Review: Command & Conquer – Remastered Collection

In den 1990er-Jahren gehörten Echtzeit-Strategie-Spiele zu den beliebtesten Genres überhaupt. Mit der Command & Conquer – Remastered Collection beschert Electronic Arts den Serienfans zwei gelungene Überarbeitungen, die aber nicht ohne Kinderkrankheiten auskommen.

Als 1995 mit dem Spiel Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt der erste Teil der langlebigen Echtzeit-Strategie-Serie auf dem PC erschien, ahnte wohl kaum jemand, wie sehr diese Reihe Spieler auf der ganzen Welt beeindrucken würde. Selten war es spaßiger, Einheiten von einer Stelle zur anderen zu befehligen, um nach und nach verschiedene Areale einzunehmen. Der Tiberiumkonflikt erzählt den Zwist zwischen der Global Defense Initiative und der Bruderschaft von Nod, die sich um das titelgebende Tiberium streiten. Hierbei handelt es sich um ein außerirdisches Mineral, das besonders energiereich ist und den fanatischen Kane dabei helfen soll, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Zu Beginn des Spiels müssen wir uns für eine der beiden Seiten entscheiden. Unterstützen wir die GDI, bekämpfen wir die Bruderschaft vornehmlich in Osteuropa. Fällt unsere Wahl hingegen auf Nod, helfen wir Kane hingegen bei seinem Nordafrika-Feldzug gegen die GDI. Command & Conquer: Alarmstufe Rot aus dem Jahr 1996 hat mit diesem Konflikt (bis auf wenige Anspielungen) nichts zu tun und erzählt stattdessen eine völlig andere Geschichte, die aber ebenfalls rein fiktiv ist. Mittels einer Zeitmaschine gelingt es Albert Einstein, Adolf Hitler aus der Zeit zu entfernen. Das führt jedoch zum Erstärken der Sowjetunion, die daraufhin einen Krieg mit den „Alliierten“ riskiert.

Alle Macht den Truppen

In puncto Gameplay unterscheiden sich beide Spiele der Remastered Collection nicht sonderlich. Zu Beginn einer Partie errichten wir meistens eine Basis, bauen ein Kraftwerk zur Energieversorgung und anschließend weitere Gebäude, die für uns nützlich sind. Unter anderem steht hier eine Kaserne zur Ausbildung unserer Truppen bereit oder eine Raffinerie, die ein Sammelfahrzeug aussendet, um Tiberium respektive Erz einzusammeln, worüber wir Geld verdienen, das wir in neue Gebäude und Einheiten stecken können. Diese befehligen wir mit der Maus und scheuchen sie von einem Platz zum anderen. Dort können sie beispielsweise die Stellung halten, um etwaige Angriffe abzuwehren. Ebenfalls sind sie nützlich, um Gebäude zu verteidigen. Am wichtigsten dürfte jedoch die Möglichkeit sein, den Feind an taktisch klugen Stellen anzugreifen und in die Knie zu zwingen. Die Krux an der Sache ist, dass es oft nötig ist, alle gegnerischen Truppen auszuradieren. Selbst wenn auch nur ein kleiner Soldat sich in irgendeinem Gebäude oder Winkel der Karte verschanzt, muss dieser getötet werden – selbst dann, wenn das Hauptquartier oder andere wichtige Einrichtungen bereits von uns in Schutt und Asche gelegt wurden. Das ist zwar dem Alter beider Spiele geschuldet, hätte aber in der überarbeiteten Fassung angepasst werden sollen, selbst wenn das Element nur optional wäre.

Unverzeihliches Gameplay

Um den Krieg zu gewinnen, werden wir in verschiedene Echtzeitschlachten verwickelt. Hier müssen wir sehr taktisch vorgehen, denn beide Spiele verzeihen selbst in den ersten Missionen der Kampagne keine Fehler. Unter anderem sollten wir im Hinterkopf behalten, wann genau welcher Truppentyp effektiv gegen die jeweiligen gegnerischen Einheiten besonders effektiv ist oder tunlichst vor diesen den Rückzug antreten sollte. Taucht der Feind mit ein paar Raketenwerfern auf, sollten wir unsere Artillerie außer Reichweite bringen. Einfache Infanteristen können wir hingegen mit schweren Fahrzeugen auch einfach überrollen. Wer strategisch denkt, wird in der Command & Conquer – Remastered Collection schnell den einen oder anderen Erfolg feiern. Übermütig sollten wir aber nicht werden, denn der kleinste Fehler führt dazu, dass die Mission scheitert. Entsenden wir unsere Infanterie über ein Tiberiumvorkommen, erleiden unsere Soldaten gesundheitlichen Schaden oder den Tod. Also müssen wir sie in ein Fahrzeug verfrachten, um sie unbeschadet über das Feld zu transportieren. Eigentlich ist all das kein Hexenwerk, doch auch hier macht sich das Alter beider Spiele bemerkbar, denn an keiner einzigen Stelle wird das Gameplay erklärt. Jeden Kniff müssen wir selbst herausfinden, was in Anbetracht der überschaubaren Mechaniken aber machbar ist.

Umfangreiche Remastered Collection

Gut finden wir, dass wir die Schwierigkeit in drei Stufen regulieren können. Wer eine Herausforderung sucht, kommt genauso wie Anfänger auf seine Kosten. Mit dem Anpassen der Geschwindigkeit kommt hier noch ein wenig Feintuning hinzu. Nostalgiker erfreuen sich daran, dass auch nur eine Einheit gleichzeitig produziert werden kann. Zum Glück zeigen die Entwickler Erbarmen und passen die Voreinstellung an die Gegebenheiten und Möglichkeiten des Jahres 2020 an. In optischer Hinsicht müssen sich beide Spiele auch nicht verstecken. Sicherlich wäre 25 Jahre nach dem ursprünglichen Release mehr machbar gewesen, aber alle Einheiten und Gebäude beeindrucken uns mit ihrem ursprünglichen Charme, nur eben hochauflösend. Tippen wir die Leertaste an, können wir zwischen alter und neuer Optik jederzeit wechseln, womit der Grafiksprung noch einmal mehr als deutlich wird. Für die 1990er-Jahre beeindruckend sind auch die Videosequenzen mit echten Schauspielern, die jedoch – vor allem mit der teils aufgesetzten deutschen Synchronisation – manchmal leicht albern wirken. Der Soundtrack versetzt uns hingegen einen derartigen Adrenalinstoß, dass wir stets eine Mission nach der anderen angehen wollen. Zusammen mit der großen Auswahl an weiteren Szenarien, einem Karteneditor, dem Mod-Support und umfangreichen Bonusmaterial kommt kein Echtzeit-Stratege um die gelungene Command & Conquer – Remastered Collection herum.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Command & Conquer – Remastered Collection ist ein gutes Beispiel dafür, wie zwei Klassiker neu aufgelegt werden können. Optisch und akustisch ist der Sprung zwischen dem Original und der Überarbeitung durchaus groß, wenn auch nicht weltbewegend. Den Entwicklern ist es jedoch dabei gelungen, den Charme der ursprünglichen Spiele beizubehalten. Ältere Spieler dürften sich also sofort zurechtfinden, da der unverkennbare Look erhalten geblieben ist. Selbiges gilt auch für die Videosequenzen, die ebenfalls überarbeitet wurden, wenn auch ihr Alter noch anzumerken ist. Letzteres betrifft im Übrigen auch das Gameplay, denn dieses wird zum einen an keiner Stelle erklärt und zum anderen verzeihen beide Spiele keinerlei Fehler. Da neue Spielmechaniken aber nur nach und nach eingeführt werden, ist die Lernkurve nicht so steil wie bei anderen Spielen der 1990er-Jahre. Fantastisch ist, dass deutsche Spieler beide Werke endlich ungekürzt spielen können, wenn es auch nach wie vor albern ist, die menschlichen Gegner als Cyborgs zu bezeichnen. Aufgrund des großen Umfangs sind das aber alles verschmerzbare Defizite, die ich gerne in Kauf nehme. Trotz der kleinen Macken machen sowohl Der Tiberiumkonflikt als auch dessen Nachfolger Alarmstufe Rot jede Menge Spaß, den ich einfach nicht mehr missen möchte.

Vielen Dank an Electronic Arts für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Command & Conquer – Remastered Collection!

Ein Kommentar zu “Review: Command & Conquer – Remastered Collection

  1. Da werden einige Erinnerungen wach. Auf dem PC die Lan Parties. Endlos wurde installiert und versucht alle Rechner zusammen zu schliesen, dass es am Ende auch funktioniert und läuft. Ich muss sagen, dass Remastered ist recht gut gelungen, auch wenn die Videos manchmal ein bisschen altbackend wirken. Der Sound und das Gameplay überzeugen mich aber auf ganzer Linie. Da ist etwas ganz grossartiges zurück auf den PC gekommen. #NintendoSwitchLite

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