Review: Der Patriot

Nach dem Siebenjährigen Krieg besteuerte England die amerikanischen Kolonien, gab ihnen jedoch kein Mitspracherecht im britischen Parlament. Dies löste eine Kettenreaktion aus, die zum Unabhängigkeitskrieg führte – dieser Konflikt wird in Der Patriot einseitig geschildert.

Im Mittelpunkt der Erzählung steht der titelgebende Patriot und Plantagenbesitzer Benjamin Martin, der mit seinen sieben Kindern in South Carolina lebt, eine der dreizehn britischen Kolonien. Seit zwei Jahren wütet der Unabhängigkeitskrieg zwischen den Kolonien und Großbritannien. Im nahen Charles Town findet eine Abstimmung statt, die darüber entscheidet, ob South Carolina in den Krieg eintritt. Obwohl Martin als Familienvater einen Kriegsbeitritt in keiner Weise befürworten kann, entscheidet sich die Mehrheit für die Mobilmachung. Gegen seinen Willen tritt auch Martins ältester Sohn Gabriel der Kontinentalarmee bei. Kurze Zeit später findet der Krieg nur wenige Meter vor der Haustür von Martins Plantage statt. So kehrt an einem Abend auch Gabriel, der im Krieg Freunde hat sterben sehen, verwundet zurück nach Hause. Obwohl sein Vater auch Verletzte der britischen Streitkräfte versorgen lässt, nimmt der skrupellose Colonel William Tavington Gabriel gefangen und will ihn hängen lassen. Sein Bruder Thomas möchte ihm beistehen, was Tavington ausnutzt und ihn erschießt. Dies führt dazu, dass Martin seine wenig glanzvolle Vergangenheit im Siebenjährigen Krieg nicht weiter verdrängen kann. Er schreitet zur Tat, legt den abrückenden Soldaten einen Hinterhalt, befreit Gabriel und ist ab diesem Zeitpunkt den Briten als „Geist“ ein Dorn im Auge.

Einseitig gestrickter Pathos

Hauptsächlich dreht sich Der Patriot um einzelne Scharmützel, welche die ins Leben gerufene und von einfachen Männern gebildete Miliz gegen die Truppen der britischen Armee ausführt. Es entwickelt sich zudem ein Konflikt zwischen Martin und Tavington, der immer mehr persönliche Züge annimmt und den Weg zur Unabhängigkeit der Kolonien mit Leichen pflastert. Nebenher bleibt ein wenig Zeit für Romantik, denn Martin geht eine Beziehung mit Charlotte Selton ein, der Schwester seiner verstorbenen Ehefrau. Auch Gabriel verliebt sich und feiert mit der hübschen Anne Patricia Howard Hochzeit. Obgleich der Historienfilm einen ernsten Unterton hat, sind die Dialoge im Drehbuch von Robert Rodat häufig schlicht geschrieben und lassen damit Raum für Humor. Leid, Hass und Glück bergen im Werk von Regisseur Roland Emmerich also jede Menge Pathos. Trotz des historischen Hintergrunds ist Der Patriot aus dem Jahr 2000 in erster Linie ein unterhaltsamer Film geworden, der mit seinen heiteren Momenten, romantischen Szenen und actionreichen Schlachten durchaus überzeugt. Problematisch ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass die gesamte Geschichte sehr einseitig erzählt wird. Das heißt, dass der Film stets Partei für die amerikanische Seite ergreift, Wahrheiten verfälscht und ihre Gräueltaten ausklammert, während die Briten nur als Feindbild dienen.

Mit Mäkeln behaftete Historizität

Zwar wird im Film der von Mel Colm-Cille Gerard Gibson gespielte Martin durch seine tragische Vergangenheit nicht als Unschuldslamm präsentiert, und auch seine Verbündeten verweigern zumindest anfänglich noch das Pardon bei sich ergebenden Briten, aber im Grunde wird nur Jason Michael Isaacs’ Tavington und seinen Leuten stellvertretend für die Königstreuen die Rolle der Mörder und Brandschatzer zugeschrieben. Zudem spielt der Film mit dem Gründungsmythos der Vereinigten Staaten von Amerika, sodass alle Menschen gleich wären. So wird dem von Jay Arlen Jones gespielten afroamerikanischen Sklaven Occam angeblich die Freiheit geschenkt, wenn er zwölf Monate in der Kontinentalarmee kämpfen würde – am Ende kämpft er sogar freiwillig für die Sache. So wichtig die Botschaft auch ist – hier verdreht der Film die historischen Tatsachen. Dafür wurde an Originalschauplätzen gedreht und auch die Kleidung des 18. Jahrhunderts an der Smithsonian Institution akribisch studiert. Herausgekommen sind Bilder, die für das Jahr 2000 durchaus beeindruckend sind. Unterlegt wird das Geschehen musikalisch von Komponist John Towner Williams, was von den Noten her teils wie Der Pate, Der Herr der Ringe oder Star Wars klingt. Trotz etwaigen Makeln in der Historizität ist der im Extended Cut 175 Minuten lange Der Patriot einen Blick wert.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): In meiner Jugend war ich ein großer Fan der Vereinigten Staaten von Amerika, was vor allem an Fernsehserien und Filmen lag – auch die historischen Hintergründe zur Bildung einer Demokratie haben mich immer sehr beeindruckt. Allerdings zeigten mir weder populärkulturelle Werke noch der Geschichtsunterricht sämtliche Aspekte. Dass das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gar nicht so prächtig ist, wurde mir erst im Verlauf meines Lebens klar. Mehr als zwanzig Jahre nachdem ich Der Patriot das erste Mal gesehen habe, fällt mein Fazit leider ernüchternd aus. Nach wie vor bin ich zwar nach der Auffassung, dass der Film mit seinen romantischen und romantisierten Anleihen, den actionreichen Schlachten und Scharmützeln und seinem gesund eingestreuten Humor durchaus unterhaltsam ist, aber gerade Geschichtsfanatiker dürften mit dem Werk bis auf die gut recherchierten Kostüme wenig Gefallen finden, da die Handlung sehr einseitig erzählt wird und historische Details verdreht oder ausgelassen werden. Hier zeigt sich, dass der Film vor allem für ein US-amerikanisches Publikum gedreht wurde, um fast durchweg positiv auf die eigene Vergangenheit blicken zu können.

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