Review: Marvel Tōkon: Fighting Souls

Superheldenfilme gehören zwar zum massentauglichen Popcornkino, bieten aber womöglich nicht die Komplexität, die sich Filmconnaisseure wünschen. Auch ihre Videospielumsetzungen sind oft leichte Kost. Marvel Tōkon: Fighting Souls schlägt erneut in genau diese Kerbe!

Fighting Games stehen nicht gerade hoch im Kurs, wenn es um ausgefeilte Handlungsbögen geht. Oftmals werden die Spielfiguren in abstruse Situationen geworfen und müssen sich am Ende einem Gegner stellen, der sich gleich mehrfach verwandelt. Letzteres ist auch in Marvel Tōkon: Fighting Souls der Fall, doch dafür kann die Story zumindest Fans der Comics und Filme in ihren Bann ziehen. Aufgeteilt auf mehrere Szenarien erleben unter anderem die aus der Populärkultur nicht mehr wegzudenkenden Avengers, die X-Men oder auch Spider-Man ein großes Abenteuer um einen Feind aus dem All, der gegen die größten Heroen auf den unterschiedlichsten Planeten antreten will. Bei jeder Niederlage heimst der Champion des Universums die Heimat der Unterlegenen ein. Gelingt es unseren Helden nicht, den Widersacher zu besiegen, so will dieser auch die Erde seiner Himmelskörpersammlung hinzufügen. Zugegebenermaßen ist die Handlung von Marvel Tōkon: Fighting Souls nicht kompliziert und für Kenner von Captain America, Iron Man, dem unglaublichen Hulk, Deadpool, Wolverine oder Magneto sofort verständlich. Wer mit den ganzen Helden und Schurken nicht viel anfangen kann, hat ein paar Einstiegshürden zu überwinden. Die Darstellung der einzelnen Charaktere ist aber wenig komplex, sodass auch ohne Vorkenntnisse klare Rollenbilder erkenntlich sind.

Storymodus mit wenig Gameplay

Eine Besonderheit von Marvel Tōkon: Fighting Souls ist die Inszenierung der Geschichte. In den Szenarien wird diese auf zwei Arten erzählt. Auf der einen Seite kommt es regelmäßig zu spärlich animierten, aber dennoch hübschen Anime-Sequenzen. Auf der anderen Seite erzählt das Spiel seine Geschichte über häufig starre, manchmal aber auch animierte Panels, bei denen die Sprechblasen vertont sind. Obwohl das Spiel vom japanischen Entwicklerstudio Arc System Works stammt, konnte mit Sony Interactive Entertainment ein weltweit agierender Publisher gefunden werden, der in eine deutsche Synchronisation investiert hat. Diese ist in den meisten Momenten gut gelungen. Lediglich die Pausen zwischen zwei Sprechblasen stören ein wenig. Kunstliebhaber können sich zwar an den gezeichneten Werken erfreuen, doch verliert die Dynamik durch diesen Umstand ein wenig an Spannung. Zudem beschränkt sich die tatsächliche Spielzeit in den Szenarien auf ein Minimum, denn obwohl es in den einzelnen Kapiteln von Marvel Tōkon: Fighting Souls immer wieder zu Kämpfen kommt, veranschlagt die Story aufgrund der eher gemächlichen Erzählweise die meiste Zeit. Ein Szenario des Spiels ist auf etwa anderthalb Stunden ausgelegt. Das echte Gameplay schlägt tatsächlich nur mit einem Drittel dieser Zeit zu Buche, wodurch dieses in unseren Augen viel zu kurz kommt.

Simple Mechaniken mit ein wenig Tiefgang

Bevor ihr nun die Hände über den Kopf zusammenschlagt, möchten wir Entwarnung geben. Der Titel mit der Marvel-Lizenz bietet neben dem Storymodus noch weitere Spielvarianten, in denen sich das Gameplay entfalten kann. So können wir im Trainingsmodus die Skills der unterschiedlichen Charaktere vertiefen. Das sollten wir unbedingt tun, denn obwohl Marvel Tōkon: Fighting Souls darauf ausgelegt ist, dass die Kämpfe auf zweidimensionalen Ebenen auch mit Button Mashing durchaus zu meistern sind, lassen sich viele Manöver auf ganz unterschiedliche Art und Weise verketten. So können wir im Stehen, aus der Hocke oder im Sprung attackieren, Spezialattacken auslösen oder einen von drei oder gleich alle Begleiter herbeirufen, um den Widersacher zu konfrontieren. Nur wer diese Fähigkeiten allesamt meistert, hat auch im Versus-Modus gegen computergesteuerte Akteure oder menschliche Spieler eine Chance. Wer langfristig Spaß mit dem stets flüssig laufenden Fighting Game haben will, sollte daher mindestens einen Freund haben, den er regelmäßig vor dem heimischen Fernseher schleppen kann, oder im Falle der PlayStation-5-Fassung für das Online-Spiel zumindest über eine nicht gerade günstige PlayStation-Plus-Mitgliedschaft verfügen. Wer dem entgehen will und ohne Kosten online spielen möchte, kann glücklicherweise auch zur PC-Version greifen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Obwohl ich kein sonderlich großer Fan von Marvel bin, versuche ich immer wieder Zugang zur Marke zu erhalten. Zumindest in Form der Videospiele wurden Fans in den letzten Jahren mit unterhaltsamen Werken wie Marvel’s Spider-Man oder Marvel Cosmic Invasion bedient. Marvel Tōkon: Fighting Souls reiht sich mühelos in diese Riege ein, zumindest in Bezug auf die Präsentation der Story über Anime-Sequenzen und Panels, die US-amerikanische und japanische Zeichenkunst in meinen Augen ganz gut miteinander verbinden. Schade finde ich jedoch, dass das Gameplay während der Handlung viel zu kurz kommt und höchstens ein Drittel der Spielzeit ausmacht. Daneben kann ich Figuren wie Black Panther oder Green Goblin beim Training besser kennenlernen und sie im Versus-Modus gegen computergesteuerte Widersacher oder menschliche Spieler einsetzen. Gerade wer das Spiel beherrschen will, sollte die Angriffs- und Bewegungsmuster der Charaktere vertiefen. Aus meiner Sicht ist es aber schade, dass es zu viele grundlegende Manöver gibt, die sich bei allen Akteuren gleich anfühlen. Nur ein kleiner Bruchteil geht auf die Spezialfähigkeiten der Helden und Schurken ein. Noch dazu ist das Spiel sehr auf Button Mashing ausgelegt, sodass auch unerfahrene Spieler einen leichten Zugang erhalten. Damit eignet sich Marvel Tōkon: Fighting Souls eher für Fans der Vorlagen, die aber keinen Anspruch auf verhältnismäßig komplexe Eingaben wie in Street Fighter und Co legen.

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplar von Marvel Tōkon: Fighting Souls!

Hinterlasse einen Kommentar