Special: 30 Jahre Game Boy – 30 Jahre Spielspaß unterwegs

Über dreißig Jahre ist es her, seit Nintendo mit dem Game Boy eine neue Marke etabliert und den Videospielmarkt revolutioniert hat. In dieser Zeit erlebte die Marke einige Höhen und auch ein paar Tiefen. Es folgt ein chronologischer Rückblick auf die Game-Boy-Historie.

Als der Game Boy am 21. April 1989 zunächst in Japan und über ein Jahr später am 28. September 1990 in Europa veröffentlicht wurde, stand Videospielern mit Nintendos neuem Handheld weltweit eine wegweisende Revolution bevor. Dabei beginnt die Geschichte des Game Boys genaugenommen schon im Jahr 1980, denn in diesem Jahr erschien in Japan das erste Game-&-Watch-Modell. Hierbei handelt es sich um Konsolen, die mit genau einem vorinstallierten Spiel ausgeliefert werden. Möglichkeiten, den Spielumfang eines so kleinen Geräts zu erweitern, war zu Beginn der 1980er-Jahre noch Zukunftsmusik. Verantwortlich für die Entwicklung der Handhelds mit LCD-Bildschirm war Yokoi Gunpei, der seit 1965 für das japanische Unternehmen aus Kyōto tätig war und kuriose Spielzeuge wie die Ultra Hand oder den Love Tester entwarf. Als Nintendo damit begann, Videospiele zu entwickeln, produzierte Yokoi Werke wie Kid Icarus oder Metroid. Am wichtigsten dürfte aber seine Idee zum Design des digitalen Steuerkreuzes sein, das auch heute noch in leichten Abwandlungen auf dem einen oder anderen Nintendo-Gerät zu finden ist. Auch der Game Boy, der ebenfalls auf Yokois Ideenreichtum zurückzuführen ist, verfügt über diese Eingabemethode. Beeindruckender ist jedoch, dass beim Game Boy Spiele in Form von Modulen ausgewechselt werden können.

Wegweisende Technik auf kleinstem Raum

Wer vor der Veröffentlichung des Game Boys auf Handhelds ein anderes Spiel zocken wollte, musste sich zwangsweise ein neues Gerät kaufen. Als der Game Boy 1989 erschien und nur ein Jahr später Konkurrenzkonsolen wie Segas Game Gear oder Ataris Lynx in Japan auf den Markt kamen, verloren Handhelds wie die bereits erwähnten Game-&-Watch-Modelle rasant an Bedeutung. Auf einmal war es möglich, wesentlich komplexere Spiele zu erleben, wie sie schon vom Nintendo Entertainment System und später vom Super Nintendo bekannt waren. Möglich macht dies die intelligente Technik des Game Boys. Unter der Haube des Handhelds werkelt ein 8-Bit-CMOS-Prozessor, der mit flotten 4,19 Megahertz getaktet ist. Mit 8 Kilobytes Arbeitsspeicher und ebenso vielen Kilobytes Grafikspeicher können zudem genügend Details auf dem 4,7 mal 4,3 Zentimeter großen Bildschirm dargestellt werden. In anderen Worten: Auf 160 mal 144 Pixeln erwachen die von den Entwicklern ausgedachten Welten zum Leben. Was aus heutiger Sicht belächelt wird, war 1989 die Grundlage für Super Mario Land, Tetris oder The Legend of Zelda: Link’s Awakening. Wie bei jeder anderen Konsole lernten die Entwickler auch die Hardware des Game Boys bis in den letzten Winkel auszureizen. Diese Theorie wird insbesondere durch die Nachfolger der genannten Titel untermauert.

Gesteigerter Spielspaß für die Hosentasche

Beim Vergleich von Super Mario Land und Super Mario Land 2: 6 Golden Coins fallen zum Beispiel die wesentlich größeren und zudem detaillierteren Sprites auf. Zudem ist die Welt des Spiels komplexer aufgebaut, sodass der Weg zum Endboss nicht zwangsweise gleich ausfallen muss. Zudem wurden Spiele immer länger. Bestes Beispiel dürfte wohl Kirby’s Dream Land sein – ein Spiel, das in gut zwanzig Minuten durchgespielt werden kann. Für den Nachfolger dürfen Spieler ein paar Stunden mehr einrechnen. Es sind jedoch nicht nur die Spiele, die sich weiterentwickelt haben. Auch die Hardware selbst hat in den Jahren darauf Veränderungen erfahren. 1995 folgte zunächst die Special Edition. Hierbei handelt es sich um eine Revision des Game Boys in unterschiedlichen Gehäusefarben. An der technischen Leistung des Geräts selbst hat sich nichts geändert. Selbiges gilt auch für den Game Boy Pocket, der 1996 veröffentlicht wurde. Das klobige Design des ursprünglichen Handhelds wurde zugunsten eines kompakten Formats aufgegeben, was dazu führte, dass der Game Boy Pocket auch in so gut wie jede Hosentasche gesteckt werden konnte. Bei der Hosentaschenvariante handelt es sich im Übrigen um die letzte Hardware, an der Yokoi bei Nintendo werkelte. Nach dem Flop des Virtual Boy verließ Yokoi im selben Jahr das Unternehmen und verstarb 1997.

Es werde Licht… und Farbe!

Dennoch war Yokois Arbeit an Game Boy und Game Boy Pocket wegweisend für die weitere Entwicklung der Marke. Schon der Game Boy Pocket verfügte über einen stärkeren Kontrast als der Game Boy und auch der Batterieverbrauch schrumpfte erheblich. Als 1998 mit dem Game Boy Light eine Variante des Game Boy Pockets mit Beleuchtung exklusiv in Japan erschien, änderte sich an der Lebensdauer einer Batterieladung kaum etwas. Dennoch kamen alle Spiele bis dahin mit vier Graustufen aus, da Farbbildschirme zu kostspielig und zu stromintensiv waren. Dies änderte sich schlagartig im Erscheinungsjahr des Game Boy Light, denn auch der Game Boy Color erblickte 1998 das Licht der Welt. Wie es der Name schon vermuten lässt, kann der Game Boy Color Spiele in Farbe darstellen. Dies gilt auch für die bereits veröffentlichten Spiele für den Game Boy, wenn diese auch eher rudimentär eingefärbt werden. Neue Spiele, die zunächst auch noch mit dem Game Boy kompatibel waren, können jedoch das volle Potenzial der neuen Hardware entfalten und bis zu 56 Farben gleichzeitig aus einer Palette von 32.768 Farben darstellen. Spiele wie das aus heutiger Sicht wohl als Remaster bezeichnete The Legend of Zelda: Link’s Awakening DX nutzen das Farbfeature sogar für einen speziellen Dungeon, der Spielern auf dem Game Boy ganz verwehrt bleibt.

Startfrei für die nächste Generation

Ulkigerweise verzichtete Nintendo auf den beleuchteten Bildschirm des Game Boy Light beim Game Boy Color. Dafür verfügt der Game Boy Color über eine Infrarotschnittstelle, mit dem kleinere Daten zwischen zwei Geräten übertragen werden können. Auch beim Nachfolger des Game Boy Color, dem 2001 veröffentlichten Game Boy Advance, fehlte die Beleuchtung. Mit dem ursprünglichen Game Boy hat der Game Boy Advance aber nur noch wenig gemeinsam. Er basiert auf einer ganz anderen technischen Grundlage, was sich vor allem bei den Spielen bemerkbar macht. Während die Module vom Game Boy Color maximal 4 Megabytes fassen, vervielfältigt sich dieser Wert auf satte 64 Megabytes bei einem äußerlich nur halb so großen Modul. Auch wenn das Hochkantdesign der früheren Geräte einer breiten Gehäuseform wich, hat Nintendo die Vergangenheit nicht vergessen. Auch auf dem Game Boy Advance können Game-Boy- und Game-Boy-Color-Module eingesteckt und abgespielt werden. 2003 wurde mit dem Game Boy Advance SP die erste Hardware-Revision veröffentlicht, bei der dann auch die Beleuchtung des Bildschirms wieder vorhanden ist. Allerdings dauerte es wiederum bis zur ersten Hardware-Revision des Game Boy Advance SP im Jahr 2005, dass die Beleuchtung durch eine angenehme Hintergrundbeleuchtung ausgetauscht wurde.

Das vorläufige Ende einer Marke

Dadurch, dass der Game Boy Advance SP nicht zuletzt durch sein zusammenklappbares Gehäuse nur halb so groß wie der Game Boy Advance ist, sticht die Verwendung der doppelt so großen Game-Boy-Module auch doppelt so stark ins Auge. Dafür steckte Nintendo Kritik ein, die aber nur dazu führte, dass beim bis dato letzten Game-Boy-Modell, dem Game Boy Micro, keine Game-Boy- und Game-Boy-Color-Titel mehr abgespielt werden konnten. Das gleiche Schicksal hat die alten Module auch beim Nintendo DS getroffen, denn die erste Generation der DS-Familie kann auch Game-Boy-Advance-Spiele abspielen. Im Bereich der Handhelds ist dies auch die letzte Möglichkeit, in der Game-Boy-Spiele genutzt werden können. An der Marke hält Nintendo bis heute zwar fest, doch zu einem wahren Game-Boy-Nachfolger kam es zumindest bis ins Jahr 2020 hinein nicht. Stattdessen wurden einige Spiele in der Virtual Console des Nintendo 3DS veröffentlicht. Einzelne Spiele haben es auch in verschiedene Kollektionen geschafft. Beispielsweise finden sich in der Castlevania: Anniversary Collection die eher durchwachsenen Titel Castlevania: The Adventure und Castlevania II: Belmont’s Revenge wieder. Der Klassiker Mystic Quest ist wiederum Teil der Collection of Mana und die Final-Fantasy-Legend-Trilogie bildet hingegen gleich die vollständige Collection of SaGa.

Heutige Alternativen und Ausblick auf die Zukunft

Vor allem anhand solcher Sammlungen ist deutlich zu erkennen, dass Nostalgie ein wichtiger Bestandteil des Game-Boy-Erbes ist. Die Retro-Welle ebbt einfach nicht ab und das haben auch diverse Hersteller gesehen, die regelrechte Game-Boy-Klone auf die Welt loslassen. So gibt es verschiedene in China produzierte Handhelds, die dem Game Boy Color ähnlich sind und so gut wie alle Game-Boy- und Game-Boy-Color-Spiele abspielen. Es soll jedoch je nach Gerät und Spiel Probleme beim Abspielen geben, sodass auch wieder deutlich wird, dass die Original-Hardware für Puristen immer noch die erste Wahl sein sollte. Beim GB Boy Colour entspricht beispielsweise die Auflösung nicht eins zu eins dem Bildschirm des Vorbilds und auch die Musik soll laut Kritikern bei manchen Spielen nicht richtig ausgegeben werden. Der aktuelle Hoffnungsträger ist der Analogue Pocket, der die Spiele über die eigene Hardware emuliert. Zudem soll das Gerät neben Spielen für Game Boy, Game Boy Color und Game Boy Advance mit speziellen Adaptern auch Titel von anderen Handhelds wie dem Neo Geo Pocket Color abspielen. Bis der Analogue Pocket im Mai 2021 erscheint und sich wohl zu der überfälligen Alternative mausert, bleibt Game-Boy-Fans nur die Möglichkeit, ihre Spiele auf der bis zu dreißig Jahre alten Hardware zu spielen – und die funktioniert in den meisten Fällen auch heute noch tadellos und verleiht einem genau das damals erlebte und tolle Gefühl.

Geschrieben von Eric Ebelt

Ein Kommentar zu “Special: 30 Jahre Game Boy – 30 Jahre Spielspaß unterwegs

  1. Ich finds schade dass Nintendo sich vom reinen Handheld verabschiedet hat. Die Switch ist bei Weitem nicht so leicht zu transportieren wie der DS damals.
    An und für sich wäre das alles kein Problem wenn sie stattdessen ihre Chance genutzt und mehr qualitative Spiele fürs Smartphone entwickeln würden, aber leider haben sie sich da vom Markt die Richtung diktieren lassen. Die Schuld liegt dabei aber auch beim Konsumenten, der nicht bereit ist, für Handyspiele einen Festpreis zu bezahlen.

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