Review: Dark Souls III

Dark Souls III (1)Mit Dark Souls III wird wohl die Trilogie der harten Action-Rollenspiele vorerst ihren Abschluss finden. Entwickler From Software fügte hierfür die absolut besten Versatzstücke der bisherigen Spiele im Finale zusammen.

Dark Souls III (2)Auch wenn im Vorfeld schon angedeutet wurde, dass die Souls-Serie nun erst einmal ihr Ende finden wird, bedeutet dies natürlich nicht, dass die Spielerschaft auf die Spiele dieser Art in Zukunft verzichten muss. Inzwischen auch bei der breiten Masse angekommen, erfreuen sich immer mehr Spieler an den bissigen Action-Rollenspielen, die seit jeher vielen Konventionen der Videospielindustrie aus dem Weg gehen will. Während Bloodborne mit einem flotten Kampfsystem und einem frischen Szenario neue Wege beschritt, versucht sich Dark Souls III an den alten Tugenden zu orientieren und trotzdem viele Neuerungen aus dem PlayStation-4-exklusiven Spiel zu übernehmen. Erzähltechnisch übernimmt das Spiel die Konventionen all seiner Vorläufer. Das mittelalterliche Fürstentum Lothric hat seine Hochzeit längst hinter sich und ist nun ein trostloser und verfallener Schauplatz, der von seelenlosen Wesen, den Unentfachten, bevölkert wird. Zu einem solchen zählen wir uns auch. Mit der Aufgabe, die Asche-Fürsten zurück auf ihre Throne zu bringen, starten wir in das umfangreiche Abenteuer, dessen Geschichte zwar nicht in ausladenden Zwischensequenzen und Textboxen erzählt wird, aber trotzdem nicht nur im Hintergrund existiert. Um vollständig in die Ereignisse in Lothric abtauchen zu können, müssen wir uns allerdings mit der Spielwelt und ihren Bewohnern genauer befassen.

Vertrautes Heim

Dark Souls III (3)Die heruntergekommenen Gestalten in Lothric sind zwar eher wortkarg, bieten aber zusammen mit den vielen Schriftstücken, die mit jedem aufgesammelten Item einhergehen, die Grundlage für die Erzählung. Viele Hinweise auf Geschehenes gibt auch die Spielwelt selbst wider – Statuen und Symbole helfen hier weiter und verkohlte Drachen auf Burgmauern lassen auf einen längst vergangenen intensiven Kampf schließen. Somit bleibt die Tiefe, mit der sich man sich mit der Geschichte befassen will, jedem Spieler persönlich überlassen; genauso wie die Schlüsse, die er aus den Hinweisen zieht. Ein sehr interessantes Konzept, bei dem niemanden vor den Kopf gestoßen wird. Als Ausgangspunkt unserer Reise dient der Feuerband-Schrein, zu dem wir regelmäßig zurückkehren. Dieser Hub stellt nicht nur die einzige Ruhestätte dar, an dem wir uns keine Sorgen vor Gegnern machen müssen, sondern ist auch der Ort, an dem wir aufstufen, unsere Ausrüstung verbessern und alles andere für unsere weitere Reise vorbereiten. Nach und nach füllt er sich mit Leben, also mit weiteren in der Spielwelt gefundenen Figuren, mit denen wir handeln und anderweitig interagieren. Parallel zu unseren Fortschritten im Spiel verändern sich auch die Figuren und dessen Dialoge im Feuerband-Schrein, sodass es sich immer wieder lohnt, diesen zentralen Punkt im Spiel regelmäßig abzuklappern.

Auf Seelenjagd

Dark Souls III (4)Von dort aus teleportieren wir uns in die einzelnen Spielabschnitte, die größtenteils auch untereinander verbunden sind. Mit Schwert und Schild geht es im actionbasierten Kampfsystem gegen allen möglichen Gegner an den Kragen. Die Besonderheit ergibt sich aus der gnadenlosen Wirkung und Relevanz, die alle Angriffe und Aktionen haben. Zwar gehen die Gegner nach zwei bis drei Schlägen zu Boden, dasselbe gilt allerdings auch für uns, wenn wir unbedacht in den Angriff stürmen. Also Schild hoch und Obacht vor fies platzierten Gegnern, die uns gerne von hinten ihren Dolch ins Mark rammen. Zum Regenerieren der Energie genügt ein Schluck aus einem Estus-Flacon, von denen wir zu Beginn noch bedächtig wenige mit uns führen. Mit dem Tod müssen sich die Spieler von Dark Souls III aber so oder so anfreunden, denn dieser heftet seit Spielbeginn bis zum bitteren Ende an uns wie der Schatten an unserer Spielfigur. Daneben wird der Tod auch zum Spielelement, nachdem alle von Gegnern gewonnen Seelen, die Spielwährung, am Ort des Ablebens auf uns warten und beim erneuten Versagen auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Eine weitere Motivation besonders vorsichtig vorzugehen, denn mit den Seelen sind wir im Feuerband-Schrein ein gern gesehener Mann, egal ob bei der mysteriösen Dame, die uns aufstufen lässt, oder dem bärtigen Schmied, für den wir schnell ein wichtiger Kunde werden.

Die Schwertkunst aus Lothric

Dark Souls III (5)Zu Beginn des Spiels steht uns die Auswahl zwischen einigen Klassen frei, wobei sich die Wahl der Klasse nicht langfristig auf unseren Spielverlauf auswirkt. Nahkämpfer unterscheiden zwischen Stärke und Geschicklichkeit, während Magier, Pyromanten und Kleriker noch immer ihre eigenen Statuswerte haben. Zurück aus dem fast vergessenen Demon’s Souls ist die blaue Fertigkeitsleiste, die nun pro gewirkten Zauber abnimmt und sich erst am nächsten Leuchtfeuer wieder regeneriert – solange wir nicht Gebrauch von den neuen Asche-Estus-Flacons machen, dessen kristallblaue Farbe schon auf ihre Wirkung hinweisen. In welchen Mengen wir Flacons dabei haben wollen, die unser Leben oder unsere Fertigkeitspunkte regenerieren, liegt bei uns, denn auch Nahkämpfer profitieren davon. Alle Waffen besitzen nun Waffenfertigkeiten, also neben schweren, leichten und zweihändigen Angriffen noch eine ganz besondere, ausgefallene Angriffstechnik, die auch vom blauen Balken zehrt. Diese sehen besonderes cool aus und lassen richtige Schwertkampf-Atmosphäre aufkommen, egal ob unsere Figur mit einem gekonnten Streich die Deckung eines feigen Schildträgers durchbricht oder mit einem Katana eine denkwürdige Kombination abhält. Besonders im Spiel gegen echte Gegner sorgt diese Neuerung für einen weiteren Grund, sich auch einmal mit anderen Waffentypen zu beschäftigen, um neue, ausgefallene Taktiken für sich zu entdecken.

Umstrittenes Spielweltdesign

Dark Souls III (6)Im Hinblick zum Vorgänger fällt sofort die verhältnismäßig schnellere Spielgeschwindigkeit auf, die sich nun zwischen dem langsameren Dark Souls II und dem fixen Gameplay von Bloodborne eingependelt hat. Gefühlsmäßig wurde der Schild gegenüber der Ausweichrolle etwas entwertet, trotzdem haben wir es hier mit einem richtigen Dark-Souls-Kampfsystem zu tun. Auch nach dem fünften Spiel seiner Art bleiben From Softwares feine sowie griffige Mechaniken des Kampfsystems noch immer unerreicht und spielen mit Leichtigkeit ganz oben im Genre der Action-Rollenspiele mit. Ihre Einzigartigkeit erarbeiteten sich die Spiele aber vor allem auch mit ihrer immersiven Spielwelt. Lothric bietet unterschiedliche Schauplätze aller Art, die sich alle um ein heruntergewirtschaftetes Mittelalter-Setting drehen. Gegenüber zum ersten Teil wurde sich erneut dafür entschieden, keine großartig zusammenhängende Welt zu kreieren, dessen Abschnitte logisch und reibungslos ineinander übergehen, sondern die einzelnen Levels perlenkettenartig aufzubauen. Innerhalb dieser Abschnitte befindet sich das Level-Design zweifelsohne auf gewohntem Niveau. Jede Ecke im Spiel ist einzigartig und lädt zum Erkunden ein. Niemals gibt es Wege, die einfach so in einer Sackgasse oder ohne Belohnung für uns enden. Sinnloses Backtracking bleibt uns dank intelligenter Abkürzungen und Rundwege also erspart.

Horrende Horizonte

Dark Souls III (7)Wer es in anderen Titeln schafft, komplexe und gleichzeitig runde Level-Abschnitte zu gestalten, hätte dies auch spielübergreifend hinbekommen. Dies hat From Software in Dark Souls perfektioniert und auch zuletzt in Bloodborne bewiesen. Visuell punktet das Spiel dafür an anderen Stellen mit Einzigartigkeit. Öfter als je zuvor blicken wir auf bereits besuchte Gebiete zurück oder erkennen schon im Hintergrund die nächsten beeindruckenden Level-Architekturen, die mit Sicherheit in den nächsten Spielstunden bereist werden können. Genau dieses Element, dass wir alle Bereiche, die wir sehen, auch wirklich betreten können, haben sich die Entwickler auch dieses Mal wieder groß auf die Kappe geschrieben, was zu einer immersiven Verbundenheit zwischen Spieler und Spielwelt führt – auch ohne einer konnektiven Spielwelt. Ein weiterer Punkt, der für diese Art von Spiele steht, ist der Schwierigkeitsgrad, der die eine oder andere Etage über durchschnittlichen Spielen angesiedelt ist. Zwar gibt es keine Schwierigkeitsstufen im klassischen Sinne, wer sich aber umschaut, das Terrain zu seinem Vorteil nutzt und ein wenig experimentiert, macht sich das Leben um einiges leichter. Am wichtigsten ist allerdings die Erfahrung, die wir im Laufe des Spiels beziehungsweise der Spiele sammeln, sodass es schwer ist, den Schwierigkeitsgrad objektiv einzuordnen. Aber egal ob Anfänger oder nicht – frustrierend und unfair ist das Spielerlebnis nie.

Gemeinsam Sterben

Dark Souls III (8)Selbst bei den zahlreichen Bossgegnern gewinnen wir mit jedem Versuch etwas mehr Land, bis wir schließlich den Sieg für uns entscheiden. Notfalls beschwören wir einfach über den genialen Multiplayer-Modus Mitstreiter, die uns dann im Kampf beistehen. Diese Komponente bindet die Spieler auch langfristig an das Spiel, denn auch wenn im Next-Game-Plus zahllose Stunden ins Land gehen können, bietet der Kampf gegen echte Spieler immer noch eine ganz besondere Herausforderung. Zum Glück spielt in diesem Fall auch die Technik mit und Verbindungsprobleme stellen keine Gefahr mehr dar. Insgesamt bietet Dark Souls III nicht die modernste Technik, die grafische Gestaltung und das Design reißt aber enorm viel raus, wodurch wir es hier mit einem sehr hübschen Spiel zu tun haben. Hier und da geht die Bildrate spürbar in die Knie, die schnellen Kämpfe werden dadurch aber nicht negativ beeinträchtigt. Musikalisch bestrebte man dieselbe Gesinnung wie in den Vorgängern, sodass in Gebieten selbst nur Geräusche der Umwelt und Gegner zu hören sind. Nur bei Endgegnern zeugen mal melancholische und mal panische Klänge von der Wichtigkeit und Brenzligkeit der aktuellen Situation. Mehr Stücke denn je besitzen einen Ohrwurmcharakter und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Generell greifen in Dark Souls III alle Spielelemente reibungslos ineinander, was im bisher rundesten Spielerlebnis der Reihe resultiert.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Dark Souls III ist in jeder Hinsicht seinen Vorgängern gewachsen und verbindet einmal mehr ein ungeheuer motivierendes Kampfsystem mit einer grandiosen Rollenspiel-Erfahrung. Die Kritik, dass das Spiel zu wenig neue Elemente besitzt und nur Bekanntes aufwärmt, beißt sich mit den Vorwürfen zu unpassenden Neuerungen. Zwar hätte ich mir auch eine Spielwelt à la Dark Souls gewünscht, aber mit den Neuerungen diesbezüglich und den anderen Designentscheidungen bin ich vollends zufrieden. Nach Dark Souls III ist für mich genau der Zeitpunkt erreicht, an dem ich nach einer Trilogie dieser Qualität stehen will – From Software hat sich dem Zenit bis zum Scheitelpunkt angenähert und macht jetzt Schluss, bevor Ermüdungserscheinungen dem Spielgefühl schaden würden. Trotzdem habe ich mit dem Spiel auch nach vielen, vielen Stunden Spielzeit noch lange nicht meinen Frieden gefunden – dafür gibt es noch zu viele Geheimnisse zu lüften und Gegner mit denen ich noch eine Rechnung zu begleichen habe. Sehr gelungen finde ich das Design vom Feuerband-Schrein, in dem alle wichtigen Spielelemente zusammenlaufen, sodass sinnloses Herumirren auf der Suche nach einem Händler der Vergangenheit angehört. Dark Souls III hat meine Erwartungen zwar nicht übertroffen, dennoch wird es für andere Spiele dieses Jahr schwer, dieses Spielerlebnis zu übertreffen.

Vielen Dank an Bandai Namco Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dark Souls III!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s