Review: Dark Souls – Prepare to Die Edition

Dark Souls: Prepare to Die Edition (1)Japanische Rollenspiele müssen nicht zwangsweise in einer bunten, verspielten Fantasy- Welt spielen. Flüchtig sieht Dark Souls so aus, als wäre es einer westlichen Spieleschmiede entsprungen, aber im Herzen offenbart das grausige Action-Rollenspiel seine Herkunft.

Dark Souls: Prepare to Die Edition (2)Einige Verbesserungen und der Zusatzinhalt Artorias of the Abyss, die ursprünglich für die PC-Version reserviert waren, finden wir jetzt auch in der Konsolenfassung wieder. Zusammen mit seinem spirituellen Vorgänger Demon’s Souls, gehört das Spiel zur provokanten Bewegung gegen die immer leichter werdenden Videospiele. Sicherlich gibt es auch heute schwierige Spiele, die sich nicht zuletzt durch einen Schwierigkeitsgrad künstlich entsprechend einstellen lassen – Dark Souls aber definiert Härte auf eine realistische Weise neu, ohne jemals wirklich unfair zu werden. Nicht grundlos wurde das kontroverse Spiel von vielen als das Spiel des Jahres 2011 gekürt. Es wirft die Frage auf, wie weit Entwickler gehen dürfen, um den Spieler zu fordern. So gut wie jede Tat und alle Entscheidungen in Dark Souls sind endgültig und können nicht widerrufen werden. Wenn Händler auch nur aus Versehen um die Ecke gebracht werden, müssen wir das gesamte Rollenspiel ohne diese zum Abschluss bringen. Zusätzlich speichert das Spiel nach jeder Aktion wie Kämpfe gegen einfache Gegner oder Item-Einsatz automatisch ab, sodass es sich niemand leisten kann, schlecht mit seinen Besitztümern zu haushalten oder gar unvorsichtige Vorstöße in noch unerschlossene Gebiete zu wagen. Denn das einzige, was sich in Dark Souls regeneriert und dauerhaft konstant bleibt, ist unser Charakter mitsamt seiner Ausrüstung, der als Hülle nach jeden der unzähligen Tode wieder an den einzigen Ruheplätzen im Spiel, den rar gesäten Leuchtfeuern, erwacht.

Das Fürstentum Lordran

Dark Souls: Prepare to Die Edition (3)Die Inspirationen für die abwechslungsreiche Spielwelt und die vielseitigen Gegner stammen teilweise aus unterschiedlichen Mythologien und Sagenwelten. Die Spielwelt Lordran erreicht mit einem klassischen, heruntergekommenen, europäischen Mittelalter-Setting, bestehend aus verwinkelten Burgen, tiefen Grüften und finsteren Wäldern, die gewohnte Maßstäbe setzen, dann und wann aber wieder Gebietsabschnitte, die uns selbst in den kühnsten Fieberträumen nicht heimgesucht hätten. Die Spielwelt wartet nur darauf, dass wir uns, sowie unzählige unserer virtuellen Leben in ihr verlieren. Dabei bekommen wir nach und nach ein immer besser werdendes Gespür für die natürlich gewachsene Welt und beginnen sie auswendig zu lernen, um uns irgendwie besser zurechtzufinden. Nach dem Tutorial, bestehend aus einer Hand voll Hinweistexten, geht es auch schon los und wir werden mitten in der Spielwelt ausgesetzt. Ohne Vorwissen, ohne einer Karte und vor allem ohne einen blassen Schimmer, was wir überhaupt tun sollen. So suchen wir uns erst einmal wahllos eine Himmelsrichtung aus und beginnen das umliegende Territorium zu durchkämmen. Dark Souls besitzt zwar eine Struktur, die Open-World-Spielen ähnlich ist und die durch clevere Abkürzungen und Geheimgängen sehr zugänglich wird, aber trotzdem werden alle wichtigen Ereignisse und Bosse in einer festgelegten Reihenfolge erledigt. Wirklich verlaufen können wir uns nicht, denn die Stärke mancher Gegner hält uns völlig natürlich von so manchen Gebieten fern.

Freie Charaktergestaltung

Dark Souls: Prepare to Die Edition (4)Während unseren Streifzügen bemerken wir, dass wir nicht ganz allein in Lordran sind. Ritter und Abenteuer, von den unterschiedlichsten Schicksalen gepeinigt, kreuzen unsere Wege. Viel zu sagen haben sie nicht, denn meist sinnieren sie über sich selbst und verraten dabei aber auch den einen oder anderen Hinweis über die Umgebung oder unsere Aufgaben. Oft spötteln sie aber nur über unseren Werdegang. Wir seien kein Held, heißt es. Wir sind ihnen völlig gleichgültig und das Heldentum gilt es mühevoll zu erarbeiten. Dafür wählen wir vor Spielbeginn eine von zehn sehr unterschiedlichen Klassen, die sowohl im Nahkampf als Ritter und Bandit, als auch aus der Ferne als Pyromant, Kleriker oder Waldjäger, unterschiedlich viel austeilen und einstecken kann. Trotz ihrer unterschiedlichen Vor- und Nachteile sind die Klassen jedoch ausgeglichen. Alle Klassen können alle Waffen und Ausrüstungsgegenstände tragen. Relevant sind nur Attribute wie Stärke, Geschicklichkeit oder die Intelligenz-Stufe, mit denen die einzelnen Waffen skaliert werden. Ein leichtfüßiger Waldjäger mit einer hohen Basis-Beweglichkeit wird somit völlig automatisch mit Bögen besser zurechtkommen, als mit einer Breitaxt. Da wir aber jeden Charakter nach unseren individuellen Bedürfnissen anpassen können, ist die Wahrscheinlichkeit ihn zu verskillen nicht gerade niedrig. Punkte können nicht mehr neu verteilt werden und besonders zu Beginn weiß wohl noch kaum ein Spieler mit den Werten und Attributen sehr viel anzufangen und verbaut sich seinen Spieler zwangsläufig.

Seelenjäger

Dark Souls: Prepare to Die Edition (5)Dazu müssen wir sagen, dass das Spiel Dark Souls genauso wie der spielbare Charakter nicht gerade viel von sich preisgibt und die gute alte Regel Probieren geht über Studieren an der Tagesordnung steht. Deswegen wird eigentlich niemand ohne einem Lösungsbuch oder ausführlichen Interneteinträgen die sehr verwobenen und mysteriösen Hintergründe zur Spielwelt erfahren. Wir sehen genau hier auch den Reiz, den das Spiel ausmacht. Besonders Fans von klassischen Retro-Rollenspielen, die damals noch mehr erarbeitet als gespielt werden mussten, können sich an die Zeiten zurückerinnern, als man noch wirklich auf sich allein gestellt war. Zusätzlich konzentriert sich das Spiel auf nur eine einzige Währung – die Seelen verschiedener Lebewesen. Der Seelen-Counter steigt, wenn wir Gegner besiegen oder die Leichen gefallener Menschen am Wegesrand plündern. Sie stellen sowohl die wertvollen Erfahrungspunkte als auch Geld in einem dar. Gefordert werden die Seelen vom Spiel für einen neuen Stufenaufstieg, von Händlern im Tausch gegen überlebenswichtige Waren und zuletzt vom Tod selbst. Falls wir nämlich sterben, verlieren wir schlagartig unseren gesamten Seelenvorrat, der glücklicherweise noch bis zu unserem nächsten Ableben bei unseren Überresten auf uns wartet. Somit haben wir immer noch eine zweite Chance, unser Hab und Gut wieder einzusacken und vielleicht die Seelen rechtzeitig auszugeben, bevor der Frust von dem Verlust eines ansehnlichen Vermögens zu groß werden könnte.

Mit Schwert und Schild

Dark Souls: Prepare to Die Edition (6)Neben der Waffe in der rechten ist das Schild in der linken Hand unser wichtigster Schutz. Ein guter Schild sollte bei einem gegnerischen Angriff nicht nur den kompletten Schaden eindämmen und so wenig Ausdauer wie möglich abziehen, sondern auch unseren Charakter auf den Beinen halten. Mit gehobenem Schild hat sich aber leider noch kein Monster besiegen lassen, sodass wir uns für leichte und schwere Angriffe aus der mehr oder weniger sicheren Deckung begeben müssen. Eine hilfreiche Lock-on-Funktion sorgt dafür, dass die meisten Schläge oder Schüsse ihr Ziel treffen und wir immer den Überblick in den Kämpfen behalten. In Dark Souls wäre eigentlich alles wesentlich einfacher, wenn nicht fast alle Tätigkeiten, abseits des normalen Wanderns, Ausdauer verbrauchen würden. Sprinten, Zuschlagen und Blocken kostet alles etwas von dem anfangs noch verdächtig kleinen grünen Balken in der oberen linken Bildschirmecke. Er regeneriert sich konstant von selbst, solange er vollständig geleert wurde, denn dann steht unser Recke erst einmal einige Sekunde teilnahmslos in der Gegend herum und benötigt eine Verschnaufpause. Da das nicht selten zum Tot führt, ist die Ausdauer fast wichtiger als der rote Energiebalken. Neben normalen Angriffen gibt es noch spezielle, die uns nichts außer unsere eigenen Fertigkeiten abverlangen. Gegner können nach dem Drücken des Analog-Sticks und der Schultertasten im selben Moment mit Fußtritten aus dem Gleichgewicht und mit Sprungattacken überrascht werden.

Brachiales Boss-Design

Dark Souls: Prepare to Die Edition (7)Zusätzlich kann der Schild auch mit richtigem Timing Hiebe parieren und das Erstechen des Gegners (ein kritischer Treffer!) zulassen. Die absoluten Highlights im Spiel sind aber die zahlreichen Bossgegner. Kaum haben wir nach dutzenden Versuchen endlich einen Boss zu Boden gerungen, stoßen wir innerhalb der nächsten Stunden erneut auf einen Bossraum und müssen uns wieder um uns und den Fortschritt des Spiels sorgen. Kaum zu glauben, dass der finale Kampf der unspektakulärste und leichteste im gesamten Abenteuer ist, denn ansonsten sind alle Bossgegner größer, lauter und gefährlicher. Nur in Ausnahmen besitzen die Gegner explizierte Schwachstellen, die wir attackieren sollten. Es geht in den Kämpfen eher um das Auswendiglernen der Kampfmuster, was allein schon einige Versuche beanspruchen wird, denn bevor wir nicht wissen, wann wir angreifen sollten, ist der Kampf, besonders mit langsamen Waffen, sehr schnell entschieden. Untermalt wird das ganze von kraftvollen und rhythmischen Chören, die noch einmal auf den Ernst der Lage aufmerksam machen wollen. Im restlichen, eigentlich musikalisch eher ruhigen Spiel, versprüht Dark Souls eine geheimnisvolle, abendliche und melancholische Atmosphäre, die uns auch über die veraltete Grafik hinwegsehen lässt. Die Texturen stammen anscheinend auch aus dem Mittelalter. Das schadet im Gegensatz zu der teilweise fragwürdigen Kollisionsabfrage von Waffen und der exorbitant niedrigen Bildrate in einigen Gebieten wenigstens nicht dem Spielfluss.

Enttäuschendes Add-on

Dark Souls: Prepare to Die Edition (8)Im zwei bis drei Stunden langen Artorias of the Abyss erfahren wir nun auch auf der Konsole mehr über die Vergangenheit vom Ritter Artorias, dessen Name schon im Hauptspiel ein ständiger Begleiter war und keine unwichtige Rolle eingenommen hat. Für Dark Souls ist es aber schon eine Meisterleistung für sich, die neuen Gebiete zu betreten. Erst nachdem wir mit Personen in einer speziellen Reihenfolge gesprochen und besondere Items gefunden haben, also ohne Anleitung kaum machbar, öffnet sich an einem willkürlichen Ort der Eingang nach Oolacile. Das Beste, gleich vorab, sind vier sehr gute und wieder sehr schwere Bossgegner, die auf den zu kleinen und neuen Arealen ihr Unwesen treiben. Zusammen mit noch einigen kleinen Geheimnissen wäre der Zusatzinhalt so inhaltslos sicher nicht gut angekommen, wenn nicht die lang erwarteten Player-versus-Player-Arenen implementiert worden wären. Endlich können wir mit unserem trainierten Recken direkt und unbeschwert gegen andere Spieler in die Arena steigen. Im normalen Spielverlauf treffen wir nur auf andere Spieler, wenn wir Gebrauch von der experimentellen Online-Erfahrung machen. Die auf dem Boden der ganzen Spielwelt verstreuten orangefarbenen Nachrichten, weisen schon darauf hin und spätestens wenn unerwartet ein mordlustiger Spieler in unser Spiel einsteigt, ist es klar, dass Dark Souls konstant mit dem Internet verbunden ist. Eine Online-Pflicht besteht jedoch nie, denn das Feature wird nur für den optionalen Multiplayer-Part genutzt. Feinde trachten zwar hier nach unseren Seelen, aber nette Spieler dürfen unserer Partie auch beitreten, um uns in schweren Gebieten zu unterstützen. Nett und verkraftbar zugleich!

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Dark Souls ist in unserer Zeit eine einmalige Erfahrung. Wer über seinen Schatten hinweg springt und einmal die ersten Spielstunden durchhält, wird sich in der gnadenlosen und doch ungeheuer motivierend zu erkundenden Welt verlieren. Einige Spielmechaniken hätten meiner Meinung nach zu Beginn dennoch erläutert werden sollen, denn allein das Status- und Gegenstandsmenü birgt anfangs schon fast so viele Mysterien und Geheimnisse wie das gesamte Spiel. Das federleichte Handbuch ist dabei wie in den meisten modernen Spielen auch keine Hilfe. In den unübersichtlichen Menü packte mir öfters einmal die Scrollwut, die nicht zuletzt in hektischen Situation nach der Suche eines bestimmten Items, die dank der nicht vorhandene Pause-Funktion nicht selten sind, zu weiteren unnötigen Toden führet. Das Kampfsystem dagegen ist sehr zugänglich und kann trotzdem erst nach einiger Zeit der Übung vollständig gemeistert werden. Und das Gefühl, damit dann einen Bossgegner nach unzähligen vergeblichen Versuchen besiegt zu haben, toppt zur Zeit kaum ein anderes Spiel. Dies ist mitunter der Grund, warum Dark Souls II eines meiner heiß begehrtesten Spiele des nächsten Jahres sein wird. Ich hoffe, dass dann auch mehr Leute zugreifen werden, um damit ein Zeichen zu setzen, dass solche Spiele noch sehr wohl von den Spielern verlangt werden.

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