Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 10)

Im altbekannten Veröffentlichungszyklus von zwei Monaten erschien die zehnte Volume der Anime-Serie Crayon Shin-chan im März 2026 auf DVD. An der Gestaltung des Episodenpakets durch Herausgeber Polyband Anime hat sich auch beim zehnten Mal nichts geändert.

Aus der japanischen Fernsehlandschaft ist der fünfjährige Nohara Shinnosuke nicht mehr wegzudenken. Das Werk des 2009 verstorbenen Manga-Künstlers Usui Yoshihito hat in den frühen 1990er-Jahren ein Phänomen geschaffen, das außerhalb des Landes der aufgehenden Sonne weniger als Manga, doch umso mehr als Anime große Bekanntheit erlangt hat. Obwohl der Erfolg in den frühen 2000er-Jahren, als die Anime-Serie hierzulande das erste Mal ausgestrahlt wurde, aufgrund der nordamerikanischen wie verstückelten Vorlage nur von sehr kurzer Dauer war, häufen sich Shin-chans Auftritte in den 2020er-Jahren. Seit Ende 2024 veröffentlicht der hiesige Publisher Polyband Anime die erste ins Deutsche synchronisierte Version auf DVD. Am weniger geglückten Erscheinungsbild der ersten neun Ausgaben hält Polyband Anime jedoch auch beim zehnten Episodenpaket fest. Soll heißen, dass Intro und Outro nur dann einmal abgespielt werden, wenn die Alle-abspielen-Funktion ausgewählt wird. Darüber hinaus sind die einzelnen Abenteuer, von denen sich ursprünglich drei in einer Folge befinden sollten, allesamt aufgeteilt. Das vereinfacht das gezielte Suchen nach einer besonderen Sequenz, hat aber selbst mit der aus Nordamerika importierten verstückelten Version gar nichts gemein. Am Inhalt der eigentlichen Folgen von Crayon Shin-chan ändert dies aber nichts.

Sommer, Sonne, Shin-chan

Dass die einzelnen Abenteuer zudem in einer nicht chronologischen Reihenfolge vorliegen, ist in der zehnten Ausgabe glücklicherweise nicht zu bemerken. Vor allem liegt das an dem Umstand, dass Shinnosukes Schwester Himawari respektive Daisy, wie sie in der deutschen Übersetzung heißt, mit keinem einzigen Wort erwähnt wird. Stattdessen konzentriert sich die Story in den vorliegenden Folgen auf die bis zu diesem Zeitpunkt noch dreiköpfige Familie Nohara. Allen voran das Thema Wasser scheint es Animationsstudio Shin’ei angetan zu haben, denn so spielen viele Szenen mitten im Sommer. Es ist so heiß, dass Shin-chans Mutter Misae beziehungsweise Mitsy das Planschbecken für ihren Sohn herauskramt, damit sich dieser im Garten erholen kann, anstatt seinen Rüssel den ganzen Tag vor dem Ventilator zu kühlen. In einer anderen Episode geht es hingegen ins Freibad. Hier schmeißt sich der neunmalkluge Shin-chan direkt an den Hals einer gut aussehenden Mutter eines anderen Jungen und bekommt dafür direkt einen Rüffel. Darüber hinaus hält es Shin-chan für eine besonders gute Idee, im Schwimmbad den toten Mann zu spielen, was zudem die Bademeisterin ordentlich auf Trab hält. Da es Shinnosukes Vater Hiroshi respektive Harry nicht gelingt, mit dem Rauchen aufzuhören, muss er Frau und Sohnemann notgedrungen ins nächste Badehaus einladen.

Aberwitzige Traumata

Ganz allgemein dreht sich in Crayon Shin-chan alles um den titelgebenden Protagonisten und wie er seine Mitmenschen in den Wahnsinn treibt. Mal hält er seinen Vater vor dem Einschlafen ab, obwohl dieser bereits um fünf Uhr in der Frühe aufstehen muss, und mal quetscht er eine unbekannte Schönheit aus. Letzteres Schicksal droht in einer anderen Episode ebenfalls einer seiner Vorschullehrerinnen, namentlich Matsuzaka Ume oder Fräulein Uma, wie sie für die deutsche Fassung umbenannt wurde. Eine Manga-Künstlerin, mit der Shinnosukes Mutter befreundet ist, leidet hingegen unter der Kreativität des Fünfjährigen, der einfach in ihre Zeichnungen malt. In zwei anderen Folgen dreht sich hingegen alles um grüne Paprika, die Shin-chan einfach nicht essen möchte. Einmal wird er auf Geheiß eines Verkäufers dazu ermuntert, sie im Garten anzupflanzen, da sie ihm dann wohl viel besser schmecken würden. Ein paar Episoden später nimmt er direkt Reißaus zu seinem Kumpel Satō Masao respektive Max. Obwohl Shinnosukes Freunde in der zehnten Volume zu kurz kommen, freut sich immerhin Hund Shiro beziehungsweise Lucky über ein paar kurze Auftritte. Mit den enthaltenen Abenteuern ist es dem Animationsstudio abermals gelungen, aberwitzige bis leicht traumatische Ereignisse einzufangen. Wer die Serie bislang verfolgt hat, darf wieder blind zuschlagen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Shin-chan wird und wird nicht langweilig. Die Episoden nehmen zuweilen derart abgedrehte Züge an, dass ich aus dem Lachen einfach nicht mehr herauskomme. Beispielsweise wird Familie Nohara in einer Folge von einer fiesen Krähe belauert, die es auf die Müllsäcke ihres Haushalts abgesehen hat. Um die Krähe loszuwerden, schnappt sich Shin-chan zwei Feuerwerkskörper und zündet diese kurzerhand im Garten – und dies ist nur eines von vielen Beispielen, warum ich den abgedrehten Humor der Serie so liebe. Die deutsche Übersetzung ist ebenfalls gelungen, da sie fast schon ans Schnodderdeutsche grenzt und auch Bezüge zur deutschen Medienlandschaft enthalten sind. Auf einer Manga-Messe will sich Shin-chans Mutter der Identität eines Manga-Zeichners vergewissern und erhält als Antwort, dass der Mann wohl Dieter Bohlen sei. Herrlich! Ich weiß, dass das wohl nicht jedem gefällt, aber wer die Serie damals im linearen Fernsehen verfolgt hat oder einfach nur einen wirklich abgedrehten Anime in puncto Wildwest-Humor erleben will, kommt um die Anime-Serie Crayon Shin-chan definitiv nicht herum. Auch die zehnte Volume ist für jeden Fan und jeder, der es werden will, ein absoluter Pflichtkauf!

Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 10)!

Hinterlasse einen Kommentar