Review: Star Fox

Nachdem 2011 eine Umsetzung von Lylat Wars als Star Fox 64 3D für den 3DS erschien, wurde die Serie 2016 nur noch einmal mit Star Fox Zero für die Wii U fortgesetzt. Danach wurde es still um das Franchise. Star Fox für die Switch 2 ist leider keine eigenständige Fortsetzung geworden, sondern „leider“ nur ein Remake des erwähnten Nintendo-64-Klassikers.

Wer die 1990er-Jahre mit einem Blick auf den Videospielsektor miterlebt hat, wird sicherlich mitbekommen haben, wie sehr Nintendo einerseits durch Werbevideos und andererseits durch die große Spielverpackung von Lylat Wars das Rumble Pak des Nintendo-64-Controllers beworben hat. Während Star Fox 64 3D auf eine Vibrationsfunktion verzichtet hat, ist sie bei der Switch 2 dank der Motoren des Pro Controllers wieder mit von der Partie, wenn auch nicht annährend so stark wie noch beim Original für das Nintendo 64. Obwohl wir die Intensität des Features seither schmerzlich vermissen, kann Star Fox selbstverständlich dennoch punkten. Schließlich sind Vibrationen nicht das einzige Element, was uns damals wie heute in Lylat Wars fasziniert. Als Remake verfolgt das Spiel technologisch bedingt einen neuen dramaturgischen Ansatz, was sich in vielen Zwischensequenzen statt schlichten Missionsbriefings in Textform widerspiegelt. An der grundsätzlichen Story hat sich jedoch nichts geändert, denn nach wie vor hat der durchtriebene Wissenschaftler Andross dem Lylat-System den Krieg erklärt und stiftet mit seiner Raumflotte auf den unterschiedlichen Planeten des Systems für Unruhe. Dass Star-Fox-Team, eine Truppe einsatzwilliger Söldner, wird ausgesandt, um den Bösewicht in die Schranken zu weisen und den Frieden in der Galaxis wiederherzustellen.

Galaktischer Routenplan

Trotz des frischen dramaturgischen Ansatzes müssen wir einräumen, dass die Rahmenhandlung des Titels alles andere als weltbewegend ist. Jene und ähnliche Geschichten erleben wir in Videospielen jeden Tag aufs Neue, doch konzentriert sich Star Fox eher auf die Erzählweise, als auf die austauschbare Geschichte. Die Struktur war für die damalige Zeit wegweisend, denn so etwas kannten wir vorher nur von wenigen Vertretern des Genres und selbst 2026 hat sie nichts an ihrem Reiz verloren. Anstatt einfach nur von einem Level in den nächsten Spielabschnitt zu hetzen, machen wir in Star Fox je nach unserer Spielweise auf unterschiedlichen Planeten oder in diversen Sektoren halt. Helfen wir zum Beispiel einem Team-Kollegen, der gerade von ein paar feindlichen Jägern verfolgt wird, diese loszuwerden, wird er uns als Dank womöglich einen anderen Weg durch oder eher gesagt aus dem Level zeigen. Insgesamt stehen für unsere Routenwahl sechzehn Levels zur Verfügung, von denen wir je Spieldurchgang maximal sieben Stück erleben werden. Unsere Reise durch das Lylat-System sollte gut durchdacht sein, denn es kann mitunter vorkommen, dass die Story vorsieht, dass ein Bossgegner einen unserer Kollegen mit Wucht auf die Oberfläche eines nahen Planeten donnert. In diesem Falle müssen wir einen Umweg in Kauf nehmen und unserem Freund zur Hilfe eilen.

Auf dem Boden, in der Luft und unter Wasser

In den meisten Missionen des Shoot ’em ups sind wir mit unserem Arwing, einer Art Weltraumgleiter, in den Levels unterwegs. Gelegentlich steigen wir in Star Fox auch schon mal auf alternative Transportmittel um, etwa den Landmaster genannten Panzer oder das als Blue Marine bezeichnete Unterseeboot. Anschließend erleben wir die Action anstatt aus der Luft, nun vom Boden oder in den Tiefen des Ozeans mit. In jedem Falle gilt es, möglichst viele der auftauchenden Gegner abzuschießen, in einigen Fällen sogar unter Zeitdruck. Manchmal heißt es auch, Geschütztürme oder Schildgeneratoren zu zerstören, um beispielsweise ein Kraftfeld zu deaktivieren. Diese Missionsziele bilden in Star Fox aber leider die Ausnahme, denn Abwechslung fernab der unterschiedlich strukturieren wie visuell gestalteten Levels ist rar gesät. Das Geschehen erinnert uns dabei zuweilen stark an einen Rail-Shooter, da wir öfters schnurstracks einer gradlinigen Level-Architektur folgen und nur selten die Möglichkeit haben, aus dieser Schiene auszubrechen. Ist es aber an der Zeit, einen Bossgegner zu besiegen, fliegen wir hin und wieder in der so genannten offenen Formation und können uns in einem eingezäunten Areal relativ frei bewegen und manövrieren uns dort mit Loopings sowie Wendungen, um kleineren Gegner währenddessen zu entkommen oder für Punkteboni abzuschießen.

Erbarmungslose Punktejagd

Bossgegner in Star Fox beschießen wir an sich mit Bomben und Laser-Waffen, die wir in den Levels vorher eingesammelt haben sollten. Außerdem können wir mit den in den Levels verteilten Items auch unseren Schutzschild verbessern, um weiterhin unbeschadet durch die Levels zu gelangen. Viele Stellen sind unserer Meinung nach zwar recht einfach ausgefallen, doch ehe wir uns versehen, stehen wir auch schon vor einer kniffligen Stelle und müssen mitunter einen Versuch nach dem anderen opfern, um das Problem zu lösen. Wer allerdings fleißig goldene Ringe einsammelt, erhält nach einer Schildverbesserung gelegentlich auch einen weiteren Versuch, um sich sozusagen vor dem grausigen Game-Over-Schicksal abzusichern. Versagen wir in einem Level, müssen wir übrigens vom Level-Anfang oder vom letzten Kontrollpunkt aus wieder in das Spielgeschehen einsteigen. Da ist Star Fox erbarmungslos, doch Übung macht bekanntermaßen den Meister. Ziel des Einzelspielermodus ist es genretypisch, möglichst viele Punkte zu erreichen, um somit einen guten Platz auf der Highscore-Liste zu besetzen. Hier macht sich dann auch leider schon der erste große Negativpunkt des Spiels bemerkbar, denn diese Liste wird wie in der Nintendo-3DS-Neuauflage einzig und allein nur offline geführt, denn eine Online-Anbindung bietet das Spiel diesbezüglich leider nicht.

Online-Schlachten

Glücklicherweise hat Nintendo auf unsere damalige Kritik gehört und dem Spiel neben einem lokalen Multiplayer-Modus auch eine Online-Variante spendiert. Hier schießen wir entweder unbekannte Spieler oder unsere Freunde in ihren Arwings mit Spezialwaffen vom Himmel und müssen nebenher wichtige Ziele erfüllen. Grundsätzlich funktioniert dieses Konzept in Star Fox, doch perfekt ist dieser Modus leider nicht. Das liegt daran, dass es kein vernünftiges Matchmaking gibt. Zum Testzeitpunkt am 28. Juni 2026 kam es dazu, dass meistens ein Team dem anderen weit überlegen war. So macht der Modus überwiegend nur mit Freunden oder gegen computergesteuerte Gegner Spaß. Hier hätte Nintendo deutlich mehr liefern müssen, zumal die Kampagne über keine neuen Levels verfügt. Dafür macht das Spiel Gebrauch von der separat erhältlichen USB-Kamera der Switch 2, denn anstatt einfach nur unser Gesicht in die Kamera zu zeigen, imitiert das Spiel unsere Gesichtszüge und stülpt diese den Gesichtsmodellen von Fox McCloud, Falco Lombardi, Peppy Hare, Slippy Toad und Co über. Kommunikation mit unbekannten Spielern bleibt jedoch unterbunten, weshalb das Feature hier nicht zur Geltung kommt. Wer will, kann auch die Kampagne lokal kooperativ zu zweit spielen, wobei ein Spieler jedoch schießt und der andere fliegt. Da wäre mehr möglich gewesen!

Aufpolierte Neufassung

Steuerungstechnisch bietet Star Fox neben der typischen Knöpfchensteuerung auch die Option, mittels Mausfunktion zu schießen. Wer das machen will, wird dazu gezwungen, in die Cockpit-Ansicht zu wechseln. Auf diese Weise wird die Steuerung auch im Coop-Modus aufgeteilt, was wirklich schade ist. Grafisch betrachtet ist der Titel im Vergleich mit den älteren Versionen stark aufpoliert und auch die Action geht bei sechzig Bildern pro Sekunde flüssig von der Hand. Gemeinsam mit der ruhigen, mystischen oder brachialen Weltraummusik kommt dabei auch die richtige Atmosphäre auf. Zudem wurde das Spiel wie schon Star Fox 64 3D in verschiedenen Sprachfassungen synchronisiert. Die deutschen Stimmen, zu denen etwa Mario Hassert gehört, den Nintendo-Fans vor allem als Synchronsprecher von Professor Layton kennen, sind weitestgehend in Ordnung, doch mangelt es an Dynamik, woran jedoch die eher mauen Animationen verantwortlich sind. Wer das Spiel bereits für das Nintendo 64, den 3DS oder die Virtual Console auf der Wii oder der Wii U besitzt, sollte sich die Anschaffung gut überlegen. Einen Mehrwert bietet das Remake trotz aufgebohrter Zwischensequenz und Online-Modus kaum. Wer den Titel aber noch nicht gespielt hat, findet in Star Fox für die Switch 2 die aber wohl beste Version, die dank zusätzlicher Herausforderungen auch weitaus länger motiviert als die recht kurze Einmalspielzeit von circa sechzig Minuten pro Durchgang.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Switch-2-Fassung): Lylat Wars habe ich auf dem Nintendo 64 in meiner Kindheit sehr gerne gespielt, kam damals im Spiel jedoch leider nicht sehr weit. Auf der Virtual Console sah es Jahre später ähnlich aus, was jedoch an einem Batterieproblemen mit meiner Wii-Fernbedienung und der Welle an Videospielen lag, die in der Zeit auf mich zurollte. Über die Neuauflage auf dem 3DS habe ich mich 2011 sehr gefreut, denn hier habe ich den Titel auch erstmals durchspielen können. An der Faszination des Spiels, das mit einer Stunde Spielzeit auch recht kurz ausfällt, hat sich in meinen Augen auf der Switch 2 nicht viel verändert. Dadurch, dass in Star Fox die Routenwahl jedes Mal unterschiedlich ausfallen kann, motiviert der Titel zusammen mit den Herausforderungen zum mehrfachen Durchspielen. Sogar der Umstand, dass es endlich einen Online-Modus gibt, ist ein positives Zeichen – allerdings macht mir dieser aufgrund des mauen Matchmakings, durch das Spieler unterschiedlichen Könnens wahllos zusammengewürfelt werden, nicht viel Spaß. Mehr hätte ich mich da schon über Online-Ranglisten für die Kampagne gefreut, um mich mit Freunden vergleichen zu können. Wer den Titel jedoch von früheren Plattformen schon kennt, wird allerdings kaum etwas Neues entdecken können. Das ist schade und zeigt, dass Star Fox inhaltlich eher wie ein Remaster wirkt und das Potenzial eines Remakes verschenkt. Wer das Spiel aber noch nicht kennt, sollte meines Erachtens aber direkt zur Switch-2-Fassung greifen.

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