Vor zehn Jahren legte Bandai Namco den Grundstein zu einem beliebten Franchise auf der PlayStation 2. Seitdem hat sich .hack in ein richtiges Universum verwandelt, in dem nicht nur Romane, Mangas und Videospiele, sondern auch Animes platz finden.
Als aktuellster Ableger von .hack ist .hack//Quantum (laut Wikipedia) chronologisch am Ende der bisherigen Handlung angesiedelt. Dem können wir nur beipflichten, denn wenn man sich zuvor nicht mit den Videospielen beschäftigt hat, ist die in diesem Anime aufgegriffene Story schier und einfach nicht zu verstehen. Diese soll im Japan der Zukunft angesiedelt sein. Über eine Million Nutzer spielen das Online-Rollenspiel The World R:X. Alle Spieler versinken dabei in eine fantastische Welt jenseits jeder Vorstellungskraft. Tobias, Meari und Sakuya sind nur drei der Charaktere, die sich in The World R:X tummeln. Gemeinsam bilden sie eine Gruppe und machen sich auf dem Weg, um ein neues Quest zu lösen. Durch eine ganze Reihe von merkwürdigen Zufällen, in denen Teile der Welt plötzlich verschwinden oder Objekte in der Spielwelt gehackt werden, geraten die drei Freunde mitsamt ihren drei Charakteren in ein Abenteuer, in dem auch ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht. So wird die Verbindung eines der drei Mädchen während des Spielens unterbrochen und da man sich in das Spiel ähnlich wie in Caprica (Prequel zur aktuellen Battlestar-Galactica-Serie) über Holobänder einloggen kann, wird so das Bewusstsein der Nutzerin vollständig getrennt. Das passiert in der Welt von .hack anscheinend öfters, doch ist das für alle Menschen völlig normal und nicht unheimlich.
Kritik am eigenen Produkt
Trotz dieser merkwürdig angenommenen und arrangierten Normalität ist .hack//Quantum aber dennoch ein Anime, der sein Produkt im Produkt (The World R:X) stark kritisiert. So wird dem Zuschauer vermittelt, dass das reale Leben, etwa für die Schule zu lernen oder etwas mit seiner Familie und Freunden zu unternehmen, viel wichtiger als ein Computerspiel ist. Dieser pädagogische Einfluss ist für einen solchen Anime eher ungewohnt, doch begrüßen wir diesen Schritt, auch wenn er nicht ganz so viel Gewicht hätte, wie beispielsweise ein Film zu einem wirklich existenten Online-Rollenspiel. Firmen wie Blizzard dürfen sich an dieser Stelle sehr gerne angesprochen fühlen! Abgesehen von dieser Tatsache stellt .hack//Quantum die Marke im Einklang dar, lässt sich dabei aber keinerlei Zeit, die Charaktere und die Hintergründe zu erläutern. Das finden wir sehr schade, da so tatsächlich nur Fans und vor allem Kenner des Franchises den Anime durchgehend verstehen werden. Das ist für den Regisseur des Films, Masaki Tachibana, sehr ungewohnt. Dieser hat nämlich bereits mit Tokyo Magnitude 8.0 sehr wohl gezeigt, dass er Charakterentwicklungen mitsamt einer hintergründigen Welt vollwertig einfangen kann. Da finden wir es zudem auch sehr schade, dass auf der Blu-ray kein Bonusmaterial vorhanden ist, die dieses Manko eventuell hätten ausgleichen können.
Anime für Kenner und Fans
Beispielsweise hätten wir uns über eine Zusammenfassung der Handlung der Spiele, wie wir es zum Beispiel aus Final Fantasy VII: Advent Children kennen, sehr gefreut. Erläuterungen und Erklärungen zum .hack-Universum wären sogar das Nonplusultra gewesen. Einzig allein ein paar Trailer zu anderen Animes bewegen uns dazu, die Disc nach dem 76-minütigen Film nicht aus dem Abspielgerät zu entnehmen. Der Anime im 16:9-Format (1,78:1) und in 1080p hat ein schönes Bild, dass aber zwischen scharfen Konturen und verwaschenen Hintergründen öfters wechselt. Auch die Animationen gehören nicht unbedingt zum besten, was wir bisher in Animes gesehen haben. Das ist trotzdem ausreichend für einen Anime zu einem zehn Jahre alten Franchise. Weniger erfreulich ist die deutsche Tonspur. Es befinden sich zwar durchaus passende Synchronsprecher im Synchronisationsteam, doch sprechen alle Charaktere in teils unterschiedlichen Lautstärken miteinander. Teilweise nuscheln sie auch ein wenig, weshalb mehr als genaues Zuhören angebracht ist. Im Originalton verleihen die japanischen Sprecher ihren Charakteren deutlich mehr Glaubhaftigkeit, doch ist diese Tonspur nur mit deutschen Untertiteln abspielbar. .hack//Quantum ist ein Anime, welcher sich nur an Kenner von .hack richtet und keinesfalls an jeden Anime-Fan, wie es auf der Verpackung proklamiert wird.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich muss gestehen, dass ich bisher noch keinen Kontakt mit dem Franchise hatte und so war es für mich auch schwer, mich mit der Welt von .hack//Quantum zu identifizieren und ebenso die Handlung zu verstehen. Diese ist in meinen Augen nämlich äußerst wirr, da kaum Erklärungen zu den Charakteren und nur selten zur Welt gegeben werden. Ich musste also beim Anschauen also jegliche Information für sich genommen aufnehmen und richtig interpretieren – wenn man das Franchise, sprich die Spiele und Romane, nicht kennt, ist das schier ein Ding der Unmöglichkeit! Interessant finde ich aber, dass die Köpfe hinter dem Projekt ihr Produkt im Produkt, also das Online-Rollenspiel The World R:X, stark kritisieren. So etwas würde ich mir mal zu richtigen Online-Rollenspielen (unabhängig von deren Qualität) wünschen, doch zurück zu .hack//Quantum. Obwohl ich die Idee des Animes und der Intention hinter dem gesamten Franchise toll finde, hätte ich mich über Bonusmaterial zu weiteren Informationen darüber auf der Disc doch sehr gefreut. So ist und bleibt .hack//Quantum ein Anime zu einem Franchise, welches tatsächlich nur für Fans und Kenner von .hack geeignet ist. Alle anderen werden sich genauso wie meine Wenigkeit 76 Minuten lang fragen, welche Absicht hinter dem Projekt eigentlich steht.
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von .hack//Quantum!