Früher kamen One-Piece-Filme noch in relativ kurzen Abständen ins Kino, geschweige denn in den Handel. One Piece Film: Red, der 14. Streifen der Reihe, erschien 2022 in Japan. Die Veröffentlichung auf Blu-ray Disc im deutschsprachigen Raum erfolgte erst im Jahr 2023.
Obwohl die meisten One-Piece-Filme nicht in die Handlung der langlebigen Anime-Serie eingeordnet werden können, gibt es dennoch hin und wieder ein paar Anhaltspunkte, an denen sie laut Story mehr oder weniger Sinn ergeben könnten. Ein paar Episoden der 36. Serienbox von One Piece drehen sich um den neu eingeführten Charakter Uta, der Ziehtochter des Roten Shanks. Die Episoden ergeben für sich genommen einen überschaubaren Rückblick in die Kindheit von Protagonist Monkey D. Ruffy, der Uta kennengelernt hat, als er noch nicht über seine Teufelskräfte verfügte. Dann wurden sie jedoch getrennt. Inzwischen ist Uta eine weltweit bekannte Sängerin, die ein Konzert nach dem anderen gibt. Auch die Strohhüte bekommen innerhalb der Serie, um Episode 1030 herum, Wind von ihrem nächsten Auftritt auf Elegia. Es werden die Segel gesetzt, sodass die Strohhut-Piraten am Event teilnehmen können. Navigatorin Nami, Smutje Sanji, Piratenjäger Lorenor Zorro und Co staunen nicht schlecht, als sie sehen, dass Ruffy mit der weltberühmten Uta befreundet ist. Als Ruffy auf der Bühne vor dem Publikum bekannt gibt, dass sie die Tochter des Roten Shanks ist, werden auch die Feinde der Strohhüte auf sie aufmerksam. Das heißt, dass es sowohl die Marine als auch verschiedene Piratenbanden wie die von Antagonistin Big Mom auf Uta abgesehen haben.
Spannende, aber mäßig ausgebaute Handlung
Ähnlich wie die Anime-Serie verzichtet auch One Piece Film: Red nicht auf Rückblenden. So könnte der Inhalt des Films sehr friedlich ausfallen. Als Uta jedoch erfährt, dass Ruffy König der Piraten werden will, und ihre Fans absolut gegen Piraten sind, dreht sie durch und hindert ihren alten Freund und seine Crew daran, wieder in See zu stechen. Nebenher erfährt der Zuschauer Informationen über Elegia, den einzigen Handlungsort. Bei der Aufarbeitung vergangener Ereignisse wird klar, warum aus der unschuldigen Uta ein Mensch geworden ist, der Anderen ihre Freiheit nehmen will. Trotz des ernsten Anstrichs gibt es auch reichlich humorvolle Szenen. Teils geht dies auf die Charaktereigenschaften der Strohhüte zurück, aber auch die Situationen, in denen sich die Helden wiederfinden, können etliche Lacher entlocken. Darüber hinaus versteht sich der Film als eine Art Best-of, da beliebte Figuren wie Trafalgar D. Water Law, Corby oder Admiral Fujitora auftreten. Bei einer Anime-Serie, die seit mehr als eintausend Episoden läuft, musste dieser Fall ja früher oder später eintreten. Im digitalen Bonusbereich finden One-Piece-Fans kurze Interviews. Als physische Dreingabe winkt auf der einen Seite ein Poster mit Ruffy, Shanks und Uta darauf. Auf der anderen Seite gibt es ein kleines Booklet mit übersetzen Texten von Songs, die im Film vorkommen. Zum Mitsingen reicht das aber nicht, da die Lieder im Film allesamt auf Japanisch belassen wurden. Schade!
Technisch umwerfender Film
Unter audiovisuellen Gesichtspunkten ist der 14. Film gut gelungen. Beispielsweise sind die Hintergründe gestochen scharf und die Charaktermodelle detailreich. Auch die Effekte liegen in dieser Form in der Serie, die stilistisch ohnehin einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat, ebenfalls nicht in dieser Qualität vor. Zusammen mit den flüssigen Animationen ergibt sich ein dynamisches Erlebnis im bildschirmfüllenden 16:9-Format in der Full-HD-Auflösung. Hinzu kommt ein sehr guter Soundtrack, der nicht nur das Geschehen mit dumpfen Klängen spannend unterlegt. Herausragend sind die Songs, die regelmäßig im Tonformat DTS-HD 5.1 eingespielt werden und innerhalb der Story von Uta stammen. In Wahrheit ist die japanische Sängerin Ado Interpretin der Stücke. Sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch passen die Lieder wirklich in den Film. Kritisieren lässt sich höchstens die miese Tonabmischung, denn die Lieder sind deutlich lauter als die restliche Musik und nicht zuletzt die Synchronisation. Diese liegt sowohl auf Deutsch als auch auf Japanisch vor, letztere mit erzwungenen deutschen Untertiteln, die sich auch bei den Songs bei der deutschen Sprachausgabe nicht ausschalten lassen. Das kennen One-Piece-Fans von Herausgeber Crunchyroll aber ohnehin nicht anders und die sind es schließlich, an die sich der mittelprächtige One Piece Film: Red richtet.
Geschrieben von Eric Ebert
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die Filme der One-Piece-Reihe können mal mehr und mal weniger mit einer tollen Story überzeugen. Leider wirkt One Piece Film: Red, das inzwischen 14. Kino-Abenteuer der Strohhüte, größtenteils aufgesetzt. Die eigentliche Geschichte ist spannend, zumal in der Anime-Serie hierzu ein besonderer Rahmen geschaffen wurde. Mit der Zeit klappert der Film jedoch nur noch beliebte Figuren ab. Selbst für One-Piece-Verhältnisse wirkt das aufgesetzt. Vor allem Uta von ihrem illusorischen Ziel abzubringen, ein glückliches Land für alle zu schaffen, dreht handlungstechnisch wie inszenatorisch immer weiter ins Absurde ab. Abgesehen davon kann jedoch der Humor wieder an vielen Stellen zünden. In audiovisueller Hinsicht überflügelt der Film, allen voran durch flüssige Animationen und eingespielte Songs, die Anime-Serie um Längen. Unterm Strich hat es One Piece Film: Red aber eher schwer, selbst die größten Fans zu überzeugen. Wer jedoch einfach Lust auf zwei Stunden unkomplizierte One-Piece-Action hat, kommt auch beim 14. Film auf seine Kosten, nur eben nicht so gut wie in anderen Werken der Reihe zuvor.