Review: Castlevania: Anniversary Edition

Für das 50. Firmenjubiläum hat der japanische Konzern Konami mehrere Kollektionen mit Videospielen geplant. Dazu zählt die Anniversary Edition des Castlevania-Franchises, die mit acht Serienteilen, die zwischen 1986 und 1994 veröffentlicht worden sind, aufwarten kann.

Obwohl Castlevania 1986 erstmals veröffentlicht worden ist, trug es damals noch den Titel Vampire Killer. Erst ein Jahr später auf dem Nintendo Entertainment System erhielt die Serie ihren Namen, den sie bis heute trägt. Inhaltlich hat sich in der Zwischenzeit kaum etwas verändert. So schlüpft der Spieler nach wie vor in die Rolle des Vampirjägers Simon Belmont, der den Kampf gegen den auferstandenen Fürsten Dracula aufnimmt. Gespielt wird das 8-Bit-Abenteuer durchweg aus der zweidimensionalen Seitenperspektive, was auch für alle anderen Spiele dieser Kollektion gilt. Nach und nach müssen verschiedene Levels in einer linearen Reihenfolge erkundet werden, um Dracula, seine Diener und deren Untergebene mit Peitsche, Wurfdolchen oder Weihwasserphiolen zurück ins virtuelle Jenseits zu schicken. Damals wie heute handelt es sich dabei um kein leichtes Unterfangen, was vor allem an der Steuerung liegt. Hüpft der Spieler mit seinem Charakter, so lässt sich der Sprung beispielsweise nicht mehr abbrechen beziehungsweise korrigieren. Wird die Spielfigur hingegen von einem Feind getroffen, wird sie zurückgedrängt. Mitunter kann solch eine Konfrontation mit dem Tod für Simon enden, da die Level-Architektur nicht selten mit Abgründen gepflastert ist. Bei Bosskämpfen wird der Schwierigkeitsgrad mit Ausweichen und Kontern auf die Spitze getrieben.

Einmal hin und wieder zurück

Castlevania II: Simon’s Quest aus dem Jahr 1988 spielt einige Jahre nach den Ereignissen des Seriendebüts. Dracula hat Simon verflucht, sodass erneut eine Reise durch Transsylvanien ins Haus steht. Das Abenteuer ist im Gegensatz zum Vorgänger allerdings weniger linear: Simon verfügt über die Möglichkeit, sich in der Stadt mit Menschen zu unterhalten, Gegenstände zu erwerben und die Spielwelt ein wenig freier zu erkunden. Hinzu kommt ein Tag-und-Nacht-Wechsel, der die Stärke der Feinde beeinflusst. Außerdem erhält er für das Einsammeln von Herzen, die zuvor noch für die Anzahl an einsetzbaren Sekundärwaffen verantwortlich waren, Erfahrungspunkte, wodurch mit der Zeit die Lebensenergie von Simon steigt. Simon’s Quest ist wahrhaftig ein sehr fortschrittliches Spiel für seine Zeit, das einige Elemente des ersten Metroid-Ablegers und der zweiten The-Legend-of-Zelda-Episode aufweist. Castlevania III: Dracula’s Curse von 1989 entführt den Spieler hingegen zweihundert Jahre in die Vergangenheit, wo er mit Trevor Belmont einen Vorfahren von Simon in den Krieg gegen Dracula ziehen darf. Das Gameplay orientiert sich hierbei weniger am zweiten, sondern mehr am ersten Serienteil. Im Klartext heißt das, dass Adventure- und Rollenspiel-Elemente wegrationalisiert worden sind. Dennoch ist der Titel mit diversen Routen durch die Welt zumindest sublinear.

Herbe Game-Boy-Enttäuschung

Neben allen drei Serienteilen, die auf dem NES veröffentlicht wurden, befinden sich in der Anniversary Collection mit Ausnahme von Castlevania Legends auch zwei der drei jemals veröffentlichten Game-Boy-Ableger. Hierbei handelt es sich zum einen um Castlevania: The Adventure von 1989 und zum anderen um das 1991 veröffentlichte Castlevania II: Belmont’s Revenge. The Adventure ist chronologisch zwischen dem NES-Erstlingswerk und Simon’s Quest angesetzt, sodass der Spieler mit Christopher Belmont dieses Mal über einen weiteren Vorfahren von Simon kontrollieren darf. Bei The Adventure handelt es sich um eine sehr rudimentäre Ausgabe des Castlevania-Franchises, denn die berühmtberüchtigten Treppen aus den NES-Episoden fehlen ebenso wie Sekundärwaffen. Herzen füllen stattdessen die Lebensenergie auf und das Sammeln von einer sehr großen Menge Goldmünzen beschert dem Spieler ein Extraleben. Unter technischen Gesichtspunkten ist das Spiel eine Katastrophe, denn die Bildwiederholungsrate ist dermaßen niedrig, dass flüssiges Spielen kaum möglich ist. Im Gegensatz zu den drei NES-Spielen enttäuscht das viel zu genau emulierte Game-Boy-Spiel in der PlayStation-4-Fassung sehr. Hier wäre das leider nicht mehr aus dem Wii-Shop-Kanal erwerbbare Castlevania: The Adventure Rebirth eine lukrativere Wahl für Konami gewesen.

16-Bit-Highlights im Doppelpack

Ebenso schade wie bei The Adventure ist auch bei Belmont’s Revenge, dass es sich hierbei lediglich um die Game-Boy- und nicht um die Game-Boy-Color-Varianten aus der ersten respektive vierten Konami GB Collection handelt. So sind beide Spiele in trüben Grautönen gehalten. Im Gegensatz zu The Adventure bietet Belmont’s Revenge jedoch wieder die klassischen Sekundärwaffen und mit Soleiyu Belmont, dem Sohn von Christopher Belmont, steht beim Bekämpfen des Bösen ein neuer Sprössling der Familie im Mittelpunkt. Wesentlich besser spielbar als die beiden Ausflüge auf Nintendos Handheld sind das Super-Nintendo-Spiel Super Castlevania IV von 1991 und der Sega-Mega-Drive-Klassiker Castlevania: Bloodlines, das im Jahr 1994 veröffentlicht wurde. Bei Super Castlevania IV handelt es sich im Grunde um ein inhaltliches Remake des ersten Serienteils für das NES. Das heißt, dass der Spieler wieder in die Rolle von Simon Belmont schlüpft und Jagd auf Dracula und seine Schergen macht. Dennoch ist die Level-Architektur zu weiten Teilen stark überarbeitet und mit neuen Gegnern gefüllt, sodass hier eher die Rede von einem gänzlich neuen Spiel sein sollte. Zudem ist der 16-Bit-Titel grafisch dank des Mode-7-Effekts der Super-Nintendo-Technologie und zuweilen auch unter akustischen Gesichtspunkten ein wahrer Genuss für jeden Fan der Reihe.

Auflockernde Boni

Bloodlines, das in Europa besser bekannt ist als Castlevania: The New Generations, spielt im Jahr 1917 und nimmt konkreten Bezug auf den Ersten Weltkrieg. Elizabeth Bartley, Draculas Nichte, braucht eine große Menge Seelen, um ihren Onkel wiederzuerwecken und löst daher besagten Krieg aus. Der Spieler darf sich zu Beginn des Spiels aussuchen, ob er die Rolle des Texaners John Morris übernimmt oder in die Haut des Spaniers Eric Lecarde schlüpft. Sowohl die Story als auch die Technik in Form von Grafik und Akustik von Bloodlines ist beeindruckend und steht dem Super-Nintendo-Highlight in so gut wie nichts nach. Als besonderes Schmankerl liegt der Anniversary Collection auch noch Kid Dracula von 1990 bei, das in Europa bisher unveröffentlicht blieb. In diesem Spiel schlüpft der Spieler in die Rolle des titelgebenden kleinen Vampirs und muss seinen Thron zurückerobern. Weltbewegend ist das Gameplay nicht, aber eine willkommene Abwechslung in der Sammlung. Obendrauf gibt es noch ein virtuelles Booklet, in dem Konzeptzeichnungen und interessante Informationen und Hintergründe zu finden sind. Technisch entsprechen die Spiele der Versionen der ursprünglichen Plattformen, ohne jedoch die Möglichkeit, zwischen der nordamerikanischen oder japanischen Variante zu wechseln. Immerhin lässt sich pro Spiel ein Spielstand anlegen und Puristen können noch Scanlines für den 1980er- und 1990er-Jahre-Charme hinzupacken. Nett!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Obwohl ein Großteil der Spiele der Castlevania: Anniversary Edition für ein jüngeres Publikum spätestens von Virtual-Console-Veröffentlichungen auf Wii, Wii U und New 3DS bekannt sein sollte, machen die Titel auch Jahrzehnte nach ihrer Erstveröffentlichung eine Menge Spaß. In der Anniversary Edition ist fast schon ein roter Faden zu erkennen, wie die einzelnen Episoden des Franchises über die Jahre hinweg immer besser geworden sind. Mechaniken bauen aufeinander auf und verfeinern sich ständig. Wer jeden Titel der Reihe nach durchspielt, wird jede neue Komfortfunktion sofort zu schätzen wissen und noch tiefer in den Bann der einzelnen Spiele gesaugt. Einzig und allein bei der Emulation der beiden Game-Boy-Episoden hätte sich Entwicklerstudio M2 ein wenig mehr Mühe geben können. Was in den 1990er-Jahren schon zu langsam lief, läuft heute ebenso nicht schneller. Konami verdient aber auf jeden Fall Respekt, mit Akumajō Special: Boku Dracula-kun alias Kid Dracula ein für das europäische und nordamerikanische Publikum eher unbekanntes Spiel in die Sammlung zu packen und erstmals in neuen Gefilden zu veröffentlichen. Grundsätzlich ist die Anniversary Collection gut. Sehr gut hätte sie werden können, indem nicht nur die US-Fassung, sondern auch die japanischen Originalversionen Teil der Sammlung wären. Das ist aber nichts, wofür Konami kein Update spendieren könnte.

Vielen Dank an Konami für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Castlevania: Anniversary Edition!

 

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