Review: Steel Diver

Steel Diver war einer der ersten Nintendo-3DS-Titel, der aber trotz der geringen Anzahl an Spielen für Nintendos neuen Handheld in deren Menge untergegangen ist. Wer für den Urlaub am Stand jetzt aber noch ein Spiel für zwischendurch braucht, ist mit Steel Diver gut beraten.

Wir schreiben das Jahr 19XX. Ein Land im Herzen von Europa strebt nach der Weltherrschaft und annektiert die umliegenden Staaten, um dieses Ziel zu erreichen. Wer jetzt an das Regime der deutschen Nationalsozialisten in den Dreizigern und Vierzigern des letzten Jahrhunderts denkt, liegt mit seiner Vermutung gar nicht mal so verkehrt. Die Entwickler betiteln zwar an keiner Stelle eine Ähnlichkeit zur Realität, doch aufgrund der eingesetzten Technik, die wir in Steel Diver erfahren, ist eine eigens verknüpfte Verbindung zum Zweiten Weltkrieg nicht von der Hand zu weisen. Wir schlüpfen in die Rolle von drei neuen Rekruten, die jeweils über ein Unterseeboot verfügen. In der Spezialeinheit Steel Diver erhalten wir unsere Befehle vom Flottenkommando der Marine und kämpfen uns in sieben Missionen von Mitteleuropa bis zur Arktis vor, um den Frieden in Europa zu sichern. Die Missionsziele sind dabei eindeutig. Uns wurde zwar auferlegt, uns zu verteidigen und die Lage zu überwachen, doch ohne den Angriff gegen den Feind geht es nicht. Zwar können wir feindlichen Unterseebooten ausweichen, aber dann und wann müssen wir einfach einen Torpedo abfeuern, um den Eingang zu einer Höhle freizulegen, Minen zur Explosion zu bringen oder Eisberge in Bewegung zu setzen. Es nützt aber nichts, jede Mission einmal zu absolvieren, denn um die letzten beiden Mission spielen zu können, müssen wir jedes Level zwangsläufig mit allen drei U-Booten absolvieren.

Motivationswecker

Das klingt erst einmal viel und vor allem unnötig in die Länge gezogen. Das ist es im Grunde auch, doch die einzelnen Missionen sind in der Regel unter zehn Minuten zu schaffen. Da ist es für jüngere und unerfahrene Spieler eher ärgerlich, dass wir bei Zerstörung des U-Boots den gesamten Spielabschnitt von vorne beginnen müssen. Kontrollpunkte gibt es in den sehr linearen Levels nicht. Nach den ersten weniger gut ausgegangenen Missionen wollen wir den Handheld aus den Händen legen, doch genau dann juckt es uns wieder in den Fingern. Durch diesen Rückschritt schaffen es die Entwickler in uns eine schon lange nicht mehr so präsente Motivation zu wecken. Wer sich einmal in das Gameplay reingefuchst hat, wird sehr schnell auch die restlichen Missionen erfüllen wollen. Während diesen Spezialmissionen erleben wir das Geschehen aus der Seitenansicht, was dem Überblick sehr gut tut. Die Steuerung ist aber nicht nur das größte Hindernis, sondern zugleich auch noch das wichtigste Spielelement in der Unterseeboot-Simulation. Wir bewegen unser U-Boot nämlich nicht über das Schiebepad und Aktionen führen wir ebenso wenig über die Aktionstasten aus. Das gesamte Kontrollschema ist auf dem Touchscreen abgebildet. Hier regeln wir die Geschwindigkeit unseres Schiffs und stellen ebenfalls ein, mit welchem Tempo wir auftauchen oder sinken wollen. Ebenfalls wird die Anzahl an Torpedos angezeigt. Der Hinweis auf den Sauerstoffvorrat fehlt auch nicht.

Steuerung als Hauptspielelement

Letzterer ist aber nur insofern wichtig, um den Masker einsetzen zu können. Wenn der Feind mit zielsuchenden Torpedos auf uns Jagd macht, sollten wir ihn schnell einsetzen, damit das Geschoss unser Unterseeboot nicht so schnell aufspüren kann und von seinem Kurs abweicht. Die Steuerung ist ebenfalls von der Größe des U-Boots abhängig. Die Manatee ist das kleinste der drei Schiffe und verfügt über jeweils ein automatisch nachladbares Torpedo, welches in Fahrtrichtung oder vertikal nach oben geschossen werden kann. Aufgrund der kleinen Bauart können wir mit der Manatee Geschossen ein wenig schneller ausweichen, als beispielsweise mit der BlueShark. Diese verfügt dafür direkt über zwei Torpedos, die wir geradeaus abfeuern dürfen und zudem über einen Neigungsregler. Dieser ist leicht zu kontrollieren, da nur wenige Grad zum Manövrieren zur Verfügung stehen. Komplizierter wird es mit der Serpent. Sie ist das größte der drei zur Verfügung stehenden U-Boote. Treffer können ihr nur wenig anhaben, doch unzerstörbar ist das mit vier fast gleichzeitig einsetzbaren Torpedos natürlich nicht. Mit dem 360-Grad-Neigungsregler ist sie zudem schwerfälliger zu bedienen. Trotzdem haben wir uns sehr schnell an alle drei Fahrzeuge gewöhnt und nach einer kurzen Einarbeitungszeit sind die Unterschiede auch deutlich zu bemerken. Diese Abweichungen sind für das Spielerlebnis spürbar wichtig, da wir so in allen Spielabschnitten teils unterschiedlich vorgehen müssen.

Embleme für das U-Boot

Haben wir das Ziel eines Spielabschnitts erfüllt, also das Level-Ende erreicht oder auch einen bestimmten Gegner besiegt, geht es in der Bonusrunde munter weiter. Das Geschehen sehen wir hier allerdings aus der Periskopsicht. Hier haben sich die Entwickler aber einen mehr oder weniger fatalen Fehler erlaubt, denn um die Sicht zu verändern, müssen wir den 3DS in 360 Grad drehen. Wem also beim Drehen im Stehen und bei eingeschaltetem Tiefeneffekt schnell schlecht wird oder auch keinen drehbaren Bürostuhl zur Hand hat, kann die Spielerei absolut nicht gewinnen. Hier hätten wir uns gefreut, wenn wir optional auch das Schiebepad zur Hilfe hätten nehmen können. Persönlich hat uns die Spielerei aber gut gefallen, da bei uns besagte Probleme nicht vorliegen. Für jedes in diesem Modus abgeschossene Schiff oder U-Boot erhalten wir zudem Embleme. Haben wir genug von einer Sorte gesammelt, dürfen wir das Abzeichen auf unser Unterseeboot kleben und so spezielle Boni genießen, beispielsweise nur halben Schaden bei Minenexplosionen zu nehmen oder das Zeitlimit um eine ganze Minute zu erhöhen. Die Einstellung dürfen wir bei vorhandenen Emblemen also hervorragend an unsere Erfahrung und unser Spielerlebnis anpassen. Das sehen wir gerne. Wer bei den Missionen wie wir erst nicht erfolgreich ist, dem empfehlen wir ganz einfach, den Periskopmodus außerhalb des normalen Spielablaufs zu üben und Bestleistungen aufzustellen. Das hilf enorm!

Schiffe versenken

Der dritte Spielmodus im Bunde ist die Seeschlacht. Dieser Modus weicht allerdings von dem action-orientierten Missionsdesign ab und entpuppt sich als reines Strategiespielchen. Wer jetzt aber auf ein taktisches Spiel á la Fire Emblem oder Advance Wars hofft, wird enttäuscht – das ist die Seeschlacht auf keinen Fall. Auf hexagonförmigen Feldern verschieben wir einzig und allein unsere Begleitschiffe, die Versorgungsschiffe und unser U-Boot. Mit dem U-Boot können wir den Sonar einsetzen, um die möglichen Aufenthaltsorte der gegnerischen Schiffe zu entlarven. Im Falle des gegnerischen U-Boots würde das sogar Sinn ergeben, doch da das Spielfeld nicht sonderlich groß ist, sollte man die Schiffe des Gegners aber auch ohne Sonar erkennen können – schließlich fahren sie oberirdisch. Mit den Begleitschiffen können wir bei Vermutung auf den Feind auch explosives Material ins Meer fallen lassen, um das U-Boot zu versenken. Da ist aber eine große Portion Glück dabei, da sich das U-Boot in fünfzig, hundert oder hundertfünfzig Metern Tiefe befinden kann. Auch wenn der Gegner seinen Zug macht, kann sich die Position in der Tiefe des feindlichen Unterseeboots verändern. Das Spiel wirkt wie eine aufgesetzte Version von Schiffe versenken. An dieser Stelle raten wir doch eher zum Spiel mit Bleistift und Papier, da dieses weitaus logischer durchdacht ist. Nett ist aber, dass die Seeschlacht auch mit nur einer Cartridge und zwei 3DS-Systemen zu zweit spielbar ist.

Atmosphärischer Unterwasser-Ausflug

Schade ist allerdings, dass Nintendo auf eine Online-Funktionalität verzichtet hat. Ranglisten bringen so nur dem Spieler etwas, der sich entweder immer nur selbst verbessern möchte oder seine Cartridge auch mal an Freunde ausleiht. Da hätten wir mehr von Nintendo erwartet. Optisch hingegen ordnet sich der recht frühe 3DS-Titel im oberen Mittelmaß an. Durch den Tiefeneffekt sind die Spezialmissionen sehr atmosphärisch. Dadurch dass sich das U-Boot immer im vorderen Bereich des Bildschirms befindet, wirkt die Unterseewelt im Hintergrund viel stimmiger. Die verwendeten Explosionseffekte sind das einzige, was wir uns vielleicht noch etwas hübscher hätten vorstellen können – deplatziert wirken sie im Gesamtwerk aber nicht. Hervorragend zur Atmosphäre passen die Sonar-Geräusche unseres Unterseeboots – fast im Sekundentakt bekommen wir das Gefühl vermittelt, wir würden tatsächlich in einem U-Boot die sieben Weltmeere unsicher machen. Auf den Boden der Tatsachen holt uns dann aber die recht kurze Spielzeit zurück. Wer alle Spezialmissionen und auch die Missionen mit Zeitbegrenzung abschließen will, wird gerade einmal circa acht bis neun Stunden an den 3DS gefesselt. Wer Gefallen an den Seeschlachten findet, bekommt bis zu zwei weitere Stunden Spielspaß mit dem mobilen Krieg für die U-Bahn geliefert. Mit Steel Diver erhalten wir zwar keine waschechte U-Boot-Simulation wie Silent Hunter 5, aber einen angenehmen Einstieg in das Genre.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Mit U-Boot-Simulationen habe ich mich bisher noch nie beschäftigt gehabt. Ich habe mich für dieses Genre ehrlich gesagt bis zum Erscheinen von Steel Diver auch gar nicht interessiert. Jetzt hat der Titel allerdings mein Interesse auf das Genre geweckt. Auch wenn es mich gerade einmal nur sechs Stunden gekostet hat, bis ich das letzte Gefecht in Steel Diver ausgetragen habe, werde ich das Spiel aber auf jeden Fall noch das eine oder andere Mal in den Schacht meines 3DS stecken. Irgendwie motivieren mich die Missionen zunehmend. Ich ertappe mich öfters dabei, wie ich versuche, noch schneller ans Ziel zu kommen und das dann meist auch noch so friedlich wie möglich. Unnötiges Verschießen von Torpedos versuche ich zu vermeiden, auch wenn ich von diesen entgegen den Gesetzen der Physik unendlich viele besitze. Die Story, die aber bis auf eine kurze und knappe Einleitung so gut wie gar nicht präsent ist, versucht mich für eine unbekannte Nation pazifistisch zu erziehen. Zugegeben – das liegt zum einen an der teils kniffligen Steuerung, doch auch abgesehen davon hat das bisher noch kein Titel bei mir zuvor geschafft (es sei denn ich würde mit einem Vergehen Punkteabzug erhalten). Steel Diver ist sicherlich nicht das Musterexemplar einer U-Boot-Simulation. Das machen Spiele wie Silent Hunter 5 deutlich besser. Wenn sich Nintendo jetzt aber ein noch komplexeres System für einen möglichen Nachfolger ausdenkt, werde ich aber auf jeden Fall wieder zuschlagen.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Steel Diver!

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