Review: Persona Q2: New Cinema Labyrinth

Auch wenn die Persona-Spiele noch immer auf PlayStation-Systemen zu Hause sind, veröffentlicht Entwickler Atlus die Spin-offs der Reihe auf allen möglichen Plattformen. So auch Persona Q2: New Cinema Labyrinth, eines der letzten Spiele für den Nintendo 3DS.

Wie schon der Vorgänger verbindet Persona Q2 die Dungeon-Crawler-Elemente aus Etrian Odyssey mit den Charakteren und dem Stil der Persona-Spiele. Die Zusammenkunft und Interaktion von über 25 Figuren aus den letzten drei Hauptteilen ist vor allem für Fans ein Genuss, ein Vorwissen ist aber nicht erforderlich, denn mit den Figuren freunden sich auch Neulinge schnell an. Ausgangspunkt sind die Helden aus Persona 5, die sich während einer gewöhnlichen Mission in eine mysteriöse Welt verirren. In ihrem Zentrum stoßen sie auf ein seltsames Kino, aus dem es so einfach auch keinen Ausweg mehr zu geben scheint. Dafür laufen aber ein paar ganz besondere Filme in Dauerschleife. Wie es sich für ein Persona-Spiel gehört, stellen die Leinwände die Portale in die Dungeon-Welten dar, die sich thematisch an dem gespielten Filmmaterial orientieren. Erst wenn die Bösewichte der Streifen besiegt sind, erleben die Helden den Abspann und erhalten Zutritt zur nächsten Vorführung mit einem weiteren klassischen Filmthema als Dungeon-Vorlage. Im ersten Film – also Dungeon – erkunden sie eine Hollywood-Großstadt, in der dem überzeichneten Superhelden Kamoshidāman allerdings seine Heldenkräfte zum Kopf gestiegen sind.

Film ab!

Während allmählich die Bedeutung hinter dem Lichtspielhaus klar wird, spielt Persona Q2 seine Themen rund um Rebellion und Unterdrückung fast genauso geschickt aus wie Persona 5, daran ändert auch nichts die Chibi-Darstellung der Figuren. Diese kommen auf dem Nintendo 3DS sehr gut zur Geltung und fangen den originalen Charme der vielen Figuren sehr schön ein. Auf einen 3D-Effekt haben die Entwickler, wie so viele andere Studios in den letzten Jahren, verzichtet. Auch wenn sich Persona Q2 einige Gameplay-Elemente von Etrian Odyssey entlehnt, das Aufzeichnen der Labyrinth-Karte per Stylus auf dem Touchscreen steht nicht im Fokus und kann auch vom Computer fast vollständig übernommen werden. Viel mehr vertraut der Titel auf seine Persona-Spielmechaniken und den Figuren-Interaktionen – in beiden Punkten kann der Titel überzeugen. Aus der Ego-Perspektive durchwandert der Spieler mit einer fünfköpfigen Gruppe Stockwerk um Stockwerk der immer umfangreicher werdenden Dungeons. In den Zufallskämpfen begegnen den Persona-Veteranen die altgedienten Shadows mit ganz bestimmten Schwachpunkten, die natürlich erst herausgefunden werden wollen, bevor sie mit physischen und Element-Angriffen niedergerungen werden.

Grandioser Spielfluss

Unterstützt werden die Helden erwartungsgemäß von den Personas, der Ansammlung von bunten Geschöpfen aller Mythologien und Götterwelten, denen die Spiele ihren Namen verdanken. Nachdem der Dungeon Crawler einen starken Fokus auf sein Gameplay legt und nicht mit der Erkundung einer umfangreichen Spielwelt aufwarten kann, bietet das Kampfsystem eine Menge große und kleine Funktionen und sehr viele unterschiedliche Angriffe, um bis zum Schluss bei Laune zu halten. Auf dem Papier sind das alles simple Gameplay-Mechaniken, die in ihrer Kombination aber einen schönen Tiefgang bieten und stets unsere Aufmerksamkeit erfordern. Zum Beispiel gelangen Figuren in einen Boost-Zustand, sobald sie einen Schwachpunkt des Gegners getroffen haben. Dank des Boosts verbraucht der folgende Angriff weder Magie- noch Lebenspunkte (die gängigen Kosten aller Fähigkeiten) und manche Angriffe werden wesentlich stärker. Darüber hinaus treten Kämpfer und Feinde in zwei Reihen auf – Figuren in der hinteren Reihe können hintere Gegner nicht mit physischen Angriffen treffen, werden dafür aber seltener das Ziel von gegnerischen Attacken. Die vielen kleinen Kniffe des Spiels werden zu Beginn schön erläutert, das bedingen die teils textlastigen Erläuterungen, auf die sich in den ersten zwei bis drei Spielstunden der Spieler einstellen muss.

Eine bunte Wundertüte

In den felderbasierten Dungeons wird anhand kleinerer Gimmicks wie Schaltern und Drehtüren der Weg zur nächsten Treppe freigeschaltet. Sobald die Figuren eine neue Ebene erreichen, können sie auf diese vom Kino aus jederzeit zugreifen. Die minimalistischen Rätsel sind genau die richtige Prise von Abwechslung, die in den Dungeons benötigt wird. Selbstverständlich ist auch das Fusionieren der Persona, um neue und stärkere Wesen zu erschaffen, wieder ein zentraler Spielbestandteil. Wichtig sind sogenannte Sub-Persona, sie können von allen Gruppenmitgliedern ausgerüstet werden. Die Fähigkeiten dieser Personas werden dann dem Aktionsrepertoire der Spielfigur hinzugefügt. Zusätzlich gibt es noch einen ordentlichen Bonus auf Lebens- und Magiepunkte. In Persona Q2 gelangt die Gruppe in Form von Filmrollen nach bestimmten Kämpfen an neue Personas. Den Entwicklern ist es auch ansonsten sehr gut gelungen, die altgedienten Rollenspielmechaniken mühelos mit dem Kino-Thema zu verbinden. Popcorn unterschiedlicher Geschmacksrichtungen sind unsere neuen Heilgegenstände und klassische Filmrollen stellen die Schatztruhen dar. Wie zu erwarten geht auch in diesem Persona-Spin-off der Style des Spiels Hand in Hand mit den dahinterstehenden Gameplay-Mechaniken.

Fanservice der Extraklasse

Stück für Stück werden die einzelnen Charaktere freigeschaltet. Leider erhalten Figuren, die nicht an Kämpfen teilnehmen, auch keine Erfahrungspunkte, womit das Experimentieren mit verschiedenen Figurenkonstellationen etwas eingeschränkt wird. Die besondere Herausforderung, diesen ganzen unterschiedlichen Figuren samt ihren Charakterzügen und Besonderheiten, wie man sie aus ihren jeweiligen Hauptteilen kennt, zu vereinen, geht glücklicherweise vollständig auf. Die daraus bedingte Redseligkeit des Spiels – immerhin müssen alle Figuren regelmäßig zu Wort kommen – nimmt nur in seltenen Fällen überhand. Eine englische Sprachausgabe gibt es dieses Mal nicht, im Hinblick auf die verstreuten Figuren unterschiedlicher Spiele ist das zwar verständlich, aber dennoch schade. Die Tage des 3DS sind zwar längst gezählt, die stilsichere Präsentation mit viel Charme und Witz lässt uns aber mit Leichtigkeit über die technischen Limitierungen hinwegsehen. Der phänomenale Soundtrack macht auch durch die 3DS-Lautsprecher hindurch deutlich, dass die Bezeichnung Spin-off kein Hinweis für ein bloßes Nebenprodukt der Hauptreihe sein muss. Persona Q2: New Cinema Labyrinth ist in fast allen Punkten rund und durchdesignt und darf sich ohne Weiteres zu einem Genre-Highlight auf dem Nintendo 3DS zählen!

Geschrieben von Jonas Maier

Jonas‘ Fazit: Der Begriff Spin-off wird Persona Q2: New Cinema Labyrinth nicht ganz gerecht. Es stimmt zwar, dass das 3DS-Abenteuer der unzähligen Persona-Charaktere nicht an dem Epos eines Hauptteils herankommt, auf der anderen Seite punktet das Spiel aber mit einzigartigen und durchdachten Gameplay-Mechaniken, die es dafür in den Hauptspielen nicht gibt. Aus den ganzen Figuren und Fähigkeiten das bestmöglichste Team zu gestalten, ist auch nach vielen Stunden noch immer sehr motivierend. Natürlich will ich gleichzeitig Zugriff auf alle Elementarangriffe haben, aber nicht meine Lieblingsfiguren in der Gruppe missen. Nicht zu vergessen ist der unglaubliche Soundtrack, der auf jeden Fall zum Besten zählt, was dieses Jahr erscheinen wird. Das wissen auch die Entwickler, denn die unterschiedlichen Tracks im Kampf können im Menü frei gewählt werden. Ein bisschen bitter ist es schon, dass das Spiel erst jetzt erscheint, zu einem früheren Zeitpunkt hätte Persona Q2 bestimmt wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s