Review: Samurai 7

samurai-7-1In Japan konnte die 26-teilige Anime-Serie Samurai 7 bereits im Jahr 2004 Fans der Filmvorlage von Kurosawa Akira begeistern. Die Veröffentlichung folgte hierzulande recht schnell, doch eine Gesamtausgabe blieb man deutschen Fans des Animes bis Anfang 2017 schuldig.

samurai-7-2Als der 1998 verstorbene Regisseur Kurosawa Akira 1954 den Film Die Sieben Samurai drehte, ahnte er wohl noch nicht, welchen Einfluss sein Werk auf die US-amerikanische Filmindustrie und auch auf die Anime-Landschaft haben würde. So dreht sich in Samurai 7 alles um die titelgebenden Samurai. Angesiedelt ist die Geschichte allerdings nicht im feudalen Japan, sondern auf einem weit entfernten und nicht näher definierten Planeten, der jedoch japanische Merkmale aufweist. Nachdem sich die Samurai blutige Kriege geliefert haben und Frieden eingekehrt ist, können die abermals leidtragenden Bauern, auf dessen Ländern die Schlachten ausgetragen wurden, nicht an Ruhe und ein gemütliches Leben denken. Räuber ziehen durchs Land und beuten die Bauern aus, indem sie wie einst die Samurai ihren Reis konfiszieren. Nach Jahren beschließen die Bewohner des Dorfs Kanna, dass sie sich gegen die Räuber wehren müssen und suchen in der Stadt nach sieben Samurai, die für ihre Sache kämpfen wollen. An diesen Tatsachen lässt sich erkennen, dass Samurai 7 die Geschichte von Kurosawas Film nacherzählt, sie aber nicht kopiert und in einen größeren Zusammenhang einbettet. So wird die dargestellte Cyberpunk-Welt mit gierigen Konzernen und einem verrückten Widersacher, der das oberste politische Amt anstrebt und nicht vor Entführung zurückschreckt, ergänzt.

Künstlerische Gestaltung

samurai-7-3Der Zeichenstil von Samurai 7 ist grundsätzlich zwar gelungen, doch gibt es ein paar kleinere Mängel. Hier stechen vor allem die meist schwachen Animationen heraus. So hätten den Bewegungen der Figuren ein paar Bilder mehr gut getan und die dreidimensionalen Objekte, allen voran Luftschiffe und Samurai-Roboter, wirken gerne mal etwas deplatziert. Obwohl die Charaktere stets abwechslungsreich gestaltet wurden, sind sie nicht sehr stark ausgearbeitet. Es fehlt an einigen Stellen an Details und andere Merkmale sind wiederum überdeutlich dargestellt. Das fällt aber kaum auf, da man viele Szenen mit diffusem Licht ausstaffiert hat. Auf künstlerischer Ebene haben die Köpfe beim Animationsstudio Gonzo damit sogar die düstere Grundstimmung, die in der Anime-Serie fast durchweg vorherrscht, eingefangen. Das merken wir auch an der Musik von Hayashi Eitetsu und Wada Kaoru, die vor allem in bedrohlichen Situationen mit kräftigen Tönen und Klängen punkten kann. An manchen Szenen, in denen auf Humor nicht verzichtet werden kann, stützt man sich auch auf fröhliche Musik, um die Anspannung etwas zu lockern. In puncto Synchronisation ist sowohl die deutsche, als auch die japanische Tonspur gelungen. Wer deutsche Stimmen aktiviert hat, muss aber damit leben, dass viele Namen und selbst der Begriff Samurai generell falsch ausgesprochen werden.

Dicker Schuber, dünnes Bonusmaterial

samurai-7-4Veröffentlicht wurde die Complete Edition von Samurai 7 in einem recht stabilen Schuber, dessen Außenhülle aber vielleicht etwas zu dünn geraten ist. Herausgezogen und aufgeklappt bietet der Inhalt des Schubers auf der linken Seite fünf DVDs und auf der rechten Seite finden sich drei Blu-ray Discs. Beide Fassungen beinhalten auf den unterschiedlichen Datenträgern jeweils alle 26 Episoden der Anime-Serie. Eine Einzelveröffentlichung auf DVD oder Blu-ray Disc erfolgte seitens Publisher Nipponart nicht. Zwar ist die Gesamtausgabe im Verhältnis zu anderen (und kürzeren Anime-Serien) durchschnittlich mit sechzig bis siebzig Euro preislich sehr human angesetzt, doch wäre eine getrennte Veröffentlichung beider Datenträger für den Kunden sehr viel günstiger. Wir finden es schade, dass man Samurai 7 so unter die Kunden bringen möchte, zumal sich Filmveröffentlichungen von Hollywood-Blockbustern durch die gemeinsame Vermarktung von DVD und Blu-ray Disc in einer Schachtel in der Vergangenheit ohnehin nicht mit Ruhm bekleckert haben. Dafür bietet der übergroße Schuber mehr Platz für schöne Artworks, die den Zeichenstil wunderbar einfangen. Zudem finden wir noch ein Poster und einen Aufkleber in der Box – das Standard-Bonusmaterial von Titeln aus dem Hause Nipponart. Digitales Bonusmaterial ist auf den acht Datenträgern leider nicht enthalten.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Als großer Fan der Filmvorlage habe ich mich sehr auf die Veröffentlichung der Anime-Version gefreut. Anders wie in Die sieben Samurai hat man die Geschichte in einen größeren Kontext eingebettet. Im Grunde erzählen nur die Episoden im Mittelteil den Kampf zwischen den Samurai und den Räubern. Vor der entscheidenden Schlacht werden die Grundlagen der eigentlichen Handlung gelegt, die am Ende schließlich wieder aufgegriffen werden und den Anime in einem ganz anderen Licht erstrahlen lassen. Natürlich hätte man die gesamte Handlung auch in einen abendfüllenden Anime-Film packen und sich somit vielleicht etwas näher am Original orientieren können, doch so bietet man auch jenen Zuschauern einen Anreiz, die Kurosawas Meisterwerk bereits kennen. Inhaltlich kann die Geschichte trotz einiger zäher Stellen durchaus punkten. Auf der technischen Seite gibt es allerdings kleine Defizite wie schwache Animationen und deplatziert wirkende dreidimensionale Objekte. Außerdem finde ich es schade, dass man bei der Dialogregie anscheinend geschlafen hat. Viele Namen und selbst das Wort Samurai werden in der deutschen Fassung durchweg falsch ausgesprochen, weshalb ich trotz gut gewählter Synchronsprecher zur japanischen Synchronfassung raten möchte. Auch dass es kein digitales Bonusmaterial gibt, finde ich bei einer Gesamtausgabe bedauerlich. Vor allem da Regisseur Takizawa Toshifumi im Jahr 2015 verstorben ist, hätte man ihn und sein Werk hier ehren können. Dennoch sollte man sich von den Defiziten nicht abschrecken lassen, da der Anime viele Qualitäten hat, die man nicht unterschätzen darf. Alleine um Szenen, die aus dem Film stammen und neu interpretiert worden sind, zu sehen, lohnt sich mehr als nur ein Blick auf Samurai 7!

Vielen Dank an Nipponart für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Samurai 7!

© 2004 AKIRA KUROSAWA/SHINOBU HASHIMOTO/HIDEO OGUNI/NEP·GONZO (Abbildungen)

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