Review: Samurai Warriors 4

Samurai Warriors 4 (1)Wer denkt, dass Japan seit jeher ein geeintes Kaiserreich war, irrt sich gewaltig. Im Lauf der Jahrhunderte durchlebte das Land eine Epoche der Umwälzung. Gemeint ist die Sengoku-Zeit, welche in Samurai Warriors 4 abermals als Kulisse zum Schnetzelfest benutzt wird.

Samurai Warriors 4 (2)Als das Ashikaga-Shōgunat spätestens Ende des 15. Jahrhunderts an Bedeutung verloren hatte, zerfiel das Land in mehrere Provinzen, an deren Spitze die so genannten Daimyō standen. Die Macht eines solchen Lokalherrschers konnte in Form von Besitz und Militärstärke gemessen werden. Mehr als einhundert Jahre lang bekriegten sich die Daimyō untereinander, um ihren Einfluss zu vergrößern. Es konnte allerdings bis zum Jahr 1560 keine eindeutige Entwicklung der Kämpfe ausgemacht werden. Erst als der Daimyō Imagawa Yoshimoto beschließt, Kyōto einzunehmen, überrascht der vorher unauffällige Oda Nobunaga. Mit einer nur zweitausend Mann starken Armee gelingt es ihm, Imagawas Heer aus 25.000 Mann zu besiegen. Er merkt, welch Stratege in ihm steckt und beginnt mit der Reichseinigung Japans. Es dauert allerdings noch bis zum Jahr 1603, bis man tatsächlich davon sprechen kann, dass Japan geeint ist. Das Spiel Samurai Warriors 4 befasst sich vor allem mit den letzten fünfzig Jahren der Zeit der Streitenden Reiche. Wir schlüpfen unter anderem in die Haut von den drei Reichseinigern, Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu. Insgesamt warten 55 Charaktere darauf, von uns in die verschiedenen Schlachten geführt zu werden. Alle Persönlichkeiten, die in Samurai Warriors 4 vorkommen und ebenso spielbar sind, haben tatsächlich existiert.

Schlachtengetümmel

Samurai Warriors 4 (3)Samurai Warriors 4 ist in verschiedene Spielmodi aufgeteilt. Im Story-Modus wählen wir uns zunächst eine von mehreren Legenden aus, die sich dann mit einem speziellen Charakter wie Mōri Motonari oder Sanada Nobuyuki befassen. Anschließend wählen wir die Schlacht und die Kämpfer aus, die wir in den Kampf führen wollen. Je nachdem für welche Helden wir uns entscheiden, verändern sich die Dialoge vor und nach der Schlacht geringfügig. Wer absolut nichts verpassen will, kommt um das mehrmalige Durchspielen der meisten Schlachten also nicht herum. Die kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Feld laufen nach dem Schema ab, wie wir es schon aus Spielen wie Hyrule Warriors oder aus anderen Titeln mit dem Musō-Spielprinzip kennen. Das heißt, dass wir uns durch unzählige Gegnerhorden kämpfen. Wenn wir unzählig schreiben, meinen wir das auch so. Während jeder Schlacht schicken wir so viele Gegner ins virtuelle Nirwana, dass der Zähler in den Tausenderbereich wandert. Diese Feinde sind natürlich nur Statisten, doch unter ihnen warten auch historische Persönlichkeiten auf uns, die aus dem Weg geräumt werden müssen. Während wir über das Schlachtfeld laufen, ertönen neue Befehle auf dem Bildschirm. Zum Beispiel soll verhindert werden, dass sich zwei Feinde auf dem Schlachtfeld begegnen, damit die gegnerische Truppenmoral nicht ansteigt.

Routine-Einsatz

Samurai Warriors 4 (4)Zum Glück sind wir immer mit zwei Charakteren gleichzeitig unterwegs. Wenn also plötzlich auf der anderen Seite des Schlachtfelds unsere Hilfe benötigt wird, wir aber immer noch mit einem anderen Problem zu kämpfen haben, schicken wir einfach unseren Kumpanen an diese Stelle. Oft agiert die künstliche Intelligenz unseres Mitstreiters hervorragend, sodass sich der automatisch an den Zielort begibt. Sobald dieser am Ziel angekommen ist, wechseln wir auf Knopfdruck zu ihm. Manchmal fragen wir uns aber, ob dieser den Befehl überhaupt erhalten hat. Sollten wir nämlich in einem Gebiet unterwegs sein, wo die Truppenmoral des Gegners noch besonders hoch ist, müssen wir uns selbst auf unbedeutende Gegner konzentrieren. Da helfen wir unserem Mitstreiter schon, den richtigen Weg einzuschlagen und wenige Sekunden später steht dieser plötzlich neben uns; und auf einmal sind die zwei Minuten für den Bonus abgelaufen. Das ist zwar ärgerlich, doch beim nächsten Mal machen wir es dann eben selbst, zumal sich auch schnell Routine einstellt. Schnell die wichtigen Gegner ausschalten, auf dem Weg die tückischen Bannerträger zur Senkung der gegnerischen Moral beseitigen und auch darauf achten, alle Edelsteine und Waffen einzusammeln. Diese beiden Objekte miteinander kombiniert ergeben nämlich äußerst effektive Wundermittel gegen unsere Feinde. Hurra!

Popkulturelle Einflüsse

Samurai Warriors 4 (5)Mit verbesserten Waffen steigern wir unsere Kampfwerte, können Spezialangriffe effektiver einsetzen, generieren bei allen hundert besiegten Gegnern ein wenig unserer Lebensenergie oder fügen den Feinden sogar elementaren Schaden zu. Hier wird deutlich, dass das feudale Japan nicht sehr realistisch eingefangen wird. Vor allem wirken die meisten Charaktere mit dem Auftreten eines J-Pop-Stars etwas deplatziert. Manche schlagen passend dazu gar mit Instrumenten um sich. Das nimmt ebenso viel von der ernsten Atmosphäre wie die Dialoge zwischen den Charakteren, die gelegentlich mit teilweise unpassendem Humor aufgelockert werden sollen. Trotzdem machen die popkulturellen Einflüsse so viel Spaß wie bei Ganbare-Goemon-Ablegern, weshalb wir dem Titel das gerne verziehen. Wir merken aber dennoch, dass die Waage zwischen Humor und Ernsthaftigkeit besonders bei den Toden der Charaktere Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi nicht gehalten werden kann. Davon abgesehen, ist in Samurai Warriors 4 alles enthalten, was wir uns für das Einfangen der Zeit der Streitenden Reiche wünschen. Hauptaugenmerk des Spiels ist der romantisierte Krieg. Von der Schlacht von Itsukushima bis hin zur Belagerung von Ōsaka werden alle wichtigen Schlachten der Zeit vorgestellt. Bei der Schlacht von Sekigahara dürfen wir sogar auf beiden Seiten antreten.

Drei Plattformen, ein Spielstand

Samurai Warriors 4 (6)Neben dem Story-Modus wartet auch noch der Chronicle Mode auf uns. Hier dürfen wir aus Teilen eines Baukasten einen eigenen Helden erstellen, der dann von Tokugawa Ieyasu oder anderen Daimyō durchs Land geschickt wird, um wichtige Persönlichkeiten kennenzulernen. In beiden Spielmodi schalten wir neue Charaktere frei, die wir dann im Free Mode verwenden können. Da dürfen dann auch Legenden Schlachten schlagen, bei denen sie unterlagen oder längst das Zeitliche gesegnet haben. Optisch brilliert der Titel auf der PlayStation 4 mit einer konstant hohen Bildwiederholungsrate und sauberer Kantenglättung. Einzig und allein den Texturen und Gesichtsanimationen merkt man an, dass sie ursprünglich für die PlayStation 3 entwickelt worden sind. Apropos PlayStation 3: Besitzt ihr das Spiel auch für diese Konsole oder die tragbare PlayStation Vita, dürft ihr die Spielstände mit den anderen beiden Versionen synchronisieren. Wer also auch unterwegs schnetzeln will, muss keine Angst davor haben, die Errungenschaften auf zwei Plattformen unabhängig voneinander freizuspielen. So macht das Schnetzelfest bei der tollen japanischen Musik ungleich viel mehr gute Laune. Nach zwanzig Spielstunden kann das Musō-Prinzip von Koei Tecmo zwar ermüden, doch wer genau dann einen Freund zum lokalen oder Online-Mehrspielermodus einlädt, findet den Langzeitspaß!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Früher konnte ich nie so wirklich die Faszination für Dynasty Warriors, Samurai Warriors und Konsorten verstehen. Nachdem ich aber im letzten Sommer Hyrule Warriors regelrecht genossen habe, hat mich Koei Tecmo anscheinend erfolgreich in die Welt der turbulenten Schnetzelorgie eingeführt. Natürlich ist das Gameplay von Samurai Warriors 4 mit der Zeit recht eintönig, doch trotzdem macht das Spielprinzip zwischendurch immer wieder Spaß und ganz besonders kooperativ mit einem Freund kann das Abschlachten ganzer Heerscharen motivieren. Es sind lediglich die kleinen Dinge, an denen die Entwickler unbedingt schrauben sollten. Gelegentliche Aussetzer der künstlichen Intelligenz der Mitstreiter stören, das Verhalten von Computergegnern könnte wesentlich besser und die zu erledigenden Aufgaben vielfältiger. Positiv hervorheben möchte ich, dass das Aufpoppen der Gegner nicht so stark ins Gewicht fällt, wie bei Hyrule Warriors. So kann ich die Gegner schon aus weiter Ferne sehen und mich auf sie einstellen. Mir würde es sehr gefallen, wenn sich die Architektur der Schlachtfelder verändern lassen könnte. Hin und wieder gibt es zwar Karten, auf denen eine Flut eintritt und diese bestimmte Bereiche unpassierbar macht, doch ist das leider nur die Ausnahme. Wer mit den Vorgängern bereits Spaß hatte, wird vielleicht nicht so viel Neues entdecken, aber wer das Musō-Spielprinzip kennenlernen möchte, erfährt mit Samurai Warriors 4 eine sehr gute und vor allem trotz der englischen Bildschirmtexte eine leicht verständliche Einführung in das sehr große Franchise.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Samurai Warriors 4!

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