Review: Scream 4

Eigentlich galt die Scream-Reihe mit dem dritten Film aus dem Jahr 2000 als abgeschlossen. Wie das aber bei erfolgreichen Filmserien der Fall ist, werden diese früher oder später reaktiviert. So geschah es 2011 auch mit Scream 4, das stilisiert als Scre4m in die Kinos kam.

Obwohl die Scream-Reihe im Jahr 2000 zu einem runden Abschluss geführt wurde, bleibt bei Horrorfilmen wohl oder übel immer ein Hintertürchen offen. Als Filmreihe nehmen sich die Werke rund um verschiedene Serienmörder, die sich die gleiche Maske teilen, aber ohnehin nicht allzu ernst, weshalb es auch für Scream 4 keinerlei Grenzen des Machbaren gibt. Seit den Geschehnissen in Scream – Schrei! sind inzwischen ganze fünfzehn Jahre vergangen. Da das Massaker von Woodsboro offenbar keine Verjährungsfrist kennt und die Erlebnisse noch immer in den Köpfen der Bewohner der fiktiven Kleinstadt verankert sind, kommt es auch im vierten Film zu Nachahmungstaten. Die Oberschülerinnen Marnie Cooper und Jenny Randall werden als erstes vom maskierten Mörder umgebracht, was das Leben von Protagonistin Sidney Prescott gehörig durcheinander wirbelt. Erstmals innerhalb der Reihe als Ghostface bezeichnet, muss sich Sidney abermals ihrer Vergangenheit stellen. Auch diesmal scheint es sich der Täter zum Ziel gesetzt zu haben, Sidney mental zu quälen. Hierbei muss sie jedoch nicht nur auf sich selbst Acht geben, sondern auch auf ihre Tante Kate Roberts und ihre Nichte Jill. Letztere hat inzwischen genauso wie ihre Freundinnen schon einen der markanten Anrufe von Ghostface erhalten, sodass das sich mit jeder Minute ein weiteres Massaker anbahnt.

Lauf der Dinge

Zwischen den Dreharbeiten von Scream 3 und Scream 4 sind zehn Jahre vergangen – in der Filmwelt ist dies durchaus eine lange Zeit, denn nicht nur Geschmäcker ändern sich. Neue Filme können ganze Genres prägen und die Erwartungshaltung bei den Zuschauern bestimmen. Unter anderem haben gleich mehrere Episoden von Saw und Final Destination die Kinoleinwände erobert. Zum Teil ist dieser Einfluss, dass es schneller, gewaltiger und nicht zuletzt überraschungs- und wendungsreicher zugehen muss, auch in Scream 4 zu spüren. Anfangs kommt der Film verhältnismäßig noch langsam in Gang und lässt sich Zeit, die Helden aus den ersten drei Teilen in ein neues Licht zu rücken. Sidney, gespielt von Neve Adrianne Campbell, ist inzwischen eine erfolgreiche Buchautorin und hat die Morde aus den ersten drei Teilen halbwegs gut verarbeitet. Ihre Charakterentwicklung ist zudem glaubhafter als noch im dritten Teil und erinnert zumindest leicht an Laurie Strode aus der Halloween-Reihe, aber noch nicht ganz so kompromisslos. Courteney Bass Cox’ Verkörperung von Gale Weathers-Riley hat es mit Buchprojekten deutlich schwerer. Sie trauert ihrer Vergangenheit als Reporterin hinterher und versucht daher wieder journalistisch Fuß zu fassen. David Arquette hat es in Scream 4 in der Rolle des Dewey Riley wiederum vom Deputy zum Sheriff geschafft.

Schauspieler zum Abmurksen

Nichtsdestotrotz gibt es auch einige Neuzugänge im Cast, die aus Film und Fernsehen relativ bekannt sind. Emma Rose Roberts, die 2013 in Empire State – Die Straßen von New York mitspielen sollte, ist hier in der Rolle von Jill zu sehen, die ihre Umwelt ruhig und analysierend wahrnimmt. An ihrer Seite glänzt mit einer gewollten Unscheinbarkeit auch Rory Hugh Culkin als Charlie Walker, einem der führenden Köpfe des Kinoclubs. Für die Cop-Comedy sorgen anstelle von Arquette nun Adam Jared Brody und Anthony Anderson, die Serienkenner unter anderem aus O. C., California oder Law and Order kennen. Somit ist auch der vierte Teil der Filmreihe mit starken Namen besetzt, von denen jedoch einige ein blutiges, aber zumeist rasches Ende finden. Ghostface macht kurzen Prozess mit seinen schreienden Opfern und jagt sie quer durch Haus und Garten. Sonderlich originell ist das Werk also nicht. So zieht die 2015 verstorbene Horrorfilmlegende Wesley Earl „Wes“ Craven in seiner letzten Regiearbeit noch einmal das Standardprogramm durch. Dennoch ist dem Film zu attestieren, dass es auch beim vierten Mal immer noch spaßig ist, mitzurätseln, wer von all den illustren Figuren der Mörder ist. Wenn am Ende die Maske fällt, ist das auch in Scream 4 ein richtig magischer Moment der Filmgeschichte. Manche Szenen verlieren einfach nicht an Wirkungskraft!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mit der Scream-Reihe ist es offenbar ein Auf und Ab, denn nicht jeder Film kann die Qualität aufrechterhalten. Scream 4 braucht etwa richtig lange, um in Gang zu kommen. So nimmt sich der Film anhand der immer noch präsenten fiktiven Stab-Reihe im Werk selbst gleich mehrfach auf die Schippe. Bis sich die Mörderjagd in einen Horrorfilm verwandelt, braucht es einiges an Sitzfleisch. Da überrascht es schon, dass die Wendungen im Verlauf der Story dafür sorgen, dass der Zuschauer den Film nicht abschaltet. Gegen Ende wird es zunehmend besser und erreicht auch den Genrestandard, den das verwöhnte Publikum zu Beginn der 2010er-Jahre sehen will. Auch bei mir springt im letzten Filmdrittel der Funken endlich über, denn dann schreitet Ghostface in kurzen Intervallen zur Tat. Auch die Schauspielriege kann mich begeistern, zumal ich genügend bekannte Gesichter aus Filmen und Serien erkenne. Dies nützt den Nebenfiguren aber nicht viel, segnen die meisten von ihnen doch ohnehin das Zeitliche im Film. Am Ende des Tages liefert Scream 4 mit seinem wenig originellen Aufbau aber nicht mehr und nicht weniger als das ab, was sich Fans von Wes Cravens letzter Regiearbeit aber wohl erhoffen.

Hinterlasse einen Kommentar