Review: Die große Keilerei

Die Große Keilerei (1)Wenn ein Schauspieler in seiner Heimat nahezu alles erreicht hat, sucht er sein Glück in der Ferne. Genauer gesagt in der Filmlandschaft der Vereinigten Staaten. Hier sucht Jackie Chan im Jahr 1980 erstmals den internationalen Durchbruch zu erreichen. Leider vergeblich.

Die Große Keilerei (2)Die Handlung von Die große Keilerei findet in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts statt. Als Handlungsort haben sich die Köpfe hinter dem Projekt die Stadt des Windes, also Chicago, ausgesucht. Hier lebt Protagonist Jerry Kwan zusammen mit seiner Familie, die aus seinen Eltern, seinem Bruder und seinem Onkel besteht. Der Onkel lebt jedoch entzweit von der Familie, da diese sich in einigen Punkten einfach nicht einig sind. Sein Onkel ist jedoch ein Widerspruch in sich. Er missbilligt zunächst die Beziehung zwischen Jerry und dessen Freundin Nancy, obwohl er heimlich selbst Bettbekanntschaften pflegt. Nichtsdestotrotz setzt die Handlung fernab des stürmischen Familienlebens ein. In Chicago werden mitten auf der Straße Kämpfe ausgetragen. Unter den Kämpfern befindet sich auch Billy Kiss. Das große Schwergewicht hat die Macke, dass er jeden seiner besiegten Gegner einen Kuss geben muss. Bisher ist Billy Kiss ungeschlagen, was besonders Bandenchef Dominici ärgert. Dieser muss mit ansehen, dass jeder seiner Kämpfer dem küssenden Ungeheuer unterlegen ist. Zeitgleich setzt die Story bei Jerry ein. Dieser kehrt mit Nancy nach Hause zurück, wo er eigentlich nur mit seinem Bruder sprechen will, um die Startgebühr für ein Rollschuhrennen zu bekommen. Da muss Jerry mit ansehen, dass sein Vater von Mobstern zusammengeschlagen wird.

Ein Drama in zwei Akten

Die Große Keilerei (3)Natürlich schreitet Jerry zur Hilfe, doch die Verbrecher schleichen sich danach vom Tatort. Als Jerry dann das Geld fürs Rollschuhrennen von seinem Bruder erhält, geht jedoch alles ganz schnell. Nach dem Rennen wird auf einmal sein Freund zusammengeschlagen, der in diesem Stapellaufrennen dabei gewesen war. Als Jerry dann auch noch die Verlobte seines Bruders in San Francisco abholen soll, gerät alles außer Kontrolle. Zwar trifft Jerry seine zukünftige Schwägerin an der Westküste, doch wird sie dort von Dominici entführt. Dieser beschwichtigt zwar immer wieder, dass es der Frau gut geht, doch will er sie nur gehen lassen, wenn Jerry für ihn beim Battle Creek, der großen Keilerei, teilnimmt. Schließlich haben seine Männer von ihm unlängst eine Abreibung bekommen und Jerry scheint seiner Meinung nach der beste Mann weit und breit für den Auftrag zu sein. Schnell wird ein Ersatz für die Frau gefunden und drei Wochen voller Training beginnen bei seinem Onkel in Chicago. Ab hier kann man bei Die große Keilerei eine klare Trennung bemerken. Während die erste Hälfte trotzt oft eingespielter Action noch viel auf Dialoge setzt, wird die zweite Filmhälfte vom Training und den anschließenden Straßenkämpfen beim Battle Creek dominiert. Das ist für Jackie-Chan-Fans grundsätzlich nichts Schlechtes, doch schwankt die Qualität dabei stark.

Wirkungen des amerikanischen Kampfstils

Die Große Keilerei (4)Das liegt daran, dass die Action nicht einzig und allein von Jackie Chan koordiniert wird. Unterstützung erhält Chan durch Pat E. Johnson, der jedoch auf einen sehr amerikanischen Stil setzt. Das macht aufgrund der vielen Kämpfer, die vor allem aus Nord- und Südamerika stammen vielleicht Sinn, doch können Chans Action-Einlagen nicht so glänzen, wie zum Beispiel in Meister aller Klassen. Das erkennt Chan im beiliegenden (aber leider recht kurzen) Interview ebenfalls. Der Zeitpunkt des Films ist denkbar schlecht gewählt. Obwohl er einen wichtigen Punkt in Chans Karriere markiert, spielt der Film deutlich weniger als Meister aller Klassen ein. Besonders in Hongkong, wo Die große Keilerei in nahezu jedem Kino läuft, interessieren sich die Kinogänger nicht für den Film. Zuschauer, die auf einen ostasiatischen Kampfstil viel Wert legen, bekommen also nicht einmal die Hälfte von dem zu sehen. Mit dem Rollschuhrennen und dem Battle Creek gibt es dennoch zwei Highlights, die den Film die ganzen 97 Minuten über für alle anderen sehenswert machen. Das Bonusmaterial fällt jedoch sehr spärlich aus, denn mehr als das kurze Interview und zwei Trailern zum Film gibt es nichts, wodurch man tiefer in den Film eintauchen kann. Käufer der Blu-ray freuen sich jedoch darüber, dass sowohl die Kino-, als auch die Fernsehsynchronisation enthalten sind.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Es ist wirklich sehr schade, dass Jackie Chan mit Die große Keilerei 1980 nicht den internationalen Durchbruch erreicht, den er da eigentlich schon längst verdient hat. Hier merke ich jedoch mal wieder die Engstirnigkeit bei der Produktion im Westen. Man möchte unbedingt die Merkmale des westlichen Kampfstils in den Film packen, der jedoch absolut nicht mit dem Stil von Chan zusammenpasst. Man tut sich damit selbst keinen Gefallen, denn – bis auf zwei Ausnahmen – funktionieren die Kämpfe nämlich nicht so vollwertig, wie ich sie aus anderen Produktionen mit Chan kenne. Zudem stört mich, dass auch die Handlung nicht ganz ausgefeilt ist. Es werden Charaktere in die Handlung eingeführt, die eigentlich wichtig zum Verständnis sind, dann jedoch zum Ende des Films einfach verschwinden und die Story nicht zu einem runden Abschluss bringen. Zwar funktioniert der Kern des Films, nämlich die große Keilerei, aber besonders die Qualitäten des damaligen US-amerikanischen Kinos, eine gute Handlung zu erzählen, funktioniert nicht gänzlich. Zudem werden Motive wiederholt, was die Story etwas vertrackter macht, aber am Ende doch eigentlich ganz egal ist. Die große Keilerei gehört, bedingt durch die Leiter des Projekts, zwar nicht zu den Top-Titeln mit der Martial-Arts-Legende, aber wer einen netten Film für einen gemütlichen Nachmittag sucht, kann dem Streifen dennoch eine Chance geben!

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Die große Keilerei!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s