Preview: Anno 2070

Der 31. März 1998 ist für PC-Spieler ein historisches Datum, denn an diesem Tag erschien Anno 1602. Es wurde von der Community in Windeseile zu einem der beliebtesten Aufbau-Strategiespiele erklärt. Mehr als dreizehn Jahre später sind seitdem vergangen und Anno hat sich in der Zwischenzeit stetig verbessert und dieses Mal auch stark verändert.

Es gibt kaum jemanden, der die Serie nicht kennt und doch möchten wir kurz das eigentliche Gameplay der bisherigen Serienableger erklären. Es gilt in einem jedem Teil der Reihe eine möglichst florierende Stadt aus einer kleinen Siedlung entstehen zu lassen. Dabei ist es sehr wichtig, eine komplette und durchdachte Infrastruktur zu entwickeln, denn die in der Stadt lebenden Bürger möchten ständig in ihren Bedürfnissen befriedigt werden. Wenn sie Hunger leiden, helfen meistens Jäger, Fischer und ganze Rinderfarmen, um die schreienden Mäuler zu stillen. Um den Gottesglauben ausleben zu dürfen, ist der Bau einer Kapelle nötig und auch ein Wirtshaus muss früher oder später in ihrer Gemeinde bestehen. Hierbei ist es dann sehr wichtig, dass die Bürger auch in der Nähe der jeweiligen Einrichtungen leben, damit sie zu einer höheren Gesellschaftsstufe aufsteigen dürfen und somit noch mehr Steuern zahlen, denn die Staatskasse füllt sich nicht von alleine und Betriebskosten müssen gedeckt werden. Mit zunehmender Spielzeit verlangen die Nachwuchs-Aristokraten auch Luxusgütern, wie etwa Seide oder Gewürze. Unzufriedene Schichten entwickeln sich nicht weiter und wenn wir nicht aufpassen, fließt schon bald das Geld nicht mehr und wir gehen bankrott. Um unsere Herrschaft weiter auszudehnen, dürfen wir auch Kriege führen und andere Inseln besiedeln. Je länger eine Partie von einem Anno-Spiel dauert, desto anspruchsvoller wird es – garantiert!

Setzt die Segel!

Im neuesten Serienableger weht ein ganz neuer Wind, denn Anno 2070 wird als erster Titel der Reihe nicht in der Vergangenheit, sondern in der mehr oder weniger fernen Zukunft spielen. Durch die Klimaerwärmung steigt der Meeresspiegel, nur noch wenige Inseln eignen sich zur Besiedlung und wir müssen uns schleunigst daransetzen, wie in den ursprünglichen Titeln, ein passendes Fleckchen zu finden und eine neue Stadt gründen. Allerdings sind wir hier nicht mehr mit Segelschiffen unterwegs, sondern kontrollieren moderne Tanker und auch die einst niedlichen Häuser entpuppen sich als kolossale Wolkenkratzer. Bei den Bedürfnissen unserer Leute wurden ebenfalls Anpassungen vorgenommen. Wo früher noch Rindfleisch auf der Speisekarte stand, lässt sich in der fiktiven Zukunft biologische Kost finden. Den Glauben haben die Menschen in der Zukunft längst abgeschworen – ihnen ist ein funktionstüchtiger Fernsehanschluss wichtiger, um ihren Medienkonsum zu frönen. Im Grunde hat sich kaum etwas am eigentlichen Spielprinzip verändert, doch hinter der zeitgemäßen Fassade steckt noch die eine oder andere Neuigkeit, die das Spiel unserer Meinung nach so besonders macht. Die Unterteilung in zwei, beziehungsweise drei Fraktionen wäre eine dieser angesprochenen Neuerungen, denn in Anno 2070 dürfen wir entscheiden, ob wir in die Rolle der Ecos, der Tycoons oder der Techs schlüpfen möchten.

Ökologisches Denken

Während die Ecos umweltbewusst leben, sind die Tycoons mit ihrer Verschwendungsweise der krasse Gegenpol. Die forschungsinteressierten Techs können wir zusätzlich spielen, dabei ist es dann auch egal, ob wir uns zuvor für die (rein hypothetisch gesehen) positive oder negative Zukunftsaussicht entschieden haben. Ecos und Tycoons haben, wie angedeutet, ihre Vor- und Nachteile, aber auch ihre Gemeinsamkeiten – so müssen beide Fraktionen ihre Stadt beispielsweise mit Strom versorgen. Die umweltfreundlichen Ecos verwenden dabei nur wiederverwendbare Energien, wie etwa erzeugte Energie durch Windkraft oder Solarenergie. Das hat den Nachteil, dass die Stromgewinnung relativ gering ausfällt und eine Menge Platz verloren geht, denn die Anlagen nehmen einiges des begrenzten Bodens ein. Ähnlich geht es auch bei der Viehzucht von statten, denn dadurch, dass sie ihr Vieh frei herumlaufen lassen, fällt hier ebenfalls einiges an wertvollen Bauplatz weg. Dafür sind ihre Ressourcen so gut wie unbegrenzt verfügbar und schonen die Umwelt, die durch die Eco-Spielweise ihre volle Pracht entwickeln kann. Die sauber gehaltene Welt sieht einfach einladend schön aus und die Bürger sind mit der umliegenden Natur mehr als zufrieden. Einmal mehr begründete Ubisoft mit der schöneren Umgebung, dass sich die Spieler womöglich wegen der schöneren Umgebungen sich für die Ecos entscheiden und nicht für die Gegenpartei.

Das Streben nach Gewinn

Den Tycoons sind glückliche Tiere vollkommen egal, sie betreiben Massenviehzucht und um Energie zu gewinnen, bauen sie Kohlekraftwerke oder konstruieren Fusionsgeneratoren. Der zu Beginn sehr hohe Umsatz wandert schon bald auf unser Konto, doch dafür stehen die nötigen Ressourcen nur in begrenzter Anzahl zur Verfügung – zudem verschmutzen sie die Umwelt, wodurch die Gegend verdreckt und abweisend wirkt, bis wir irgendwann gezwungen werden, eine neue Insel zu besiedeln. Um diesen Problemen, welche die Ecos nicht haben zu entkommen, müssen die Tycoons die Luft mit speziellen Geräten filtern und säubern. Sollte dies nicht geschehen, verwandelt sich die Stadt in eine riesige Kloake, welche anfällig für Umweltkatastrophen ist und das gefällt weder uns, noch den Bewohnern. Optisch ist hier also ein deutlicher Unterschied in den Städtestrukturen und der eigentlichen Umwelt zu sehen. Bei den Ecos wachsen die Bäume freundlich grün, Vögel umkreisen die Inselidylle und die Bewohner gehen ins Theater oder besuchen Parks. Das sieht bei den Tycoons völlig anders aus, denn bei ihnen wächst schon lange kein Grashalm mehr und verdreckte Häuser leuchten in den Neonröhren der naheliegenden Kasinos argwöhnisch auf. Um in Anno 2070 wirklich erfolgreich zu werden und riesige Metropolen mit der höchsten Zivilisationsstufe errichten zu können, kommt man auch nicht um die die Besiedlung des Meeresbodens herum.

Beeindruckende Zukunftsvision

Diese Unterwasserwelt ist ähnlich wie das Leben über dem Meer aufgebaut, denn auf Unterseeplateaus können wir eine völlig neue Infrastruktur errichten und Wirtschaft betreiben, denn am Meeresgrund warten Vorkommen an Diamanten darauf, von uns geborgen zu werden – um die höchste Entwicklungsstufe zu erreichen, ist dieses Unterfangen unumgänglich. An dieser Stelle kommt im Übrigen die dritte Fraktion mit ins Spiel, denn ohne die Techs wäre der Unterwasserausflug niemals umsetzbar. Mit den Techs betreiben wir Forschung und mit den daraus resultierenden Spezialfähigkeiten können wir Ressourcen abbauen, die uns sonst verwehrt wären. Sie können allerdings auch bei anderen Problemen in Anno 2070 helfen, beispielsweise die von den Tycoons verschmutze Umwelt mit Techniken der Ecos aufbessern oder die Effizienz von Windkrafträdern verbessern. Optisch hat sich seit dem letzten PC-Serienableger kaum etwas getan. Die eigentliche Grafik hat sich nur geringfügig verbessert, vielmehr haben die Entwickler kleine Details eingebaut, wie kleine Tänzer, die auf der Marktplatte tanzen und die gesamte Atmosphäre aufwerten. Die Umgebung sieht trotz der futuristischen Darstellung atemberaubend aus, die Wolkenkratzer und andere moderne Gebäude machen die gesamte Stadt zu einer wahren Augenweide, wo viele kleine Autos umherfliegen und die Unterwasserwelt sieht angenehm konzipiert aus. Wer die Ecos spielt, wird in Anno 2070 genug von der schönen Natur erleben, denn das gesamte Bild wirkt hier nicht so düster, wie sich wohl viele Menschen die Zukunft vorstellen. Auf den Seiten der Tycoons hingegen werdet ihr eine riesige und lebendige Stadt erleben, welche in künstlichen Lichtern und riesigen Werbebanner untergeht – beeindruckend hässlich!

Geschrieben von Julian Warkentin

Axels Prognose (basierend auf der Ubisoft-Präsentation): Anno 2070 muss sich nicht hinter seinen Vorgängern verstecken. Für viele Fans war es unbegreiflich, dass sich die Entwickler vom altertümlichen Setting verabschiedet haben und sich stattdessen auf die Zukunft konzentrieren, aber erfahrene und langjährige Spieler der Serie merken sofort, dass sich das Grundgerüst über die Jahre kaum verändert hat. Wir bekommen verschiedene Fraktionen geboten, mit denen wir uns im Verlauf des Spiels verbünden können, um die Fähigkeiten und Techniken untereinander auszutauschen. Faszinierend ist auch die Möglichkeit Unterwasserstädte zu erschaffen, um somit das Abbauen von Rohstoffen zu beschleunigen, da es unter dem Meeresspiegel durchaus große Reserven gibt. Imponiert hat mir die Grafik, welche durch viele kleine Details und dem futuristischen Erscheinungsbild zu beeindrucken weiß. Die Städte sind zugebaut mit riesigen Wolkenkratzern, überall fliegen kleine Autos durch die Gegend und die Straßen sind gefüllt mit Menschen. Ich persönlich bin der Meinung, dass die Entwickler mit dem Schritt in Richtung Zukunftssimulation alles richtig gemacht haben. Selbst die treue Fangemeinde wird sich das Spiel ohne weitere Sorgen und Gedanken kaufen können und es nicht bereuen werden. Anno 2070 ist immer noch das typische Anno mit einer etwas anderen Optik, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Björns Prognose (basierend auf der Ubisoft-Präsentation): Ich hab mich nur kurz Anno 2070 gewidmet, aber was mir gezeigt wurde, hat mir durchaus gefallen. Das futuristische Setting gibt der Serie zahlreiche Freiräume, die sie auch üppig nutzt. So können wir auch erstmals unter der Meeresoberfläche Anbau betreiben oder unsere Bevölkerung durch riesige Video-Leinwände beeinflussen. Insbesondere finde ich die Ansätze für den Online-Modus interessant. Die Parlamentswahlen, bei denen jeder Spieler wöchentlich entscheiden kann, ob die Welt von Anno 2070 von Ecos, Tycoons oder den Wissenschaftlern regiert werden soll, sind zwar nur Kleinigkeiten, verleihen solch einem Spiel aber den letzten Schliff. Im Mittelpunkt wird aber das ewige Abwegen zwischen Umweltbewusstsein und Profit stehen – so kann Anno 2070 sogar als Grundlage für philosophische Überlegungen genommen werden. Mein Interesse wurde jedenfalls geweckt, auch wenn ich normalerweise PC-Spielen eher aus dem Weg gehe.

Julians Prognose (basierend auf der Ubisoft-Präsentation): Ich muss es sofort sagen – Anno 2070 ist trotz Befürchtungen meilenweit von einem schlechten Spiel entfernt. Wie andere Anno-Fans stand auch ich der Verlagerung der inhaltlichen Handlungszeit von der frühen Neuzeit und des Spätmittelalters hin zum futuristischen Setting skeptisch gegenüber. Diese altertümliche Welt habe ich seit der Veröffentlichung von Anno 1602 lieb gewonnen, doch auch die Zukunftsaussicht protzt mit Innovation und überlegten Neuerungen, dass der neue Ableger einfach nicht schlecht werden kann. Zwar muss ich mich an die Umstellung der Epochen gewöhnen müssen, aber dafür kann ich das Schicksal der Entwicklung meines Volkes selbst in die Hand nehmen. Ich darf entscheiden, ob ich als kapitalistischer Boss regiere oder mein Volk in naturreichen Städten unterbringe. Mir gefällt die dynamische Welt, denn dass die ganze Umgebung auf mein Handeln reagiert, ist einfach einzigartig. Ich denke, dass die Entwickler einen gewagten Schritt machen und sie es anfangs vielleicht schwer haben werden, die Community von ihrer utopischen oder auch dystopischen Zukunftsaussicht zu überzeugen. Trotzdem denke ich, dass sie in kurzer Zeit positiven Zuspruch finden werden. Ein weiterer Serienteil in der Vergangenheit wäre unter Umständen auch langweilig gewesen, da die Entwickler die Geschichte unserer Welt sicherlich nicht neu hätten erzählen können. Anno 2070 wird sicherlich ein Kassenschlager werden und ich werde mir die Chance nicht entgehen lassen, ein Exemplar in meine Sammlung wandern zu lassen und in die ganz neue Welt aufzubrechen.

Vielen Dank an Ubisoft für die freundliche Einladung zum Event in Köln!

2 Kommentare zu “Preview: Anno 2070

  1. @critsch
    In gewisser Hinsicht schon! Allerdings werden die Fraktionen im Spielverlauf theoretisch geeint. Man kann die Technologie anderer Fraktionen irgendwann übernehmen, um so effektiver zu bauen. So nimmt man produktionsstarke Fabriken der Tycoons und kombiniert diese mit Strom aus erneuerbaren Energien (Windkraftwerke als Beispiel) der Ecos. Dann gibt es auch noch die technisch interessierten Techs. Im Endeffekt kannst du die besten Eigenschaften aller Fraktionen zusammenwerfen oder auch die schlechtesten, wenn du auf die Zerstörung der Umwelt aus bist 😀

  2. Um ehrlich zu sein habe ich abgesehen von den DS Ablegern seit Anno 1602 kein Anno mehr gespielt. Aber diesen Teil werde ich bestimmt im Auge behalten. Was ist sehr gut finde, ist, dass sich die Fraktionen anscheinend relativ stark voneinnader unterscheiden.

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