Nachdem Prometheus: Dunkle Zeichen 2012 als Vorgeschichte für die Alien-Filmreihe starten sollte, verselbstständigte sich der Film im Verlauf der Produktion. Alien: Covenant rückt näher an die Filmreihe heran, ist aber eher eine konsequente Fortsetzung von Prometheus.
Obwohl für den eigentlich als Prequel geplanten Science-Fiction-Film sogar Ridley Scott für die Regie ins Franchise zurückgekehrt ist, kam es plötzlich ganz anders. Zwar behielten die Produktionsverantwortlichen die Ideen bei, die zu den Ereignissen in Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt führen sollten, doch legten sie vielmehr den Grundstein für eine Geschichte mit dem Potenzial für weitere Fortsetzungen. Tatsächlich waren mindestens zwei weitere Filme innerhalb dieses Handlungsfadens gedacht, doch Alien: Covenant enttäuschte 2017 an den Kinokassen und markierte damit einen vorläufigen Schlussstrich. Auch Ridley Scott, der gerne ein viertes Mal auf dem Regiestuhl hätte Platz nehmen wollen, hat im Jahr 2025 in einem Interview mitgeteilt, dass er mit der Marke fertig sei. Es besteht zwar immer irgendwie ein Funken Hoffnung, doch macht dies Alien: Covenant rückblickend nicht viel besser. Trotz einer stärkeren Orientierung an den ursprünglichen Alien-Filmen muss der Streifen als Fortsetzung zu Prometheus eine bestimmte Erwartungshaltung bei den Zuschauern erfüllen und Fragen beantworten. Beides gelingt dem Werk nicht so wirklich. Die neuen außerirdischen Lebensformen wirken zwar bedrohlich auf den Zuschauer, doch es fehlt es an Ausweglosigkeit und Klaustrophobie. Bei der Story bleiben hingegen viele Fragen offen.
Expedition ins Unbekannte
Alien: Covenant erzählt vornehmlich die Geschichte des titelgebenden Raumschiffs Covenant, das sich mit zweitausend Kolonisten im Hyperschlaf auf dem Weg zum Planeten Origae-6 befindet und von dem Androiden Walter überwacht wird. Ein Neutrinosturm verursacht Schäden am Schiff, sodass die Crew des Schiffs aus dem Hyperschlaf gerissen wird. In dem Moment, in welchem die Systeme wieder hochfahren, fangen sie Bruchstücke eines Songs auf. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt ist dies eher unwahrscheinlich, weshalb der Captain kurzerhand entscheidet, Kurs auf den Planeten zunehmen, von dem das Signal kommt. Dort angelangt begrüßt sie eine unheimliche Stille, denn weder Säugetiere noch Vögel scheinen auf dem Planeten heimisch zu sein. Über kurz oder lang infizieren sich zwei Expeditionsteilnehmer unabhängig voneinander mit den Spuren einer ihnen unbekannten außerirdischen Lebensform. Als das Team zur Covenant zurückkehren will, gerät das Geschehen außer Kontrolle. Plötzlich sitzen sie auf dem Planeten fest und müssen sich mit schnell heranwachsenden Aliens herumschlagen. In letzter Sekunde wird die Crew von einem Unbekannten gerettet, der sich als Androide David vorstellt, bei welchem es sich um den letzten Überlebenden der Prometheus handelt. Er führt sie in sein Versteck, in dem sie aber nicht viel sicherer sind.
Menschlichkeit und Monster
Mehr soll zur Handlung von Alien: Covenant nicht verraten werden, denn die meisten Antworten auf die Fragen, die bereits Prometheus aufgeworfen hat, werden erst in der zweiten Filmhälfte behandelt. Die Auflösung dürfte allerdings nicht jedem gefallen, da die Antworten allesamt sehr halbgar ausfallen. Hier hätte die Story definitiv konkreter sein müssen. Zudem hätte sie nicht auf einen dritten Teil verweisen sollen, der möglicherweise gar nicht kommen wird. Leider fallen auch die meisten Charaktere sehr blass aus. Wirklich glänzen kann eigentlich nur Michael Fassbender, der mit David und Walter gleich in einer Doppelrolle zu sehen ist. Wie Androiden mit Menschlichkeit umgehen, wird hier eindrucksvoll geschildert. Ansonsten kann höchstens noch Katherine Boyer Waterston als Daniels ein wenig begeistern, doch fühlt sich die Rolle eher wie ein lauer Ripley-Aufguss der ersten vier Filme an. In technischer Hinsicht ist der Streifen ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sind die tollen Landschaftsbilder zu begrüßen, welche die Atmosphäre auf dem Planeten gut einfangen. Allerdings wird bei der Inszenierung der Aliens viel zu viel mit Computerbildern gearbeitet, wodurch die Wirkung dieser Monster abgeschwächt wird. Zum Glück kann aber noch anderweitig ein Monster gefunden werden. Das wertet Alien: Covenant leicht wieder auf.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Prometheus: Dunkle Zeichen ist in meinen Augen einer der stärksten Einträge in der Alien-Filmreihe. Der Streifen bietet überraschende Wendungen, versucht merklich einen Übergang zum ersten Alien-Film zu schaffen und ist am Ende doch wieder etwas Eigenständiges. Daher hatte ich hohe Erwartungen an die Fortsetzung, die jedoch nicht alle erfüllt werden. Alien: Covenant liefert mir zwar Antworten, zertrümmert aber mit einem Vorschlaghammer deren tiefsinnige Bedeutung. Es ist wirklich schade, dass das, was aufgebaut wurde, an Relevanz verliert. Stattdessen wurde versucht, wieder näher an die eigentliche Filmreihe heranzukommen. Das funktioniert ebenfalls nur mittelmäßig, denn beim Angriff der Aliens fehlt einfach das klaustrophobische Gefühl. Erschwerend kommt hinzu, dass durch den vermehrten Einsatz von Computerbildern die Kreaturen auch nicht sonderlich bedrohlich auf mich wirken. Als schlechten Film würde ich Alien: Covenant aber auch nicht bezeichnen, denn gerade die Diskussion über Menschlichkeit und ihre Grenzen wird angemessen geführt und überrascht mit feinen Akzentuierungen. Auch wenn Regisseur Ridley Scott vermutlich keine Fortsetzung mehr drehen wird, so hoffe ich doch, dass der mit Prometheus begonnene Handlungsfaden noch zu einem Ende kommen wird – gerne auch in einem dem Franchise wieder etwas gerechteren Film!