Review: Yoshi and the Mysterious Book

In regelmäßigen Abständen bekommt Yoshi ein eigenes Abenteuer spendiert, das sich meist über einen besonderen Grafikstil identifiziert. Yoshi and the Mysterious Book macht da keine Ausnahme, doch entpuppt sich der Platformer als gemächliches Spiel zur puren Entspannung.

Bowser Junior ist auf der Suche nach einem magischen Buch – und findet dies prompt auf dem Dachboden des Schlosses seines Vaters. Kaum schlägt er es auf, um den ominösen Wundervogel zu suchen, wird er jedoch in das Werk hineingesaugt. Der titelgebende mysteriöse Wälzer landet auf der Insel der Yoshis und wird von den putzigen Dinosauriern gleich unter die Lupe genommen. Das meinen wir tatsächlich wörtlich, denn Enzo, so der Name der Enzyklopädie, gibt uns ein Vergrößerungsglas, damit wir auf seinen Seiten auf die Suche nach Bowser Junior gehen können. Es ist jedoch nicht nur unsere Aufgabe, das Reptil und seinen Hexenmeister Kamek von den Buchseiten zu vertreiben und selbst den Wundervogel zu entdecken, sondern auch das Lexikon wieder mit Leben zu füllen. Mit der Lupe können wir im Gras, auf Bäumen, in Höhlen oder auf Bergklippen verschiedene Wesen treffen, die wir zum Teil schon aus Yoshis früheren Ausflügen kennen. Haben wir eine Kreatur entdeckt, wird der grüne Dinosaurier oder wahlweise einer seiner andersfarbigen Kumpane ins Buch verfrachtet. Hier spielt sich Yoshi and the Mysterious Book grundsätzlich wie ein Platformer, wie wir es seit Super Mario World 2: Yoshi’s Island kennen und zuletzt 2019 in Yoshi’s Crafted World erlebt haben. Allerdings ist der Schwierigkeitsgrad diesmal nahezu vollständig abwesend.

Entspannte Entdeckungsreise

Das liegt daran, dass Yoshis erstes großes Abenteuer seit sieben Jahren einen anderen Ansatz verfolgt. Anstatt den Spieler in knifflige Geschicklichkeitspassagen zu verwickeln und Yoshi bei Feindkontakt oder einem Sprung in einen Abgrund Lebensenergie einzubüßen, ist der Titel ein entspannter Platformer. Fallen wir in einen Abgrund, werden wir an die letzte betretbare Stelle zurückversetzt und eine Kollision mit einem Gegner bleibt zumeist konsequenzfrei. Wem anspruchsvolle Herausforderungen wichtig sind, für den eignet sich das Abenteuer von GoödFeël, die zuletzt Princess Peach: Showtime! entwickelt haben, nicht. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, bekommt dennoch ein charmantes Spiel vorgesetzt. Anstatt Sprungpassagen zu meistern und Bosskämpfe unbeschadet zu überstehen, ermuntert uns das Spiel stattdessen jederzeit dazu, möglichst viel auszuprobieren. Gegner mit der Zunge zu packen und runterzuschucken oder huckepack zu nehmen und auf andere Kreaturen oder Gegenstände zu werfen – die Einsatzmöglichkeiten sind groß. Diese werden katalogisiert und in der Enzyklopädie festgehalten. Je mehr Entdeckungen wir machen, desto eher schalten wir neue Welten frei. Alle Levels müssen wir nicht absolvieren, sodass wir in Yoshi and the Mysterious Book sehr viele Abschnitte auf dem Weg zum Abspann sogar überspringen dürfen.

Großer Spaß trotz kleiner Defizite

Obwohl viele Aufgaben damit recht anspruchslos sind, ist es dennoch motivierend, auf Entdeckungsreise zu gehen. Viele Geheimnisse lassen sich beim ersten Besuch eines Levels ohnehin nicht aufdecken. Haben wir zudem weitere Lebewesen in anderen Kapiteln aufgespürt, verändert sich ein bereits besuchter Spielabschnitt leicht, sodass wir auch hier noch einmal motiviert werden, neue Entdeckungen zu machen. Falls wir ein Mysterium aber einfach nicht aufdecken können, so können wir auch die goldmünzenähnlichen Glyphen, die massenhaft im Spiel auftreten, für Tipps ausgeben. Für eingesammelte Grinseblumen kann uns Enzo sogar Werkzeuge herstellen, von denen die allermeisten jedoch bloß Spielerei sind und keinen Mehrwert bieten. Bedientechnisch funktioniert der Titel größtenteils sehr gut. Es kommt jedoch öfters schon mal vor, dass wir Yoshi in eine Ecke manövrieren, aus der es dann kein Entkommen gibt. Hier hilft es nur, den Level zurückzusetzen, wobei Entdeckungen glücklicherweise gespeichert bleiben. Dennoch nervig, zumal dies nicht für die typisch hohe Nintendo-Qualitätssicherung steht. Audiovisuell weiß das Spiel zwar zu überzeugen, doch stilistisch leider nicht auf Augenhöhe mit dem zielgruppenähnlichen Kirby und das (extra) magische Garn, GoödFeëls letztem Geniestrich. Gemütliche, jüngere oder ungeübte Spieler werden in unseren Augen trotz dieser leichten Defizite dennoch viel Spaß mit Yoshi and the Mysterious Book haben.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Im Vorfeld habe ich mich sehr auf Yoshi and the Mysterious Book gefreut, denn mit den letzten beiden Abenteuer auf der Wii U und der ersten Switch hatte ich durchaus meine Freude. Yoshi and the Mysterious Book verfolgt einen frischen Ansatz, was ich einerseits gut finde, da das Gameplay in Yoshis letzten Abenteuern durchaus stagniert hat. Dass es dann aber so einfach und zuweilen anspruchslos wird, habe ich dann jedoch nicht erwartet. Damit meine ich nun aber keineswegs, dass der neueste Serienteil auf der Switch 2 ein schlechter Platformer ist – das ist er mitnichten. Er spricht einfach eine andere Zielgruppe an. Wer nur gelegentlich spielt, sich keinen großen Herausforderungen stellen möchte oder nur eine entspannte Zeit erleben will, wird mit GoödFeëls Werk meines Erachtens viel Freude haben. Selbst mir macht es Spaß, etliche Entdeckungen in den Levels zu machen und Experimente anzustellen. Ich hätte mir lediglich erhofft, dass ich dabei auch ein wenig gefordert werde. Je nach persönlichem Vollständigkeitsanspruch, kann der Platformer zwischen acht und sechzehn Stunden unterhalten – und das sollte bei einer Enzyklopädie ja schon gegeben sein!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Yoshi and the Mysterious Book!

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