Review: Shadow of the Colossus

2005 erschuf Entwicklerlegende Ueda Fumito das PlayStation-2-Spiel Shadow of the Colossus, das zudem im Jahr 2011 für die PlayStation 3 umgesetzt wurde. 2018 wurde das Spiel einer weiteren grafischen und wesentlich atmosphärischeren Überarbeitung unterzogen.

In Shadow of the Colossus schlüpft der Spieler in die Rolle von Wander, der im japanischen Originaltitel Wanda to Kyozō sogar Erwähnung findet. In der einleitenden Sequenz reitet er auf seinem Pferd Agro durch Wälder und Täler, um in ein weit entferntes Land zu gelangen. Nach den Reisestrapazen macht er Halt in einem Tempel und legt den Körper eines verstorbenen Mädchens auf einen Altar. Die junge Frau wurde bei einem Ritual geopfert und Wander will sie mit Hilfe des sagenumwobenen Wesens Dormin wiederbeleben. Dormin bestätigt dem Krieger, dass er die Macht dazu hat, verlangt jedoch im Gegenzug dafür, dass Wander die Kolosse tötet, die sich im Land aufhalten. So und nicht anders beginnt das Abenteuer, das schon 2005 als PlayStation-2-Spiel beeindruckt hat. Im Verlauf der je nach Spielertyp auf sechs bis zehn Stunden ausgelegten Handlung ist die Aufgabe des Spielers, das Land zu bereisen und insgesamt 16 Riesen zu Fall zu bringen. Da die teils weiten Strecken zwischen den einzelnen Regionen zu Fuß fast unmöglich zu bereisen wären, kann das Land auch auf dem Rücken von Agro erkundet werden. Es darf nun aber nicht gedacht werden, dass das mysteriöse Spielgebiet voller Leben und Geheimnisse steckt. Die weitläufigen Steppen sind in der Regel leer und nur selten gibt es abseits der recht stringenten Pfade zu den Kolossen Tempel oder Höhlen zu erkunden. Dennoch laden diverse Orte, alleine schon aufgrund ihrer grafischen Überarbeitung, mit sehr markanten Merkmalen zum Besuch ein.

Kolosse in einer leeren Welt

Neben den Kolossen sind die einzigen Bewohner der Spielwelt Tiere, die hier und da aus ihren Löchern kriechen oder während dem Ritt auf Agro neben uns herflattern. Das heißt im Klartext, dass es abseits der Riesen auch keinerlei Gegner gibt, was aber absolut nicht sehr schlimm ist. Die Ritte sind einerseits nicht sonderlich lang oder qualvoll, zumal sich Agro in den meisten Fällen mit gedrückt gehaltener Dreieckstaste und dann und wann mit gewisser Feinjustierung durch den Spieler auch relativ automatisch zum nächsten Ziel bewegt. Andererseits sind die Kämpfe gegen die Kolosse großartig inszeniert. Da Wander nur mit einem Schwert, sowie mit Pfeil und Bogen bewaffnet ist, liegt die Vermutung nahe, dass diese Kämpfe sehr anstrengend sein könnten. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad ist dies jedoch nicht der Fall, was auch mit Uedas Intention, das Spiel mit minimalistischem Gamedesign möglichst zugänglich zu gestalten, hervorragend harmoniert. Nichtsdestotrotz sind die Kämpfe spannend, da zunächst einmal herausgefunden werden muss, wo sich die Schwachstellen der Kolosse befinden und wie diese erreicht werden können. Wer gar nicht weiterkommt, wird nach ein paar Minuten auch die rätselhaften Hinweise von Dormin vernehmen. Da diese Funktion ebenso wie die zumindest zu Beginn eingeblendeten Hilfetexte auch abschaltbar ist, werden wohl alle Spieler in Shadow of the Colossus das Erlebnis bekommen, das sie wollen.

Fantastisches Zusammenspiel

Nach einer sehr kurzen Eingewöhnungsphase ist die Steuerung des Spiels schnell verinnerlicht. Insbesondere das Klettern an Tempelwänden oder den Kolossen selbst macht Spaß. Es ist lediglich hin und wieder eine nervige Tortur, wenn sich die Giganten so dermaßen stark wehren und das Festhalten an bestimmten Körperstellen mit gemeinsamer Justierung der Kamera zu viel Zeit in Anspruch nimmt – schließlich sinkt mit diesem Vorgehen auch stets die Ausdaueranzeige und ist diese einmal geleert, lässt Wander los und es dauert wiederum ein paar Minuten, bis er wieder auf den Koloss gekraxelt ist. Vor allem eher ungeübte Spieler werden so recht schnell mit repetitivem Gameplay konfrontiert. Das grandiose Gegnerdesign entschädigt dafür jedoch ebenso wie die Miteinbeziehung der schön gestalteten Umgebung. Nicht selten kommt es vor, dass ein Versteck zur Ablenkung aufgesucht oder gar auf Säulen geklettert werden muss, die so mancher Koloss schließlich zum Einsturz bringt, damit der Spieler schließlich auf andere Plattformen gelangen kann. PlayStation-4-Pro-Besitzer freuen sich zwar entweder über eine höhere Auflösung bei dreißig Bildern oder über konstant sechzig Bildern pro Sekunde in der Full-HD-Auflösung, doch auch Nutzer einer normalen PlayStation 4 kommen in den Genuss eines wirklich schönen Spiels, das nur bei so manchem Charaktermodell seine PlayStation-2-Herkunft nicht verleugnen kann. Zusammen mit den noch viel schöneren Zwischensequenzen und dem paralysierenden Soundtrack gehört Shadow of the Colossus definitiv zu den atmosphärischsten Titeln aller Zeiten!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation4-Version): Wer zum ersten Mal von Shadows of the Colossus hört, kann sich vielleicht nicht vorstellen, welche Faszination dieser Titel versprüht. Der Titel macht es dieser Spielergruppe auch nicht leicht, denn eine recht leere Welt und einzig allein 16 wichtige Gegner, die es zu besiegen gilt, sind nicht gerade überzeugende Gründe. Trotzdem schafft es das Spiel gerade auf Basis dieser zwei Fakten für fünf bis zehn Stunden an die Konsole zu locken. Obwohl die Welt nämlich so leer ist, bleiben diverse Orte auch Wochen nach dem Abspann in Erinnerung und die tolle Akustik des Spiels gestaltet die Reisen durch die Spielwelt auf dem Rücken von Pferd Agro angenehm. Sowohl in ruhigen Momenten als auch beim Kampf gegen die Kolosse sorgt der Soundtrack für ein wohliges und spannendes Spielgefühl. Ob die – wenn auch wesentlichen – grafischen Verbesserungen für Besitzer der PlayStation-2- oder PlayStation-3-Fassung den erneuten Kauf rechtfertigen, muss jeder für sich alleine entscheiden. So oder so bleibt Shadow of the Colossus allerdings mit Abstand die hübscheste Version des Spiels und jeder, der den Titel noch nicht gespielt hat, sollte dem Meisterwerk von Ueda Fumito spätestens jetzt eine Chance geben!

Vielen Dank an Sony Interactive Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplar von Shadow of the Colossus!

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