Review: Dark Souls II

Dark Souls II (1)Besonders unerfahrenen und unwissenden Spielern will From Software mit ihren Dark-Souls-Spielen das Fürchten lernen. Auch wenn Dark Souls II zweifelsohne kein Zuckerschlecken ist – am schwersten erscheint es immer für die, die das Spiel noch nicht einmal angerührt haben.

Dark Souls II (8)Viel wurde schon im Vorfeld über Dark Souls II gemunkelt und Unsicherheit sowie Angst machte sich unter Fans breit. Nicht aber auf Grund der Aussicht auf ein weiteres grotesk schwieriges Abenteuer – im Gegenteil! Schließlich waren die Verkäufe des ersten Teils nur moderat, was durchaus an der fokussierten Zielgruppe liegen kann. Ein Easy-Mode und ein generell sozialerer Umgang mit dem Spieler würde sicherlich den einen oder anderen interessierten Kunden herbeilocken können. Damit würde aber die Dark-Souls-Reihe nicht nur ihre besonderen Erkennungsmerkmale verlieren, sondern direkt in eines dieser unzähligen Action-Rollenspiele formatiert werden. Das erkennen auch die Entwickler und gehen somit nur kleine Kompromisse ein, was die Zugänglichkeit für blutige Anfänger anbelangt. Das Spiel ist dennoch keinesfalls simpler gestrickt und das Abenteuer stößt besonders erfahrenen Dark-Souls-Spielern ganz bewusst mit einigen Mechaniken vor den Kopf. Erst recht wird ihnen nun endlich wieder eine gepfefferte und gesalzene Herausforderung geboten. Und die beginnt direkt nach dem Prolog des Spiels, der auch diesmal aus einem bewusst rudimentär gehaltenem Tutorial, in welchem wir die Grundlagen des Spiels erlernen, und der klassischen Charaktergestaltung, wo wir unseren Recken zusammenschustern, besteht.

Zugänglichkeit ist ungleich Leichtigkeit

Dark Souls II (7)Bei der Charaktersgestaltung können wir uns zwar zwischen einigen Klassen entscheiden, die die Spielweise jedoch aber nicht allzu sehr einschränken. Erst das Aufstufen mit Seelen formt unseren Charakter richtig, sodass einem Jäger immer noch das Schicksal eines Klerikers erwarten kann. Anmerken müssen wir dabei, dass Ausrüstungsgegenstände von allen Klassen getragen werden können, solange unser Charaktere nur die vorausgesetzten Attribute besitzt. Dazu prahlt Dark Souls II noch immer mit jenen komplexen Mechaniken und Möglichkeiten, um den eigenen Charakter zu entwickeln und zu gestalten. Über jene Dinge und noch einiges mehr, informieren uns nun zahlreiche Informationsboxen, in die wir jederzeit Einsicht nehmen darf. Die melancholischen wie mystischen Charaktere sind übrigens immer noch alle ein Rätsel für sich. Eine eindeutige Zunahme an Interaktionsmöglichkeiten in Dialogen und zielführenden Hilfestellungen können wir dennoch verzeichnen. Hier haben die Entwickler genau an der richtigen Stelle gefeilt, denn schließlich gibt es in einem Rollenspiel wirklich nichts unangenehmeres, als die teuren Erfahrungspunkte in Werte zu investieren, von denen niemand weiß, was sie bewirken. Im Spielkonzept von Dark Souls II wären Einschränkungen dieser Art ohnehin fehl am Platz, denn was auch immer in Dark Souls II passiert, passiert.

Erinnerungswürdige Orte

Dark Souls II (6)Das liegt daran, dass wie in Dark Souls das Spiel mit einer permanenten Autosave-Funktion ausgestattet ist und somit bleibt alles, was wir in der Fantasy-Welt Drangleic tun, Fortschritt. Das soll uns natürlich zum Mitdenken bewegen, denn egal ob einfallslose Investitionen oder moralisch verwerfliche Taten – nichts kann durch einen schnellen Ladevorgang behoben werden und im Endeffekt müssen wir so oder so wieder an einem der Leuchtfeuer starten. Das erste dieser Ruheorte befindet sich in Majula, einer stimmungsvollen Küstensiedlung, die gleichzeitig als Zentrum der Spielwelt Drangleic fungiert. In alle Richtungen können wir das arg heruntergekommene Königreich erkunden, wobei From Software dieses mal im Bezug auf das Spielwelt-Design einen anderen Weg eingeschlagen hat, als noch beim Vorgänger. Nun ist es uns schon von Beginn an erlaubt, das Schnellreisesystem per Leuchtfeuer zu benutzen. Das macht nur Sinn, denn im Gegensatz zu Lordran ist Drangleic kaum mehr eine in sich geschlossene und vernetzte Welt, die durch ihre Verschachtelung immer wieder neue Passagen und Abkürzungen zu schon besuchten Gebieten offenbart. Die Welt ist zwar immer noch genauso verbunden, doch von Majula führen nun in alle Himmelsrichtungen schlauchähnliche Level-Abschnitte in die neuen Gebiete.

Innerer Konflikt

Dark Souls II (5)Das verkürzt das zwar allseits verhasste Backtracking enorm, doch dafür kommt in uns aber nicht mehr dieses besondere heimelige Gefühl auf, das wir noch aus Lordran kennen. Im Gegenzug warten die Entwickler mit einem echt bizarren Konzept auf, das das grundlegende Gameplay doch um einiges auffrischt. Wir verkörpern einen Charakter, genauer gesagt einen Verfluchten, der nach wirklich jedem der unzähligen Ableben zehn Prozent seiner maximalen Lebensenergie verliert. Das kann soweit gehen, bis nur noch die Hälfte übrig bleibt, wodurch von Versuch zu Versuch unsere Chancen auf einen Sieg, bei einem Boss zum Beispiel, immer weiter gegen Null sinken. Gegenwirken können nur Menschenbilder, besonders anfangs sehr seltene Items, die den Fluch – bis zum nächsten Tod – aufheben. Dadurch entsteht ein immenser innerer Zwiespalt im Bezug auf den Gebrauch dieses Gegenstands. Würden wir in den nächsten Versuchen die Herausforderung nicht meistern, wäre alles umsonst gewesen. Was für schlimme Grausamkeiten uns schon hinter der nächsten Ecke erwarten, bleibt dabei dem Spiel vorbehalten. Schlimmer geht es jedenfalls immer, wie wir herausgefunden haben. Zu allem Überfluss verschwinden die ständig wiederkehrenden Gegner, nachdem wir sie ein knappes dutzend mal ihrer Seelen beraubt haben, zunächst permanent.

Déjà-vu

Dark Souls II (4)Das spart zwar deutlich Zeit, verhindert aber geplantes Aufstufen und begrenzt die Anzahl der einzusammelnden Seelen in Drangleic enorm. Es ist also ein ewig wiederkehrender Kreislauf der Verzweiflung, der nun sogar das einzig Sichere aus Dark Souls, das ewige virtuelle Ableben, in eine Tortur verwandelt. Im Vorgänger sind dafür eigentlich fast immer die Bossgegner verantwortlich, die dem Spiel als spielerische Höhepunkte und gleichzeitig motivatorische Tiefpunkte erhalten geblieben sind. Deswegen ist es umso schade, dass einige Boss-Designs förmlich direkt aus dem Vorgänger kopiert wurden. Einige Gegnertypen feiern wohl immer wieder ihr Comeback, aber schon in den ersten zwanzig Stunden Spielzeit sind diese Kopien etwas zu viel des Guten. Natürlich sind die Angriffsmuster ein wenig überarbeitet worden, doch Kenner werden sich direkt an alte Strategien erinnern, die auch hier wieder super klappen werden. Dagegen müssen wir aber sagen, dass die Anzahl der Bossgegner drastisch erhöht wurde – ein hoher Puls konstant am Limit ist also definitiv wieder garantiert. Gleich bleibt auch die Erzählweise, die schon seit jeher immer ein wenig anders gewesen ist, sowohl im Guten, als auch im Schlechten. Hier bietet Dark Souls II also eher gewohnte und standardisierte Kost, die wir so ähnlich schon mal erlebt haben.

Leidensgenossen

Dark Souls II (3)So erwarten uns prächtige und computergenerierte Animationen ungefähr nur alle fünf bis zehn Spielstunden, um dann beispielsweise einen großen Bossgegner oder ein neues Areal vorzustellen. Daneben hat auch unser verfluchter Charakter sowie die unfreundliche Umwelt nicht viel zu erzählen – jedenfalls nicht auf die herkömmliche Art. Dass die Spielwelt Drangleic ein sehr geschichtsträchtiger Ort ist und deren spärliche Bewohner auch schon einiges erlebt haben, lernen wir spätestens im Gespräch mit Nichtspielercharakteren, von Item-Beschreibungen und nicht zuletzt von den Umgebungen selbst. Ein großer Punkt steuert hier das gleichermaßen experimentelle wie auch nützliche Nachrichtenfeature bei. Seid ihr mit dem Internet verbunden, könnt ihr jederzeit eure Gedanken in Textform als einen leuchtenden Schriftzug in der Spielwelt manifestieren, sodass andere Spieler von eurem Wissen und Tipps profitieren. Aber Obacht, naive Zutraulichkeit kann nicht nur in der echten Welt fatale Auswirkungen haben, sondern euch auch in Drangleic in die Irre führen, denn noch immer finden viele Spieler ihren Spaß daran, uns bewusst in Fallen laufen zu lassen oder uns schäbigerweise mit der Aussicht auf einen geheimen Schatz in den nächsten Abgrund zu locken. Bei laufender Internetverbindung müssen wir also immer auf der Hut sein!

Technisch Irreführung

Dark Souls II (2)Da sich das Spiel primär durch sein Gameplay und andere Elemente, die nur das Medium Videospiele transportiert, definiert wird, ist es verständlich, dass den technischen Aspekten nicht die volle Aufmerksamkeit geschenkt werden konnte. Besonders schade ist das, da die Trailer sowie die ersten Gameplay-Videos noch ein ganz anderes Licht auf die grafische Seite geworfen haben – wovon nun (auf der Konsole) nicht mehr viel übrig geblieben ist. Natürlich sind höher aufgelöste Texturen und eine schönere Ausleuchtung der Umgebung immer wünschenswert und von einem Dark Souls in Next-Gen-Optik wollen wir jetzt gar nicht erst träumen, doch etwas mehr Fleiß hätten wir schon erwartet. Lieber aber besannen sich die Entwickler auf die Kernelemente ihres Spiels, dennoch hält Dark Souls II den einen oder anderen Hingucker parat. Spielerische Einschnitte wie die markanten Framerate-Einbrüche und nervige Verbindungsprobleme zum Internet gehören nun aber tatsächlich zur finsteren Geschichte der Vorgänger (Dark Souls und das PlayStation-3-exklusive Demon’s Souls). Super, dass auch der zweite Teil wider mit einem eher subtilen Soundtrack, der sich langsam in unser Gedächtnis einschleicht, auftrumpfen kann. Meist nur singuläre Einwürfe von Sounds schaffen es dennoch mit den großen und lauten Stücken aus Blockbuster-Titeln mitzuhalten.

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit (basierend auf der Xbox-360-Fassung): Der Nachfolger eines meiner absoluten Lieblingsspiele macht sowohl einige Zugeständnisse an die Fans, aber auch an die breite komfortable Masse. Natürlich hätte dem Spiel eine rundere Spielwelt sowie eine ansprechendere Technik gut getan, doch dafür sorgen schon die kleinsten Verbesserungen im Bezug aufs Spielprinzip zu potenzierten Qualitätssteigerungen. Daneben fehlt mir aber irgendwie die eine oder andere Neuerung, mit der sich das Spiel etwas vom Vorgänger abheben könnte. Das schafft die Fackel nicht, die schon im Vorhinein als vollwertiges Feature angekündigt wurde. Ohne dieser Lichtquelle seien manche Gebiete nicht zu erkunden gewesen – das erübrigte sich aber mit dem Downgrade der Grafik und dem einhergehenden Verlust der dynamischen Ausleuchtung der Spielwelt. Somit bleibt sie eine nette Möglichkeit mit der Spielwelt zu interagieren, aber sie besitzt keinen wirklich relevanten spielerischen Nutzen – jedenfalls hat sich ein solcher noch nicht herausgestellt. Fans des ersten melancholischen Abenteuers werden sich aber auch in Drangleic zuhause fühlen. Die Spielzeit, welche sich bei einem einmaligen durchschnittlichen Durchlauf auf gute fünfzig Stunden beläuft, erübrigt den Rest, um vollends von Dark Souls II absorbiert zu werden.

Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dark Souls II!

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