Review: Persona 5

Es ist kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Shin Megami Tensei: Persona 4 erschien bereits 2008 in Japan. Es dauerte mehr als acht Jahre, bis mit Persona 5 der nächste Eintrag in der Videospielreihe veröffentlicht wurde – und weltweit wieder alle Fans in seinen Bann zieht.

In Persona 5 schlüpfen wir in die Rolle des Oberschülers Kurusu Akira, so der Name des Protagonisten im gleichnamigen Manga (im Spiel dürfen wir ihm einen Namen unserer Wahl verpassen). In seiner Heimatstadt möchte er ein Mädchen vor sexuellen Übergriffen eines offensichtlich betrunkenen Mitbürgers schützen und wird dabei handgreiflich. Obwohl Akira keine Schuld am Verbrechen trägt, wird er für dieses verurteilt und muss sich fernab seiner Heimat bewähren. Es verschlägt ihn in die japanische Hauptstadt Tōkyō, die Dreh- und Angelpunkt des Spiels ist. Hier sollen wir bei Sakura Sōjirō, einem Freund seiner Eltern, ein ganzes Jahr lang leben. Da Anfang April in Japan das neue Schuljahr beginnt, werden wir kurz darauf auch schon verdonnert, die Schulbank zu drücken. Auf dem Schulweg stoßen wir auf Sakamoto Ryūji, mit dem wir plötzlich und unerwartet statt der Schule, an einem Schloss mitten in der Großstadt ankommen. Die Ereignisse überschlagen sich und wir wollen an dieser Stelle auch gar nicht so sehr ins Detail eingehen. Es sei jedoch gesagt, dass wir hier in das Konzept von Persona 5 eingeführt werden und erfahren, welche Bedeutung die titelgebenden Persona für uns haben. Die erwachsene Geschichte entwickelt sich mit Überraschungen, Wendungen und macht auch nicht davor Halt, etwaige (japanische) Klischees einzubringen.

Zeit als kostbares Gut

Ein besonderes Merkmal der Persona-Reihe ist das Voranschreiten der Zeit. Während wir an sechs Tagen in der Woche für gewöhnlich den Unterricht besuchen, dürfen wir danach unsere Zeit meistens frei einteilen. So können wir uns mit Freunden und Bekannten außerhalb der Schule treffen und zusammen verschiedene Aktivitäten betreiben, um das gegenseitige Vertrauen zu stärken. Weitere Aktionsmöglichkeiten wären beispielsweise einem Nebenjob nachzugehen, in der Bibliothek zu lernen, Kreuzworträtsel zu lösen oder schmutzige Wäsche zu waschen. Das sorgt mit Dialogen und Kommentaren von Nicht-Spieler-Charakteren für reichlich Glaubwürdigkeit und jede noch so kleine Tätigkeit bringt uns Vorteile in anderen Bereichen des Spiels. Persona 5 möchte da wie seine Vorgänger keine Lebenssimulation, sondern ein waschechtes Rollenspiel sein. Mit der Zeit erkunden wir im Spiel mehrere Dungeons, die so genannten Paläste. Diese stellen die Parallelwelt zur Realität dar und bestehen nur aus den Begierden ihrer Erschaffer, die es im Spiel zu entlarven und zu besiegen gilt. Auch hier spielt Zeit eine wichtige Rolle, denn im Verlauf der Handlung geschehen unerwartete Dinge, die uns eine unaufhaltsam näher rückende Deadline als Anzeige auf den Bildschirm klatscht. Es gilt das digitale Privatleben und den tollen Rollenspielalltag unter einen Hut zu bekommen.

Gotta catch ’em all

Hauptsächlich bestehen die Dungeons aus Korridoren und meist kleinen Räumlichkeiten, in denen Gegner patrouillieren. Feinde sollten wir im besten Fall aus dem Hinterhalt angreifen, da sie sonst Alarm schlagen. Ist die volle Aufmerksamkeit auf uns gerichtet, werden wir sogar aus dem Palast verbannt. Bei Gegnerkontakt öffnet sich ein klassischer Kampfbildschirm, in dem wir rundenbasiert unsere Entscheidungen treffen: Angriffe mit Nahkampfwaffen und Pistolen auf der einen, Items und Persona-Fähigkeiten auf der anderen Seite. Persona-Kenner werden sich im System direkt zurechtfinden, alle anderen werden mit einem für sie wohl tollsten und interessantesten Kampfsystem aller Zeiten konfrontiert. Gegner können niedergeschlagen, mit Team-Angriffen exekutiert oder gar eine Unterhaltung mit ihnen geführt werden. Wir können nach Geld und Gegenständen betteln oder die Monster überreden, uns ihre Kraft – die titelgebenden Persona – zu leihen. Dem Hauptheld dürfen wir dann in und außerhalb der Kämpfe verschiedene Persona zu weisen, die genau wie sein Besitzer mit dem Erlangen von Erfahrungspunkten im Level aufsteigen und neue Angriffs-, Verteidigungs- und Heilzauber erlernen. Damit nicht genug: Bei der Spielfigur Igor dürfen wir Persona miteinander fusionieren, um noch stärkere und mächtigere Schutzpatronen zu erschaffen. Genial und motivierend!

Einzigartiger Stil

Technisch ist Persona 5 ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite kann das Spiel mit einem fabulösen Anime-Stil stets überzeugen. Während die Abschnitte in der realen Welt in der Regel knallbunt ausfallen, wirken die Paläste eher etwas dunkler. Besonders gelungen ist unserer Meinung nach der Einsatz von Lautmalerei, wie wir sie aus etwaigen Manga kennen. Wenn Mitschüler in den Gängen der Oberschule tuscheln oder unser Smartphone vibriert, wird das mit prägnanten Wörtern in der Luft deutlich. Auf der anderen Seite wäre bei der PlayStation-4-Fassung des Spiels deutlich mehr möglich gewesen. Im Unterschied zur PlayStation-3-Version fällt zwar auf, dass die Auflösung höher ausfällt, manche Farben satter wirken und vor sehr viel weniger Kantenflimmern zu sehen ist, doch besonders bei Plakaten oder Beschilderungen bemerken wir, dass man die Möglichkeiten der Präsentation nicht gänzlich auf die Hardware der PlayStation 4 zugeschnitten hat. Akustisch ist der Titel wirklich spitze. Sämtliche Situationen werden mit passenden Musikstücken unterlegt. Während im Schulalltag gerne mal etwas ruhigere Klänge zu hören sind, werden bedrohliche Szenen mit starken Tönen unterlegt. Gerne greift Persona 5 in dieser Disziplin auch auf richtige Songs zurück, die selbst harte Kämpfe auflockern. Damit entwickelt sich der Titel auch abseits seiner Inhalte zu einem Genuss, den jeder Fan von japanischen Rollenspielen ausprobieren darf.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Zwar liegen seit Jahren sowohl die PlayStation-2-, als auch die PlayStation-Vita-Version von Shin Megami Tensei: Persona 4 bei mir herum, doch bis heute habe ich den Titel – zu meiner Schande natürlich – nicht gespielt. Persona 5 ist demnach meine erste Erfahrung mit der Videospielreihe und ich bin fast durchgehend begeistert. Die Handlung wird mit einer dichten Atmosphäre stark und vor allem erwachsen erzählt, bietet viele facettenreiche Charaktere, über die ich immer mehr erfahren möchte und unterhält mich in den Palästen, also den Dungeons des Spiels, mit spannenden Kämpfen und zahlreichen Optionen. Besonders das Erlangen von neuen Persona und die anschließenden Fusionen bei Igor motivieren mich, Erfahrungspunkte zu sammeln, im Level aufzusteigen und stärkere Gegner immer leichter zu besiegen. Allerdings hätte ich es schön gefunden, wenn man das Spiel auch im Detail an die Hardware der PlayStation 4 angepasst und eventuell auch eine deutsche Lokalisation in Auftrag gegeben hätte. Das ist zusammen genommen aber nur der kalte Tropfen auf den heißen Stein, denn inhaltlich bietet der Titel eine gelungene Unterhaltung für dutzende Stunden Spielspaß, die sich kein Fan japanischer Rollenspieler entgehen lassen sollte.

Jonas’ Fazit (basierend auf der PlayStation-4-Fassung): Im Vorfeld habe ich mich schon lange auf Persona 5 gefreut und das nicht nur, weil ich schon Shin Megami Tensei: Persona 4 regelrecht verschlungen habe. Endlich wurden die zufallsgenerierten Dungeons größtenteils durch echt kreierte Anlagen ersetzt und der Kontrast zwischen japanischem Rollenspiel und Lebenssimulation noch weiter verringert. Am besten finde ich, dass die Rollenspielelemente, die Geschichte und das ganze Setting wie aus einem Guss in meinen Augen perfekt ineinander verzahnt und gelungen sind. Die Inszenierung selbst ist auch einzigartig gut – zwar sieht man dem Spiel seine Entwicklungsvergangenheit auf der PlayStation 3 an, dafür ergibt das ganze Spiel, von den Menü-Elementen bis zu den Übergängen zwischen Ladezeiten, ein stilistisches Gesamtpaket. Auch die rundenbasierten Kämpfe machen erneut viel Spaß und gehen schnell von der Hand, besonders wegen der direkten und schnellen Bedienung, bei dem die Knöpfe des Controllers sinnvoll ausgenutzt und lange Scroll- und Drück-Partien damit reduziert wurden. Schade finde ich, dass sich Entwickler Atlus in Sachen Charakteren und Figuren etwas zu stark an den Vorgängern orientiert – für jede Figur und Verhaltensmuster lässt sich ein älteres Äquivalent finden. Auch die Kamera-Kontrolle in den unterhaltsamen Dungeons raubte mir teils die Übersicht. Kleine Makel, die dieses klassische wie moderne, aber auf jeden Fall großartige, japanische Rollenspiel kaum in seiner Qualität schmälern.

Vielen Dank an Deep Silver für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Persona 5!

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