Review: Titanfall 2

titanfall-2-1Im März 2014 erschien mit Titanfall ein Ego-Shooter, der das Gameplay per pedes aufgriff und mit Mech-Action kombinierte. Allerdings machte das Spiel dabei so einige vermeidbare Fehler, die im zweiten Serienteil glücklicherweise zumindest teilweise ausgemerzt wurden.

titanfall-2-2Anders als sein Vorgänger, bietet Titanfall 2 tatsächlich eine Einzelspielerkampagne. In der auf fünf bis sechs Spielstunden ausgerichteten Geschichte schlüpfen wir in die Rolle des Milizschützen Jack Cooper. In jungen Jahren hat seine Familie die Erde verlassen und ist ins Grenzland gezogen, um dort nach einem besseren Leben zu suchen. Die Idylle im Grenzland blieb jedoch nicht ungestört, denn die Interstellar Manufacturing Corporation entzog auch dort den Menschen die Lebensgrundlage. Aufgrund der Schikanen hat es sich Cooper zum Ziel gesetzt, für die Miliz zu kämpfen und die Machenschaften des gefürchteten Konzerns im Grenzland zu stoppen. Zu Beginn der Kampagne überschlagen sich die Ereignisse regelrecht, denn während eines Kampfes auf dem Planeten Typhon verliert er das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt, versuchen wilde Tiere ihn zu verspeisen. Plötzlich attackiert einer der Mechs, die so genannten Titans, die Tiere und rettet Cooper damit das Leben. Damit noch nicht genug, denn der Pilot von BT-7274, so der Name des Titans, hat das Zeitliche gesegnet und ausgerechnet Cooper als seinen Nachfolger bestimmt. Da es keine Überlebenden außer den beiden zu geben scheint, beschließt Cooper die Beförderung anzunehmen. Unsere Aufgabe lautet, zwei Batterien für BT-7274 zu suchen, um den Energiefluss wieder herzustellen.

Ein Mann und sein Titan kämpfen gegen das Unrecht

titanfall-2-3So und nicht anders wird der Beginn einer wunderbaren Freundschaft geschildert, denn die Handlung von Titanfall 2 erzählt hervorragend, wie die Zusammenarbeit zwischen einem Piloten und seinem semi-autonomen Titan funktioniert. Davon war zwar im ersten Teil noch nichts zu spüren, doch finden wir die Überarbeitung des Konzepts gut. Natürlich könnte man behaupten, dass die Entwickler bei Respawn Entertainment ein paar Episoden der kultverdächtigen Achtzigerjahre-Fernsehserie Knight Rider zu viel gesehen haben, denn gänzlich anders funktioniert die Kooperation in Titanfall 2 nämlich nicht. Während wir uns durch Korridore voller Gegner ballern oder ein neues Areal erreichen, fängt der redselige BT-7274 auf einmal an, die Situation zu analysieren. Wir haben dann stets die Auswahl zwischen zwei Antwortmöglichkeiten, die jedoch keinerlei spürbare Auswirkungen auf den Verlauf oder gar den Ausgang der Geschichte haben. Hier wäre zwar mehr möglich gewesen, doch sind diese Gespräche immerhin noch ein nettes Gimmick, das den tristen Ego-Shooter-Alltag ein wenig auflockert. Gemeinsam durchkämmen wir Höhlen und Schluchten auf Typhon, sowie Anlagen der Interstellar Manufacturing Corporation. Diese werden von dubiosen Söldnern betrieben, die sich uns zusammen mit ihren Titans und dutzenden Anhängern in den Weg stellen.

Zahlreiche Höhepunkte in der Kampagne

titanfall-2-4Zudem ist es vom Spiel gewollt, dass wir uns hin und wieder auch von BT-7274 trennen müssen. Während wir als Pilot durch alle Durchgänge in Menschengröße und gebückt sogar durch kleine Löcher kriechen können, muss unser Titan an diesen Stellen logischerweise außen vor bleiben. Irgendwo findet sich schließlich immer ein Schalter oder ein Hebel, der aktiviert werden kann, um ein Tor zu öffnen, damit die Reise anschließend wieder gemeinsam fortgesetzt werden darf. Obwohl Gameplay und Geschichte nur selten etwas wagen, bietet der Titel mit seinen verschiedenen Levels auch den einen oder anderen Höhepunkt. Vor allem die Mission, in der wir zwischen zwei Zeitebenen wechseln können, sticht dabei heraus. Etwa in der Mitte des Spiels erkunden wir nämlich eine zerstörte Basis, die auf Knopfdruck in den Ursprungszustand versetzt wird. Während in der Ruine Bestien auf uns lauern, werden wir in der Vergangenheit plötzlich als Eindringling eingestuft – nur wenn wir hier geschickt zwischen den Zeitebenen wechseln, kommen wir heil aus der Situation heraus. Besonders gut gefallen hat uns auch die Fabrik, in der Fertighäuser produziert werden. Hier sind wir ständig auf dem Laufband unterwegs und erleben phasenweise mit, wie die Häuser zusammengesetzt werden. Schlussendlich liefern wir uns mit den Feinden in einer Musterstadt auch noch eine Schießerei.

Vielfältige Waffensysteme

titanfall-2-5Wirklich herausfordernd werden die Schussgefechte nur in ganz brenzligen Situationen, ansonsten können alle Gegner als reines Kanonenfutter abgestempelt werden. Faszinierend ist dabei die Fülle an verschiedenen Waffen, die wir finden und benutzen können. Pistolen und Gewehre in dutzenden Formen ermöglichen jedem Spielertyp, die bestmögliche Waffe für ihn oder sie zu finden. Schließlich agieren alle Spieler, genau wie sämtliche Gegnertypen, anders. Manche Gegner verschanzen sich hinter Deckungen und andere versuchen uns zu verfolgen und in unserer Nähe zu explodieren. Besonders wenn wir es mit größeren Gegnern zu tun bekommen, freuen wir uns über die Unterstützung unseres Titans, für den es facettenreiche Waffensysteme gibt, die wir in der Kampagne auflesen und reichlich ausprobieren dürfen. Unter anderem können wir Lasersalven verschießen, Brände in gegnerischen Reihen verursachen oder auf uns verschossene Kugeln zurück auf die Feinde schleudern. Wer aus der Nähe ungern mit Waffen schießt, kann auch Nahkampffähigkeiten, sowohl per pedes als auch im Mech, einsetzen. Wobei wir im Titan kleine Fußsoldaten sowieso zu Matsch zertreten können. Wir fragen uns am Ende jedoch allen Ernstes, warum man in Titanfall 2 bei den finalen Nahkampfangriffen manchmal unbedingt eine derart übertriebene Exekutionsmethode benötigte.

Orientierung am Bewährten

titanfall-2-6Interessanter sind da schon ein paar Rätseleinlagen, die sich zum Ende der Kampagne häufen. Hier müssen dann Schalter umgelegt werden, um zum Beispiel elektromagnetische Vorrichtungen zu manipulieren oder mit einem Kran Wände bewegt werden, damit wir an anderer Stelle mit Wandsprüngen neue Ziele erreichen können. Ähnlich wie in vielen anderen Genre-Vertretern kann die Einzelspielerkampagne eines auf Mehrspielerpartien ausgerichteten Spiels nur bedingt unterhalten und bereitet viel mehr auf zahlreiche Stunden im Mehrspielermodus vor. Während die Einzelspielerkampagne größtenteils auf Schlauchlevels setzt und nur selten den Raum für offene Gefechte bietet, kann der Mehrspielermodus mit großzügigen Gebieten punkten, die in verschiedenen Spielmodi aufgegriffen werden. Genau an dieser Stelle bietet Titanfall 2 leider nicht so viel mehr als sein Vorgänger, da sich die Neuerungen in Grenzen halten. Mit an Bord ist beispielsweise die Materialschlacht. Welches Team hier die meisten Feinde abschießt, gewinnt das Match. Blöd nur, dass nach wie vor Nichtspielercharaktere mit auf der Karte herumlaufen, anstatt die Anzahl menschlicher Spieler exponentiell zu erhöhen. Nach wie vor ist es den Entwicklern wichtig, dass auch Anfänger hier Erfolge feiern können, doch schnelle Profis nutzen das Abmurksen des Kanonenfutters (wohl unwissentlich) aus.

Aktiver Mehrspielermodus

titanfall-2-7Andere Modi hingegen lassen entweder nur Piloten oder nur den Kampf im Titan zu. Wenn wir uns also nur auf eine Spielmethode beschränken wollen, können wir das ebenfalls. Eine logische Weiterentwicklung gibt es im Modus Verstärkter Hardpoint. Hier müssen wir einen Punkt auf der Karte erobern und ihn halten. Halten wir ihn lange genug, verstärken wir ihn und erhalten zudem die doppelte Punktzahl. Im neuen Modus Kopfgeldjagd müssen wir so viele Gegner wie möglich erledigen, dafür das Kopfgeld kassieren und zu bestimmten Zeitpunkten auf der Bank deponieren. Werden wir unterwegs ausgeschaltet, geht die Hälfte unseres Geldes an den besseren Schützen. Das macht Laune und sorgt für einen Adrenalinkick. Andere Modi wie Capture the Flag konnten wir hingegen gar nicht testen, da sich hier nie ausreichend Spieler für eine Partie gefunden haben. Wer sich aber ohnehin nur auf die Materialschlacht, die Kopfgeldjagd oder das Halten von Eroberungspunkten konzentrieren will, findet auch noch Monate nach Release täglich und vor allem schnell tausende Spieler, die sich miteinander messen wollen. Im Kern funktioniert das Gameplay von Titanfall 2 nämlich wie im Vorgänger: Mit schnellen Reaktionen stehen und fallen die Siegeschancen und wer langsam genug vom Call-of-Duty-Einheitsbrei des Genres hat, wird mit Titanfall 2 zufrieden sein.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Als ich 2014 Titanfall gespielt habe, habe ich eine Einzelspielerkampagne schmerzlich vermisst. In Titanfall 2 gibt es diese endlich und führt mich recht gut in das Spiel ein. Obwohl die vorhersehbare Geschichte mit ihren blassen Charakteren und das meist dünne Gameplay natürlich zum Genre-Standard gehören und absolut keine Bäume ausreißen, können so manche Ideen, die in die Level-Architektur geflossen sind, vergleichbare Spiele alt aussehen lassen. Hier haben die Köpfe hinter dem Projekt wirklich kreative Ideen gehabt und Thematiken wie Zeitreisen oder Elektromagnetismus verarbeitet. Schade, dass diese Kreativität nicht in den sehr viel wichtigeren Mehrspielermodus eingeflossen ist. Zwar kann die Kopfgeldjagd durchaus motivieren und auch der Modus Verstärkter Hardpoint ist eine logische und sinnvolle Weiterentwicklung, doch sonst bleibt wirklich so gut wie alles beim Alten. Für mich ist der Mehrspielermodus von Titanfall 2 trotzt kleiner Entwicklungen ein klarer Rückschritt, denn die Karten fallen mir zu ähnlich aus und bieten nicht so viele Raffinessen, wie die Areale aus dem Vorgänger. Deshalb ist Titanfall 2 zwar kein schlechtes Spiel, doch sicherlich kein Titel, den ich über Monate hinweg gerne spielen möchte. Ich bin gespannt, welche Ideen die Entwickler mit Updates in Zukunft noch in Titanfall 2 einfließen lassen möchten. Etwas mehr Abwechslung hätte der Titel nämlich unbedingt verdient!

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Titanfall 2!

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