Review: Wii Sports Club

Wii Sports Club (1)2006 ist das wohl wichtigste Jahr in der Videospielgeschichte von Nintendo. In diesem Jahr erscheint nicht nur die zuvor noch von der Konkurrenz belächelte Wii, sondern auch Wii Sports. Das Spiel präsentiert in diesem Jahr hervorragend, wozu die Wii im Stande ist.

Wii Sports Club (2)Als ein Videospielsystem für Vielspieler will Nintendo 2006 die Wii nicht vermarkten. Nach dem eher mittelmäßig verkauften Gamecube ändert Nintendo nicht nur das Marketing. Auch die Zielgruppe wird erweitert. Anstatt wie die Jahre zuvor die üblichen Hardcore-Spieler in erster Linie anzusprechen, positioniert man sich schon mit dem 2004 in Japan veröffentlichten Nintendo DS so, um jeden Spielertyp anzusprechen. Mit Wii Sports gelingt Nintendo 2006 schließlich der Durchbruch. In Europa liegt jeder Konsole das Spiel bereits bei, sodass sich Wii Sports mit der Zeit zu einem der meistverkauftesten Videospiele aller Zeiten avanciert. In Windeseile ist die Wii ausverkauft; das Spiel in aller Munde. Um der großen Nachfrage Herr zu werden, sind Promoter von Nintendo auch in kleineren Städten unterwegs, um in dortigen Läden die Wii vorzustellen, sodass Interessierte gleich das Spiel vor Ort ausprobieren können. Bei Wii Sports handelt es sich um ein Sportspiel, bei dem man mit der damals innovativen Wii Remote Tennis, Bowling, Boxen, Baseball und Golf spielen kann. Das Interessante daran ist, dass der Fernbedienungscontroller die Bewegung des Spielers erkennt und diese ins Spiel übernimmt. Das sorgt 2006 für offene Münder, eine verdutzte Konkurrenz und Muskelkater. Zudem zählt seitdem die Ausrede nicht mehr, dass man sich mal kurz wo kratzen wollte.

Genauigkeit punktet (theoretisch)

Wii Sports Club (3)Mit der Zeit machen sich aber Stimmen laut, die von der anfangs suggerierten 1:1-Steuerung nicht überzeugt sind – sie existiert schlicht nicht. Um Abhilfe zu schaffen, veröffentlicht der japanische Konzern im Jahr 2009 den Nachfolger Wii Sports Resort. Hier warten nicht nur neue Sportarten wie Bogenschießen auf uns, sondern auch eine erweiterte Steuerung. Dem Spiel liegt ein Wii-MotionPlus-Adapter bei, der einen zweiten Gyrosensor beinhaltet und die Steuerung theoretisch noch genauer gestaltet. Diese Technik sei drei Jahre zuvor noch zu teuer gewesen; später veröffentlicht man jedoch auch Wii-Fernbedienungen, welche diesen zweiten Sensor beinhalten. Genutzt hat diese Technik jedoch kaum ein Spiel, die Beliebtheit des Wii Balance Boards lässt grüßen. Während die Konkurrenz ähnliche Gehversuche in diesem Markt unternimmt, aber teils kläglich daran scheitert, kann Nintendo auf die Technik dank Abwärtskompatibilität der Wii U zurückgreifen. Obwohl die Wii U alleine durch den Preis nicht mehr jeden Spielertyp anspricht, möchte Nintendo auf diese eine Stärke der Wii abermals setzen und veröffentlicht in mehreren Paketen die alten Sportarten des ersten Teils als Download für die Wii U. Im Sommer 2014 folgt dann die Retail-Version, die ohne einen Vor- oder Nachteil alle Download-Pakete in ein seit 2006 bekanntes Gewand hüllt.

(Praktisch) ungenaue Steuerung

Wii Sports Club (4)Alle fünf eingangs erwähnten (ursprünglichen) Sportarten sind in Wii Sports Club enthalten. Diese fünf Sportarten liegen jetzt nicht nur in einer höheren Auflösung vor; sie unterstützten auch die bereits genannte Wii-MotionPlus-Technologie. Theoretisch ist es so möglich, die Schläge in Tennis, den Abschlag in Golf, einen Schlag beim Boxen, das Ausholen mit dem Baseball-Schläger und das Werfen einer Bowling-Kugel genau abzustimmen. In der Realität ist dieses Unterfangen jedoch komplizierter als gedacht. Zum einen muss man sich wirklich sehr gut konzentrieren, damit man beispielsweise Schläge im Golfsport nicht verzieht und der Golfball im Bunker landet. Zum anderen kommt es derzeit noch ungewohnt oft vor, dass sich die Wii-Fernbedienung dekalibriert und wir sie rekalibrieren müssen. Das ständige Einstellen von etwas, was eigentlich eine Ausnahme sein sollte, nervt auf die Dauer gewaltig. Besonders ärgerlich ist das, wenn man nach den gewohnten Tennis-Regeln online oder lokal gegen einen Gegenspieler antritt. Bemerkt man die Fehlkalibrierung erst bei einem Schmetterschlag, hat man direkt einen Punkt eingebüßt. Nach fünf Jahren Erfahrung mit Wii MotionPlus hätten wir hier sehr viel mehr Feingefühl seitens Nintendo erwartet. Wir trauen jedoch unseren Augen noch weniger, als wir uns durch die Sportarten klicken und beim Boxsport angekommen sind.

Erweiterte Steuerung

Wii Sports Club (5)War es 2006 in Wii Sports noch möglich, mit einer Wii-Fernbedienung und dem Nunchuck zu spielen, geht dies derweil nicht mehr. Wir können entweder eine Fernbedienung in die eine und eine weitere in die andere Hand legen, um zweihändig boxen zu können, oder wir machen dies tatsächlich einhändig! Das macht nicht nur wirklich Sinn, ist im Mehrspielermodus auch noch unfreiwillig komisch. Zudem ermüdet dies einen unserer Arme ungemein. In der Regel ist es bei solch einer undurchdachten Steuerung wirklich nötig, bald eine Pause einzulegen, wie sie uns das Spiel nach so gut wie jeder Übung vorschlägt. Das ist zwar auch nervig, doch ist nicht alles schlecht an Wii Sports Club. Man hat beispielsweise die Baseball-Steuerung überarbeitet. Ist man der Pitcher, kann man den Ball nun mit Hilfe des Wii U GamePads nun einer genauen Richtung zuordnen und zusätzlich die Art des Wurfes bestimmen. Ebenso ist es jetzt unsere Aufgabe, den Ball mit Hilfe des GamePads zu fangen, wenn der Gegner einen Ball ins Feld schleudert. Großartig! Eine weitere tolle Idee ist, dass man das GamePad beim Golfen auf den Boden legen kann. Da holen wir mit der Fernbedienung aus und sehen unseren Schläger den Ball treffen, wenn wir über den Fußboden und auf das GamePad blicken. Wie der Golfball fliegt, erleben wir selbstverständlich auf dem heimischen HD-Fernseher.

Logische Verbesserungen

Wii Sports Club (6)Um zu üben bietet das Spiel verschiedene Trainingsmöglichkeiten. Beim Bowlen können wir verschiedene Pin-Aufstellungen abarbeiten und beim Tennis Aufschläge auf große Maulwürfe schmettern. Wir sind gespannt, ob sich hier wieder eine bestimmte Tierschutzorganisation einmischen wird. Erreichen wir in den verschiedenen Sportarten Erfolge, hagelt es (sogar im lokalen Mehrspielermodus) Punkte, um unser Können in einem Rang auszudrücken. Online können wir nun ebenfalls gegen Gegenspieler antreten. An fast allen Ecken und Enden hat man trotzdem versucht, Wii Sports so gut es geht zu erweitern und zu verbessern. Optisch sieht schon Wii Sports trotz der altbackenen Technik auf einem HD-Fernseher sehr gut aus, doch durch Wii Sports Club merkt man erst recht, wie viel Luft eigentlich nach oben ist. Die schönen HD-Grafiken machen das Spiel ein klein wenig stimmiger. Beim Soundtrack hat man sich teils neue Stücke ausgesucht oder bekannte Tracks aufgemöbelt. Kurioserweise hat man sich einen neuen Sprecher für Tennis besorgt und den Sprecher beim Golfen wegrationalisiert. Diese Entscheidung ist zwar kurios, doch nicht so fragwürdig, warum die Steuerung in Wii Sports Club (im Vergleich zum Original zum Veröffentlichungszeitpunkt) leider nicht so gut funktioniert, wie wir das im Jahr 2014 erwarten. Kurz vorm Ziel geht dem Spiel die Puste aus.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Wii- und der Wii-U-Fassung): Wie bei den meisten Wii-Besitzern war 2006 Wii Sports auch mein erstes Spiel für die Konsole. Besonders in den ersten Monaten habe ich das Spiel immer wieder mit Freunden gespielt, bis genügend andere Mehrspielertitel erschienen und Wii Sports langsam abgelöst haben. Trotzdem habe ich Wii Sports immer wieder hervorgekramt, um den Titel mit Freunden zu spielen. Selbiges Schicksal wird Wii Sports Club bei mir direkt erfahren. So schön ich die neuen HD-Grafiken jetzt finde und so gut Nintendo die einzelnen Sportarten mit neuen Features ergänzt hat, so schade finde ich, dass die Steuerung in der Praxis bei mir nicht funktioniert. Kaum habe ich in Tennis drei bis vier Bälle abgewehrt, hält mein Mii seinen Schläger schon wieder ganz verkehrt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich mit derlei Problemen im ursprünglichen Spiel gekämpft habe. Gut finde ich jedoch, dass Nintendo endlich einsieht, dass die Menschen online spielen wollen und bis auf ein bis zwei Ausnahmen hat der Online-Aufbau bei mir doch gut geklappt. Inständig hoffe ich jedoch auf einen Patch, der sowohl die Steuerungsprobleme in den Griff bekommt, gegebenenfalls auch alte Wii-Fernbedienungen spieltauglich macht oder gar eine Arcade-Steuerung ermöglicht wird. Wer auf einen Online-Modus verzichten kann und noch nie Wii Sports gespielt hat, kann ruhigen Gewissens zur günstigen Wii-Fassung greifen. Wer sich von den Steuerungsdefiziten, die ich im Test erlebt habe, nicht abschrecken lässt, darf natürlich auch zur Wii-U-Fassung greifen. Wii Sports bleibt so oder so ein Meilenstein der Videospielgeschichte, den man unter keinen Umständen verpassen darf!

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Wii Sports Club!

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