Wer sich Serien wie X-Factor: Das Unfassbare anschaut, wird sie spätestens daher kennen. Die Rede ist von Medien, die mit übersinnlichen Kräften es schaffen, entführte oder verloren gegangene Personen wieder zu finden. Diese Thematik greift Beyond: Die rätselhafte Entführung der Amy Noble auf.
Koski, ein Ermittler bei der Polizei in Alaska, hat es sich zum Ziel gesetzt, Entführungen von kleinen Kindern aufzuklären und die Verbrecher zu stellen. Für die Entführer enden Koskis Fälle allerdings oft mit dem Tod, denn der Detective hat selbst einiges zu verarbeiten. Eines Tages wird jedoch die Nichte von seinem Vorgesetzen entführt. Da ist es selbstverständlich, dass Koski alles daran setzen wird, um Amy Noble aus den Fängen der Entführer zu befreien. Dies entpuppt sich allerdings als schwieriger, als erwartet. Anscheinend ist sein Gegenspieler ihm überlegen, denn im ganzen Haus gibt es keinerlei Spuren. Alle Tatverdächtigen, sprich in erster Linie Amys Familie, haben zudem allesamt Motive für die Entführung. Die Eltern sind zerstritten. Sarah hat mittlerweile die Scheidung eingereichet und Jim hat finanzielle Sorgen. Als dann auch noch eine Lösgeldforderung eingeht, rücken selbst die Babysitterin und ein aus dem Fernsehen bekanntes Medium in den Mittelpunkt der Ermittlung. Jetzt liegt es an Koski, um die Ermittlung zu leiten, die Entführer zu stellen und selbst die finstere Konfrontation mit seiner eigenen Vergangenheit zu durchleben. Obwohl Koski und das Medium zu Beginn sehr unterschiedliche Ansichten zu haben scheinen, arbeiten sie dennoch schon bald gemeinsam am Fall, um ihn zu lösen und Amy zu retten. Koskis Einstellung ändert sich dadurch alsbald grundlegend.
Übersinnliche Polizeiarbeit
Beyond: Die rätselhafte Entführung der Amy Noble begibt sich mit der Medienthematik auf dünnes Eis. Die Verbindung aus Polizeiarbeit und übersinnlichen Fähigkeiten geben glatt den Startschuss für eine neue Mystery-Serie, zumal man sich vielerlei Ideen bedienen könnte. Das macht der Film mit Jon Voight in der Hauptrolle allerdings nicht. Er versucht gradlinig zum Ende zu kommen und genau da, wo die Eingebungen des Mediums eintreten, passen sie auch wunderbar in die Handlung. Dabei wird allerdings vergessen, verstärkt auf die Emotionen und Gefühle der Charaktere einzugehen. So jagen Jon Voight und Julian Morris von einem Tatort zum nächsten, ohne dabei ihre eigenen Leben zu durchleuchten. Es gibt zu viele Hintergründe in Beyond – zu viele, um sie in 91 Minuten Laufzeit unterzubringen. So wirkt das Ende des Streifens abgehakt und verkürzt. Obwohl die Auflösung für sich genommen logisch erscheint, wird sie in einer der letzten Szenen einfach abgearbeitet. Wenn Regisseur Josef Rusnak sich hier mehr Zeit genommen, kurzum den Film um einige Minuten verlängert hätte, wäre das Endergebnis weitaus zufriedenstellender. So ergänzen sich Polizeiarbeit und die übersinnliche Kraft des Mediums, um die Story zu einem positiven Abschluss zu bringen. Trotzdem bleiben ein paar Fragen, die nicht gänzlich gelöst werden. Diese hier aufzuführen, würde allerdings zu unnötigen Spoilern führen. Grundsätzlich dreht sich die Geschichte mehr um Koski, als um Amy.
Cover für Sammler
Jon Voight macht auch in Beyond eine gute Figur, selbst wenn es wohl bei weitem nicht seine beste Rolle gewesen sein mag. Die anderen Darsteller wirken natürlich, was sich positiv auf die ernste Atmosphäre auswirkt. Wer des Englischen mächtig ist, darf sich den Film gerne mit dem Originalton mit zuschaltbaren deutschen oder niederländischen Untertiteln anschauen. Die deutschsprachige Synchronisation kann sich aber ebenfalls behaupten. Das Geschehen wird dabei mit einem meist sehr ruhigen Soundtrack unterlegt, um die düstere Atmosphäre, egal ob bei Tag- oder Nachtszenen, im Schnee von Alaska zum Ausdruck bringen. Beide Tonspuren liegen auf der Blu-ray in DTS-HD Master Audio 5.1 vor. Das Bildformat in 1080p wird auf einem 16:9-Fernseher im Format 2,40:1 ausgegeben. Das heißt, dass schwarze Balken sowohl am oberen, als auch am unteren Bildschirmrand ersichtlich sind. Neben ein paar Trailern zu dem einen oder anderen Film, liegt der Disc leider kein Bonusmaterial bei. Das ist sehr schade, zumal wir gerne einige Worte vom Regisseur zur aufgefassten Thematik in Beyond gehört hätten. Für Sammler bietet die Blu-ray-Fassung zudem ein Wendecover ohne FSK-Logo. Das freut uns, da Beyond über eines der schönsten Cover der letzten Jahre verfügt. Auf weißem Untergrund ist hier eine Silhouette von Koski zu sehen, in der sich wiederum einige Szenen des Films widerspiegeln. Fans von Jon Voight und übersinnlicher Polizeiarbeit greifen zu, alle anderen können sich auch mit einer Folge aus der Reihe X-Factor begnügen.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Jon Voight ist einer der amerikanischen Schauspieler, der leider viel zu selten in wichtigen Produktionen in Erscheinung tritt. Umso mehr habe ich mich über das Rezensionsexemplars von Beyond: Die rätselhafte Entführung der Amy Noble gefreut. Als Detective Koski macht Jon Voight eine mehr als gute Figur, wenn auch andere Rollen wie Jim Phelps im Kinofilm zur Serie Mission: Impossible weitaus besser sein Schauspieltalent zum Ausdruck gebracht haben. Beyond hat mir auf der einen Seite gefallen, da grundsätzlich alle Darsteller neben Voight eine Natürlichkeit ausstrahlen, um die Ernsthaftigkeit der Thematik zum Ausdruck zu bringen. Zudem wirkt das Landschaftsbild mit der düsteren Musikuntermalung stimmig. Hier wünscht man sich fast, man wäre bei der Aufklärung des Falls an der Seite von Voight und Morris dabei. Apropos Morris: Man kann von einem Medium halten was man möchte, Beyond hätte ohne Hinzutun dieses Aspekts nicht funktioniert. Ich finde es nur sehr schade, dass diese Übersinnlichkeit Überhand gewinnt und die Charaktere dadurch nicht mehr so wirklich zur Geltung kommen. Beyond ist und bleibt ein Film, den man aufgrund ein paar offener Fragen, dem viel zu kurzen Storytwist am Ende der Handlung und wenig emotionsreichen Charakteren am besten an einem verregneten Sonntagnachmittag anschauen sollte.
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Beyond: Die rätselhafte Entführung der Amy Noble!