Review: For Honor

for-honor-1Dass Krieg sich nie verändert, wissen wir nicht unlängst seit der Fallout-Reihe. Sowohl in der Realität, als auch in Videospielen bleibt Krieg selbst in unscheinbaren Formen ein zentrales Element. For Honor macht da ebenfalls keinen Hehl draus und schickt uns in die Schlacht.

for-honor-2Untypisch für viele der heutigen auf Mehrspielerpartien ausgerichteten Titel, bietet For Honor eine etwa sechsstündige Einzelspielerkampagne. In dieser schlüpfen wir der Reihe nach in die Rolle von Rittern, Wikingern und Samurai – sprich den drei wichtigen Fraktionen, die in For Honor behandelt werden. Ausgangspunkt der Geschichte ist eine nicht näher definierte Naturkatastrophe, welche die Welt ins Chaos gestürzt hat. Seit eintausend Jahren kämpfen die drei erwähnten Fraktionen um die Vorherrschaft in der fiktiven Welt. Ein eindeutiges Ergebnis haben sie zwar bis heute nicht erzielt, doch in den letzten Jahren ist es ruhig um die Kämpfe geworden. Ein Frieden ist jedoch noch lange nicht in Sicht, denn die kriegstreibende Kriegerin Apollyon zieht mordend mit ihrer Schwarzenfels-Legion durch die Lande. Während sie starke Krieger für ihre Armee rekrutiert, lässt sie Unterlegene erbarmungslos hinrichten. Zu Beginn des ersten von insgesamt drei Szenarien schlüpfen wir in die Rolle eines Ritters, werden durch Zufall von der Schwarzenfels-Legion aufgenommen und müssen für diese trotz Gewissensbisse kämpfen. In der zwölf Jahre umfassenden Geschichte erleben wir diese auch aus der Sicht der Wikinger und Samurai. Während die Wikinger sich durch Apollyons Auftreten auch untereinander bekämpfen, schließen sich die Samurai untereinander zusammen.

Schärfen der Sinne

for-honor-3Sicherlich beschränkt sich die Handlung von For Honor aufs Nötigste. Dennoch kommen die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen zumindest ansatzweise zur Geltung, sodass man die Motivation der verschiedenen Fraktionen nachvollziehen kann. Während die Legionen der Ritter von Aschfeld verstritten sind und um die eigene Existenz kämpfen müssen, haben die Wikingerstämme Nahrungsengpässe zu überwinden und werden so auf die Samurai aufmerksam, die sich in ihrem Land Myre verschanzen. Trotzdem können auch die Hintergründe nicht kaschieren, dass die Einzelspielerkampagne grundsätzlich nur als Mittel zum Zweck dient. Soll heißen, dass wir das Gameplay mit seinen taktischen Raffinessen und verschiedenen Charakterklassen in der Kampagne kennenlernen, um die erlernten Kniffe anschließend im Mehrspielermodus einzusetzen. Obwohl Angriffe und Blocken schon im ersten Szenario schnell erlernt und leicht umgesetzt werden können, wird unser Gespür für das richtige Timing erst mit dem zweiten und dritten Szenario so richtig geschärft. Wie in vielen anderen Titeln gilt auch hier, dass Übung den Meister macht. Je mehr Zeit wir in For Honor investieren, desto schneller können wir Gegner betäuben und sogar exekutieren. Der Titel des Spiels scheint hier sogar sehr ironisch zu sein, denn mit Ehre hat das nichts zu tun.

Dreiteilige Kampfmechanik

for-honor-4Während die Intention des Spiels klar sein dürfte, fokussiert sich das Gameplay ebenso auf die Kampfmechanik. Während Fußsoldaten fast schon im Vorbeilaufen erledigt werden können, müssen wir uns bei höherrangigen Einheiten auf erwähnte Mechanik einlassen. Diese basiert in For Honor auf drei Richtungsangaben und hauptsächlich den Befehlen Angriff und Verteidigen. Kurz bevor uns ein Gegner attackiert, leuchtet eine der Richtungsanzeigen rot auf, sodass wir den rechten Analog-Stick des Controllers in die entsprechende Richtung bewegen und so den Angriff abwehren können. Ausweichen ist natürlich ebenso möglich, doch geht dies umso mehr auf Kosten unserer Ausdaueranzeige. Diese regeneriert sich zwar recht schnell, doch wenn wir unseren Gegner erledigen möchten, sollten wir darauf achten, dass unsere Ausdauer ausreicht. Besonders starke Angriffe, die wie ihre leichten Pendants ebenso per Bewegung des rechten Analog-Sticks und gleichzeitigem Bestätigen des Angriffsknopfs ausgeführt werden, zehren an unserer Ausdauer. Ist diese erst einmal verbraucht, sind unsere Schwerthiebe und Axtschläge sehr viel langsamer und für den Feind wesentlich leichter abzuwehren. Zwar hatten wir so gut wie nie das Problem, dass wir vor dem Gegner in dieser Zeitspanne einfach fliehen konnten, doch ist dieser Trick auf Dauer eher spielspaßhemmend.

Auflockernde Spezialfähigkeiten

for-honor-5Je nach gewählter Charakterklasse verfügen wir auch über verschiedene Kombinationsangriffe, die leicht von der Hand gehen. Wirklich übermächtig sind diese aber nicht, da wir uns eh auf weitere Manöver wie das Betäuben und Treten von Gegnern konzentrieren müssen. Wer dennoch kein Land in den Schlachten sehen sollte, kann auch auf die in der Spielwelt verteilten Pick-ups vertrauen. Mit diesen Items können wir zum Beispiel die Wunden aller Verbündeten in einem Radius heilen, Gegner mit einem Schrei demoralisieren oder Feuerpfeile auf einzelne oder mehrere Feinde regnen lassen. Hinzu kommt, dass wir mit Level-Aufstiegen Spezialfähigkeiten für unsere Helden freischalten. Mit diesen können wir uns beispielsweise selbst verarzten oder uns kurzzeitig die Macht verleihen, dass unsere Angriffe nicht geblockt werden können. Obwohl die Spezialfähigkeiten recht unterschiedlich ausfallen, ist uns besonders letztere Fähigkeit negativ im Gedächtnis geblieben. Besonders gut gepanzerte und sehr geschickte Gegner im Kampf waren so auf einmal keine Bedrohung mehr für uns. Hier hätte man den Einsatz vielleicht etwas mehr limitieren können. Dennoch fügen sich die Fähigkeiten gut ins Gesamtbild ein, um die Kampfmechanik ein wenig aufzulockern. Wer alle Szenarien abgeschlossen hat, kann sich in höheren Schwierigkeitsgraden noch einmal daran versuchen.

Langfristiger Mehrspielerspaß

for-honor-6Alternativ dürfen wir die Kampagne übers Internet auch zu zweit durchspielen. Unseren Fortschritt können wir allerdings nicht in den eigentlichen Mehrspielermodus übertragen und das ist auch gut so, denn derlei Spezialfähigkeiten würden die Balance des Spiels von Vornherein stören. Das heißt aber nicht, dass diese nicht im Mehrspielermodus vorhanden sind. Mit dem im Spiel verdienten Gold können wir die Charakterklassen freischalten und sie dann jeweils einzeln aufstufen. Vier Spezialfähigkeiten können wir dann bei jedem Charakter einstellen, um sie in der laufenden Partie aber erst mit der Zeit freizusetzen. Soll heißen, dass wir mit derselben Grundlage wie unsere Feinde beginnen und wir nur Zugriff auf die Fähigkeiten erhalten, wenn wir genügend Fußsoldaten und Helden besiegen beziehungsweise Gebiete einnehmen. Während uns die vom Einzelspielermodus inspirierten Massenschlachten sehr gut gefallen haben, ziehen sich die Duelle und der Deathmatch-Modus gefühlt in die Länge. Dennoch machen auch diese jede Menge Spaß und vor allem jene Spieler, die mit Ego-Shootern im Mehrspielermodus aufgrund zu starker Gegner nie warm geworden sind, werden mit For Honor jede Menge Spaß haben. Durch die direkte Konfrontation und dem leicht verständlichen Kampfsystem werden sowohl Anfänger, als auch Profis langfristig zurechtkommen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Als ich vor ein paar Monaten in die Beta-Phase von For Honor eingestiegen bin, habe ich noch nicht ganz so viel Spaß mit dem Titel gehabt. Das hat sich aber glücklicherweise geändert, denn durch die Einzelspielerkampagne hatte ich umso mehr Zeit, mich in die Kampfmechaniken einzuarbeiten, um mich für viele Stunden im Mehrspielermodus zu wappnen. Schade finde ich lediglich, dass man das Universum von For Honor mit seinen einzigartigen Charakteren nicht ausgebaut hat. Hier hat Ubisoft genauso wie beim gestrichen Splitscreen-Modus jede Menge Potenzial vergeudet. So bleibt die Kampagne nämlich nur Mittel zum Zweck, um mich auf das Herz des Spiels, den Mehrspielermodus, vorzubereiten. Hier wartet der richtige Spielspaß des Titels, denn sich mit echten Spielern zu messen, ist in For Honor noch einmal eine ganz andere Ebene – sowohl im Spiel selbst, als auch spielübergreifend. Nur ungern erinnere ich mich an viele Ego-Shooter-Partien, bei denen ich (vermutlich aufgrund zu lahmer Reflexe beim Schießen) unterlegen war. Bei For Honor ziehe ich mit brachialen Nahkampfwaffen in die Schlacht und durch das sehr faire Kampfsystem habe ich direkt einige Erfolge feiern können. Wer dem Szenario nicht abgeneigt ist und viele Stunden in einen Mehrspieler-Titel investieren will, sollte beim Action-Titel For Honor unbedingt zugreifen!

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von For Honor!

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