Review: Alien 3

Nachdem sich der zweite Teil der Alien-Filmreihe aus dem Jahr 1986 mehr als Action- denn als Horrorfilm entpuppte, ruderte Filmemacher David Andrew Leo Fincher 1992 bei Alien 3, seinem Regiedebüt, wieder ein wenig zurück. Der Film litt jedoch mehr an anderen Stellen.

Ein wenig schade ist es schon, wenn eine Filmreihe im Rahmen ihres Genres nicht konstant bleibt, mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer spielt und am Ende nicht jeder glücklich aus dem Kinosaal geht. So war es wohl zwischen 1979 und 1992 mit den ersten drei Filmen der Alien-Reihe. Während Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt noch als Science-Fiction-Horrorfilm für Spannung im Weltraum sorgte, verkam Aliens: Die Rückkehr mehr als ein halbes Jahrzehnt später zur stumpfen Actionorgie mit chaotischem Schnitt. Das Spektakel hat bis heute durchaus seinen Charme und seine Fans, muss aber natürlich nicht jedem schmecken. Alien 3, das stilisiert auch als Alien³ vermarktet wird, versucht wieder an die Anfänge des Franchises zurückzukehren. Dies gelingt dem Science-Fiction-Film allerdings nur bedingt, was jedoch nicht direkt mit der Filmhandlung zusammenhängt, sondern an etlichen Faktoren, die mit der Produktion des Streifens in Verbindung stehen. Seit 1987 wurde versucht, mit William Ford Gibson, Eric Joseph Durdaller und David Neil Twohy verschiedene Drehbuchfassungen zu realisieren. Im Endeffekt arbeiteten jedoch Larry Ferguson, David Kevin Giler und Walter Hill am finalen Drehbuch. Dieses war zu Beginn der Dreharbeiten im Januar 1991 aber noch gar fertiggestellt. So verliefen die Arbeiten an Alien 3 etwas chaotisch.

Horrorprogramm im Knast

Nichtsdestotrotz bietet die Geschichte eigentlich alles, was es für einen spannenden Science-Fiction-Film braucht: Mutige Charaktere, eine schier ausweglose Situation und ein Monster, das es zu bekämpfen lohnt. Inhaltlich spielt Alien 3 kurze Zeit nach Aliens. Hauptfigur Ripley ist mit Newt, Hicks und Bishop vom Exomond LV-426 entkommen. Der Rückflug zur Erde, den die Figuren eigentlich im Kälteschlaf sicher überstehen sollten, entwickelt sich jedoch zum Höllentrip. Ein Alien hat sich klammheimlich an Bord geschlichen und eine Notlandung ausgelöst, durch welche die Rettungskapsel auf den Planeten Fiorina 161 abstürzen lässt. Als Ripley erwacht, erfährt sie, dass es sich bei dem Planeten um eine Strafkolonie handelt, in der nur männliche Straftäter inhaftiert sind. Noch dazu wird ihr erklärt, dass Newt und Hicks im Zuge des Absturzes verstorben sind. Die für nutzlos beurteilten Überreste des Androiden Bishop wurden hingegen auf die Müllkippe verfrachtet. In etwa einer Woche soll Ripley zwar von Fiorina 161 evakuiert werden, doch geschehen in der Strafkolonie verschiedene Morde, die auf die Existenz eines Aliens hinweisen. So beschließen Gefängniswärter und die Inhaftierten in Alien 3, gemeinsam Jagd auf die Kreatur zu machen. Problematisch erscheint jedoch der Umstand, dass es auf dem Planeten trotz höchster Sicherheitsstufe keinerlei Waffen gibt.

Klaustrophobische Jagd aufs Alien

Die Tatsache, dass sich die Akteure dem Alien mit Köpfchen statt mit purer Waffengewalt erwehren müssen, ist 1992 wie retrospektiv in Anbetracht einer Übersättigung des Actionkinos wirklich erfrischend. Auch an der Kulisse ist grundsätzlich nichts auszusetzen, denn die vielen Röhren, schmalen Gänge und fast durchweg grünlich wirkenden Räumlichkeiten sorgen zusammen mit dem stimmungsvollen Soundtrack von Elliot Bruce Goldenthal für eine klaustrophobische Atmosphäre. Es braucht aber auch in Alien 3 wieder ewig, bis die Handlung ins Rollen gekommen ist. Zudem wiederholt sich die Story im Sinne von Verfolgungsjagden durch die Architektur. Kurios ist zudem, dass das Alien durch maue Computeranimationen als flinker Killer inszeniert wird, den Menschen aber zu häufig die Flucht in diesem Katz-und-Maus-Spiel gelingt. Neben Susan Alexandra „Sigourney“ Weaver als Ripley, die ihre Rolle eher anteilslos spielt, können immerhin der vor allem aus Game of Thrones bekannte Walter Charles Dance als Arzt Jonathan Clemens und Charles Stanley Dutton als inhaftierter Priester Leonard Dillon überzeugen. Vielleicht liegt Letzteres daran, dass der Darsteller selbst mehr als ein Jahrzehnt seines Lebens im Gefängnis abgesessen hat. So schlimm wie eine Gefängnisstrafe ist Alien 3 zwar nicht, pendelt sich aber höchstens im Mittelmaß an.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Tatsächlich bin ich kein allzu großer Fan davon, wenn das Genre innerhalb einer Filmreihe wechselt. Selbst alternierende Züge nehme ich nur zögerlich in Kauf. Bei Alien 3 finde ich es grundsätzlich aber gut, von der in meinen Augen durchschnittlichen Ballerorgie mit ihren wilden Schnitten wieder zurück zu einem bodenständigen Science-Fiction-Film zu wechseln. Allerdings war die Produktion von Alien 3 von mehreren unfertigen Drehbuchentwürfen bei Drehbeginn überschattet, was sich im Film in Form von Wiederholungen, eher als lahm einzustufenden Verfolgungsjagden und etwaigen Logiklücken widerspiegelt. Der Assembly Cut aus dem Jahr 2003 wertet den Film meines Erachtens zumindest mit ein paar Szenen deutlich auf, kaschiert zuweilen sogar besagte Defizite wie Logiklücken und nicht zuletzt kommen ein paar der Nebencharaktere deutlich mehr zur Geltung. Regisseur David Fincher distanziert sich von dieser Schnittfassung aber genauso wie Ridley Scott seinerzeit vom erlogenen Director’s Cut des ersten Films. Schlecht ist Alien 3 allerdings auch in der Kinofassung nicht, zumal der Film wieder mehr den Horror in den Mittelpunkt rückt und fast schon provokativ auf Actionszenen aufgrund fehlender Schusswaffen verzichtet. Fans der Reihe dürften definitiv zufrieden sein.

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