Review: Game of Thrones

Game of Thrones (1)Fragt man Serienjunkies derzeit nach ihrer Lieblingsserie, wird ziemlich oft Game of Thrones genannt werden. Nach aktuell vier Staffeln nimmt der Hype um Martins Fantasy-Epos in Serienform nicht ab. Im Juni 2012 wird hierzulande sogar ein Rollenspiel dazu veröffentlicht.

Game of Thrones (2)In unserem Review werden wir auf Spoiler verzichten, doch kommen wir nicht umher, auf ein paar Charaktere aus der Serie beziehungsweise den Romanen einzugehen. Wer also absolut nicht gespoilert werden möchte, sollte zumindest die erste Staffel von Game of Thrones noch nachholen. Die Handlung des Spiels setzt nämlich mehrere Monate vor der ersten Staffel ein. Wir schlüpfen abwechselnd in die Haut zweier Charaktere, die aus zwei verschiedenen Regionen von Westeros, dem Handlungsort des Spiels, stammen. Wer bereits von Game of Thrones gehört hat, wird vielleicht wissen, dass sich im Norden von Westeros die sogenannte Mauer befindet. Ein schier unüberwindbarer Damm aus Stein und Eis schützt die Menschen im Norden vor Wildlingen, Riesen und Untoten. Wer sich eines schweren Verbrechens in der Welt von Game of Thrones schuldig macht und zum Tode verurteilt wird, hat jedoch immer noch die Chance seine Schuld zu büßen, in dem er bis zu seinem Lebensende an der Mauer in der Nachtwache dient. Zur Nachtwache gehört auch Mors Westford. Dieser schlägt sich mit den täglichen Aufgaben an der Mauer durchs Leben. Deserteure aufspüren und hinrichten, Wildlinge vertreiben oder Entflohene aus dem Bordell vom Mulwarft zurück zur Schwarzen Festung bringen. Eines Tages wird er jedoch mit einer besonderen Aufgabe bedacht.

Zwei Handlungsstränge

Game of Thrones (3)Diese besondere Aufgabe besteht darin, eine junge Frau sicher in den Süden zu bringen. Im Süden kehrt derweil Alester Sarwyck aus dem Exil in seine Heimat Flussrath zurück, um der Beerdigung seines Vaters beizuwohnen. Sein Erbe kann er jedoch nicht antreten, da Königin Cersei aus dem Hause Lennister Alesters Schwester seinem Halbbruder Valarr versprochen hat. Game of Thrones ist in fünfzehn Kapitel unterteilt, in denen wir die beiden Protagonisten meist abwechselnd spielen. Zudem spielen die Kapitel mit Alester oft einige Wochen vor den Ereignissen im Norden. Während Alester versucht, die Hochzeit zu verhindern und das Erbe von Flussrath anzutreten, liegen die beiden Handlungsstränge zeitlich bald näher beieinander und werden schlussendlich zusammengeführt. Unterwegs treffen wir neben Königin Cersei auch auf andere Figuren. In der Schwarzen Festung treffen wir auf Lord-Kommandant Jeor Mormont und unterstützen ihn beim Lenken des Geschehens in der Nachtwache. Stolzieren wir in der Hauptstadt Königsmund umher, darf auch der Eunuch Lord Varys nicht fehlen. Wie in der Serie ist es auch im Spiel nicht klar, welches Ziel er verfolgt. Das trifft jedoch auch auf viele andere Nichtspielercharaktere zu, die wir in Westeros antreffen. Bei der Annahme von Quests kann sich das Gegenüber mitunter schnell gegen uns wenden, sobald wir lästig werden.

Der Spürhund

Game of Thrones (4)Sobald wir einen der beiden Protagonisten zum ersten Mal verkörpern, dürfen wir Punkte auf Attribute wie Stärke, Ausdauer oder Intelligenz verteilen, Stärken und Schwächen auswägen und zudem eine Charakterklasse wählen, wie wir uns am besten durchs Spiel schlagen wollen. Wir empfehlen an der Stelle klar, keinesfalls Bogenschütze zu werden. Es gibt im gesamten Spiel so gut wie keine Möglichkeiten, wo die Fähigkeiten eines Fernkämpfers genutzt werden können. Zwar können wir auf jeder Erfahrungsstufe auch in Fertigkeiten investieren, damit wir dann mit anderen Waffen besser umgehen können (was auch sehr gut funktioniert!), doch viele Fähigkeiten, die wir für unsere Fernkampfwaffe benötigen, sind dann absolut nutzlos. Hier fehlt es dem Spiel klar an Ausgewogenheit. Interessant ist jedoch der Einsatz von den Spezialfähigkeiten der beiden Hauptdarsteller. Mors ist stets mit seinem kleinen Hund, den er liebevoll auf den Namen Der Spürhund getauft hat, unterwegs. Da Mors ein Warg, also ein Mensch, der die Fähigkeit hat, sich in andere Lebewesen hineinzuversetzen und diese dann steuern kann, ist, können wir so auch mit dem Spürhund durch die Weltgeschichte laufen. Entweder spüren wir über diesen Weg wertvolle Kleinode auf, suchen vermisste Personen oder – sofern der Gegner alleine auftritt – reißen wir ihm bequem die Halsschlagader heraus.

Wenige Höhepunkte

Game of Thrones (5)Alester hingegen ist im Exil zu einem Roten Priester von R’hllor geworden. Er folgt dem Pfad des Herrn des Lichts und verfügt somit über die Macht des Feuers. Außerhalb der Kämpfe ist diese Fähigkeit jedoch auch anderweitig zu gebrauchen. Nutzen wir die Kraft, können wir an der einen oder anderen Stelle Geheimgänge finden oder gelegentlich seltene Gegenstände entdecken. Die Fähigkeiten sind wirklich abwechslungsreich. In Kämpfen können wir zum Beispiel unsere Klinge in Brand stecken, für Blutungen und Bewusstlosigkeit sorgen oder sogar bekannte Gifte wie den Würger beim Gegner einsetzen. Der Schwierigkeitsgrad ist in Game of Thrones jedoch nicht ausgeglichen. Auf der normalen Schwierigkeitsstufe sind die Kämpfe in den ersten Spielstunden gelegentlich eine echte Herausforderung. In der zweiten Spielhälfte haben wir jedoch so viel Kleingeld über, dass wir uns problemlos mit den besten Gegenständen eindecken können. Heiltränke werden zum Ende hin schon überflüssig. Wer eine Herausforderung sucht, sollte also direkt auf der höchsten Stufe beginnen. Technisch macht der Titel keinen guten Eindruck. Teilweise hinkt er 2012 optisch mindestens sechs Jahre zurück und der Soundtrack könnte, bis auf zwei, drei Stücke, wesentlich besser sein. Wenigstens überzeugt im Endeffekt noch die Story, die uns dreißig Stunden lang beschäftigt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Unverhofft kommt oft. Zwei Jahre ist es her, wo Game of Thrones bei mir eingetroffen ist. Ich bin jedoch froh, dass ich so lange mit dem Review des Spiels gewartet habe. Einer der beiden Charaktere ist nämlich mit einem doch recht wichtigen Story-Detail unmittelbar verbunden, welches erstmals in der vierten Staffel angesprochen wird. Die Handlung von Game of Thrones hinkt der Serie wirklich nur wenig hinter her. Während die Haupthandlung wirklich großartig ist und selbst in den letzten Spielminuten noch mehrere Wendungen hat und mich vor schwierige Entscheidungen stellt, stören mich einige Nebenhandlungen. Diese werden wirklich nur sehr oberflächlich behandelt und obwohl ich oft die Chance habe, etwas im Leben der Nichtspielercharaktere zu bewirken und Teile der Haupthandlung dadurch zu beeinflussen, merke ich davon jedoch nur wenig. Die Welt fällt zudem sehr steril aus. Während noch in der Schwarzen Festung das Leben pulsiert, gleicht Königsmund einer Geisterstadt, wo man nur alle paar Meter einem Bewohner über den Weg läuft. Das kratzt stark an der Atmosphäre, genau wie manche Tracks, die wirken, als ob man sie in der letzten Minute dahingeklatscht hätte. Das Kampfsystem macht nach einer kurzen Eingewöhnungszeit überraschend viel Spaß, doch finde ich es schade, dass sich eine wirkliche Dynamik erst dann entwickelt, wenn beide Protagonisten in der zweiten Spielhälfte aufeinandertreffen. Nach dreißig Stunden bin ich jedoch froh, dass ich Game of Thrones gespielt habe. Das Rollenspiel mag zwar nicht das beste Stück Lizenzsoftware sein, denn drei, vier Monate längere Entwicklungszeit hier echt geholfen hätten. Game of Thrones mag kleinere Fehler haben, doch Fans der Vorlage ist, werden die mit einem Augenzwinkern abtun und sich freuen, Entscheidungen zu treffen, die man vielleicht nicht hätte treffen sollen.

Vielen Dank an dtp entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Game of Thrones!

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