Nach einer zweimonatigen Pause erschien im Oktober 2025 die inzwischen siebte Ausgabe der Anime-Serie Crayon Shin-chan auf DVD. Auch bei dieser Publikation hat sich Polyband Anime kaum bis gar nicht bemüht, etwas an der Veröffentlichungstaktik zu verändern.
Im Land der aufgehenden Sonne ist der fünfjährige Nohara Shinnosuke aus der Anime-Serie Crayon Shin-chan seit dem Jahr 1992 bekannt. Außerhalb Japans ist der Dreikäsehoch ebenfalls kein Unbekannter mehr. Gerade im deutschsprachigen Raum gewann Shin-chan zu Beginn der 2000er-Jahre an Popularität, giert aber komischerweise schnell wieder in der Versenkung. Erst durch den hiesigen Herausgeber Polyband Anime hat sich daran etwas verändert, sodass sowohl neue Folgen als auch die alten Episoden von früher wieder zugänglich gemacht wurden. Das Tolle an dieser Anime-Serie ist, dass es keinen richtigen oder falschen Einstiegspunkt gibt. Bis auf sehr wenige Veränderungen beim Charakterensemble bleibt in jeder Episode eigentlich alles beim Alten und der blanke Wahnsinn regiert. Eine dieser Veränderungen ist definitiv die Geburt von Himawari respektive Daisy, wie sie in der deutschen Übersetzung heißt. Misaes beziehungsweise Mitsys zweites Kind entwickelt sich langsam, aber sicher zu einem genauso großen Satansbraten wie ihr titelgebender Bruder Shin-chan. Allerdings hat sie den Niedlichkeitsfaktor auf ihrer Seite, sodass ihre Eltern ihr mehr durchgehen lassen als Shinnosuke. Dieses Faktum führt in den Episoden der siebten Volume gleich mehrfach zu einem heftigen, aber nicht unlösbaren Konflikt zwischen den beiden Geschwisterchen.
Geschwisterliebe und Seitenhiebe
Unter anderem schnappt Daisy in einer der etwa sechseinhalbminütigen Mini-Episoden ihrem Bruder die Fernbedienung weg, um Zeichentrickserien im Fernsehen zu schauen. Shin-chan möchte aber viel lieber Seifenopern konsumieren, bekommt dafür aber von seiner Mutter die Schelte. Als er dann auch noch zum Abwischen der Tischplatte verdonnert wird, möchte Daisy unbedingt selbst saubermachen und lässt ihn keine Ruhe. Mitsy interpretiert die Situation aber so, als hätte Shinnosuke sie dazu gezwungen und bekommt sofort die Schuld zugeschoben. Dies führt in einer anderen Episode wiederum soweit, dass Shin Reißaus nimmt, da seine Eltern offenbar nur noch Augen für seine kleine Schwester haben. Es kommt zu einer Suchaktion und Schuldvorwürfen, doch eigentlich hat Shin die kleine Heulsuse die ganze Zeit über im Blick. Ein wenig schade ist jedoch mal wieder in diesem Zusammenhang, dass Polyband die Episoden nicht nummeriert und wie damals bei der Fernsehausstrahlung in derselben Reihenfolge wild durcheinandergewürfelt hat. Dementsprechend kommt es auch in den Folgen der siebten Volume vor, dass Mitsy noch schwanger ist, obwohl Daisy in früheren Episoden bereits auf der Welt war. Abgesehen davon tut dies dem eigentlichen Spaß beim Zusehen keinen Abbruch, denn wenn Shin-chan seine Mitmenschen zur Weißglut treibt, dann so richtig!
Altbekanntes Gesamtbild
Unter anderem erhält Vater Hiroshi beziehungsweise Harry eine Prämie von seiner Firma ausgezahlt, sodass die Familie Nohara beschließt, Fugu essen zu gehen. Sobald die überaus teure Delikatesse allerdings auf dem Tisch liegt, beginnt Shin-chan, sich frech in großem Maße zu bedienen, wodurch für alle eine unangenehme Situation im Restaurant entsteht. In einer anderen Folge geht es wiederum ins Kaufhaus, wo Shinnosuke seine Mutter in den Wahnsinn treibt, da er unbedingt die allerneueste Actionfigur in die Finger bekommen will. Zuhause kann der neunmalkluge Rabauke ebenso terrorisieren, indem er allerhand Sachen versteckt, weil er aus einer Laune heraus Pirat spielen will. Auch Nachbarin Kitamoto-san beziehungsweise in der deutschen Variante Frau Goober verliert irgendwann den Verstand, da Shin-chan ihr einfach nicht zuhört. Zusammen mit seinen Freunden aus der Vorschule erlebt der kleine Protagonist aber auch das eine oder andere Abenteuer, indem sie beispielsweise beschließen, ihre Vorschullehrerin zuhause zu besuchen, die daraufhin krank spielen muss, um die Kinder wieder loszuwerden. Omnipräsent sind in der siebten Volume auch ein paar Traumsequenzen, die noch abstruser ausfallen. An der Gestaltung des Episodenpakets hat sich seit den vorherigen Ausgaben übrigens nichts getan. Intro und Outro gibt es lediglich bei der Alle-abspielen-Funktion und die japanische Synchronisation fehlt abermals vollständig – äußerst schade.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Zu Beginn der 2000er-Jahre habe ich Crayon Shin-chan im linearen Fernsehen rauf und runter geschaut. Langweilig wird es mit dem Rabauken niemals, zumal so gut wie jede Episode für sich alleine steht und starke Veränderungen innerhalb der Erzählstruktur eine absolute Ausnahme sind. Daher ist es auch ganz einfach möglich, erst mit der siebten Volume in die Anime-Serie einzusteigen. Obwohl es in den Folgen der siebten Ausgabe einen Hang zu verschiedenen Traumsequenzen gibt, in denen beispielsweise die altbekannte Geschichte vom Hasen und dem Igel neu interpretiert wird, ist das Geschehen mannigfaltig. Ständig begegnen Shin-chan und seinen Mitmenschen zunächst überaus simple Situationen, die durch Shinnosukes Eingreifen allerdings unnötig verkompliziert, ins Lächerliche oder sogar Abstruse gezogen werden. So schnell wird es also auch in der siebten Ausgabe nicht eintönig. Bemängeln muss ich abermals die Struktur der DVD, bei denen die Episoden wie schon in der verhunzten Ausstrahlungsreihenfolge im Fernsehen wild durcheinander geworfen sind. Wer darüber hinwegsehen kann oder ohnehin nur die damalige Ausstrahlungsreihenfolge kennt, wird aber ganz bestimmt auf seine Kosten kommen!
Vielen Dank an Polyband für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 7)!