gehen unsere auf einem Kombinationssystem basierende Attacken spielend von der Hand. Hin und wieder tauchen wichtigere und somit stärkere Gegner auf dem Schlachtfeld auf. Diese halten einige Treffer mehr aus und können auch an unserer Lebensenergieleiste kratzen. Damit diese Gegner im Gewusel nicht untergehen, können wir sie auch anvisieren. Wer aber auch so gut mit der Steuerung umgehen kann, darf auf das Lock-on-Feature verzichten. Besonders bei Bossgegnern, die gerne mal auf uns losstürmen wollen, funktioniert das Ausweichen ohne Anvisierfunktion wesentlich angenehmer. Neben dem Abschlachten von Gegnern müssen wir auch verschiedene Missionsziele, wie das Erreichen eines Zielpunkts unter Zeitdruck oder das Beschützen von Zivilisten, abarbeiten.

Mit aller Macht

berserk-and-the-band-of-the-hawk-4Um nicht in die Bredouille zu geraten, können wir nach dem Besiegen einer bestimmten Anzahl von Feinden und somit dem Füllen unserer Frenzy-Anzeige auch Spezialfähigkeiten aktivieren. Im Frenzy-Modus können wir kurzzeitig Energie für einen Death-Blow-Angriff sammeln, der bei unseren Gegnern verheerenden Schaden anrichtet. Gegen Ende des Spiels wird dieser Modus sogar um eine noch mächtigere Funktion ausgestattet, über die wir an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen aber nichts verraten wollen. Kenner der Manga-Vorlage dürfen aber sehr gerne schmunzeln. Für besiegte Feinde und erledigte Missionsziele erhalten wir zum einen Erfahrungspunkte, die den Level von Guts oder einem seiner Verbündeten erhöhen. Zum anderen erhalten wir in der Schlacht auch Materialien, Accessoires und Gold. Letzteres dürfen wir zwischen den Kämpfen für neuen Schmuck ausgeben, den wir entweder equipieren oder ihn gar mit vorhandener Ausrüstung verschmelzen können. Das verbessert die Boni, die wir auf Angriff, Verteidigung und Co erhalten, genauso wie das Verbrauchen von Edelsteinen für die Ausrüstungsgegenstände. In Berserk and the Band of the Hawk haben wir tatsächlich gemerkt, dass sich die Boni mit fortlaufender Spielzeit auszahlen. Mit wesentlich stärkeren Angriffen und mehr Lebensenergie können brenzlige Situationen besser gehandhabt werden.

Spiel für Einsteiger und Fans

berserk-and-the-band-of-the-hawk-5Optisch ist der Titel ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite gefallen uns die hübschen und langen Anime-Sequenzen in der ersten Spielhälfte. Auf der anderen Seite haben im normalen Spielfluss matschige Texturen und die in Spielgrafik gestalteten Zwischensequenzen, besonders die dürftigen Mimik- und Gestikversuche der Spielfiguren, die Oberhand. Hier wirkt der Titel wie ein frühes PlayStation-3-Spiel, das immerhin sehr flüssig läuft, viele Gegner gleichzeitig darstellt und sich mit erfreulich kurzen Ladezeiten präsentiert. Akustisch bietet der Titel einen kräftigen Soundtrack, der sämtliche Situationen passend unterlegt. Vor allem die Siegesfanfare kann uns begeistern, da wir sie schon beim zweiten Mal mitsummen können. Inhaltlich muss sich der Titel den Vorwurf gefallen lassen, ständig das gleiche Gameplay, selbst im Endless-Eclipse-Modus, in dem wir quasi gegen eine unendliche Gegneranzahl kämpfen, zu präsentieren. Wir schnetzeln uns nur durch Gegnerhorden und da es nur selten neue Missionsziele gibt, die in der Regel ohne große Anstrengungen und meistens auch im Vorbeilaufen erledigt werden können, beschränken sich Herausforderungen auf ein Minimum. Wer gefordert werden will, sollte zur Dynasty-Warriors-Reihe greifen, auf dessen Konzept Berserk and the Band of the Hawk basiert. Wer Fan der Vorlage ist und zumindest eine in der ersten Spielhälfte tolle Handlung erleben will, kommt um den Titel sicher nicht herum.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Ich kann und will mich an den Titeln, die auf dem aus Dynasty Warriors und Samurai Warriors bekannten Musō-Prinzip basieren, einfach nicht satt spielen. So hat mir auch Berserk and the Band of the Hawk von der ersten Minute an gefallen. Das liegt aber vor allem daran, dass die erste Spielhälfte durch sehr hochwertige, sehr lange und vor allem interessante Anime-Sequenzen vor, nach und sogar während der Schlacht erzählt wird. Hier merke ich richtig, wie viel Liebe in die Ausarbeitung der Handlung geflossen ist. Ab der zweiten Spielhälfte setzt der Titel auf einmal ein ganz anderes Gesicht auf. Zwischensequenzen in Spielgrafik und nur wenige vorgerenderte Szenen können das stimmige Anime-Bild einfach nicht ersetzen. Ich merke sogar, wie die Handlung dabei an Fahrt und Dynamik verliert. Dadurch, dass ständig neue Charaktere, die nur wenig zur plötzlich wesentlich düsteren Stimmung beitragen, eingeführt werden, dümpelt die Story stundenlang vor sich hin. Ein nicht ganz unwesentlicher Fakt, da der Story-Modus zwanzig Stunden lang unterhalten will. Schlussendlich hatte ich dennoch meinen Spaß mit Berserk and the Band of the Hawk. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass das Gameplay keine Bäume ausreißt und Titel wie Samurai Warriors 4 wesentlich komplexer sind. Es handelt sich wie bei Hyrule Warriors und Arslan: The Warriors of Legend eher um einen Titel, der vor allem für Fans der Vorlage und zum Einstieg ins Genre gedacht sind, denn genau in dieser Hinsicht kann auch Berserk and the Band of the Hawk dutzende Stunden lang unterhalten.

Vielen Dank an Koei Tecmo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Berserk and the Band of the Hawk!

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